Buch&Bar 116: David Van Reybrouck “Gegen Wahlen” und Jason Brennan “Gegen Demokratie”

Soll man politische Macht verlosen?

Heute in Buch&Bar: Über die gedankenspielerische Abschaffung der Demokratie beim Lesen und Trinken

David von Reybrouck: "Gegen Wahlen. Warum Abstimmen nicht demokratisch ist". Aus dem Niederländischen von Arne Braun. Wallstein Verlag. 17,90 Euro

Demokratische Abstimmungen sind heikel. Denn sie können – siehe Brexit, Trump, Türkei – anders ausgehen als erhofft. Da ist es natürlich eine prima Idee, demokratische Wahlen einfach abzuschaffen.

Der Belgier David Van Reybrouck schlägt in seinem Buch „Gegen Wahlen“ (Wallstein, 17,90 Euro) vor, neben den gewählten Volksvertretern auch Bürger für eine Legislaturperiode in die Parlamente zu schicken, die per Losverfahren bestimmt, gut bezahlt und intensiv geschult werden. Das würde die Macht der Parteien einschränken. Und der Amerikaner Jason Brennan empfiehlt in „Gegen Demokratie“ (Ullstein, 24 Euro) unter anderem, nur diejenigen Bürger wählen zu lassen, die grundlegende staatsbürgerliche Kenntnisse nachweisen können. Schließlich darf ja auch keiner Auto fahren ohne Fahrprüfung.

Ob das die Politik besser macht? Weiß der Himmel, keine Ahnung. Sicher ist nur: Gesetze zur Beschneidung des demokratischen Wahlrechts müssten wohl durch demokratische Wahlen beschlossen werden. Das könnte schwierig werden.

Jasin Brennan: "Gegen Demokratie. Warum wir die Politik nicht den Unvernünftigen überlassen dürfen". Übersetzung: Stephan Gebauer. Ullstein verlag. 24 Euro

Abends in der Bar ist mir noch ein anderer Reformvorschlag eingefallen. Der römische Historiker Tacitus schrieb mal, die Germanen hätten bei politischen Versammlungen immer viel Wein getrunken, da sie meinten, Betrunkene könnten nicht lügen. Ich weiß nicht, was Verfassungsrechtler davon halten. Aber lustiger wäre es schon, wenn im Parlament nicht mehr die Roten gegen die Schwarzen anträten, sondern Pinot noir gegen Grünen Veltliner.

 

2014 startete BUCH & BAR. Die Kolumne ist schon deshalb absolut unverzichtbar, weil sie dem weltbewegenden Zusammenhang zwischen Lieblingsbegleiter BUCH und Lieblingsaufenthaltsort BAR nachgeht, zwischen Geschriebenem und Getrunkenem, zwischen der Beschwingtheit, in die manche Dichter ebenso wie manche Drinks versetzen können. Also haargenau das,  worauf jeder überzeugte Büchersäufer immer schon gewartet hat – weshalb ich die Kolumnen hier gern frisch auf die Theke meines Blogs serviere.

 

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