Buch&Bar 58: Castle Freeman “Männer mit Erfahrung”

Die weißen Ritter in ihren Pick-Ups

Heuie: Über heikel cowboymäßig Lesen und Trinken

Castle Freeman: "Männer mit Erfahrung." Übersetzung: Dirk van Gunsteren. Roman. Verlag Nagel & Kimche. 18,90 Euro

Annette ist eine furchtlose Frau. Aber wenn sie im Keller eine Spinne sieht, schreit Sie und verlangt, gerettet zu werden. Für mich sind das kostbare romantische Augenblicke in unserer Ehe: Ich greife den Besen, lege ihn ein wie Lancelot seine Lanze, reite auf meinem Schlachtross in den Keller und töte den Drachen.

Vielleicht die älteste Heldenstory der Welt: Mann beschützt Frau vor Monster. Aber wenn jetzt hierzulande neuerdings ängstliche Leute die Waffenläden glauben leer kaufen zu müssen, klingt sie plötzlich nicht mehr nur romantisch. Der Roman „Männer mit Erfahrung“ von Castle Freeman (Nagel & Kimche, 18,90 Euro) erzählt genau so eine Selbstjustiz-Geschichte – und zwar glänzend. Irgendwo in einer sehr ländlichen Ecke der USA wird eine junge Frau von einem echt fiesen Kerl bedroht. Doch der Sheriff kann erst helfen, wenn ihr wirklich was passiert. Also machen sich zwei Männer auf und dem Kerl den Garaus. Freeman schreibt das in bester Brüder-Coen-Manier: lakonisch, ironisch, komisch – und schwer blutisch. Denn die Erfahrung der Männer mit Erfahrung sagt: Wenn du so was anfängst, musst du es zu Ende bringen. Um jeden Preis.

Nach dem Roman kann man einen Drink gebrauchen. Da Freemans Roman letztlich ein Western ist, auch wenn die Helden hier Pick-ups und keine Pferde reiten, passt ein Whiskey dazu. Der RoughStock Pure Malt aus Montana schmückt sich mit viel Western-Flair, schmeckt aber verblüffend fruchtig und ein wenig süß nach Malzbier.

 

2014 startete BUCH & BAR. Die Kolumne ist schon deshalb absolut unverzichtbar, weil sie dem weltbewegenden Zusammenhang zwischen Lieblingsbegleiter BUCH und Lieblingsaufenthaltsort BAR nachgeht, zwischen Geschriebenem und Getrunkenem, zwischen der Beschwingtheit, in die manche Dichter ebenso wie manche Drinks versetzen können. Also haargenau das,  worauf jeder überzeugte Büchersäufer immer schon gewartet hat – weshalb ich die Kolumnen hier gern frisch auf die Theke meines Blogs serviere.

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