Buch&Bar 119: Anke Fesel und Chris Keller “Berlin Heartbeats”

Das Glück der Veteranen

Heute in Buch&Bar: Über die Abenteuer der Freiheit beim betrachten nostalgischer Fotos und natürlich beim Lesen und Trinken

Anke Fesel / Chris Keller: "Berlin Heartbeats". Stories from the wild years. Suhrkamp Verlag. 29,90 Euro

Nicht nur Kriege, sondern auch schöne Ereignisse der Geschichte bringen Veteranen hervor. So zum Beispiel der Mauerfall von Berlin, der die Stadt für ein paar Jahre in einen Abenteuerspielplatz für Erlebnishungrige verwandelte. Die Helden von damals, die sich intensiver als andere in den Taumel stürzten, sind die Veteranen von heute.

Anke Fesel und Chris Keller haben für sie ein leicht nostalgisches Fotoalbum der wilden Jahre in dokumentarischem Schwarzweiß zusammengestellt: „Berlin Heartbeats“ (Suhrkamp, 29,90 Euro). Dazu gibt’s Erinnerungen von alten Kämpen wie Klaus Biesenbach, Frank Castorf oder Sasha Waltz. Überall in der wiedervereinigten Stadt war plötzlich Platz da, schreibt Judith Hermann, „zum Filme zeigen, Radiomachen, Fotografieren, Theaterstücke aufführen: wie Spielen, ohne dass das wirklich etwas wollte, es war alles sehr leicht.“ Doch, fügt sie hinzu, das Glück der unbeschwerten (Selbst-)Entdeckungslust hatte zwei Seiten: „Es hatte auf der einen Seite etwas Zielloses – und auf der anderen Seite war es genau deshalb so bedrückend.“

Drinks werden ja gern nach legendenträchtigen Städten benannt: vom Parisian über den London Buck oder den Manhattan bis hin zum Singapore Sling. Seltsam, in dieser Hinsicht hat das schwer legendenträchtige Berlin noch viel aufzuholen. Immerhin hatte die kürzlich geschlossene „Rivabar“ im S-Bahnbogen am Alexanderplatz schon mal The Mitte Cocktail entwickelt: 5 cl Weinbrand, 2 cl Persico, 2 cl roten Wermut, 2 cl Orangensaft. Perfekt um mit Herzpochen in „Berlin Heartbeats“ zu blättern.

 

2014 startete BUCH & BAR. Die Kolumne ist schon deshalb absolut unverzichtbar, weil sie dem weltbewegenden Zusammenhang zwischen Lieblingsbegleiter BUCH und Lieblingsaufenthaltsort BAR nachgeht, zwischen Geschriebenem und Getrunkenem, zwischen der Beschwingtheit, in die manche Dichter ebenso wie manche Drinks versetzen können. Also haargenau das,  worauf jeder überzeugte Büchersäufer immer schon gewartet hat – weshalb ich die Kolumnen hier gern frisch auf die Theke meines Blogs serviere.

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