Martin Walser

Ein Gespräch mit Martin Walser über den Tod, die Flüchtlinge, Angela Merkel und sich selbst als Roman sowie “Ein sterbender Mann”.

Das Interview aus dem heute erschienenen, aktuellen Heft des FOCUS

„Was Angela Merkel gemacht hat“, sagt der Schriftsteller Martin Walser im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin FOCUS zur Flüchtlingskrise: „war großartig. Ganz großartig. In Deutschland wurde zum ersten Mal weltbewegend menschlich reagiert“. In seinem neuen Buch „Ein sterbender Mann“ habe er nicht widerstehen können, seinen Romanhelden einen „Bericht an die Regierung“ schreiben zu lassen, in dem er vorschlägt, jeder deutsche „Hausbesitzer solle einen Flüchtling aufnehmen: eine Million Hausbesitzer bringen eine Million Flüchtlinge unter.“

Angela Merkels Satz „Wir schaffen das!“ stimmt Walser ausdrücklich zu: „Es ist doch klar, wir haben doch gar keine andere Möglichkeit mehr, als es zu schaffen. Alles andere wäre viel schlimmer. Wir haben nach 1945 viel mehr schaffen müssen und wir haben es geschafft in einer viel, viel schlechteren wirtschaftlichen Lage.“ Das Wort „Integration“ bezeichnet Walser als „widerlich“ und berichtet von einer Farbigen, die er kennenlernte: „Sie telefonierte und sprach ein wundervolles Deutsch. Sie hat lauter Worte und Wendungen benutzt, die man nur benutzt, wenn man in Deutschland ganz und gar zu Hause ist. Zu Hause ist! Ihre Heimat ist hier. Wer so in der Sprache angekommen ist wie diese Frau, ist ein Einheimischer.

Walser betrachtet sich als sehr heimatverbundenen Schriftsteller, den seine Geburtsstadt Wasserburg am Bodensee igeprägt hat. Aber: „Mein Wasserburg gibt es nicht mehr“, die Veränderungen der Zeit seien unaufhaltsam: „Heute ist Wasserburg die Heimat anderer Menschen, und die haben ein Recht darauf, es zu ihrer Heimat zu machen, so wie ich damals Wasserburg zu meiner machte.“ Sich dagegen zu sperren, habe keinen Sinn: „Wenn es heute heißt, unser Land wird sich verändern, kann ich nur antworten: Aber ja. Es hat sich immer verändert und wird sich immer weiter verändern.“

Ganz entschieden plädiert Walser für die Chancen, die sich dem Land durch die zuwandernden Flüchtlinge eröffnen: „In 20 Jahren wird es Romane und Gedichte dieser Menschen geben in einer deutschen Sprache, die es zuvor noch gar nicht geben konnte, und das wird ein Reichtum sein! Es ist ein Reichtum, der uns bevorsteht, und keine Beraubung!“

Das Interview mit Walser ist erhältlich bei Blendle unter:

https://blendle.com/i/focus/das-bin-ich-als-roman/bnl-focusde-20160129-125792_das_bin_ich_als_roman

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