Wie man sich das eigene Bild von der Welt macht

Nicht reden, sondern reisen – der Schriftsteller und Abenteurer Hans Christoph Buch veröffentlicht seine postkolonialen Notizen / Von Uwe Wittstock

Hans Christoph Buch gehört zu den meistgereisten Schriftstellern Deutschlands. Er ist Abenteurer, Reporter, Forschungsreisender und Autor in einem. Es gibt weltweit kaum einen Krisenherd der letzten dreißig Jahre, den er nicht besucht hat. Er will sich sein Bild von der Welt nicht nach Aktenlage machen, sondern durch eigene Anschauung.

Hans Christoph Buch: "Nächtliche Geräusche im Dschungel". Transit-Verlag. 20 Euro

Hans Christoph Buch: “Nächtliche Geräusche im Dschungel”. Transit-Verlag. 20 Euro

„Es gibt“, hat er in seinem erschütternden Reportagebuch „Blut im Schuh“ geschrieben, „existentielle Herausforderungen, denen ein Autor sich stellen muss, wenn er etwas über sich und die ihn umgebende Welt herausfinden will, was er nicht schon vorher gewusst hat. Ich rede von Grenzsituationen wie Geburt und Tod, Gefängnis und Exil, Folter und Krieg, die man, weil die Einfühlung versagt, nicht zu Hause am Schreibtisch nachvollziehen kann.“

Er war in Tschetschenien, als die Russen Grosny zerbombten wie jetzt Mariupol in der Ukraine, er war bei den Rebellen in Dafur, die bei 50 Grad ohne Schatten gegen die Milizen des Sudans kämpften, er musste in Osttimor mitansehen, wie zehn aneinandergekettete Menschen mit Benzin übergossen und verbrannt wurden, hat den Bürgerkrieg im Kosovo beobachtet und die Leichenfelder Kambodschas oder Ruandas gesehen, wo beim Völkermord der Hutus an den Tutsis in nur 100 Tagen rund eine Million Menschen umkamen.

Auch wenn jeder Reporter für solche Reisen immer den guten Grund vorweisen kann, seinen Lesern ungefilterten Informationen über die mörderischen Konflikte dieser Welt verschaffen zu wollen, sind solche Expeditionen dennoch ein zweischneidiges Unterfangen. Denn immer spielt zweifelhafte Sensationsgier und Abenteuerlust dabei mit. Natürlich ist sich Buch auch über diesen Aspekt seiner Arbeit klar und spricht selbstkritisch davon, längst einer „Sucht“ verfallen zu sein nach der Erlebnisintensität, die Kriege oder Katastrophen bereithalten. Wogegen ihm der Alltag in den gut geordneten Verhältnissen hierzulande mitunter belanglos und fade vorkommt.

In seinem jüngsten Buch „Nächtliche Geräusche im Dschungel“ (Transit Buchverlag, 20 Euro) erzählt er wieder von fernen, aber glücklicherweise etwas friedlicheren Weltgegenden: Von dem wirtschaftlichen Niedergang Südafrikas, von den tastenden Versuchen des westafrikanischen Guinea, nach jahrzehntelanger Gewaltherrschaft Sékou Tourés wieder so etwas wie eine Zivilgesellschaft zu errichten, von Äthiopien, das jetzt allmählich vom Pauschaltourismus entdeckt wird oder von Nicaragua, wo die Rebellen, die einst den Diktator Somoza stürzten, inzwischen selbst eine waschechte Diktatur errichtet haben.

Und immer wieder kehrt er, wie schon in anderen Büchern zuvor, nach Haiti zurück, einem der ärmsten und elendesten Länder der Welt. Denn mit Haiti verbinden ihn eine familiäre Vergangenheit: Sein Großvater ließ sich dort 1897 als Apotheker nieder und heiratete eine Haitianerin.

Hans Christoph Buch

Hans Christoph Buch

Schon das, was er über diese Katastrophenregion berichtet, reicht aus, um den Leser fassungslos zu machen. Nach einem blutigen Sklavenaufstand erklärte sich Haiti 1804 als erstes Land der Karibik für unabhängig. Seither wechseln sich diktatorische oder korrupte Regime in endloser Folge ab und richten Haiti wieder und wieder zugrunde. Weder eine Militärintervention der USA, noch ein UNO-Mandat konnten bislang an der desaströsen wirtschaftlichen Lage etwas ändern. Ein Erdbeben forderte 2010 über 300.000 Tote und zerstörte die Hauptstadt – die bis heute nicht wieder aufgebaut wurde. Es gibt kaum noch funktionierende staatliche Strukturen, die Macht liegt bei bewaffneten Banden und Warlords. Präsident Jovenel Moïse wurde im vergangenen Jahr ermordet, die Täter nie ermittelt.

Vielleicht liegt es am Übermaß des Elends, von dem Hans Christoph Buch zu berichten hat, dass er zwischen die faktengesättigten Reportagen immer wieder seiner literarischen Fantasie freien Lauf lässt und kurze Erzählungen einstreut. Sie wirken wie letzte Utopien in einer unheilen Welt. Oder wie der Versuch, der Vergangenheit, die einen falschen, gewaltsamen Weg nahm, den Traum einer besseren Entwicklung entgegenzustellen.

Zu alledem scheut Hans Christoph Buch nicht den Streit mit sogenannten postkolonialen Aktivisten hierzulande, die stets handliche Erklärungen bereit halten für alle Probleme der notleidenden Länder. Und die in erster Linie auf die strenge Einhaltung der jeweils neuesten, „woken“ Sprachregelungen achten – so als wäre die Bekämpfung der Armut und des Leids zu allererst eine Frage des richtigen Vokabulars. Buch will sich von sicherlich wohlmeinenden Leuten, die eher selten ihren Schreibtisch verlassen, nicht über die Zustände in Ländern belehren lassen, die er oft und manchmal unter Einsatz seines Lebens bereist hat.

Hans Christoph Buch: „Nächtliche Geräusche im Dschungel. Postkoloniale Notizen“ Transit Buchverlag. Berlin 2022. 190 Seiten. 20 Euro

 

Veröffentlicht unter Personen, Über Bücher | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Die Bücher-Bar / Eine Kolumne Folge 13

Der Büchersäufer stellt in dieser Kolumne Bücher vor, die er mit Genuss bis zur Neige geleert, oder an denen er lieber nur kurz genippt hat.

Heute geht es um einen Tyrannen als Witzfigur und die Frage, wie man mit klugem Geplapper eine Diktatur entlarven kann

Sich das Grauen von der Seele lachen

Darf man über Hitler lachen? Einen Millionenmörder wie ihn als komische Figur zu zeigen, ist eine verdammt heikle Sache. Viele Filme und Romane sind daran gescheitert, weil sie sich über ihn lustig machten, indem sie ihn als dummen August hinstellen – ihn damit aber harmloser aussehen lassen, als er es war.

Irmgard Keun: "Nach Mitternacht". Mit einem Nachwort von Heinrich Detering. Claassen Verlag. 22 Euro

Irmgard Keun: “Nach Mitternacht”. Mit einem Nachwort von Heinrich Detering. Claassen Verlag. 22 Euro

Anders ist das bei den zeitgenössischen Künstlern, die Hitler liebend gern ermordet hätte, wenn sie ihm in die Hände gefallen wären. Niemand könnte ihnen das Recht absprechen, Hitler als (Horror-)Clown zu zeigen, um sich das Grauen von der Seele zu lachen. Filme wie „Der große Diktator“ von Charlie Chaplin oder „Sein oder Nichtsein“ von Ernst Lubitsch sind grandiose Meisterwerke.

Ein kleines literarisches Meisterstück aus dieser Zeit kann man jetzt wiederentdecken: Irmgard Keuns „Nach Mitternacht“ (Claassen Verlag, 22 Euro). Der Roman erzählt zu Anfang von einem Besuch Hitlers in Frankfurt 1936. Er lässt sich von seinen Anhängern auf dem Opernplatz stundenlang feiern. Zwei junge Frauen schauen zu und beschreiben die Choreografie der endlosen Aufmärsche, des Strammstehens und Fahnenschwenkens, die für ihn abgespult wird. Sie erzählen auch von dem kleinen Mädchen, dass – wie bei solchen Nazi-Events üblich – dazu ausgewählt wurde, scheinbar spontan die Reihen der Zuschauer zu durchbrechen, um Hitler einen Blumenstrauß zu überreichen. Die beiden jungen Frauen schildern das scheinbar völlig naiv – und entlarven Hitler dennoch als den lächerlichen, von sich selbst berauschten Popanz, der er auch war. Es ist ein satirisches Kabinettstück, wie Irmgard Keun hier durch das angebliche Backfisch-Geplapper der zwei Zuschauerinnen den Hitler-Auftritt als billige Propagandaschau bloßstellt.

Irmgard Keun kannte den Nazi-Zirkus aus eigener Anschauung. Nachdem fast alle hitlerfeindlichen Autoren 1933 aus Deutschland fliehen mussten, blieb sie noch drei Jahre dort und konnte beobachten, wie sich die Menschen unter dem Einfluss der Diktatur zu Fanatikern und Denunzianten verwandelten: Die Gewaltherrschaft verwandelte die Menschen und öffnete Tür und Tor für ein gewalttätiges Verhalten untereinander im Alltag. Erst als Irmgard Keun dann 1936 schließlich doch ins Exil gehen musste, schrieb sie „Nach Mitternacht“. Der Roman wurde unter den Lesern der Emigrationsliteratur ein Riesenerfolg, Klaus Mann und Arthur Koestler haben sich wortstark für ihn eingesetzt. Aber danach wurde er viel zu schnell vergessen. Jetzt wird er im Rahmen des Literaturfestivals “Frankfurt liest ein Buch” vom 2. bis 15. Mai in dutzenden von Lesungen gefeiert.

Überlebt hat Irmgard Keun den Krieg auf gewagte Weise. Sie beging angeblich Selbstmord, ihr Tod wurde in ausländischen Zeitungen gemeldet. Dann verschaffte sie sich über einen SS-Mann falsche Papiere und tauchte in Deutschland unter. Sie war eine kluge, freche, mutige Frau und eine großartige Schriftstellerin.

 

Veröffentlicht unter Bücher-Bar / Eine Kolumne, Über Bücher | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Über Anna Katharina Hahns Familienroman “Aus und davon”

Im November durfte ich Anna Katharina Hahn als Laudator zum Buchpreis Familienroman der Stiftung Ravensburger 2020 gratulieren. Sie wurde ausgezeichnet für ihren Roman „Aus und davon“. In den Wochen danach war ich so überhäuft von Tagesarbeit und verschiedenen Verpflichtungen für mein Buch “Februar 33″, dass ich weder die Zeit noch die Energie fand, die Rede online zu stellen. Jetzt komme ich endlich dazu und hoffe, dass meine kleine Rede Leser auf diesen wichtigen und schönen Roman aufmerksam machen und vielleicht zur Diskussion über ein neues Verständnis des anspruchsvollen Genres “Familienroman” beitragen kann.

Das innerfamiliäre Reiz-Reaktions-Pingpong

Viele junge Eltern hängen über der Wiege ihres Neugeborenen ein Mobile auf. Die Babys haben dann etwas, auf das sie ihren Blick fixieren können und dessen langsam schwingende Bewegungen sie beruhigt.

Aber ist das schon alles? Um ehrlich zu sein, habe ich, wenn ich so ein Mobile über einer Wiege hängen sehe, oft das Gefühl, dass diese schaukelnden und schlingernden kleinen Gebilde für das Kind auch eine anschauliche Vorbereitung auf das sind, was in den nächsten Jahren familiär auf sie zukommen wird. Nämlich eine endlose Choreografie bedächtig wogender oder aber auch dramatisch wirbelnder zwischenmenschlicher Beziehungen und Abhängigkeiten, die niemals zum Stillstand kommt.

Anna Katharina Hahn: "Aus und davon". Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin 2021.12 Euro

Anna Katharina Hahn: “Aus und davon”. Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin 2021.12 Euro

Jeder von uns kennt das: Schubst man ein Element eines Mobiles an und setzt es damit in Bewegung, teilt sich dieser Schwung in der einen oder anderen Form allen andern Teilen des Mobiles mit. Nichts von dem, was einem Element zustößt, lässt die anderen vollkommen gleichgültig. Zu sensibel ist einerseits die Verbindung zwischen ihnen und zu fest sind sie andererseits aneinander gebunden. Alles bewegt alle – auch wenn sich die Bewegungen den verschiedenen Teilen in einem gebremsten Maße mitteilen und in einer schwer vorherzusehenden Richtung.

Wir stellen uns ein ideales Familienleben gern als eine stabile, gut gefügte, belastbare Einheit vor, in der jedes Teil seinen festen Platz findet. Und natürlich ist diese Vorstellung nicht falsch. Aber wenn wir genauer hinschauen, ähnelt Familienleben letztlich auch dem ewigen Tanz der Mobiles. Alles, was ein Mitglied einer Familie betrifft, beschäftigt, innerlich bewegt, teilt sich in der einen oder anderem Form den anderen Mitgliedern mit, betrifft sie, bewegt sie, verändert ihre Lage. Und das gilt keineswegs nur für Impulse, die von außen kommen, für Erfolge, Schicksalsschläge, neue Begegnungen oder was auch immer. Sondern es gilt ebenso für die ständigen feinen und feinsten Veränderungen der inneren Balancen aller Familienmitglieder. Auch sie teilen sich den anderen mit und verändern wiederum deren Balance. Ein gelungenes Familienleben ist vielleicht nichts anderes als ein ständiger Tumult, der kein konstantes Zentrum kennt und dennoch immerzu nach neuen Gleichgewichtszuständen strebt.

Aus der Perspektive der Schriftstellerin oder des Schriftstellers bedeutet das vor allem eines: jeder Familienroman ist, wenn er seinem Thema gewachsen sein will, nicht zuletzt bei der Zeichnung der Figuren eine ungeheure Herausforderung. Eine Herausforderung, die sich vergrößert, ja multipliziert, je komplexer die Familienkonstellationen sind, von denen erzählt wird. Und Anna Katharina Hahn erweist sich in „Aus und davon“, dem Roman für den sie heute den Preis der Stiftung Ravensburger Verlag erhält, als eine wahre Virtuosin darin, das Familien-Mobile Geiger-Chatzis in kluge Turbulenzen zu versetzen und zugleich die jeweiligen Folgen dieser Turbulenzen im Leben der verschiedenen Familienmitglieder nachzuzeichnen.

Nehmen wir zum Beispiel Elisabeth Geiger, eine Schwäbin, aufgewachsen mit einem ungeliebten pietistischen Über-Ich, das ihr in der Doppelgestalt zweier glaubensstrenger Fellbacher Diakonissen durch das Bewusstsein spukt. Geheiratet hat sie allerdings Heinrich, einen durchaus lebensfrohen Katholiken, der ihr ein wenig Lockerheit ins Leben brachte,  so wie sie ihm ein Element von Stabilität schenkte. Zusammen haben sie zwei Töchter, Cornelia und Sabina, und ein Reisebüro in Stuttgart. Ihr Familienmobile setzt sich in Gang, als sich die Töchter sehr gegensätzlich entwickeln. Sabina heiratet einen Arzt und beginnt sich einzumauern in eine gut abgedichtete pietistische Glaubensfestung, in der ihr viel Arbeit und zahllose Ehrenämter jede Zeit für Zweifel rauben. Cornelia dagegen gründet eine Familie mit Dimitrios, Schwabe mit griechischen Vorfahren, und beide werden Physiotherapeuten, sorgen also für das Wohlbefinden des Körpers, dem die Mutter Elisabeth nie Beachtung schenkte und den sie nur das alte „Gestell“ nennt.

Wie reagiert dieses Familiengefüge, wenn, sagen wir, Dimitrios von der Sehnsucht nach seinen griechischen Wurzeln überwältigt wird, sich von Cornelia trennt und nach Parga bei Korfu zieht? Welche Spuren hinterlässt das zum Beispiel bei ihren Kindern, aber auch bei Elisabeth, in deren Wertewelt ein Scheidung im Grunde ein krimineller Akt ist? Welche Familienfolgen stellen sich ein, wenn der genussfrohe Heinrich einen Schlaganfall hat und von Elisabeth gepflegt werden soll, die ihren Lebensabend aber nicht als „Bettflaschenknecht“ am Krankenlager verbringen möchte? Was für Familienturbulenzen löst es aus, wenn Heinrich sich von seinem Schlaganfall gerade gut genug erholt, um aus der kühl gewordenen Ehe mit Elisabeth zu einer anderen Frau zu fliehen?

Anna Katharina Hahn veranschaulicht das alles – und noch viel viel mehr – in ihren Roman in zahllosen Detailbeobachtungen, mit genauem Blick auf ihre Figuren und immer psychologisch überzeugend. Sie ist eine literarische Meisterin dessen, was ich hier einmal hilfsweise das innerfamiliäre Reiz-Reaktions-Pingpong nennen möchte: Also der literarischen Darstellung des Echos, den jede familiäre Veränderung im Innenleben jedes Familienmitglieds auslöst, gefiltert durch die jeweilige Persönlichkeit – eines Echos, das dann unvermeidlich selbst wieder einen neuen Wiederhall bei den anderen findet.

Und immer so weiter in einer schier endlosen Reaktionskaskade.

Wenn Cornelia zum Beispiel meint, der Abschied von Dimitrios sei überfällig gewesen, ihre Ehe habe sich längst erschöpft, dann bedeutet das noch lange nicht, dass Elisabeth ihm die Trennung verzeihen kann, von der glaubensfesten Schwägerin Sabina ganz zu schweigen und von seinem Sohn, der sich aus Angst vor weiteren Verlusten essend einen Panzer aus Übergewicht zulegt, während seine Schwester ihre wachsende Freiheit ohne die Kontrolle der so oft abwesenden Mutter genießt. Jedes der Mobile-Teilchen zerrt in eine eigene Richtung, in seine Richtung im Durcheinander der Gefühle.

Natürlich macht ein derart enges Gewirr von Bindungen und Gefühlen nicht immer nur glücklich, sondern wirkt manchmal wie ein Gefängnis und reizt zum Ausbruch. Anna Katharina Hahn erzählt in ihrem Roman ausführlich von zwei vorübergehenden Abschieden von der Familie, beide führen in die USA, einer ist freiwillig, der andere unfreiwillig. Die unfreiwillige Trennung von der Familie findet in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts statt: Oma Gertrud, die Mutter Elisabeths, wird in sehr jungen Jahren als Haushaltshilfe nach Meadville, Pennsylvania, geschickt, weil die wirtschaftliche Not in Deutschland groß ist, und sie Geld für die Familie verdienen soll. Und Cornelia, ihre Enkelin folgt bei ihrer kurzen freiwilligen Auszeit von der Familie 100 Jahre später den Spuren ihrer Großmutter an den gleichen Ort.

Doch trotz des gleichen Ziels könnten die beiden Reisen kaum unterschiedlicher sein. Für die junge Gertrud ist die Trennung kurz nach dem Ersten Weltkrieg derart traumatisch, dass sie – so verstehe ich jedenfalls einen erzählerischen Kunstgriff Anna Katharina Hahns – ihre Erlebnisse nur noch aus der Perspektive ihrer Puppe erzählen kann. Sie ist ohne ihre Familie nicht mehr sie selbst, sie verliert das Bewusstsein ihrer selbst. Cornelia dagegen bleibt, als sie aus dem täglichen Familienchaos nach Amerika flieht, dennoch über etliche elektronische Kanäle weiter in das Familiengewebe eingebunden: WhatsApp, Email, Skype lassen sie nicht los und damit lässt sie auch der stete Strom familiärer Nachrichten nicht los, durch die sich das beschriebene Reiz-Reaktions-Pingpong fast ungemindert fortsetzt.

Neben Anna Katharina Hahns großartiger Fähigkeit ein Familieninnenleben literarisch zu veranschaulichen, hat mich gerade dies an ihrem Roman hingerissen: Dass sie nämlich zugleich eine genaue Beobachterin unserer Gegenwart ist. Familie ist bei ihr keine fest, unveränderliche Größe, sondern wird eben auch durch die historischen Umstände geformt. Die Gelassenheit und die erzählerische Sicherheit, mit der sie das ihren Lesern in „Aus und davon“ vorführt, ist eine fabelhaft literarische Leistung. Ich gratuliere Ihnen, liebe Anna Katharina Hahn, von Herzen zum Buchpreis Familienroman 2020 der Stiftung Ravensburger Verlag.

Veröffentlicht unter Personen, Über Bücher | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Die Bücher-Bar / Eine Kolumne / Folge 12

Der Büchersäufer stellt in dieser Kolumne Bücher vor, die er mit Genuss bis zur Neige geleert, oder an denen er lieber nur kurz genippt hat.

Heute geht es um die Frage, auf welche Weise man als Schriftsteller oder Schriftstellerin richtig gekleidet ist und wie die bedeutende Mode des Literaturbetriebs für die Nachwelt konserviert werden kann.

Manche Dichter sind vielleicht nicht gut, aber dafür gut angezogen

Haruki Murakami: "Murakami T. Gesammelten T-Shirts". Übersetzt von Ursula Gräfe. 192 Seiten, 108 Abbildungen. Verlag DuMont. 24 Euro

Haruki Murakami: “Murakami T. Gesammelten T-Shirts”. Übersetzt von Ursula Gräfe. 192 Seiten, 108 Abbildungen. Verlag DuMont. 24 Euro

Wo sind eigentlich Goethes Socken geblieben? Er soll schon in jungen Jahren welche aus Seide getragen haben, schließlich war seine Familie schwerreich. Aber über ihren Verbleib ist nichts bekannt. Es fällt schwer, sich das einzugestehen, doch die bittere Wahrheit lautet: Ein Stück Goethe ist verloren gegangen.

Dabei war Goethe sehr zufrieden mit seinen Socken. Nur bei Sommerausflügen an den Rhein trug er darunter noch feine Ledergamaschen, damit sich die „entsetzlichen Rheinschnaken“ (Dichtung und Wahrheit) bei dem Versuch, Dichterblut abzuzapfen, den Rüssel ruinieren. Was uns sofort zur nächsten Frage führt: Wo sind eigentlich Goethes Gamaschen geblieben?

Natürlich ist es gut, wenn große Autoren solchen eminenten Problemen ihrer Nachwelt rechtzeitig vorbeugen. Deshalb hat der japanische Schriftsteller Haruki Murakami jetzt seinen Kleiderschrank geleert und eine sorgfältig illustierte und edierte historisch-kritische Gesamtausgabe seiner T-Shirts zusammengestellt: „Murakami T“ (DuMont, 24 Euro). Die Kuratoren künftiger Murakami-Museen sind nun bestens im Bilde, auf welche potentiellen Ausstellungsstücke sie konservatorisch zu achten haben.

Bekleidungsfragen wurden im Literaturbetrieb ja lange vernachlässigt. Aber damit hat die junge amerikanischen Dichterin Amanda Gorman nach ihrer Lesung für Präsident Joe Biden gründlich aufgeräumt und die Weltöffentlichkeit inzwischen wissen lassen, dass sie mit Prada und Estée Lauder zusammenarbeitet, um ihre Gedichte modisch jederzeit ins rechte Licht zu rücken.

Und nun kommen erregende Fashion-News auch von Michel Huellebecq, dem Vordenker des Clochard-Looks in der französischen Buchbranche. Huellebecq besuchte das Thomas-Bernhard-Haus im österreichischen Obernathal und probierte dort die Trachtenjacke des verblichenen Kollegen Thomas Bernhard an. Sie passte und gefiel ihm so gut, dass er sich seither häufiger in dem kostbaren Stück zeigt. Dem naheliegenden Verdacht, er habe sie geklaut, widersprach jetzt die Thomas-Bernhard-Gesellschaft in einer öffentlichen Erklärung: Huellebecq habe die Jacke nach der Anprobe „nicht mehr zurückgegeben“ und die Bernhard-Kuratoren hätten das „toleriert“.

 

 

@font-face {font-family:”MS 明朝”; mso-font-charset:78; mso-generic-font-family:auto; mso-font-pitch:variable; mso-font-signature:1 134676480 16 0 131072 0;}@font-face {font-family:”Cambria Math”; panose-1:2 4 5 3 5 4 6 3 2 4; mso-font-charset:0; mso-generic-font-family:auto; mso-font-pitch:variable; mso-font-signature:-536870145 1107305727 0 0 415 0;}@font-face {font-family:Cambria; panose-1:2 4 5 3 5 4 6 3 2 4; mso-font-charset:0; mso-generic-font-family:auto; mso-font-pitch:variable; mso-font-signature:-536870145 1073743103 0 0 415 0;}p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal {mso-style-unhide:no; mso-style-qformat:yes; mso-style-parent:”"; margin:0cm; margin-bottom:.0001pt; mso-pagination:widow-orphan; font-size:11.0pt; font-family:Helvetica; mso-fareast-font-family:”MS 明朝”; mso-bidi-font-family:Helvetica; letter-spacing:-.25pt; mso-font-kerning:11.0pt;}.MsoChpDefault {mso-style-type:export-only; mso-default-props:yes; font-size:11.0pt; mso-ansi-font-size:11.0pt; mso-bidi-font-size:11.0pt; font-family:Helvetica; mso-ascii-font-family:Helvetica; mso-fareast-font-family:”MS 明朝”; mso-hansi-font-family:Helvetica; mso-bidi-font-family:Helvetica; letter-spacing:-.25pt; mso-font-kerning:11.0pt;}div.WordSection1 {page:WordSection1;}

Veröffentlicht unter Bücher-Bar / Eine Kolumne, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Die Bücher-Bar / Eine Kolumne / Folge 11

Der Büchersäufer stellt hier Bücher vor, die er mit Genuss bis zur Neige geleert, oder an denen er lieber nur kurz genippt hat.

Heute geht es um Facebook. Ich habe schon vor Jahren meinen Account gelöscht und nachdem ich jetzt “Inside Facebook. Die hässliche Wahrheit” gelesen habe, weiß  endlich auch warum.

Nachrichten über Nachrichtenhändler

Sheera Frenkel und Cecilia Kang: "Inside Facebook. Die Hässliche Wahrheit". Übersetzt von Henning Dedekind, Marlene Fleißig, Frank Lachmann und Hans-Peter Remmler. S.Fischer Verlag,  24 Euro

Sheera Frenkel und Cecilia Kang: “Inside Facebook. Die Hässliche Wahrheit”. Übersetzt von Henning Dedekind, Marlene Fleißig, Frank Lachmann und Hans-Peter Remmler. S.Fischer Verlag, 24 Euro

Als Mark Zuckerberg noch nicht der weltbekannte Facebook-Boss Mark Zuckerberg war, sondern Student in Harvard, experimentierte er bereits mit einem sozialen Netzwerk für seine Mitstudenten. Schon bald prahlte er in einem Online-Chat mit einem Freund, er könne Informationen über fast jeden in Harvard beschaffen, er haben bereits „4000 E-Mails, Bilder, Adressen“. Auf die erstaunte Frage, wie er das geschafft habe, antwortete er: „Die Leute haben es eingegeben.“ Und nach einer Pause: „Ich weiß nicht, warum.“ Erneute Pause: „Sie ‚vertrauen mir’.“ Und dann: „Vollidioten“.

Es ist immer schön zu wissen, was ein Unternehmer von den Leuten hält, die ihn reich machen. Für jeden, der im Fall von Mark Zuckerberg mehr darüber erfahren möchte, ist das Buch von Sheera Frenkel und Cecilia Kang eine wahre Fundgrube: „Inside Facebook. Die hässliche Wahrheit“ (S.Fischer, 24 Euro).

Für Kenner der IT-Branche ist das alles vermutlich nicht neu. Viele dieser Nerds geben einem ja gern das Gefühl, sie wüssten alles, was es zu wissen gibt, stehen dann aber mit offenen Schnürsenkeln vor einem, weil sie keinen Schimmer haben, wie sie die Dinger zukriegen sollen

Für mich war es jedenfalls lehrreich zu lesen, dass Facebook über die Möglichkeit verfügt, herauszufinden, was seine User tun, wenn sie auf anderen Websites unterwegs sind – und sich mit dieser Fähigkeit vor seinen Anzeigenkunden brüstet. Oder wie früh Zuckerbergs Sicherheitsteam wusste, dass russische Hacker per Facebook illegal Wahlkampf für Donald Trump machten. Und es nicht energisch zu verhindern, sondern vielmehr lange zu vertuschen versuchte. Oder dass Facebook-Posts zu der Hetzjagd auf Rohingyas in Myanmar beitrugen, die dann im Massenmord endete. Und dass die Erkundungsmission der UN zu dem Urteil kam, soziale Medien hätten eine „entscheidende Rolle“ bei diesem Genozid gespielt.

Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Seit der Aussage der Facebook Whistleblowerin Frances Haugen weiß man noch genauer, wie rücksichtslos Facebook seine Profitinteressen über die Stabilität von Demokratie und Gesellschaft stellt. Hier der Link zu einem Spiegel-Video dazu. Unter dem Stichwort Frances Haugen gibt es darüber hinaus jede Menge Informationen zum Thema.

 

Veröffentlicht unter Bücher-Bar / Eine Kolumne, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Über Saskia Lukas sehr politisch-unpolitischen Roman “Tag für Tag”

Im November 2019 hielt ich eine Laudatio auf Saskia Luka anlässlich der Verleihung des Buchpreises der Stiftung Ravensburger für ihren Roman „Tag für Tag“. In der Zeit danach bin ich so vollständig von der Arbeit an meinem Buch “Februar 33″ verschlungen worden, dass ich weder die Zeit noch die Energie fand, die Rede online zu stellen. Das tat mir vor allem leid, weil Saskia Lukas Roman über drei Frauengenerationen und die Jugoslawienkriege ein sehr bedenkenswerter literarischer Versuch über eine unpolitische Haltung in hochpolitischen Zeiten ist. Ich stelle die Laudatio deshalb jetzt nachträglich auf meine Blog und zur Diskussion.

“Das geht mich nichts an”

Ist Politik die Kunst, die Leute daran zu hindern, sich um das zu kümmern, was sie angeht ?

Sehr geehrte Damen und Herren,

Saskia Luka: "Tag für Tag". Roman. Verlag Kein & Aber. 14 Euro

Saskia Luka: “Tag für Tag”. Roman. Verlag Kein & Aber. 14 Euro

die Kriege im ehemaligen Jugoslawien sind zu einem großen Thema der deutschsprachigen Literatur geworden. Das klingt im ersten Augenblick paradox, doch das ist es nicht. Die Debatte um Peter Handkes Verteidigung serbischer Nationalisten und den ihm zugesprochenen Nobelpreis hat 2019 nicht nur im Literaturbetrieb unversöhnliche Gegensätze aufgerissen. Sie zeigte, wie nah uns diese Kriege sind, auch wenn sie inzwischen zwanzig Jahre oder mehr zurückliegen und jenseits der deutschen Landesgrenzen stattfanden. Die Zahl der Romane, Erzählungen, Theaterstücke oder Gedichte in deutscher Sprache – von Saša Stanišićs „Herkunft“ bis Oliver Bottinis „Der kalte Traum“, von Nicol Ljubićs „Meeresstille“ bis Marco Dinić „Die guten Tage“ – die von Erfahrungen aus diesen Kriegen erzählen und literarisch zu verarbeiten versuchen, ist inzwischen fast unabsehbar geworden.

Saskia Luka, die mit dem Buchpreis der Stiftung Ravensburger auszeichnet wird, entwirft in ihrem großartigen Familienroman „Tag für Tag“ die Geschichte dreier Generationen, deren Leben auf jeweils ganz unterschiedliche Weise durch diese Kriege geprägt, verformt, und zerrissen wird. Das Besondere und Riskante an Saskia Lukas Roman wird sofort deutlich, sobald man sich vor Augen stellt, was in diesem Roman NICHT vorkommt. In ihrem Roman spielt Politik fast keine Rolle. All jene Fragen, die in der Debatte um Handke im Zentrum stehen, also wie der Krieg begann, wer wann welches Massaker aus welchen Gründen beging, ob es ein Rache-Massaker war oder ein versuchter Genozid, kurz: wer die Schuld trägt – all diese Fragen haben in diesem Buch keinen Platz. Dieser Roman erzählt von den gleichen Kriegen, aber er erzählt eine andere Geschichte. Eine Familiengeschichte.

Es gibt eine Szene in Saskia Lukas Roman, die diesen Gegensatz mit charakteristischer Offenheit klarstellt. Es ist bezeichnenderweise eine häusliche Szene. Die in Jugoslawien geborenen Maria und ihr deutscher Mann Georg, der dann viel zu früh stirbt, leben in einer glücklichen Ehe, Streit kennen sie kaum. Doch als die Kämpfe in Jugoslawien aufflammen, bricht auch ein Konflikt zwischen ihnen auf – daheim im friedlichen Deutschland. Und zwar weil sich Maria nicht für den Krieg interessiert, der ihr Geburtsland zerstört, sie will keine Nachrichten hören, sie will keine Position beziehen, sie sagt: „Das geht mich nichts an.“ Georg ist daraufhin außer sich: „Wie kannst Du so gleichgültig sein?“ Sie könne doch nicht einfach so weiterleben wie zuvor. „Doch“, antwortet Maria, „das können wir. Das tun alle anderen auch.“ Ihr Mann hält das für Wahnsinn, und Maria entgegnet ihm, der Krieg sei Wahnsinn. Vor Zorn wirft Georg erst die Zeitung, dann Bücher durch den Raum und schließlich alles, was er zu fassen kriegt. „Ich möchte hier glücklich sein“, bekennt Maria. „Um glücklich zu sein“, erwidert ihr Mann, „musst du erst einmal etwas empfinden.“

Saskia Luka  (Foto: Katarina Ivanisevic)

Saskia Luka (Foto: Katarina Ivanisevic)

Kurz: Der Krieg geht auch an Maria in Deutschland nicht spurlos vorüber. Zumindest die Atmosphäre der Aggression und der Wut schwappt über die Landesgrenzen hinweg bis in ihre Ehe hinein. Obwohl sie versucht, sich und die Ihren aus allem herauszuhalten, fliegen plötzlich Zeitungen, Bücher und andere Gegenstände durch die Wohnung und wird ihr von ihrem Mann die Fähigkeit zum Empfinden und Mitempfinden abgesprochen. Aber das ändert an ihrer Haltung nichts. Dieser Krieg ist nicht ihr Krieg, sie will mit ihm nichts zu tun haben.

Womit aber will sie stattdessen etwas zu tun haben?

Ich möchte, bevor ich dieser Frage weiter nachgehe, kurz an den französischen Philosoph und Schriftsteller Paul Valéry (1871-1945) erinnern. Valéry hatte die Gewohnheit, morgens um fünf Uhr aufzustehen, um noch vor Tau und Tag ebenso ungeschützt wie ungeordnet in simple Schulheften zu notieren, was ihm durch den Kopf ging. In einem der Hefte findet sich ein Gedanke, der berühmt wurde und der im radikalen Widerspruch zu allem zu stehen scheint, was wir heute unter staatsbürgerlicher Verantwortung in einer freiheitlichen Demokratie verstehen. „Politik“, schrieb Valéry, „Politik ist die Kunst, die Leute daran zu hindern, sich um das zu kümmern, was sie angeht.“

Paul Valéry (Foto: Pierre Choumoff)

Paul Valéry (Foto: Pierre Choumoff)

Im Sinne dieser Definition scheint mir die Maria, die Saskia Luka in ihrem Roman beschreibt, ein restlos unpolitischer Mensch zu sein. Sie will sich von Politik und Krieg nicht daran hindern lassen, sich ganz entschieden um das zu kümmern, was sie in ihren Augen etwas angeht. Und das sind: Ihre Arbeit als Künstlerin, die Sorge um ihre Familie, die Liebe zu ihrem Mann, die Erziehung ihrer Tochter, die zahllosen kleinen und doch so fundamentalen Mühen des Alltags. Natürlich ist sich Maria klar darüber, dass auch sie Verantwortung trägt und Fehler gemacht hat. Sie hat als junger Frau nicht reagiert, als die verschiedenen Nationalismen im jugoslawischen Vielvölkerstaat plötzlich aufblühten, als „einige kroatische und serbische Schüler, die gestern noch Jugoslawen gewesen waren, plötzlich aufeinander losgingen“, als Mokkatassen und Feuerzeuge mit kroatischen Wappen auftauchten. Doch nachdem Jugoslawien von Fanatikern gespalten und mit populistischen Mitteln aufgehetzt wurde, ist es für sie die einzig denkbare Reaktion, sich eben nicht aufhetzen zu lassen, eben nicht Partei zu ergreifen und mitzukämpfen, sondern das Land zu verlassen, neu anzufangen und sich dort, in dem neuen Land, „um das zu kümmern, was sie angeht“.

Es ist eine Entscheidung, die seinerzeit viele Menschen in Jugoslawien trafen. Wenn ich hier eine kurze persönliche Erinnerung einflechten darf: Unser ältester Sohn Nicolas ging damals in den Kindergarten des Krankenhauses, für das meine Frau arbeitete. Weil in dem Krankenhaus auch zahllose Flüchtlinge aus den jugoslawischen Teilstaaten angestellt waren, traf Nicolas dort auf so viele Spielkameraden, die serbokroatisch sprachen, dass er sich schließlich bei uns beschwerte, wir hätten ihm „diese andere Sprache“ ruhig beibringen können, es sei für ihn mitunter ganz schön lästig, nur Deutsch zu können.

Saskia Luka während der Preisverleihung 2019 in Berlin

Saskia Luka während der Preisverleihung 2019 in Berlin

Unser Sohn machte damit bereits frühzeitig eine Erfahrung, die wir jetzt in der deutschen Literatur nachvollziehen können. Es ist unmöglich geworden, sich vor den Kriegen anderer Länder hinter Grenzen verschanzen zu wollen. Die Folgen dieser Kriege, die Flüchtlinge und ihre Konflikte verändern auch unser Leben. Und deshalb ist es eben nicht paradox, sondern ganz natürlich, wenn die Kriege des zerfallenden Jugoslawien heute zu den wichtigen Themen der deutschsprachigen Literatur zählen. Denn diese Kriege sind zu Geschichte geworden und zu Geschichten, die sich die Menschen hierzulande erzählen, egal ob sie erst seither oder immer schon hier lebten.

Die Geschichten der drei Frauengenerationen, die uns Saskia Luka in ihrem Roman erzählt, sind beides zugleich: persönlich und paradigmatisch. Da ist die Älteste, Lucia, die wie versteinert ist und Jugoslawien nicht verließ, obwohl ihr der Krieg alles genommen hat: ihr Mann ist tot, ihre beiden Söhne sind tot und ihre Tochter ist geflohen. Ihr Leben ist pures Ausharren und Erdulden. „Lucia bleibt stehen und lässt das Leben an sich vorüberziehen“, heißt es einmal in dem Roman.

Ihre Tochter Maria aber erweist sich als das Gegenteil, sie bleibt nicht stehen, sondern flieht und passt sich bereitwillig den neuen Lebensumständen an. Sie ist alles andere als versteinert, sondern höchst flexibel, sie ändert ihren Namen, lernt die fremde Sprache makellos, sie will ihr Geburtsland, das der nationalistischen Raserei verfallen ist, abschütteln und dort leben, wo man sie in Frieden leben lässt: „Mein Leben hat keine Nationalität“, sagt sie einmal: „Ich bin Mensch. Darüber diskutiere ich nicht mehr.“

Doch ausgerechnet in diesem Punkt gerät sie mit ihrer Tochter Anna aneinander. Anna ist zwar in Deutschland geboren und ihre Mutter hat ihr nie ein Wort serbokroatisch beigebracht, doch gerade sie ist mit einem Mal wie ergriffen von dem Land, in dem ihre Großmutter Lucia noch immer lebt. Sie wirft der Mutter vor, ihr die andere Sprache vorenthalten und sich viel zu schrankenlos dem neuen Land angepasst zu haben.

Es ist die alte Frage nach dem richtigen Weg zwischen notwendiger Integration in die Verhältnisse eines Gastlandes und der vielleicht übertriebenen Assimilation an dieses Gastland, die hier von Saskia Luka mit großer Sensibilität als Konflikt zwischen Mutter und Tochter ausgebreitet wird. Die richtige Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Auch das beschreibt Saskia Lukas Roman. Denn die richtige Antwort kann nur individuell von jedem Einzelnen für sich selbst gegeben werden.

Aber ihr Roman zeigt auch, und das hat mich besonders für ihn eingenommen, dass die Anpassungsbereitschaft Marias keine Einbahnstraße ist. Nachdem Lucia gestorben ist und Maria nach Kroatien fährt, um sie dort zu beerdigen, beginnt sie sich diesem Land wieder anzunähern. Vielleicht hat sie tatsächlich keine Nationalität, wie sie es von sich behauptet, aber sie hat Erinnerungen und die werden bei ihren Besuch so stark, dass es ihr immer schwerer fällt, sich wieder von ihrem Geburtsland zu lösen. „Heimat“, denkt sie, „dieses Wort knirschte zwischen den Zähnen wie Sand.“

Saskia Lukas Roman „Tag für Tag“ ist ein konfliktreiches Buch über ein konfliktreiches Thema. Es liefert keine Antworten und erst recht keine Patentrezepte, welche Form von Integration richtig und welcher Grad an Assimilation übertrieben ist. Es zeigt mit großer Ehrlichkeit Menschen, die sich nicht um Politik kümmern wollen, sondern nur um das, was sie persönlich angeht. Auch dies sicher kein Patentrezept, aber zweifellos ein Teil der Realität, in der wir leben. „Tag für Tag“ ist ein Roman, der mit beeindruckender Einfühlungskraft die Lebenserfahrungen einer von Migration geprägten Familie einfängt und dafür wird Saskia Luka mit dem Buchpreis der Stiftung Ravensburger ausgezeichnet. Ich gratuliere Ihnen, Frau Luka, sehr herzlich und danke Ihnen, meine Damen und Herren, für Ihre Aufmerksamkeit.

 

Veröffentlicht unter Personen, Über Bücher | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Die Bücher-Bar / Eine Kolumne / Folge 10

Der Büchersäufer stellt hier Bücher vor, die er mit Genuss bis zur Neige geleert, oder an denen er lieber nur kurz genippt hat.

Heute geht es um das Befinden der deutsche Sprache und die Freude, wenn zwei Worte sich ganz besonders lieb haben und ganz, ganz dicht aneinanderrücken

Von Nacktnasen im Knuffelkontakt

Hermann Ehmann: "Läuft! Neue unverzichtbare Bürofloskeln". Verlag C.H.Beck.155 Seiten. 9,95 Euro

Hermann Ehmann: “Läuft! Neue unverzichtbare Bürofloskeln”. Verlag C.H.Beck.155 Seiten. 9,95 Euro

Vor zwei Jahren hätte ich noch keinen Schimmer gehabt, was das Wort Brückenlockdown bedeuten soll. Oder das Wort Balkonklatscher. Oder Bundesnotbremse. Heute werfe ich mit diesen Begriffen um mich wie ein Karnevalsprinz mit Bonbons.

Seltsam: Sobald vom Zustand der deutschen Sprache die Rede ist, wird immer nur genörgelt und gemeckert. So als pfiffe sie auf dem letzten Loch. Niemand lobt sie mal. Niemand spricht von ihren unglaublichen Fähigkeiten. In Wahrheit ist die deutsche Sprache nämlich sehr gut in Form. Sie ist auf gut Deutsch: topfit

In der kurzen Zeit, seit es Corona gibt, hat sie ein ganzes Arsenal neuer Begriffe entwickelt. Wir laden heute zur Abstandsparty ein, begrüßen Freunde mit Fußgruß, trinken mit ihnen ein Distanzbier, reden über den Impfturbo und tragen dabei unsere Kinnwindel. Klar, wir sind pandemüde, bleiben aber weiterhin bemaskt, weil wir nicht rumaerosolen und superspreadern wollen, denn sonst wird wieder geshutdownt.

Ich liebe das. Ich bewundere das Deutsche für die Gabe, zwei alte Worte zusammenzubacken, um damit etwas Neues präzise auf eine Formel zu bringen – wie Niesscham zum Beispiel oder Lockerungsdrängler. Und ist es nicht fabelhaft, wie selbstbewusst sich das Deutsche englische Vokabeln grammatikalisch zurechtkaut, wenn es zum Beispiel darum geht, ob gezoomt oder gar geboostert werden soll?

Andererseits gibt es natürlich auch Worte, die Neues nicht auf kreative Weise neu bezeichnen, sondern die nur dazu dienen, cool zu klingen und das Gemeinte hinter sprachlichen Nebelkerzen verschwinden zu lassen. Der Journalist Hermann Ehmann hat solche Angeber- und Verdunklungsfloskeln gesammelt und kommentiert in seinem Buch „Läuft!“ (Beck, 9,95 Euro). Wer also wissen will, um welche miesen Tricks es geht, wenn die Kollegen im Büro plötzlich von Active Sourcing, von Bandwidth oder vom Syncen reden, der sollte dringend bei Ehmann nachschlagen.

Veröffentlicht unter Bücher-Bar / Eine Kolumne | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Die Bücher-Bar / Eine Kolumne / Folge 9

Der Büchersäufer stellt hier Bücher vor, die er mit Genuss bis zur Neige geleert, oder an denen er lieber nur kurz genippt hat.

Heute geht es um eine Flüchtlingsgeschiche, die das Zeug zu einem großen Roman hat: Wie rette ich einen Bruder, der am anderen Ende Afrikas verschollen ist? Die Geschichte eines Wegs durch die Wüste, die man nicht so schnell vergisst:

Das neue Herz der Finsternis

Von Kain und Abel bis hin zu den Royals William und Harry sind Bibel und Boulevardzeitungen voller Geschichten über Zank zwischen Brüdern. Von Brüderliebe dagegen wird selten erzählt. Die mythischen Zwillinge Castor und Pollux sind das beste Beispiel, das mir dazu einfällt. Als Castor getötet wird, ist Pollux so untröstlich, dass er Gottvater Zeus darum bittet, ihn im Totenreich suchen zu dürfen, um zumindest vorübergehend bei ihm sein zu dürfen.

Ibrahima Balde / Amets Arzallus: "Kleiner Bruder". Aus dem Baskischen übersetzt von Raul Zelik. Suhrkamp Verlag, 14 Euro

Ibrahima Balde / Amets Arzallus: “Kleiner Bruder”. Aus dem Baskischen übersetzt von Raul Zelik. Suhrkamp Verlag, 14 Euro

Ibrahima Balde, ein junger Mann aus Guinea in Westafrika, hat genau diese Geschichte heutzutage erlebt. Und da Ibrahima Analphabet ist, hat der baskische Sänger Amets Arzallus sie für ihn aufgeschrieben: „Kleiner Bruder“ (Suhrkamp, 14 Euro).

Ibrahima arbeitet in Guinea für einen LKW-Fahrer. Da er selten zu Hause ist, kann er sich nicht um seinen kleinen Bruder Alhassane kümmern, obwohl ihm sein Vater kurz vor dem Tod aufgetragen hat, auf ihn zu achten. Irgendwann kommt ein Anruf vom fernen Mittelmeer am anderen Ende Afrikas: Alhassane hat die übliche Fluchtroute quer durch die Sahara in Richtung Europa genommen, ist in ein gefährliches Lager in Libyen geraten und in höchster Not.

Sofort bricht Ibrahima auf. Um zu Alhassane zu kommen, muss er dieselbe Route nehmen wie Tausende Flüchtlinge vor ihm und nach ihm. Er kämpft um Plätze in Bussen, in LKWs oder Pickups und einmal muss er sogar hunderte Kilometer durch die Wüste, bis seine Beine unerträglich anschwellen. An jedem Etappenziel wird er von Fluchthelfern ausgeraubt und schuftet dann wochenlang für Hungerlöhne, um die Weiterfahrt bezahlen zu können. Er wird geschlagen, er wird beschossen, er wird erpresst und einmal sogar in eine Art  Gefängnis gesteckt – doch nichts kann ihn stoppen, nichts. Kein Weg ist zu weit, kein Risiko zu groß. Er will zu seinem Bruder.

Das riesige Lager am libyschen Meer erweist sich als wahres Inferno, irgendwo in diesem Lager wird immer gerade gekämpft, geschossen, gestorben. Das neue Herz der Finsternis. Aber Ibrahima zögert nicht, er betritt dieses Totenreich bewaffnet nur mit einem winzigen Fotos seines Bruders und dem unbeirrbaren Glauben, sich inmitten der Gefechte zu ihm durchfragen zu können. Es ist eine sehr moderne, sehr traurige Heldengeschichte.

 

Veröffentlicht unter Bücher-Bar / Eine Kolumne | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Die Bücher-Bar / Eine Kolumne / Folge 8

Der Büchersäufer stellt hier Bücher vor, die er mit Genuss bis zur Neige geleert, oder an denen er lieber nur kurz genippt hat.

Heute geht es um Jamaica Kincaid: Eine Autorin, die aus einem wahren Sonnenparadies stammt und so eindringlich von dessen Schattenseiten erzählt, dass ich zu frösteln begann.

Der Fluch der Karibik

Jamaica Kincade: "Nur eine kleine Insel". Übersetzt von Ilona Lauscher. Kampa Verlag, 18 Euro

Jamaica Kincade: “Nur eine kleine Insel”. Übersetzt von Ilona Lauscher. Kampa Verlag, 18 Euro

Jamaica Kincaid wurde 1949 auf der Karibikinsel Antigua geboren. Mit 17 ging sie als Au-pair-Mädchen nach New York. Neben der Arbeit büffelte sie an einer Abendschule, erhielt ein Stipendium, brach aber ihr Studium ab, um Schriftstellerin zu werden. Schon ihre frühen Short-Stories erschienen in den besten Zeitschriften, in „The Paris Review“ und im „New Yorker“. Eine der Geschichten im “New Yorker” trug den Titel “Girl”, sie ist nur 40 Zeilen lang, aber ebenso ergreifend wie kurz.  Heute lehrt Jamaica Kincade, wenn sie keine Romane oder Erzählungen schreibt, an der Harvard University.

Antigua ist keine große Insel, nur 16 Kilometer lang und 24 Kilometer breit. Sie ist wunderschön und bettelarm. Hundertfünfzig Jahre lang ließen hier weiße Siedler afrikanische Sklaven auf Plantagen um ihr Leben schuften. Erst 1981, vor vierzig Jahren, wurde das Land wirklich unabhängig.

Jamaica Kincaid gehört nicht zu den Autorinnen und Autoren, die von dem Glück berichten, dass die Sklaverei abgeschafft wurde, sondern zu denen, die voll Zorn sind darüber, dass Nationen, die sich gern zivilisiert nennen, jemals Sklaverei betrieben haben. In ihrem Buch „Nur eine kleine Insel“ (Kampa, 18 Euro) erzählt sie vom vergangenen Elend Antiguas unter britischer Herrschaft und vom Elend danach unter der angeblich unabhängigen Regierung.

Sie berichtet strikt aus der Perspektive der ehemaligen Sklaven, denen jedes Verständnis fehlt für die Brutalität ihrer ehemaligen Herren: „Wir dachten, sie seien wie Tiere, ein Stück unter dem menschlichen Niveau.“ Queen Victoria, in deren Namen so viel Unrecht verübt wurde, ist für sie nichts als eine „abstoßende Person“. Und auf die Frage, warum es ihrem Land nach seiner Befreiung noch immer nicht besser geht, antwortet Jamaica Kincaid, dass die korrupte neue Regierung genau das nachahmt, was sie von dem Kolonialregime gelernt hat: wie man Leute einsperrt oder umbringt, und wie man den Reichtum des Landes abräumt, um ihn auf Schweizer Konten zu deponieren.

 

Veröffentlicht unter Bücher-Bar / Eine Kolumne, Personen, Über Bücher | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Die Bücher-Bar / Eine Kolumne / Folge 7

Was bleibt uns in Zeiten der Krise? Die Bücher! Das Lesen! Abenteuer im Kopf.

Der Büchersäufer stellt hier Bücher vor, die er mit Genuss bis zur Neige geleert, oder an denen er lieber nur kurz genippt hat.

Heute: Nature writing ist derzeit zwar Trend, aber nicht so mein Ding. Ich bin zwei mit der Natur und war deshalb sofort neugierig auf ein schmales Buch mit dem vielversprechenden Titel Ein Stadtmensch im Wald.

Die Flucht zurück zu den Menschen

Ich bin in Städten aufgewachsen. Ich habe mich in Städten immer wohl gefühlt. Von Wäldern kann ich das nicht sagen. Wälder sind gefährlich. Als Kind stellte ich fest, dass es Leute gibt, die Bäume nicht Bäume nennen, sondern Ulme, Erle, Esche, Eiche oder von mir aus auch Linde. Ich fand das überflüssig, letztlich sehen sie alle gleich aus: Stamm, Äste, Grünzeug. Ein wenig meine ich das heute noch.

Jetzt las ich das Buch „Ein Stadtmensch im Wald“ (Galiani, 14 Euro). Es stammt angeblich von dem Autor H.D. Walden. Doch das ist ein Pseudonym, hinter dem der Schweizer Schriftsteller Linus Reichlin steckt.

H.D.Walden (Linus Reichlin): "Ein Stadtmensch im Wald". Galiani Verlag, 112 Seiten, 14 Euro

H.D.Walden (Linus Reichlin): “Ein Stadtmensch im Wald”. Galiani Verlag, 112 Seiten, 14 Euro

Erzählt wird von einem Naturbanausen, der aus Furcht vor Corona in eine einsame Waldhütte flieht. Er will nichts als allein und in Sicherheit sein. Bäume, Tiere, Pflanzen sind ihm fremd wie der Mars. Doch dann kommen ihn die Tiere besuchen, weil sie Futter wollen, und er beginnt, sie mit Hilfe einer App allmählich kennenzulernen. Was zwei Flügel hat, ist ein Vogel, soviel weiß er. Doch die App erklärt ihm, was ein Kleiber ist, was ein Dompfaff oder eine Mönchsgrasmücke.

Vor allem verliebt er sich in einen Waschbären, der jede Nacht um zwei Uhr auftaucht, um Meisenknödel zu klauen. Kurz: Nach und nach verwandelt ihn die Waldeinsamkeit in einen heiligen Franziskus, der mit den Tieren spricht und lebt.

Bis er einen Schuss hört und begreift, dass es im Wald auch Jäger gibt. Jäger, die Waschbären ermorden. Tagelang rennt er durch den Forst, um den Jäger um das Leben seines Waschbären anzuflehen. Bis ihm klar wird, wie verrückt sein Wunsch ist, ein einzelnes Tier retten zu wollen, und dass der Wald beginnt, ihn tiefer und tiefer in eine Wahnwelt einzuspinnen. Schleunigst packt er seine Sachen und flieht zurück zu den Menschen, zurück in die Stadt. Ein kluges, ein witziges Buch, ein Bericht aus dem Herzen der Finsternis namens Wald.

Veröffentlicht unter Bücher-Bar / Eine Kolumne | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar