Buch & Bar (44): Edith Head “Dress for Success”

Heiratstipps in den Zeiten der rasenden Zeit

Heute über: Mad-Men-mäßiges Lesen und Trinken

Klar, Essen ist auch wichtig. Aber in dieser Kurz-Kolume BUCH & BAR geht es nur um Lesen und Trinken. Warum? Weil beides, in richtiger Qualität und Dosierung, einen kostbaren Fingerbreit über die klägliche Wirklichkeit hinausheben kann.

Edith Head: "Dress for Success. Das kleine Buch für die erfolgreiche Frau". Übersetzt von Yasemin Dincer. Verlag Eden Books. 14,95 Euro

Der Mode-Ratgeber „Dress for Success“ (Edel, 14,95 Euro) stammt von der Hollywood-Kostümbildnerin Edith Head und erschien erstmals 1967. Ich liebe solche Ratgeber. Angeblich sind sie Frauen in Kleiderfragen behilflich, aber in Wirklichkeit geht es um Männer, also auch um mich. Und ich finde es immer gut, wenn es um mich geht.

Edith Head schärft ihren Leserinnen ein, jederzeit und überall nach Männern Ausschau zu halten: Im Büro, in der Kirche, im Country Club! Sobald sie ein „Beutetier“ ausgemacht haben, das sie „lebendig einfangen“ wollen mit „Verlobungsring an der Pfote“, sollen sie sich exakt so kleiden, wie das Zielobjekt es mag, sollen seine Vorlieben und Interessen übernehmen, sollen kochen, was er essen, sagen, was er hören will. Fantastisch! Und ihr Tipp für jeden Notfall lautet ausdrücklich: „Sehen sie einfach hübsch aus und halten Sie den Mund“.

Okay, das klingt alles ein wenig old fashioned, genauer gesagt: Für Tipps wie diese wird man heute schnell mal geteert und gefedert. Aber das Buch ist noch keine 50 Jahre alt, es ist nur Vintage und nicht Steinzeit! Es stammt direkt aus der Welt Don Drapers und seiner Mad Man. Das macht die Tipps nicht besser, zugegeben, aber plötzlich ahnt man, wie sehr die Zeit rast seit 50 Jahren und möchte sich einen Old Fashioned einschenken mit viel Bourbon, wenig Angostura und einer Zuckerwürfel, so wie Don Draper ihn mag, und über den Glasrand melancholisch lächelnd der davonstürmenden Zeit hinterherschauen.

Die Kolumne erschien im Focus vom 31. Oktober 2015. 
 
2014 startete BUCH & BAR im Focus. Die Kolumne ist schon deshalb absolut unverzichtbar, weil sie dem weltbewegenden Zusammenhang zwischen Lieblingsbegleiter BUCH und Lieblingsaufenthaltsort BAR nachgeht, zwischen Geschriebenem und Getrunkenem, zwischen der Beschwingtheit, in die manche Dichter ebenso wie manche Drinks versetzen können. Also haargenau das,  worauf jeder überzeugte Büchersäufer immer schon gewartet hat – weshalb ich die Kolumnen hier gern frisch auf die Theke meines Blogs serviere.
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