Annette Mingels Roman “Was alles war”

Der Roman einer echt krassen Herde

Am 27. November 2017 hatte ich das Vergnügen in Berlin die Laudatio zu halten anlässlich der Verleihung des Buchpreises 2017 der Stiftung Ravensburger Verlag an Annette Mingels für ihren Roman „Was alles war“. Es ist ein genau gearbeiteter, kluger Roman, der vor Augen führt, wie sehr sich das Verständnis von Familie in einer liberalen Gesellschaft heute verändert hat. Schon deshalb hat es mir Freude gemacht, eine Rede lang das Loblied auf dieses Buch zu singen.

Liebe Frau Hess-Maier,
sehr geehrter Herr Hauenstein,
sehr verehrte Damen und Herren,
vor allem aber: Liebe Frau Mingels,

wenn wir wissen wollen, in welcher Epoche wir leben, sollten wir gut zählen können. Früher einmal machte man es sich einfach und nannte unser Zeitalter die Moderne, der wir mit bürgerlicher Gesellschaft, individueller Freiheit und Demokratie fast alles verdanken, was unser politisches Denken bis heute prägt. Aber es ist noch nicht lange her, rund 30 oder 35 Jahre, als die Soziologen Anthony Giddens und Ulrich Beck beschrieben, wie sich diese gesellschaftlichen Grundlagen durch die Globalisierung, aber auch die Flexibilisierung der Arbeitswelt gleichermaßen zu radikalisieren und aufzulösen begannen – und nannten diese Entwicklung die Zweite Moderne. In der jüngsten Zeit beginnt nun die digitale Revolution diesen Prozess noch weiter zu beschleunigen, die Freiheiten des Einzelnen von gesellschaftlichen Zwängen scheinen immer größer, die Welt immer kleiner zu werden, aber verwirrenderweise ist gleichzeitig auch das Gegenteil richtig, denn es scheinen sich im Zugriff von Big Data sämtliche Freiheiten zu verflüchtigen und auf die Grenzenlosigkeit der Gegenwart eine neue Sehnsucht nach politischen Grenzen, Mauern, Zäunen zu antworten – was jetzt die Dritte Moderne genannt wird.

Wer heute einen Roman über unsere Gegenwart schreiben will, sollte also mindestens bis Drei zählen können. Denn man kann Geschichten von Menschen in unserer Zeit nicht erzählen, wenn man sich nicht auch ein Bild von dieser Zeit macht. Das sollte allerdings nicht das Bild der Soziologen sein, deren Geschichten immer von gesellschaftlichen Gruppen und Prozessen handeln, sondern im Roman müssen es die Bilder sein, die einzelne Figuren sich von ihrem Zeitalter machen, während diese Einzelnen zugleich von ihrem Zeitalter “gemacht” werden. Das ist klein leichtes Geschäft.

In ihrem Roman „Was alles war“ ist Annette Mingels diesem schwierigen Geschäft glanzvoll nachgegangen. Und sie hat es sich dabei alles andere als einfach gemacht. Denn sie erzählt von einigen der wichtigsten und zugleich ungreifbarsten, den prägendsten und zugleich ambivalentesten Faktoren, die ein Leben beeinflussen: Sie erzählt von dem Geflecht der Familienbindungen. Und davon, wie sich dieses Geflecht in einer dreifach gestaffelten, ersten, zweiten, dritten Moderne verändert, um das bleiben zu können, was es ist: ein Netz, das den Einzelnen wenn möglich nicht einfängt und fesselt, sondern auffängt und ihm Halt bietet.

Die Hauptfigur, von der Annette Mingels in ihrem Roman erzählt, ist eine kluge Frau. Sie heißt Susanna, erforscht als Meeresbiologin das Liebesleben der Plattwürmer, hat aber auch mit dem Liebesleben der Menschen schon ein paar Erfahrung gesammelt und kann verdammt gut bis Drei zählen. Sie könnte hier bei uns in diesem Saal sitzen, die Erkenntnisse der aktuellen Soziologie würden sie nicht überraschen, denn sie geht mit offenen Augen durch ihre Zeit und weiß sehr genau, wie tiefgreifend sich Familie in der liberalen Welt des Westens verändert hat.

Annette Mingels: "Was alles war". Roman. Knaus Verlag. 19,99 Euro

Denn Susanna ist – wie uns allen auch – in diesem Zeitalter die Freiheit der Entscheidung geschenkt worden. In Susannas Familienleben wird das besonders deutlich: Sie ist von ihren Eltern adoptiert worden, ihre Eltern haben sich also sehr bewusst für sie entschieden. Und ihre leibliche Mutter Viola hatte sich zuvor die Freiheit genommen, sie und ihre drei Geschwister zur Adoption freizugeben, weil sie, wie sie Susanna einmal schreibt, „seit jeher vor der Abhängigkeit in jeder Form zurückschreckt“. Aber damit nicht genug der Entscheidungen: Als sich Susanna in einen jungen Witwer namens Henryk mit zwei kleinen Töchtern verliebt, steht sie vor der Entscheidung nicht nur für oder gegen eine Ehe, sondern zugleich vor der für oder gegen eine Patchwork-Mutterschaft. Und die modernen Verhütungsmittel verschaffen ihr die Möglichkeit, sich für oder gegen ein drittes, gemeinsames Kind mit ihrem Mann zu entscheiden, um das familiäre Patchwork noch ein wenig bunter zu machen. Und als Henryk den lang ersehnten Ruf erhält, als Professor an einer Universität zu unterrichten, die aber unglücklicherweise fernab von jedem meeresbiologischen Institut liegt, ermöglicht Susanna das moderne Scheidungsrecht sich frei zu entscheiden zwischen ihrer beruflichen Selbstständigkeit als Alleinerziehende in ihrer vertrauten Küstenstadt  oder dem Leben als einer Fernpendler-Mutter und -Wissenschaftlerin  oder eben auch als Ehefrau, die ihre persönlichen Berufschancen eintauscht gegen die traditionelle Familienbindung.

Doch spätestens bei dem letztgenannten Entscheidungsszenario wird überdeutlich, wie zynisch es ist, noch von der Freiheit zur Entscheidung zu sprechen, obwohl es sich doch unverkennbar um einen Entscheidungszwang handelt, der die Heldin Susanna, gleichgültig wie sie sich entscheidet, zu zerreißen droht. Denn das macht die Schattenseite jener umfassenden Liberalisierungen aus, vor die wir uns durch die Entwicklungslogik der modernen Gesellschaft gestellt sehen: Sie befreit uns von lauter überkommenen sozialen Zwängen, um uns im Gegenzug vor den Zwang zu unseren ganz persönlichen Entscheidungen zu stellen, die dann unsere Verantwortung ausmachen.

Zu dem Großartigen an Annette Mingels Roman gehört, dass er diese Dialektik der gewachsenen Freiheiten nicht beklagt, denn wer würde sich schon die angeblich so guten alten Zeiten der Unfreiheit zurückwünschen. Nein, der Roman klagt nicht über die neuen Freiheiten, sondern er beobachtet und beschreibt ihre Auswirkungen mit großer psychologischer Einfühlungskraft. Ihre kluge Heldin Susanna erlebt den permanenten Entscheidungszwang, vor den sie sich gestellt sieht, nämlich zugleich als einen Bewusstmacher, der sie dazu anhält, sich alle Möglichkeiten, Chancen, Alternativen in ihrem Leben sehr genau vor Augen zu führen, bevor sie sich entscheidet. Niemand wird behaupten, das wäre leicht, aber es sorgt doch auch dafür, das sie intensiver und eben bewusster lebt. Es ist keine Konvention, kein blindes Schicksal und auch nicht die Diktatur der Mutterschaft, die sie an ihre Ehe und Familie fesseln, sondern es ist die Wahl, die sie selbst für sich trifft.

Natürlich geht es in diesem Roman nicht um Susanna allein, das macht ja den Reiz eines Familienromans aus, dass die Entscheidungen jeder einzelnen Figur immer auch abhängig sind und zurückwirken auf die Entscheidungen anderer Figuren. Doch der Versuch zu zeigen, mit welchem erzählerischen Geschick Annette Mingels auch die anderen Figuren ihrer Geschichte mit ihren jeweiligen Wahlzwängen konfrontiert, führte hier zu weit. Beeindruckend ist auch, wie sie ihre Heldin Susanna zwischenzeitlich in der Vielzahl von Rollen, denen sie als Wissenschaftlerin, Ehefrau, Mutter und zugleich auch noch als Tochter eines sterbenden Vaters gerecht werden muss, an die Grenze ihrer Kräfte führt – und noch ein gutes Stück über diese Grenze hinaus, wo sich Susanna dann so gründlich selbst verliert, dass von ihr nicht mehr aus der Ich-Perspektive erzählt werden kann, sondern nur noch aus einer distanzierten Außenperspektive.

Annette Mingels Foto: (c) Hendrik Lüders

Aber auch das ist noch nicht alles, was in diesem Roman steckt. All das klingt nach einer sehr ernsten, sehr gewichtigen Geschichte, die hier erzählt wird, und das ist auch richtig so. Aber Annette Mingels versteht es zugleich, die wunderbaren kleinen Unvernünftigkeiten und Irrtümer ihrer Figuren mit Ironie anklingen zu lassen. Dutzendfach entdecken sie Familienähnlichkeiten zwischen Menschen, zwischen denen es zumindest aus biologischen Gründen gar keine Familienähnlichkeiten geben kann. Und als sich Susanna schließlich nach dem Tod ihres Adoptivvaters auf die Suche macht nach ihrem biologischen Vater, der von ihrer Geburt nie etwas erfahren hat, entdeckt sie genetische Zusammenhänge, über die ich hier lieber nichts verraten will, um niemanden, der den Roman noch nicht gelesen hat, eine Schlusspointe vorwegzunehmen.

Aber ich glaube, dass in diesen ironischen Momenten des Romans zugleich ein großes Stück Weisheit liegt.  Es gibt einen, wie ich finde: sehr philosophischen Film über eine Adoption, der vor einigen Jahren in historischer Verkleidung von unserer modernen Erfahrung erzählte, dass Familie heute nicht mehr unbedingt in dem Fundament der gemeinsamen Gene wurzelt, sondern auch auf der Grundlage gemeinsamer Entscheidungen sich entwickeln kann. Es ist ein Trickfilm, heute nennt man so etwas einen Animationsfilm, und ich habe ihn gemeinsam mit meinen damals noch recht kleinen Söhnen angeschaut. Er heißt „Ice Age“, spielt in einer sehr frühen Steinzeit, und handelt von einem einsamen Mammut, einem Säbelzahntiger mit Altersproblemen und einem vorlauten, ein wenig dummen Riesenfaultier namens Sid. Die drei sind von der Natur offenkundig nicht füreinander bestimmt, aber sie haben sich entschieden, zusammen zu bleiben, und sie fahren gut damit, da sich ihre Stärken und Schwächen vorteilhaft ergänzen – und außerdem adoptieren sie vorübergehend einen verlorenen Menschensäugling, um ihn zurückzubringen zu seinen Eltern. Nachdem viele Abenteuer bestanden, der Säugling beim glücklichen Vater abgegeben und die Steinzeitwelt wieder in Ordnung ist, wendet sich Sid, das Riesenfaultier vom Stamme der Shakespearischen Narren an seine beiden Begleiter und meint: „Also, ich weiß nicht, wie ihr darüber denkt, aber wir sind die krasseste Herde, die ich kenne.“

Tja, und vermutlich geht es einfach darum, nicht nur beim Zusammenleben von Mammut, Tiger und Faultier, sondern auch bei Susanna, Henryk, Henryks beiden Töchtern und ihrem gemeinsamen Sohn, dass sie bei all den Unterschieden, die sie trennen, und den aufreibenden Entscheidungs-Abenteuern, die ihnen die Moderne abverlangt, dennoch immer wieder mal zu der Überzeugung kommen, hey, wir sind die krasseste Herde, die wir kennen.

Meine Damen und Herren, ich danke für Ihre Geduld, und liebe Frau Mingels, ich gratuliere ihnen zu ihrem großartigen Roman „Was alles war“ und beglückwünsche Sie sehr herzlich zum Buchpreis der Stiftung Ravensburger Verlag 2017.

 

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Buch&Bar 123: Raymond Chandler “Der lange Abschied”

Ein Held nur aus Worten

Buch&Bar heute zum letzten Mal: Über die Macht der Literatur und die Rituale des Abschieds beim Lesen und Trinken

Raymond Chandler: "Der große Abschied". Roman. Aus dem Englischen von Hans Wollschläger. Diogenes Verlag. 12,90 Euro

Manche Schriftsteller können zaubern. Nur aus Worten erschaffen sie Figuren, die einen festen Platz in unserer Fantasie einnehmen, selbst wenn wir ihre Bücher gar nicht kennen. Raymond Chandler ist so ein Schriftsteller, und sein Held, der Privatdetektiv Philip Marlowe, ist so eine Figur.

Marlowe lebt in einer aus den Fugen geratenen Gesellschaft und bewegt sich in ihr wie ein Fisch im Wasser. Aber er ragt doch über sie hinaus. Mitten in ehrloser Zeit ist er ein Mann von Ehre. Während alle enthemmt nach Geld grapschen, nimmt er nur Honorare, die ihm nach seinem Moralkodex zustehen. Während alle auf den eigenen Vorteil achten, hält er den Kopf hin für die Schwachen. Er ist ein hartgesottener Romantiker in der unromantischsten aller Welten.

Besonders glaubwürdig war diese Figur nie. Aber Chandler erzählt so perfekt von ihr, dass sie bis heute in zahllosen anderen Detektiv- oder Polizistenfiguren und also noch immer im kollektiven Gedächtnis fortlebt. In Chandlers schönstem Roman „Der lange Abschied“ (Diogenes, 10,90 Euro) lässt sich Marlowe von Gangstern verprügeln und von der Polizei einsperren, weil er an die Unschuld eines Freundes glaubt, mit dem ihn nicht mehr verbindet als ein paar gute Gespräche in einer Bar und ein paar gute Drinks.

Der beste Drink, den die beiden dann auch zu ihrem langen Abschied trinken, ist für sie der Gimlet: „Richtiger Gimlet besteht zur einen Hälfte aus Gin und zur anderen aus Rose’s Lime Juice und aus sonst nichts.“ In dieser Mischung ist der Gimlet deshalb zum klassischen Farewell-Drink geworden. Also trinke ich zu meinem Abschied von dieser Kolumnen-Reihe nun einen Gimlet auf die Geduld der Leser und auf Raymond Chandler.

 

2014 startete BUCH & BAR die mit dieser 123 Folge endet. Die Kolumne war schon deshalb absolut unverzichtbar, weil sie dem weltbewegenden Zusammenhang zwischen Lieblingsbegleiter BUCH und Lieblingsaufenthaltsort BAR nachgeht, zwischen Geschriebenem und Getrunkenem, zwischen der Beschwingtheit, in die manche Dichter ebenso wie manche Drinks versetzen können. Sie war also haargenau das, worauf jeder überzeugte Büchersäufer immer schon gewartet hat – weshalb ich die Kolumnen hier gern frisch auf die Theke meines Blogs servierte. Doch nach 123 Folgen ist es Zeit, sich nach anderem umzuschauen. Cheerio!

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Buch&Bar 122: Peter Catapano / Simon Critchley “Von Kung-Fu bis Ladypower”

Auf der Suche nach der Theorie für den nächsten Banken-Crash

Buch&Bar heute: Über die orgiastischen Vergnügungen alter und allerneuester Philosophen beim Denken und Trinken

Peter Catapano und Simon Critchley: "Von Kung-Fu bis Ladypower. 33 Übungen in moderner Philosophie". J.B.Metzler Verlag. 19,99 Euro

Auch die Philosophie ist nicht mehr das, was sie mal war. Früher dachten Philosophen über Gott nach oder die Unsterblichkeit der Seele oder die Frage, ob wir die Realität vielleicht verwechseln mit irgendwelchen Schatten an Höhlenwänden.

Inzwischen hausen Philosophen nicht mehr in Höhlen oder Fässern, sondern in coolen Apartments und schreiben für die „New York Times“. Denn die hat einen Blog, der in Erinnerung an den Stein der Weisen „The Stone“ heißt. In den Artikeln geht es „Von Kung-Fu bis Ladypower“ um das rätselvolle Dasein in unserer modernen Welt. Peter Catapano und Simon Critchley haben daraus ein Buch gemacht (Metzler, 19,99 Euro).

Hier denken Philosophen über Neurowissenschaften nach oder Hollywoods „Matrix“- Serie oder die Frage, ob Kant ein Feminist war. Oder darüber, was künftige Generationen über die dauerironischen Hipster von heute denken werden, die ihnen als ihr Lebenswerk eine Sammlung von Katzenvideos hinterlassen. Am besten gefallen hat mir die Begründung, weshalb selbst Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaft immer erst hinterher wissen, warum die Banken schon wieder einen Crash hingelegt haben: Philosophisch betrachtet, betreiben Volkswirte nämlich gar keine exakte Wissenschaft, sondern so eine Art Pi-mal-Daumen-Handwerk.

Übrigens: Schon die antiken griechischen Philosophen haben bekanntlich gern einen gekippt. Am liebsten Wein. Dazu hielten sie Reden und nannten es nicht Sauftour, sondern Symposion. Und danach kamen freundliche Musikerinnen zu ihnen zu Besuch. Wenn ich da an die deutlich trockeneren Symposien von heute denke! Aber ach, die Philosophie ist eben nicht mehr das, was sie mal war.

 

2014 startete BUCH & BAR. Die Kolumne ist schon deshalb absolut unverzichtbar, weil sie dem weltbewegenden Zusammenhang zwischen Lieblingsbegleiter BUCH und Lieblingsaufenthaltsort BAR nachgeht, zwischen Geschriebenem und Getrunkenem, zwischen der Beschwingtheit, in die manche Dichter ebenso wie manche Drinks versetzen können. Also haargenau das,  worauf jeder überzeugte Büchersäufer immer schon gewartet hat – weshalb ich die Kolumnen hier gern frisch auf die Theke meines Blogs serviere.

 

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Buch&Bar 121: Björn Akstinat und Simon Akstinat “Marx & Engels intim”

Meisterbeleidiger Marx

Heute in Buch&Bar: Über das Vergnügen an superscharfen Sachen beim Lesen und Trinken

Björn Akstinat und Simon Akstinat: "Marx & Engels intim". Erstaunliches aus dem unzensierten Briefwechsel von Karl Marx und Friedrich Engels. IMH Service. (Vertrieb über amazon) 9,95 Euro

Kürzlich, als ich in herrlicher Sommer-Abendsonne über Berlins Torstraße ging, fiel mein Blick in einem der Schaufenster auf eine Flasche Marx-Gin mit der vollbärtigen Karl Marx-Ikone auf den Etikett. Ich mochte beides und suchte seither nach einem passenden und aktuellen Marx-Buch, um den Gin hier in der Kolumne unterbringen zu können.

Gefunden habe ich „Marx & Engels intim“ (IMH-Service, 9,95 Euro). Die Herausgeber Björn und Simon Akstinat  haben in dem Taschenbüchlein bemerkenswerte Ausschnitte aus dem Briefwechsel zwischen Marx und Engels zusammengestellt. Ich beschränke mich hier mit meinen Zitaten ausschließlich auf Marx’ erstaunliche Freude an Beleidigungen: Engels’ Vater nennt er brieflich einen „Schweinehund“. Von einem frisch verstorbenen Onkel spricht er dagegen nur als einem „alten Hund“. Ferdinand Lassalle, den Gründer des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins, bezeichnet er als der „jüdischen Nigger“ oder „wasserpolackischen Juden“. In seiner Funktion als Vorkämpfer der Arbeiterklasse schrieb er : „Komplettere Esel als diese Arbeiter gibt es wohl nicht.“ Von dem Mitgründer der SPD Wilhelm Liebknecht spricht er als „Vieh“ und von dem linken Dichter Ferdinand von Freiligrath als „Scheißkerl“. Über seinen Schwiegersohn Paul Lafargue, dessen Mutter eine kubanische Kreolin war, behauptet Marx, er habe eine „üble Narbe von dem Negerstamm“ habe. Die Pointe, dass Marx ihn außerdem in einem Brief an eine Tochter den „Abkömmling eines Gorillas“ nannte, haben die Herausgeber ausgespart. Darauf einen kräftigen Schluck Marx-Gin. Prost.

 

2014 startete BUCH & BAR. Die Kolumne ist schon deshalb absolut unverzichtbar, weil sie dem weltbewegenden Zusammenhang zwischen Lieblingsbegleiter BUCH und Lieblingsaufenthaltsort BAR nachgeht, zwischen Geschriebenem und Getrunkenem, zwischen der Beschwingtheit, in die manche Dichter ebenso wie manche Drinks versetzen können. Also haargenau das,  worauf jeder überzeugte Büchersäufer immer schon gewartet hat – weshalb ich die Kolumnen hier gern frisch auf die Theke meines Blogs serviere.

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Buch&Bar 120: Hans-Werner Wahl “Die neue Psychologie des Alterns”

Das Positive am Positivsein!

Heute in Buch&Bar: Über die unbändige Freude der Jungen auf die Lebensweisheiten der Alten beim Lesen und Trinken

Hans-Werner Wahl: "Die neue Psychologie des Alterns. Überraschende Erkenntnisse über unsere längste Lebensphase." Kösel Verlag, 19,99 Euro

Älterwerden ist eine Erfolgsgeschichte. Es sein denn, man hält es für den größeren Triumph, mit 27 in Gras zu beißen. Manche Rockstars wie Janis Joplin, Kurt Cobain oder Amy Winehouse haben ja hart an so einem frühen Finish gearbeitet. Ich fand ihre Einstellung immer ein wenig seltsam und habe mich deshalb beruflich anders orientiert. Nicht so in Richtung Weltstar.

Altersforscher Hans-Werner Wahl hat jetzt überraschende Erkenntnisse zusammengetragen über „Die neue Psychologie des Alterns“ (Kösel, 19,99 Euro). Da ich inzwischen die 27 überschritten habe, beginnen mich solche Bücher zu interessieren. Wussten Sie zum Beispiel, dass eine positive Einstellung zum Altern einen erstaunlichen Einfluss darauf hat, wie alt man tatsächlich wird? Leute, die im Älterwerden nichts als Elend und Unglück sehen können, fallen dem Knochenmann im Durchschnitt gut sieben Jahre früher anheim. Wer aber die Jahre jenseits der 70 als Chance sieht auf neue, bemerkenswerte Erfahrungen, hat auch größere Chancen, mehr davon zu erleben.

Seither male ich mir aus, weißhaarig an der Bar zu sitzen und Jüngeren, die ehrfürchtig lauschen, meine frei erfundenen Lebensweisheiten auf die Nase zu binden. Großartig. Und dazu vielleicht einen Cocktail Old Timer zu trinken: 2 cl Apricot Brandy, 2 cl Triple Sec, eine Zitronenspirale und eine Maraschino-Kirsche. Ein kleiner, milder Drink, denn im Alter verträgt man leider nicht mehr so viel Alkohol. Was definitiv keine Erfolgsgeschichte ist.

 

2014 startete BUCH & BAR. Die Kolumne ist schon deshalb absolut unverzichtbar, weil sie dem weltbewegenden Zusammenhang zwischen Lieblingsbegleiter BUCH und Lieblingsaufenthaltsort BAR nachgeht, zwischen Geschriebenem und Getrunkenem, zwischen der Beschwingtheit, in die manche Dichter ebenso wie manche Drinks versetzen können. Also haargenau das,  worauf jeder überzeugte Büchersäufer immer schon gewartet hat – weshalb ich die Kolumnen hier gern frisch auf die Theke meines Blogs serviere.

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Buch&Bar 119: Anke Fesel und Chris Keller “Berlin Heartbeats”

Das Glück der Veteranen

Heute in Buch&Bar: Über die Abenteuer der Freiheit beim betrachten nostalgischer Fotos und natürlich beim Lesen und Trinken

Anke Fesel / Chris Keller: "Berlin Heartbeats". Stories from the wild years. Suhrkamp Verlag. 29,90 Euro

Nicht nur Kriege, sondern auch schöne Ereignisse der Geschichte bringen Veteranen hervor. So zum Beispiel der Mauerfall von Berlin, der die Stadt für ein paar Jahre in einen Abenteuerspielplatz für Erlebnishungrige verwandelte. Die Helden von damals, die sich intensiver als andere in den Taumel stürzten, sind die Veteranen von heute.

Anke Fesel und Chris Keller haben für sie ein leicht nostalgisches Fotoalbum der wilden Jahre in dokumentarischem Schwarzweiß zusammengestellt: „Berlin Heartbeats“ (Suhrkamp, 29,90 Euro). Dazu gibt’s Erinnerungen von alten Kämpen wie Klaus Biesenbach, Frank Castorf oder Sasha Waltz. Überall in der wiedervereinigten Stadt war plötzlich Platz da, schreibt Judith Hermann, „zum Filme zeigen, Radiomachen, Fotografieren, Theaterstücke aufführen: wie Spielen, ohne dass das wirklich etwas wollte, es war alles sehr leicht.“ Doch, fügt sie hinzu, das Glück der unbeschwerten (Selbst-)Entdeckungslust hatte zwei Seiten: „Es hatte auf der einen Seite etwas Zielloses – und auf der anderen Seite war es genau deshalb so bedrückend.“

Drinks werden ja gern nach legendenträchtigen Städten benannt: vom Parisian über den London Buck oder den Manhattan bis hin zum Singapore Sling. Seltsam, in dieser Hinsicht hat das schwer legendenträchtige Berlin noch viel aufzuholen. Immerhin hatte die kürzlich geschlossene „Rivabar“ im S-Bahnbogen am Alexanderplatz schon mal The Mitte Cocktail entwickelt: 5 cl Weinbrand, 2 cl Persico, 2 cl roten Wermut, 2 cl Orangensaft. Perfekt um mit Herzpochen in „Berlin Heartbeats“ zu blättern.

 

2014 startete BUCH & BAR. Die Kolumne ist schon deshalb absolut unverzichtbar, weil sie dem weltbewegenden Zusammenhang zwischen Lieblingsbegleiter BUCH und Lieblingsaufenthaltsort BAR nachgeht, zwischen Geschriebenem und Getrunkenem, zwischen der Beschwingtheit, in die manche Dichter ebenso wie manche Drinks versetzen können. Also haargenau das,  worauf jeder überzeugte Büchersäufer immer schon gewartet hat – weshalb ich die Kolumnen hier gern frisch auf die Theke meines Blogs serviere.

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Buch&Ei 118: Cara Nicoletti “Yummy Books!”

Die schwere Aufgabe, ein weich gekochtes Ei zu servieren

Heute in Buch&(ausnahmsweise)Ei: Über die Freuden beim Lesen und Essen statt beim Lesen und Trinken

Cara Nicoletti: "Yummy Books! In 50 Rezepten durch die Weltliteratur". Übersetzung: Tanja Handels und Susanne Kammerer, Suhrkamp Verlag. 16,95 Euro

Cara Nicoletti ist Schriftstellerin, Bäckerin und Metzgerin. Ich gestehe, diese Berufskombination ließ mich aufhorchen. Da sie ebenso gern liest wie kocht, bot sie ihren Freunden an, Rezepte aus deren Lieblingsromanen zum Leben zu erwecken. Mit dem Ergebnis, dass ihre Küche nicht mehr stillstand.

Jetzt hat sie „Yummy Books!“ (Suhrkamp 16,96 Euro) geschrieben, in dem sie nicht nur „in 50 Rezepten durch die Weltliteratur“ führt, sondern auch erzählt, was ihr beim Kochen so alles widerfahren ist. Ob ihr Essen schmeckt, weiß ich nicht. Doch wenn es so gut ist wie ihr Buch, dürften ihre Freunde nach den Mahlzeiten Teller, Besteck und Finger abgeleckt haben. Sie schreibt lehrreich und lustig, geist- und gaumenanregend. Selbst einem so berühmten Roman wie Jane Austens „Emma“ weißt sie ungewöhnliche und witzige Perspektiven abzugewinnen. Man könne, schreibt sie, über die Titelheldin sagen was man wolle, „aber mit Schweinen kennt sie sich aus.“ Ganze zwei Seiten widme der Roman der Frage, wie ein frisch geschlachtetes Mastschwein zer- und verteilt werden solle.

Leider bin ich als Koch ein Stümper. Doch selbst für solche unglückliche Naturen hält Cara Nicoletti Trost bereit. Ein Profi-Koch habe sie einmal einem gnadenlosen Test unterzogen. Sie sollte ihm ein weich gekochtes Ei servieren, und sie hat die Größe zuzugeben, dass sie an dieser Aufgabe gescheitert ist. Mir gelingt es manchmal und ab jetzt werde ich bin dann unglaublich stolz auf mich sein.

 

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Buch&Bar 117: Rüdiger von Chamier “Hunde essen, Hunde lieben”

Wer wird Freund, wer wird Leckerbissen?

Heute in Buch&Bar: Über einen hundemoralischen Kulturgegensatz beim Lesen und Essen

Rüdiger von Chamier: "Hunde essen, Hunde lieben. Die Tabugeschichte des Hundeverzehrs und das erstaunliche Kapitel deutscher Hundeliebe". Tectum Verlag, 19,95 Euro

Es gibt Themen, mit denen man das Herz des Publikums sofort erobert. Mit Geschichten über treuherzige Hunde zum Beispiel. Bei Geschichten über Hundeschlachtungen stehen die Chancen dagegen schlechter.

Vermutlich wird also Rüdiger von Chamiers Buch „Hunde essen, Hunde lieben“ (Tectum, 19,95 Euro) über die Tabugeschichte des Hundeverzehrs kein Bestseller werden. Bedauerlich, denn es ist klug, exzellent geschrieben und, wie ich betonen möchte, kein Rezeptbuch. (Von ein, zwei Zubereitungstipps abgesehen.) Vielmehr ist es der Frage auf der Spur, weshalb eigentlich der Hund in einigen Ländern als bester Freund des Menschen gilt, in anderen aber als Leckerbissen. Und weshalb manche hochgemute Tierfreunde Hunde verspeisende Nationen für moralisch minderwertig erachten, Hühner verspeisende Nationen aber nicht so. Eine kultursoziologisch reizvolle Frage.

Nebenbei: Wussten Sie, dass Hundeschlachtungen zum Zweck der Fleischgewinnung hierzulande erst 1986 verboten wurden? Deutschland hat also erst seit rund dreißig Jahren in hundemoralischer Hinsicht das Lager gewechselt.

Kein schönes Thema, zugegeben. Deshalb möchte ich einen möglichen fiesen Nachgeschmack gern runterspülen mit einem Drink namens Salty Dog. Er ist gewissermaßen eine Promenadenmischung unter den Cocktails, denn es gibt Unklarheiten, wer zu seiner Entstehung beiträgt. Gin oder Wodka? 3 cl entweder von dem einen oder von dem anderen, gemixt mit 12 cl Grapefruitsaft, dazu ein Longdrink-Glas mit Salzrand und Eis – fertig ist ein Salty Dog, den man sich einverleiben kann, ohne einem armen Tier das Fell über die Ohren zu ziehen.

2014 startete BUCH & BAR. Die Kolumne ist schon deshalb absolut unverzichtbar, weil sie dem weltbewegenden Zusammenhang zwischen Lieblingsbegleiter BUCH und Lieblingsaufenthaltsort BAR nachgeht, zwischen Geschriebenem und Getrunkenem, zwischen der Beschwingtheit, in die manche Dichter ebenso wie manche Drinks versetzen können. Also haargenau das,  worauf jeder überzeugte Büchersäufer immer schon gewartet hat – weshalb ich die Kolumnen hier gern frisch auf die Theke meines Blogs serviere.

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Buch&Bar 116: David Van Reybrouck “Gegen Wahlen” und Jason Brennan “Gegen Demokratie”

Soll man politische Macht verlosen?

Heute in Buch&Bar: Über die gedankenspielerische Abschaffung der Demokratie beim Lesen und Trinken

David von Reybrouck: "Gegen Wahlen. Warum Abstimmen nicht demokratisch ist". Aus dem Niederländischen von Arne Braun. Wallstein Verlag. 17,90 Euro

Demokratische Abstimmungen sind heikel. Denn sie können – siehe Brexit, Trump, Türkei – anders ausgehen als erhofft. Da ist es natürlich eine prima Idee, demokratische Wahlen einfach abzuschaffen.

Der Belgier David Van Reybrouck schlägt in seinem Buch „Gegen Wahlen“ (Wallstein, 17,90 Euro) vor, neben den gewählten Volksvertretern auch Bürger für eine Legislaturperiode in die Parlamente zu schicken, die per Losverfahren bestimmt, gut bezahlt und intensiv geschult werden. Das würde die Macht der Parteien einschränken. Und der Amerikaner Jason Brennan empfiehlt in „Gegen Demokratie“ (Ullstein, 24 Euro) unter anderem, nur diejenigen Bürger wählen zu lassen, die grundlegende staatsbürgerliche Kenntnisse nachweisen können. Schließlich darf ja auch keiner Auto fahren ohne Fahrprüfung.

Ob das die Politik besser macht? Weiß der Himmel, keine Ahnung. Sicher ist nur: Gesetze zur Beschneidung des demokratischen Wahlrechts müssten wohl durch demokratische Wahlen beschlossen werden. Das könnte schwierig werden.

Jasin Brennan: "Gegen Demokratie. Warum wir die Politik nicht den Unvernünftigen überlassen dürfen". Übersetzung: Stephan Gebauer. Ullstein verlag. 24 Euro

Abends in der Bar ist mir noch ein anderer Reformvorschlag eingefallen. Der römische Historiker Tacitus schrieb mal, die Germanen hätten bei politischen Versammlungen immer viel Wein getrunken, da sie meinten, Betrunkene könnten nicht lügen. Ich weiß nicht, was Verfassungsrechtler davon halten. Aber lustiger wäre es schon, wenn im Parlament nicht mehr die Roten gegen die Schwarzen anträten, sondern Pinot noir gegen Grünen Veltliner.

 

2014 startete BUCH & BAR. Die Kolumne ist schon deshalb absolut unverzichtbar, weil sie dem weltbewegenden Zusammenhang zwischen Lieblingsbegleiter BUCH und Lieblingsaufenthaltsort BAR nachgeht, zwischen Geschriebenem und Getrunkenem, zwischen der Beschwingtheit, in die manche Dichter ebenso wie manche Drinks versetzen können. Also haargenau das,  worauf jeder überzeugte Büchersäufer immer schon gewartet hat – weshalb ich die Kolumnen hier gern frisch auf die Theke meines Blogs serviere.

 

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Buch&Bar 115: Caroline Lahausen und Sylvia Doria “Lust auf Laube”

Finstere Zeiten, die den Glauben an Lauben rauben

Heute in Buch&Bar: Über den heldenmütigen Kampf gegen die allerneuesten Katastrophen beim Lesen und Trinken

Caroline Lahusen und Sylvia Doria: "Lust auf Laube". Die neue Schrebergarten-Kultur. Fotos: Moritz Schmid, Sonja Tobias, Nadja Buchczik. DVA. 29,95 Euro

Können wir uns Gartenlauben überhaupt noch leisten? Nicht in finanzieller Hinsicht, meine ich, sondern in politischer? Heute? Denken Sie an Trump, Terror, abschmelzende Polkappen, Kai Pflaume und andere Katastrophen. Da wollen Sie einfach im Garten abhängen und glücklich sein? Ja, geht’s noch?

Es ist empörend, aber Caroline Lahusen und Sylvia Doria schlagen genau das vor. Ihr Fotoband heißt „Lust auf Laube“ (DVA, 29,95 Euro) und feiert eine neue, angeblich hippe Schrebergartenkultur. Wer in dem Buch blättert, sieht freundliche Menschen, die in freundlicher Umgebung freundliche Dinge tun. Erschreckend! Ist das überhaupt erlaubt? Wo bleibt da das politische Krisenbewusstsein? Im Kräuterbeet verbuddelt? Wenn es früher hieß: Schwerter zu Pflugscharen, dann muss es heute heißen: Lauben zu Protestzentren! Hängematten zu Demo-Transparenten! Gießkannen zu Megafonen! Oder so.

Oder auch nicht. Denn, seien wir ehrlich, der Grillabend neulich im Garten war erholsam und ließ uns Kraft sammeln, um den allerneuesten Katastrophen zu trotzen. Zum Grillkotelett gab es Bier. Im Buch ist das genauso, die Autorinnen haben ein wenig Product-Placement für das Münchner Craft Beer Crew Republic in den Band eingeschmuggelt. Ich schließe mich dieser Empfehlung vollinhaltlich an: Das Pale Ale Foundation 11 rundet jeden Lauben-Grillabend herb-fruchtig ab.

 

2014 startete BUCH & BAR. Die Kolumne ist schon deshalb absolut unverzichtbar, weil sie dem weltbewegenden Zusammenhang zwischen Lieblingsbegleiter BUCH und Lieblingsaufenthaltsort BAR nachgeht, zwischen Geschriebenem und Getrunkenem, zwischen der Beschwingtheit, in die manche Dichter ebenso wie manche Drinks versetzen können. Also haargenau das,  worauf jeder überzeugte Büchersäufer immer schon gewartet hat – weshalb ich die Kolumnen hier gern frisch auf die Theke meines Blogs serviere.

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