Buch&Bar 50: Richard Ford “Frank”

Tipps für einen behaglichen Abend mit Hurrikan

Heute: Über vanillesüß-zitronensaures Lesen und Trinken 

Klar, Essen ist auch wichtig. Aber in dieser Kurz-Kolume BUCH & BAR geht es nur um Lesen und Trinken. Warum? Weil beides, in richtiger Qualität und Dosierung, einen kostbaren Fingerbreit über die klägliche Wirklichkeit hinausheben kann.

Richard Ford: "Frank". Roman. Übersetzt von Frank Heibert. Verlag Hanser Berlin 2015. 19,90 Euro

Kürzlich war ich auf der Messe „InterWhisky“ in Frankfurt. Einer der raren Orte, an dem stattliche Populationen von Whisky-Aficionados in ihrem bevorzugten Habitat, also umgeben von ein paar hundert Whisky-Sorten, beobachtet werden können: orgiastisches Schnüffeln, Schlürfen, Schlecken überall, hochtourig arbeitende Geschmacksknospen, glückliche Gesichter, rote Backen, Dudelsäcke.

Ich mogelte mich auch in eine der Master Classes: Ein jovialer Schotte erklärte jede Fassdaube einzeln, zwischen denen Glenmorangie zehn Jahre lang reift. Das Ergebnis schmeckte köstlich weich und zart nach Vanille und Zitrone. Seit ich diese Kolumne schreibe, denke ich in solchen Momenten: Zu welchem Buch könnte das passen?

Sehr gut zum Roman „Frank“ von Richard Ford (Hanser Berlin, 19,90 Euro). Ein alter Makler hat sein Haus am Strand von New Jersey rechtzeitig verkauft, bevor Hurrikan „Sandy“ es 2012 zerlegt. Eigentlich sollte er denken: Glück gehabt. Doch vor den Trümmern, die lange sein Heim waren, schliddert er in einer Rückschau aufs Leben, mal vanille-melancholisch, mal zitronenscharf-sarkastisch. Keine spektakuläre Story, aber alles so meisterhaft ausbalanciert, so bis ins Detail stimmig wie bei großen Whiskys. Also: „Frank“ und zwei Fingerbreit Glenmorangie im Glas sollten Ihnen einen behaglichen Winterabend bescheren.

2014 startete BUCH & BAR im Focus. Die Kolumne ist schon deshalb absolut unverzichtbar, weil sie dem weltbewegenden Zusammenhang zwischen Lieblingsbegleiter BUCH und Lieblingsaufenthaltsort BAR nachgeht, zwischen Geschriebenem und Getrunkenem, zwischen der Beschwingtheit, in die manche Dichter ebenso wie manche Drinks versetzen können. Also haargenau das,  worauf jeder überzeugte Büchersäufer immer schon gewartet hat – weshalb ich die Kolumnen hier gern frisch auf die Theke meines Blogs serviere.

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