Buch&Bar 105: Jan Mohnhaupt “Der Zoo der anderen”

Die herrliche Ruhe der Elefanten beim Streit

Heute: Über langsame Kühe und andere Zoo-Skandale beim Lesen und Trinken

Jan Mohnhaupt: "Der Zoo der anderen". Als die Stasi ihr Herz für Brillenbären entdeckte & Helmut Schmidt mit Pandas nachrüstete. Hanser Verlag, 20 Euro

Es waren mal zwei kleine Zoodirektoren. Beide so um die 1,70 Meter. Und beide hatten ihren Zoo in der gleichen Stadt. Der eine in Ost-, der andere in West-Berlin. Glücklicherweise stand zwischen ihnen damals eine Mauer, denn leiden konnten sie sich nicht. Aber sobald sich einer etwas schickes Neues für seinen Zoo kaufen konnte, sagen wir: ein Hängebauchschwein, eine Warzenschnecke, ein paar Brüllaffen oder was sonst ein Zoodirektorenherz höher schlagen lässt, luden er den anderen zur Premiere ein, damit er vor Neid richtig schön blass wurde.

Die beiden hießen Klös und Dathe und Jan Mohnhaupt hat ihre sehr lustige, sehr lehrreiche Geschichte jetzt in „Der Zoo der anderen“ aufgeschrieben (Hanser, 20 Euro). Wenn man das Buch liest, wundert man sich, dass seinerzeit aus dem kalten Krieg nicht doch irgendwann mal ein heißer wurde. Als Klös (West) zum Beispiel sein Elefantengehege erweitert hatte, meinte Dathe (Ost) das Gehege sein schön, aber die Elefanten mickrig, woraufhin Klös ihn gegen einen der grauen Riesen schubste und Dathe munter zurückrempelte. Glücklicherweise erklärten sich die Elefanten für neutral und ließen die Menschen das unter sich ausmachen.

Zur Beruhigung habe ich mir nach dem Buch eine Dose „Slow Cow“ aufgemacht, das Gegenteil zu „Red Bull“: Mit Kamille, Baldrian und L-Theanin sorgt die Langsame Kuh für das, was damals auch Ost und West brauchten: für Entspannung.

 

2014 startete BUCH & BAR. Die Kolumne ist schon deshalb absolut unverzichtbar, weil sie dem weltbewegenden Zusammenhang zwischen Lieblingsbegleiter BUCH und Lieblingsaufenthaltsort BAR nachgeht, zwischen Geschriebenem und Getrunkenem, zwischen der Beschwingtheit, in die manche Dichter ebenso wie manche Drinks versetzen können. Also haargenau das,  worauf jeder überzeugte Büchersäufer immer schon gewartet hat – weshalb ich die Kolumnen hier gern frisch auf die Theke meines Blogs serviere.

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