Buch&Bar 100 (Jubiläum): Charles Foster “Der Geschmack von Laub und Erde”

Ich wollt, ich wär kein Huhn

Heute: Über tierische Wünsche beim Lesen und Trinken

Charles Foster: "Der Geschmack von Laub und Erde". Wie ich versuchte, als Tier zu leben. Übersetzung: Robert A. Weiß. Malik Verlag, 20 Euro

Wären Sie gern mal ein Tier? Nur für ein paar Tage, so zur Probe? Wenn ja, was für eines? Huhn? Nashorn? Froschkönig? Hängebauchschwein?

Günter Grass sagte mir mal, er glaube nicht an Seelenwanderung, aber falls es sie doch gebe, würde er gern als Kuckuck wiedergeboren werden. Denn der Kuckuck verkünde den Menschen alljährlich „Frühling-wird’s-bald“ und überließe die Aufzucht seines Nachwuchses anderen. Beides fand er klasse.

Von fünf Versuchen als Tier zu leben, berichtet der Brite Charles Foster in seinem witzig-klugen Buch „Der Geschmack von Laub und Erde“ (Malik, 20 Euro). Er grub sich mit der Nase in die Erde wie ein Dachs, schlief in Abflussrohren wie moderne Otter, jagte Mäuse wie ein Fuchs, ließ sich von Bluthunden hetzen wie ein Rothirsch und schnappte mit dem Mund nach Insekten wie ein Mauersegler. Das ist, zugegeben, reichlich skurril. Aber man lernt dabei fabelhaft viel übers Tiersein. Und noch mehr übers Menschsein.

Ich würde gern Mensch bleiben. Selbst das Daseins als Hauskatze – schlafen, fressen, schlafen – reizt mich nicht. Allenfalls das Gestreicheltwerden wäre verlockend. Ersatzweise begnüge ich mich lieber mit einem Cocktail Yellow Cat: Jeweils 2 cl Malibu Kokosnuss-Rum-Likör und trockenen Wermut, gemixt mit 3 cl Orangensaft und Eis. Dann je nach Geschmack auffüllen mit eiskaltem Champagner. Das schlürfe ich, wenn’s sein muss, auch aus einer Vogeltränke.

 

2014 startete BUCH & BAR. Die Kolumne ist schon deshalb absolut unverzichtbar, weil sie dem weltbewegenden Zusammenhang zwischen Lieblingsbegleiter BUCH und Lieblingsaufenthaltsort BAR nachgeht, zwischen Geschriebenem und Getrunkenem, zwischen der Beschwingtheit, in die manche Dichter ebenso wie manche Drinks versetzen können. Also haargenau das,  worauf jeder überzeugte Büchersäufer immer schon gewartet hat – weshalb ich die Kolumnen hier gern frisch auf die Theke meines Blogs serviere.

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Buch&Bar 99: Jakob Arjouni “Happy Birthday Türke”

Jetzt können nur noch Krimis die Welt retten

Heute: Über die ganz, ganz harten Fakten bei Lesen und Trinken

Jakob Arjouni: "Happy Birthday, Türke". Illustrationen: Philip Waechter. Edition Büchergilde. 25 Euro

Wir alle, liebe Leute, wir alle müssen! jetzt!! mehr Krimis!!! lesen!!!! Denn: Der Krimi ist der Roman der Aufklärung. Sein Held, der Detektiv, will die Wahrheit wissen. Nichts als die Wahrheit. Er unterscheidet millimetergenau zwischen News und Fake-News, zwischen Fakten und postfaktischem Gewäsch. Der Detektiv ist die perfekte Gegenfigur zu den Politikern, die heute eigenhändig selbstgeschürte Emotionen gegen hart recherchierte Fakten ausspielen.

Besten Krimi-Lesestoff bieten zum Beispiel der Klassiker „Happy Birthday, Türke“ von Jakob Arjouni, der jetzt mit Illustrationen von Philip Waechter als fabelhaft schöner Band erscheint (Büchergilde, 25 Euro). Der Frankfurter Detektiv Kemal Kayankaya, Sohn türkischer Eltern, ist den größten Teil des Tages ein Kotzbrocken. Er grüßt nicht, dankt nicht, bittet nicht um Entschuldigung, obwohl er oft eine Menge Grund dazu hätte, und bricht anderen auch ohne Not gern mal die Nase. Aber wenn es um die Wahrheit geht, beißt er sich fest wie eine Bulldogge, unbeirrbar, unerschrocken, unermüdlich, bis er seinen Täter hat.

Kayankaya ist kein Mann für elegante Bars, er ist ein Kerl für den Kiosk. Er trinkt Bier zum Frühstück, manchmal auch: statt Frühstück. Und tagsüber dann alles, was er kriegen kann: Wodka, Whisky, Weinbrand, egal. Am liebsten Scotch. Der härteste Scotch ist nach einer Begegnung mit Kayankaya gerade eben hart genug: Die härtesten kommen traditionell von der Westküste Schottlands, Bruichladdich – Octomore 4.2 Comus zum Beispiel mit 61 %vol. So stark und rauchig wie ein Großbrand.

 

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Buch&Bar 98: David Foster Wallace “Der große rote Sohn”

Der Rebell zwischen lauter Lustgeschrei

Heute: Über den  Kampf gegen Klischees beim Lesen und Trinken

David Foster Wallace: "Der große rote Sohn". Übersetzung: Ulrich Blumenbach. Verlag Kiepenheuer & Witsch. 7,99 Euro

Wenn alles mit rechten Dingen zugeht, darf man als Besucher einer Sex-Messe erwarten, mit bedenklichen Obsessionen konfrontiert und um den Inhalt seiner Brieftasche erleichtert zu werden. So weit, so gut und alles im grünen Bereich. Dort aber Zeuge ernster Selbstprüfung eines der Nacktkörper-Vermarkter zu werden, damit ist nicht unbedingt zu rechnen.

1998 besuchte der Schriftsteller David Foster Wallace eine Sex-Messe samt Pornofilm-Preisverleihung. Und schrieb darüber die scharfsinnige und witzige und 100 Seiten lange Reportage „Der große rote Sohn“ (Kiepenheuer & Witsch, 7,99 Euro). Die Sexindustrie liebt es, stellt er fest, gewissenhaft all die Klischees zu erfüllen, die über sie im Umlauf sind. Sie ist vulgär, geldgierig, brutal, rücksichtslos. Bis Wallace einen komplett scharlachrot gekleideten Porno-Filmemacher trifft, der sich nach der guten alten Zeit sehnt, als sein Gewerbe noch verrucht und fast verboten war: „Irgendwie ist es schon langweilig geworden. Heute schaut das jeder. Früher waren wir Rebellen. Heute sind wie Scheißgeschäftsleute.“

Überraschend, nicht war? Ein Moment melancholischer Lebensbilanz inmitten von routiniertem Lustgeschrei. Manchmal ist die Welt doch anders als die Klischees. Aber leider nur manchmal. In einem kreuzbraven Restaurant ließ ich mir mal den angeblich aufregenden Aperitif „Porn Star Martini“ servieren: Vanilla Vodka, Passionsfrucht-Likör, -püree und -saft sowie Vanillezucker. Dazu in einem Extraglas: Prosecco. Klingt nach einer Menge Passion. Schmeckte aber kreuzbrav süßlich.

 

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Buch&Bar 97: Stephen Hawking “Haben Schwarze Löcher keine Haare?”

Die Frisuren der Sterne, oder:
Die neuesten Öfen im Universum

Heute: Heute über Trost für die Seele beim Lesen und Trinken

Stephen Hawking: "Haben Schwarze Löcher keine Haare?" Zwei Vorträge. Übersetzung: Heiner Kober. Rowohlt Verlag. 10 Euro

Zu den ältesten aller Fragen gehört die nach der Entstehung der Welt. Wie hat das alles angefangen? Wie wird es weitergehen? Aber wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, wir haben keinen blassen Schimmer. Die Bibel erzählt die Sache anderes als das I Ging aus China oder der babylonische Codex Hammurapi. Also wurden zu allen Zeiten die weisesten der Weisen gebeten, uns all das zu erklären.

Zurzeit hat der Physiker Stephen Hawking diesen Job. Er ist so etwas wie der Gandalf unserer Epoche. Und er macht es großartig. In seinem neuen kleinen Buch „Haben Schwarze Löchern keine Haare?“ (Rowohlt, 10 Euro) erzählt er wieder von Quantenmechanik, Gravitationskollaps, virtuellen Teilchen und Supertranslation. Kurz gesagt: großes Kino! Offenbar hat sich, falls ich alles richtig verstanden habe, der aktuelle Stand der Dinge in Sachen Schwarze Löcher geändert: Sie sind jetzt doch keine alles verschlingende Monster, denen nichts entgeht, sondern die strahlen Hitze ab wie ein Ofen.

Leider ist es trotzdem nicht mollig warm im All. Glücklicherweise kann man der Kälte in unserem winzigen Eckchen des Alls abhelfen, zum Beispiel mit einem heißen Drink. Angesichts des trüben Winterwetters und der ungeklärten kosmologischen Fragen schlage ich den Cocktail Seelentröster vor: 2 cl Cognac, 2 cl Rum, einen Löffel Honig und eine Tasse Milch unter ständigem Rühren erhitzen, nicht kochen! Und dann im Grogglas servieren.

 

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Buch&Bar 96: Thomas Bernhard “Städtebeschimpfungen”

Der Virtuose des Wutausbruchs

Heute über: Die Lust am Zorn beim Lesen und Trinken

Thomas Bernhard: "Städtebeschimpfungen". Düsseldorf oder München oder Hamburg: lauter Provinzen. Herausgegeben von Raimund Fellinger. Suhrkamp Verlag. 9 Euro

Thomas Bernhards Talent für Beleidigungen und Verunglimpfungen aller Art ist legendär. Er war ein Hochleistungs-Hasser, ein wahrer Champion des Hate-Speech. Raimund Fellinger hat jetzt eine exzellente Kollektion seiner „Städtebeschimpfungen“ zusammengestellt (Suhrkamp, 9 Euro).

Lüttich war in Bernhards Augen „hässlich“, Lübeck „grauenhaft“, Freiburg „entsetzlich“, Chur „trübsinnig“.

Bremen „verabscheute“ er, und „zwar vom ersten Moment an“.

Oslo nannte er „nervenzerstörend“, Montreux ein „kaltes Loch“, Stockholm „öde“ und Neapel „allertiefste Provinz“.

Von Passau hielt er gar nichts: „Vor Hilflosigkeit und Hässlichkeit und widerwärtiger Plumpheit strotzend“.

Regensburg war für ihn „kalt und abstoßend“. Salzburg „kunst- und geistfeindlich“. Wien ein „Friedhof“. Augsburg eine einzige „Lechkloake“.

Ja, selbst Paris fand er „abscheulich“: eine „verstaubte Wüste“.

Lustig, nicht wahr? Wer je Louis de Funès sah oder Giovanni Trapattonis „Ich habe fertig“-Rede hörte, weiß, wie komisch rasende, permanente, überschäumende Wut sein kann. Lässt sich all der politische Hass, von dem derzeit so viel die Rede ist, vielleicht einfach bei einem guten Cocktail niederlachen und kaputtkichern? Ich würde dazu einen Laughing Buddha empfehlen: 6 cl Wodka Citron, 3 cl Limettensaft, 3 cl Ingwerbier, drei Ingwerscheiben und etwas Serrano-Pfeffer. Scharf macht lustig.

 

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Buch&Bar 95: Fjordor M. Dostojewski “Der Spieler”

Auch Genies sind manchmal saublöd

Heute über: Weise und weiße Russen beim Lesen und Trinken

Fjodor M. Dostojewski: "Der Spieler oder Roulettenburg". Neu übersetzt, kommentiert und mit einem Nachwort von Alexander Nitzberg. dtv. 22 Euro

AfD-Vize Alexander Gauland pflegt sein Image als Literaturliebhaber wie ein Eintänzer seine Schmalzlocke. Wer wissen möchte, weshalb er Fjodor M. Dostojewski so klasse findet, sollte „Der Spieler“ (dtv, 22 Euro) lesen. Es ist Dostojewskis kürzester Roman, gerade mal 200 Seiten lang. Liest man an einem Wochenende weg. Alexander Nitzberg hat ihn jetzt neu übersetzt in einen fabelhaft raubauzigen, barschen Ton.

Der Held der Geschichte Alexej Iwanowitsch ist ein dröhnend lauter Nationalist und Antisemit. Er ist als Hauslehrer im Gefolge eines russischen Generals in ein deutsches Kurstädtchen gereist und hasst alle Menschen, die keine Russen sind: Die Franzosen beschimpft er als aalglatte Scharlatane, außen elegant und innen hohl. Die Deutschen als geldgeil wie die Juden. Die Polen als Diebe und Heuchler. Nur manche Engländer mag er.

Kein Wunder, wenn so was einem Politiker wie Gauland einleuchtet, der die Menschen gern streng nach Ländergrenzen (Migranten), Religion (Islam) oder Hautfarbe (Boateng) sortiert, bzw. aussortiert. Natürlich war Dostojewski nicht mit all dem Mist einverstanden, den er seiner Figur in den Mund legte. Aber der schwachsinnig nationalistischen Überzeugung, dass es allein das russische Wesen sei, an dem die Welt genesen werde, war er schon.

Die traurige Wahrheit ist: Auch geniale Autoren wie Dostojewski verbreiten gelegentlich die dümmlichsten Thesen. Angesichts dieser ernüchternden Einsicht hatte ich ein wenig Trost nötig. Ich fand ihn einem Cocktail White Russian: 3 cl Wodka, 3 cl Kahlua, 5 cl Sahne und Eis.

 

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Buch&Bar 94: Max Goldt “Lippen abwischen und lächeln”

Stroh dreschen und dummdreist angeben

Heute: Bittersüße Selbstprüfung beim Lesen und Trinken

Max Goldt: "Lippen abwischen und lächeln". Die prachtvollsten Texte 2003 bis 2014 (und einige aus den Neunzigern). Rowohlt Verlag, 24,95 Euro

Ist ja viel von Lügenpresse die Rede in letzter Zeit. Ich halte das zwar für eine ihrerseits übel verlogene Hetzkampagne. Aber als Ansporn, in der eigenen journalistischen Arbeit besser zu werden, kann so eine pauschale Verleumdung dennoch nützlich sein.

Der begnadete Kolumnist Max Goldt zitiert in seinem neuen Buch „Lippen abwischen und lächeln“ (Rowohlt, 24,95 Euro) den hässlichsten Satz der deutschen Sprache, der ihm je unterkam. Er stammt aus einer Theaterkritik: „In schonungslos verknappter Sprache bringt er die alltägliche Gewalt auf die Bühne und liefert so eine radikale Bestandsaufnahme des Lebensgefühls einer Generation.“

Das Schreckliche daran: Derlei hohles Gepupe ist in Feuilleton und Kulturbetrieb leider keineswegs selten. Es ist zwar nicht verlogen, aber grundfalsch. Und wichtigtuerisch. Und strunzdoof. Jeder, der seine Zeitung nach so einem Satz umgehend im Kamin abfackelt, hat meinen Segen.

Nun arbeite ich selbst im Feuilleton – und wer im Glashaus sitzt, der werfe lieber nicht den ersten Stein. Oder so ähnlich. Stattdessen habe ich mich mit Goldts sprachgewaltigem Buch und einem naturgemäß bittersüßen Cocktail namens „The Journalist“ zur weiteren nun doppelt genussvollen Lektüre zurückgezogen: 60 ml Gin, 15 ml trockener und 15 ml süßer Wermut sowie 8 ml Orange Curañao, 8 ml Zitronensaft und ein Spritzer Angosturabitter.

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Buch&Bar 93: Ben Gibson und Patrick Mulligan “Über den Durst”

Was Jet-Piloten hoffentlich erst nach der Landung trinken

Heute: Über Lybien und Weißrussland beim Lesen und Trinken

Ben Gibson, Patrick Mulligan: "Über den Durst". Bier, Wisky & Co in Infographiken. Books4Succes. 29,99 Euro

Vor Jahren schon beschlossen der Designer Ben Gibson und der Lektor Patrick Mulligan, die gesamte Bandbreite des menschlichen Wissens in grafischer Form aufzubereiten. Vernünftigerweise begannen sie beim Bier. Sie erstellten eine präzise Systematik sämtlicher Biergattungen. Danach dann widmeten sie sich abgelegenen Randthemen wie Computertechnologie, Chemie oder Astronomie.

Jetzt sind sie ins Zentrum des allgemeinen Interesses zurückgekehrt, haben das Weltwissen zum Bereich Alkoholika in Grafiken umgesetzt und zum Buch zusammengefasst. Es hört auf den treffenden Titel „Über den Durst“ (Börsenmedien, 29,99 Euro). Man kann ihm so grundlegende Informationen entnehmen wie die, dass ein Deutscher pro Jahr im Schnitt so viel Alkohol trinkt wie 118 Libyer. Weltmeister in der Alkoholvernichtung unter Einsatz der eigenen Leber sind allerdings die Weißrussen mit umgerechnet 17,5 Liter reinem Alkohol jährlich.

Der Band enthält auch sechs große Schautafeln, die Cocktail-Rezepturen ins Bild setzen. Allerdings muss man gut ausgeschlafen und sehr nüchtern sein, um nach diesen visuellen Vorgaben den Drink hinzukriegen. Ich bin lieber in die Victoria Bar gegangen und habe mir, um meinen persönlichen Vorsprung vor den Libyern auszubauen, einen Jet Pilot mixen lassen: 12 Jahre alten Appleton Rum, 8 Jahre alten Barcadi, Lemon Heart 73 % Rum, Falernum Rum-Likör, Absinth, Limetten- und Grapefruitsaft, Zimtsirup und Bitters

 

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Buch&Bar 92: Harry Rowohlt “Und tschüs”

Der Botschafter der knallharten Pointe

Heute: Über Lust am bösen Witz beim Lesen und Trinken

Harry Rowohlt: "Und tschüs". Nicht weggeschmissene Briefe III. Verlag Kein & Aber. 20 Euro

Der Brief-Band „Und tschüs“ (Kein & Aber, 20 Euro) des Übersetzers und Schauspielers Harry Rowohlt ist voller grimmig-schöner Pointen. Tun Sie sich einen Gefallen und: Lesen! Sie!! Das!!! Absolut zauberhaft ist sein Ablehnungsschreiben an einen in Ungnade gefallenen Verleger, der ihm einen Roman zuschickten mit der Bitte, ihn zu übersetzen: „Wenn Sie das Buch zurückhaben wollen: Bis Samstag 14 Uhr liegt es in meinem Papierkorb.“

Hinreißend auch die zehn Goldenen Regeln, die er Autoren ans Herz legte, die händeringend einen Verlag für ihre ungedruckten Manuskripte suchen:

1. Machen Sie’s

2. wie ich.

3. Ich schreibe

4. nur auf

5. Bestellung

6. und brauche mir dann

7. um die Veröffentlichung

8. keine Sorgen

9. zu

10. machen.

Ein einziges Mal saß ich in einer Bar mit Harry Rowohlt an einem Tisch. Er trank Bier. Zugegeben, ein Single-Malt passte imagetechnisch viel besser ins Bild, schließlich war Rowohlt offiziell bestallter „Ambassador of Irish Whiskey“. Doch was wahr ist, muss wahr bleiben. Also entbiete ich diesem Wotan des Wortes meinen Respekt mit Pils im Glas und seinem Lieblingsgruß: „Gottes Segen und Rot Front“.

 

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Benedict Wells: “Vom Ende der Einsamkeit”

Wer könnte ich sein?
Oder: Lobrede auf Benedict Wells

Was lernt man in Lebenskatastrophen über sich selbst? In seinem Roman “Vom Ende der Einsamkeit” erzählt Benedict Wells von drei Kindern, die ihre Eltern verlieren. Und sich fragen, wer sie geworden wären, hätten sie länger in einer Familie statt einem Internat aufwachsen dürfen. Das Buch stand lange auf allen Bestsellerlisten und ist einer der erfolgreichsten deutschen Romane des Jahres 2016. Am 28. November wurde Wells in Berlin für “Vom Ende der Einsamkeit” mit dem mit 12.000 Euro dotierten Buchpreis für Familienroman der Stiftung Ravensburger Verlag ausgezeichnet. Ich durfte den Lobgesang auf das Buch anstimmen. Hier ist er:

Sehr geehrte Frau Hess-Maier, lieber Benedict Wells, meine Damen und Herren,

allen Menschen, so schrieb der Philosoph Ernst Bloch einmal, erscheine in ihrer Kindheit etwas, „worin noch niemand war: Heimat“. Der Satz gehört zu den meistzitierten Sätzen aus Blochs Werk. Es gab Jahre, in denen sich viele freundlichen Seelen, aber auch Seminaristen der Weltrevolution so häufig auf diesen Satz beriefen, dass er bald fadenscheinig wirkte. Bloch hat in den Jahren der Weimarer Republik lange fürs Feuilleton gearbeitet, er verstand sich viel besser auf mitreißende Formulierungen, als man das bei einem deutschen Philosophen erwarten würde. Ob dieser bezaubernde Satz nur fauler Zauber der Rhetorik ist, oder eine zauberhafte, tiefe Wahrheit formuliert, kann letztlich wohl jeder nur für sich selbst und für seine Erfahrungswelt klären.

Benedict Wells: "Vom Ende der Einsamkeit". Roman. Diogenes Verlag. 22 Euro

Mir ging Blochs Satz im Kopf um, als ich den Beginn von Benedict Wells’ Roman „Das Ende der Einsamkeit“ las. In diesen Anfangskapiteln stellt uns der Autor die Familie Moreau vor: die Eltern, die bald beim Autounfall ums Leben kommen werden, den verträumten Jules, aus dessen Perspektive und von dessen Leben der Roman vor allem erzählt, seine impulsive Schwester Liz, den eigenwilligen, zugeknöpften Bruder Marty, und auch die kühle, fern und bitter wirkenden Großmutter. Es wäre leicht gewesen – und jeder schwache Schriftsteller hätte sich vielleicht dazu verführen lassen – das frühe Zusammenleben dieser Familie harmonischer zu schildern, als Benedict Wells es tut. Im Grunde erfahren wir Leser nur von den feinen Bruchlinien, die sich zwischen den Beteiligten abzeichnen, von den Zänkereien zwischen den Kindern, von der zuerst großen Zuneigung, dann der zunehmenden Entfremdung zwischen den Eltern, von der Schwäche des Vaters und dem distanzierten Verhältnis zur Großmutter.

Nein, als ungetrübte Idylle werden die Jahre der Familie Moreau, in denen die Eltern noch am Leben sind, keineswegs geschildert. Haben die drei Kinder Jules, Marty und Liz also je die Chance gehabt, ihre Kindheit in jener Sphäre zu verbringen, die Bloch mit dem großen, ja fast erdrückend großen Wort Heimat benennt?

Gleich in diesem Eröffnungskapitel, in der Exposition des Romans zeigt sich das literarische Talent des Schriftstellers Wells. Denn obwohl er fast nur von Familienproblemen erzählt, von kleinen, von schleichenden, von verschwiegenen Konflikten, gelingt es ihm dennoch, dem Leser spürbar zu machen, dass und wie sehr die drei Kinder in dieser Familie zu Hause sind, dass also diese Familie mitsamt ihrer Konflikte das Fundament ist, auf dem die Kinder stehen und aufwachsen. Es ist, glaube ich, nicht zuletzt der Ton der Vertrautheit, mit der Jules von diesen spannungsvollen Kräftefeldern innerhalb der Familie berichtet, durch den Wells dieses Kunststück gelingt. Wenn Heimat als ein Ort verstanden wird, in dessen Schönheiten, aber auch in dessen Widersprüchlichkeiten und Kontoversen man wie selbstverständlich hineingewachsen und hineinverwoben ist, dann haben die Kinder Moreau diese Kindheitsheimat wohl tatsächlich erlebt. Wenn man, wie Bloch unter Heimat einen Ort jenseits jeder Entäußerung und Entfremdung versteht, dann hat das letztlich wohl mehr mit universaler Eschatologie als mit konkreter Utopie zu tun.

Wie gut sich Benedict Wells mit Kindheit auskennt und wie genau er sie zu beschreiben versteht, erkennt man noch an einem anderen Aspekt dieses Romanbeginns. Die drei Geschwister Moreau fühlen sich in ihrer Familie sicher und daheim. Aber sie kennen sie nicht. Zumindest nicht deren Vergangenheit. Warum der Vater Frankreich verließ, weshalb er sich mit seiner deutschen Frau ausgerechnet in München niederließen, wieso sein Verhältnis zu seiner Mutter gestört und was eigentlich mit dem früh verstorbenen Onkel Eric geschehen ist, für all das hat Jules allenfalls pauschale Allerweltsantworten. Solche Fragen interessieren ihn nicht. Seine Familie gibt ihm, was er braucht: Geborgenheit. Also ist sie für ihn gut. Alles andere kann ihm gestohlen bleiben. Wir wachsen in unseren Familien nicht auf als Biografen oder Historiker unserer Eltern oder sonstigen Vorfahren. Uns interessiert nicht die Herkunft, sondern die Gegenwart. Das Fragen nach Gründen und manchmal auch nach den Abgründen der Familiengeschichten kommt erst Jahre später und dann müssen wir meist tief graben, bis unter den Allerweltsantworten die etwas spezielleren Wahrheiten sichtbar werden.

Benedict Wells: "Vom Ende der Einsamkeit". Roman. 6 Audio-CDs. 455 Minuten. gesprochen von Robert Stadlober. Diogenes Verlag. 25 Euro

Die Kindheit der Geschwister Moreau endet abrupt mit einem Anruf kurz nach Weihnachten, als sie 11, 13 und 14 Jahre alt sind. Der Tod der Eltern verändert nicht nur ihre Lebenswege, sondern er verändert sie selbst, er verändert sie in ihrem Wesen. Das ist die Versuchsanordnung des Romans: Benedict Wells spürt dem Unterschied nach zwischen den Personen, die diese drei Kinder möglicherweise hätten werden können und den Personen, die sie nach ihrer Lebenskatastrophe tatsächlich geworden sind. Zumindest denkt Jules häufig über diese Fragen nach, nicht zuletzt weil er mit seiner Entwicklung hadert, die ihn mutloser und gehemmter hat werden lassen. Doch Wells bieten uns mit Liz und Marty noch zwei andere Reaktionsweisen auf die selbe gewaltsame Lebenszäsur an: Liz erweist sich als der Gegensatz zum introvertierten Jules, sie ist lebenshungrig, ungestüm und reichlich unachtsam im Umgang mit ihrer Gesundheit. Die Diagnose dazu stellt sie sich selbst: Sie habe nach dem Tod der Eltern „dafür gesorgt, dass es nie mehr still war, dass mein Geist nie mehr zur Ruhe kam.“ Denn so ein Dasein im Modus permanenter Höchstgeschwindigkeit ist keine schlechte Möglichkeit, unerwünschte Empfindungen unempfunden hinter sich zurückzulassen. Und Marty? Marty war immer schon, wie man früher gesagt hätte, ein Tüftler. Heute gibt man diesem Menschenschlag gern den Namen Nerd. Er ist eher an Aufgaben, an komplexen Problemen, an Sachfragen interessiert, sein Bedürfnis nach menschlichen Beziehungen ist geringer und reduziert sich auf ganz wenige Personen, weshalb es leicht so wirkt, wie Jules einmal sagt, als fühle Marty sich „im Innersten unangreifbar“.

Wer sich ganz eng an dem Begriff „Familienroman“ festklammert, kann sich auf den Standpunkt stellen, im Grunde erzählten nur die ersten 50 Seiten dieses Buches bis zum Unfalltod der Eltern tatsächlich von einer kompletten Familie. Doch ich glaube, auf diese Weise wird man der Idee nicht gerecht, die wohl hinter einem Familienroman stehen sollte, nämlich mit literarischen Mitteln, mehr über dieses ebenso einmalige wie vielfältige Beziehungsgeflecht Familie zu erfahren. Benedict Wells’ Roman „Vom Ende der Einsamkeit“ ist vieles zugleich, ein Kindheitsroman, ein Liebesroman, ein psychologischer Entwicklungsroman. Aber neben all dem ist er vor allem eines: ein Familiensehnsuchtsroman. Jedes der drei Geschwister Moreau versucht auf seine Weise jenes Beziehungsgeflecht, aus dem sie so früh herausgerissen wurden, für sich wiederherzustellen: Der in sich und seinen wissenschaftlichen Interessen ruhende Marty, indem er sich sehr früh für eine Frau entscheidet, und dann erleben muss, dass seine Ehe kinderlos bleibt. Liz, deren heikle Leidenschaft für starke Männer sie von einer Liebelei in die nächste treibt, es ihr aber zugleich schwer macht, zu einer dauerhaften Bindung zu finden. Und Jules, der verträumte Zögerer, der viele Jahre und endlose Umwege braucht, bis er seine große Liebe Alva erobert hat und sie dann viel zu schnell wieder an den Krebs verliert.

Vielleicht ist diese Familiensehnsucht eine der Unabänderlichkeiten in den Charakteren der Moreau-Kinder, die auch vom Tod der Eltern unberührt bleibt, ja eher sogar noch verstärkt wird. Ansonsten ist Benedict Wells viel zu behutsam, als dass er bündige Antworten auf die Fragen geben würde, die aus der Versuchsanordnung seines Romans folgen. Vielmehr lässt er die Figuren verschiedene Möglichkeiten durchspielen, was aus ihnen hätte werden können, wenn sie länger mit den Eltern und nicht im Internat aufgewachsen wären. Von der philosophisch geschulten Alva zum Beispiel werden Überlegungen Kierkegaards zur Persönlichkeitsbildung erwogen, die in dem recht martialisch klingenden Satz kulminieren: „Das Selbst muss gebrochen werden, um Selbst zu werden.“ Also die Überzeugung, dass sich der wahre Charakter einer Person erst dann enthüllt, wenn sie durch massive und schmerzhafte Lebensprüfungen auf die Probe gestellt wurde. Jules formuliert das gegen Ende des Romans ähnlich, aber viel vorsichtiger: „Als junger Mann hatte ich“, sagt er, „das Gefühl, seit dem Tod meiner Eltern ein anderes, falsches Leben zu führen. Noch stärker als meine Geschwister habe ich mich gefragt, wie sehr mich Ereignisse aus meiner Kindheit und Jugend bestimmt haben, und erst spät habe ich verstanden, dass in Wahrheit nur ich selbst der Architekt meiner Existenz bin. Ich bin es, wenn ich zulasse, dass meine Vergangenheit mich beeinflusst, und ich bin es umgekehrt genauso, wenn ich mich ihr widersetze.“

Womit sich dann allerdings abschließend die Frage stellen ließe, durch was dieses Ich denn geformt wird, dass sich durch Schicksalsschläge entweder beeinflussen lässt oder sich ihnen widersetzt, dass durch sie stark und unbeirrbar wird wie Marty oder selbstzweiflerisch bzw. sprunghaft wie Jules und Liz? Und der Seelenkenner Sigmund Freud würde an dieser Stelle vielleicht noch auf die grundlegende Ambivalenz jener Anlagen hinweisen, die sich über kurz oder lang zu einem Charakter ausformen, dass also kein Charakter von Anfang an beeinflussbar oder widerständig, stark oder schwach, gut oder böse ist, sondern eben beides zugleich und es kaum möglich ist, die Gründe namhaft zu machen, die eine der beiden Seiten vorübergehend oder dauerhaft die Oberhand gewinnen lassen.

Der Roman von Benedict Wells versucht nicht dieses Rätsel zu lösen. Das wäre größenwahnsinnig und sehr wahrscheinlich schlechte Literatur. Wells erzählt vielmehr von diesem Rätsel, er zeigt uns Menschen, die von diesem Rätsel umgetrieben werden und stellt es damit seinen Lesern in all seiner Unergründlichkeit vor Augen. Das ist ihm in seinem Roman auf beeindruckende, auf großartige Weise gelungen. Deshalb möchte ich ihm hiermit gleich zweifach gratulieren. Erstens natürlich, wie es sich für den Laudator gehört, zum Buchpreis 2016 der Stiftung Ravensburger Verlag, zweitens aber zu seinem lebensklugen Roman. Herzlichen Glückwunsch.

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