Buch & Bar (5): Deon Meyer

Die heimlichen Vorlieben der Killer

Klar, Essen ist auch wichtig. Aber in dieser Kurz-Kolume BUCH & BAR geht es nur um Lesen und Trinken. Warum? Weil beides, in richtiger Qualität und Dosierung, einen kostbaren Fingerbreit über die klägliche Wirklichkeit hinausheben kann.

Heute: Über klug gemixtes Lesen und Trinken

Profikiller sind ja im Alltag eher selten. Ich jedefalls kenne keine, weiß also über das Verhalten der Spezies nichts zu berichten. In der Literatur sieht das anders aus. Das bevorzugte Habitat der Profikiller ist nämlich nicht das Leben, sondern der Thriller. Da trifft man sie auf Schritt und Tritt. Zum Beispiel in Deon Meyers starkem Polizeikrimi „Cobra“ (Rütten & Loening, 19,99 Euro). Bei ihm graviert eine Killertruppe sogar Schlangen als Markenzeichen auf ihre Patronenhülsen, was ich mir ein wenig mühsam vorstelle, die Polizeiarbeit allerdings enorm erleichtert. Doch, wie gesagt, ich kenne keine Killer, habe also keine Ahnung, ob sie vielleicht tatsächlich dazu neigen, ihr Arbeitsgerät liebevoll zu verzieren.

Deon Meyer: "Cobra". Übersetzt von Stefanie Schäfer. Rütten & Loening, Berlin 2014. 19,99 Euro

Wer aber bereit ist, diese Vorstellung von hobbykünstlerisch ambitionierten Auftragsmördern zu akzeptieren, kann viel Spaß haben mit diesem Buch. Denn es hat alles, was man von einem guten Krimi erwarten darf: Spannung, Tempo, farbige Charaktere aus unterschiedlichsen sozialen Milieus. Gerade Letzteres ist in diesem Fall besonders lehrreich. Denn Meyers Roman spielt in Kapstadt und zeichnet das Porträt eines Südafrikas, das bis heute von der Verrohung geprägt ist, die sowohl die Apartheid als auch der Aufstand dagegen ins Land trugen.

Kurz: „Cobra“ ist eine kluge Mixtur aus Gesellschaftsskizze und Krimi. Dazu passt ein klassischer Whiskey Sour, diese kluge Mixtur aus Bourbon, frisch gepresstem Zitronensaft und Zuckersirup. Er ist wie Meyers Roman ein Cocktail von der härteren Sorte, nicht gefällig, aber dennoch angenehm.

Die Kolumne erschien im Focus vom 24. Januar 2015. 
2014 startete meine Kurz-Kolumne Buch & Bar im Focus. Sie ist schon deshalb unverzichtbar, weil sie dem weltbewegenden Zusammenhang zwischen Lieblingsbegleiter BUCH und Lieblingsaufenthaltsort BAR nachgeht, zwischen Geschriebenem und Getrunkenem, zwischen der Beschwingtheit, in die manche Dichter ebenso wie manche Drinks versetzen können. Also haargenau das,  worauf jeder überzeugte Büchersäufer immer schon gewartet hat – weshalb ich die Kolumnen hier gern frisch auf die Theke meines Blogs serviere.

 

 

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