Buch&Bar 99: Jakob Arjouni “Happy Birthday Türke”

Jetzt können nur noch Krimis die Welt retten

Heute: Über die ganz, ganz harten Fakten bei Lesen und Trinken

Jakob Arjouni: "Happy Birthday, Türke". Illustrationen: Philip Waechter. Edition Büchergilde. 25 Euro

Wir alle, liebe Leute, wir alle müssen! jetzt!! mehr Krimis!!! lesen!!!! Denn: Der Krimi ist der Roman der Aufklärung. Sein Held, der Detektiv, will die Wahrheit wissen. Nichts als die Wahrheit. Er unterscheidet millimetergenau zwischen News und Fake-News, zwischen Fakten und postfaktischem Gewäsch. Der Detektiv ist die perfekte Gegenfigur zu den Politikern, die heute eigenhändig selbstgeschürte Emotionen gegen hart recherchierte Fakten ausspielen.

Besten Krimi-Lesestoff bieten zum Beispiel der Klassiker „Happy Birthday, Türke“ von Jakob Arjouni, der jetzt mit Illustrationen von Philip Waechter als fabelhaft schöner Band erscheint (Büchergilde, 25 Euro). Der Frankfurter Detektiv Kemal Kayankaya, Sohn türkischer Eltern, ist den größten Teil des Tages ein Kotzbrocken. Er grüßt nicht, dankt nicht, bittet nicht um Entschuldigung, obwohl er oft eine Menge Grund dazu hätte, und bricht anderen auch ohne Not gern mal die Nase. Aber wenn es um die Wahrheit geht, beißt er sich fest wie eine Bulldogge, unbeirrbar, unerschrocken, unermüdlich, bis er seinen Täter hat.

Kayankaya ist kein Mann für elegante Bars, er ist ein Kerl für den Kiosk. Er trinkt Bier zum Frühstück, manchmal auch: statt Frühstück. Und tagsüber dann alles, was er kriegen kann: Wodka, Whisky, Weinbrand, egal. Am liebsten Scotch. Der härteste Scotch ist nach einer Begegnung mit Kayankaya gerade eben hart genug: Die härtesten kommen traditionell von der Westküste Schottlands, Bruichladdich – Octomore 4.2 Comus zum Beispiel mit 61 %vol. So stark und rauchig wie ein Großbrand.

 

2014 startete BUCH & BAR. Die Kolumne ist schon deshalb absolut unverzichtbar, weil sie dem weltbewegenden Zusammenhang zwischen Lieblingsbegleiter BUCH und Lieblingsaufenthaltsort BAR nachgeht, zwischen Geschriebenem und Getrunkenem, zwischen der Beschwingtheit, in die manche Dichter ebenso wie manche Drinks versetzen können. Also haargenau das,  worauf jeder überzeugte Büchersäufer immer schon gewartet hat – weshalb ich die Kolumnen hier gern frisch auf die Theke meines Blogs serviere.

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