Buch & Bar (41): Wilhelm Schmid “Vom Nutzen der Feindschaft”

Gibt es noch Ritter in unritterlicher Zeit?

Heute in der Kurz-Kolumne “Buch & Bar”: Über braves Lesen und wildes Trinken – und zwar im Falle von Wilhelm Schmids Plädoyer für den “Nutzen der Feindschaft” samt einem kräftigen Schluck “Zombie”-Cocktail

Wilhelm Schmid: "Vom Nutzen der Feindschaft". Mit Illustrationen von Caroline List. Insel Verlag, Berlin 2015. 8 Euro

Der Philosoph Wilhelm Schmid schwärmt in seinem neuen Buch „Vom Nutzen der Feindschaft“ (Insel Verlag, 8 Euro). Denn, so Schmid, Feindschaft gibt dem Leben ein Ziel (dem Feind schaden), schärft die Sinne (beim Belauern), macht selbstkritischer (um sich ja keine Blöße zu geben), befeuert die Fantasie (beim Ersinnen der nächsten Kriegslist) und setzt ungeahnte Energien frei (sobald der Kampf beginnt).

Kurz, Feinde sind echt super. Fast das Beste im Leben. Wir müssen froh sein, sie zu haben.

Blutig ernst meint Schmid das vermutlich nicht, denn sein Buch ist voller Ratschläge, wie Hass eingedämmt, starre Fronten gelockert, das Menschliche im Feind entdeckt, seine Vernichtung vermieden oder ein Ausweg aus dem Streit gefunden werden kann. Falls ich alles richtig verstanden habe, geht es Schmid also um sehr gepflegte Feindschaften mit gegenseitiger ritterlicher Wertschätzung und so. Sicher, die sind bestimmt prima, mir aber leider noch nie über den Weg gelaufen.

Die Feindschaften, die ich kenne, erinnern mich eher an den Zombie-Cocktail. Für den gibt es nämlich keine festen Regeln: Fünf oder sechs Rumsorten zusammenkippen, darunter gern auch welche mit 70 % Vol., dazu Crushed Ice und irgendwelche Fruchtsäfte, was gerade rumsteht, egal. Kräftig schütteln, trinken und dann Gott befohlen.

Die Kolumne erschien im Focus vom 9. Oktober 2015. 
 
Klar, Essen ist auch wichtig. Aber in dieser Kurz-Kolume BUCH & BAR geht es nur um Lesen und Trinken. Warum? Weil beides, in richtiger Qualität und Dosierung, einen kostbaren Fingerbreit über die klägliche Wirklichkeit hinausheben kann. 2014 startete BUCH & BAR im Focus. Die Kolumne ist schon deshalb absolut unverzichtbar, weil sie dem weltbewegenden Zusammenhang zwischen Lieblingsbegleiter BUCH und Lieblingsaufenthaltsort BAR nachgeht, zwischen Geschriebenem und Getrunkenem, zwischen der Beschwingtheit, in die manche Dichter ebenso wie manche Drinks versetzen können. Also haargenau das,  worauf jeder überzeugte Büchersäufer immer schon gewartet hat – weshalb ich die Kolumnen hier gern frisch auf die Theke meines Blogs serviere.

 

 

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