Buch & Bar (15): “Die literarische Sau”

Bei Pornos muss ich immer an Sex denken

Klar, Essen ist auch wichtig. Aber in dieser Kurz-Kolume BUCH & BAR geht es nur um Lesen und Trinken. Warum? Weil beides, in richtiger Qualität und Dosierung, einen kostbaren Fingerbreit über die klägliche Wirklichkeit hinausheben kann.

Heute: Über sauscharfes Lesen und eher zartscharfes Trinken

Kürzlich schrieb ich in dieser Kolumne über das Buch Wer hat den schlechtesten Sex? von Rainer Moritz (http://blog.uwe-wittstock.de/?p=1194). Es beschreibt, wie schwer es selbst gefeierten Großschriftstellern fällt, reizvolles Körpergeschehen in reizvolle Wörter zu kleiden und aufs Papier zu bringen. Prompt wuchtete sich ein paar Tage später

"Die literarische Sau". Herausgegeben von Viktor und Viktoria. Verlag Haffmans & Tolkemitt. 19,95 Euro

Die literarische Sau (Haffmans & Tolkemitt, 19,95 Euro) auf meinen Schreibtisch: Eine Anthologie mit sorgsam animierenden Geschichten und Gedichten, die nur wenig andere als pornographische Ziele haben.

Zugegeben, die meisten Beiträge dieses Bandes stammen nicht von Groß-, sondern von ausgesprochenen Kleinschriftstellern. Aber die wissen genau, was sie wollen, widerstehen unerschrocken allen höheren literarischen Zielen und erreichen so treffsicher ihren herrlich niederen Zweck. Wo die Artisten ihre Pirouetten verstolpern, liefern die Facharbeiter gediegene Standards ab. Und, offen gestanden, gediegene Facharbeit ist immer eine feine Sache. Oder um es mit den Worten des unsterblichen Richard Burton zu sagen, der diesem Band das Vorwort lieferte: „All der salbungsvolle Scheiß, der über Pornographie geschrieben wird, ist Unsinn.“

Zur animierenden Literatur passt ein aphrodisierender Drink. Der neue Likör Pussanga behauptet die ultimative Formel gefunden zu haben, um Trinkerinnen und Trinker auf Touren zu bringen. Die stilvolle Bar “Grosz” an Berlins Kurfürstendam bieten ihn bereits an. Ich habe umgehend einen Selbstversuch gemacht: Granatapfel macht Pussanga rot; Ingwer, Chili, und geheimnisvolle Kräuter aus Peru machen ihn scharf. Scharf macht er nicht.

Die Kolumne erschien im Focus vom 11. April 2015. 
2014 startete meine Kurz-Kolumne Buch & Bar im Focus. Sie ist schon deshalb unverzichtbar, weil sie dem weltbewegenden Zusammenhang zwischen Lieblingsbegleiter BUCH und Lieblingsaufenthaltsort BAR nachgeht, zwischen Geschriebenem und Getrunkenem, zwischen der Beschwingtheit, in die manche Dichter ebenso wie manche Drinks versetzen können. Also haargenau das,  worauf jeder überzeugte Büchersäufer immer schon gewartet hat – weshalb ich die Kolumnen hier gern frisch auf die Theke meines Blogs serviere.
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