Buch&Bar 91: Barbara Vinken (Hg.) “Die Blumen der Mode”

Mein Gott, wie laufen Sie denn rum?

Heute: Über megamodisches Lesen und Trinken

"Die Blumen der Mode. Klassische und neue Texte zur Philosophie der Mode". Herausgegeben von Barbara Vinken. Klett-Cotta Verlag. 39,99 Euro

Mode ist unfassbar. Darin ähnelt sie der Kunst. Sie lässt sich nie definieren, sie ist These und Antithese zugleich.

Als die Welt noch mittelalterlich in Ordnung war, hatte jeder Beruf, jede Landschaft eine Tracht, die keiner ungestraft wechseln durfte. Mode wurde (fast) nicht gebraucht.

Sobald in modernen Zeiten die Grenzen zwischen Regionen, sozialen Schichten und neuerdings sogar Geschlechtern durchlässig werden, sich also alles irgendwie immer ähnlicher sieht, brauchen wir dringend Mode, um uns unterscheiden zu können. Sie soll unsere Individualität unterstreichen. Doch sobald wir den Vorbildern der Mode folgen, ist unsere Individualität sofort wieder dahin.

Herrlich verwirrend, nicht? Die Philosophie der Mode gibt manche Nuss zu knacken. Die Kulturwissenschaftlerin Barbara Vinken hat jetzt die wichtigsten Texte zum Thema von Nietzsche bis Simone de Beauvoir, von Georg Simmel bis Sigmund Freud in einem supermodisch gestalteten Band zusammengetragen: „Die Blumen der Mode“ (Klett-Cotta, 49,95 Euro).

Auch die Barkultur kennt Moden, neuerdings z. B. den Cuisine-Style. Ein Trend, der dafür sorgt, dass man seltsame Flüssigkeiten oder Gemüse im Drink findet. Der Barchef der Züricher „Kronenhalle“, Peter Roth, mixt jetzt 4 cl Gin mit 1 cl Olivenöl (!), 6 cl Orangen-Passionsfrucht-Saft, 1 Kugel Zitronensorbet und zerstoßenem Eis zum Olio Nobile. Das ist Mode. Also runter damit.

 

2014 startete BUCH & BAR. Die Kolumne ist schon deshalb absolut unverzichtbar, weil sie dem weltbewegenden Zusammenhang zwischen Lieblingsbegleiter BUCH und Lieblingsaufenthaltsort BAR nachgeht, zwischen Geschriebenem und Getrunkenem, zwischen der Beschwingtheit, in die manche Dichter ebenso wie manche Drinks versetzen können. Also haargenau das,  worauf jeder überzeugte Büchersäufer immer schon gewartet hat – weshalb ich die Kolumnen hier gern frisch auf die Theke meines Blogs serviere.

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