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	<title>Die Büchersäufer. Ein Blog von Uwe Wittstock &#187; John F. Kennedy</title>
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	<description>Über Literatur und Literaten</description>
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		<title>Anna Seghers und John F. Kennedy II</title>
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		<pubDate>Fri, 25 May 2018 07:54:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Personen]]></category>
		<category><![CDATA[Über Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Anna Seghers]]></category>
		<category><![CDATA[John F. Kennedy]]></category>

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		<description><![CDATA[Als John F. Kennedy mal Anhalter mitnahm Hatte der junge John F. Kennedy, lange bevor er Präsident wurde, einen Gastauftritt in Anna Seghers berühmtesten Roman &#8220;Das siebte Kreuz&#8221;? Diese Spekulation ist natürlich höchst gewagt, aber es gibt ein paar Indizien &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=2385">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>Als John F. Kennedy mal Anhalter mitnahm</strong></h1>
<h2><strong>Hatte der junge John F. Kennedy, lange bevor er Präsident wurde, einen Gastauftritt in Anna Seghers berühmtesten Roman &#8220;Das siebte Kreuz&#8221;? Diese Spekulation ist natürlich höchst gewagt, aber es gibt ein paar Indizien für sie.<br />
</strong></h2>
<h2><strong>Das großartige und klug gemachte Literaturfestival <a href="https://www.frankfurt-liest-ein-buch.de/2018/">&#8220;Frankfurt liest ein Buch&#8221;</a> war vom 16. bis 29. April des Roman von Anna Seghers gewidmet. Da ich <a href="https://buchhandlung-schutt.buchhandlung.de/shop/magazine/136924/rueckblick_auf_vergangene_lesungen.html">eine der vielen Veranstaltungen </a>zu dem Buch bestreiten durfte, habe ich den Roman wiedergelesen und dabei fiel mir eine ziemlich bemerkenswerte Szene auf, in der der Flüchtling Georg Heisler per Anhalten mitgenommen wurde. Weitere Recherchen machten die Sache immer interessanter. </strong></h2>
<h2><strong>In einem Artikel für die Frankfurter Rundschau vom 30. April 2018 (Seite F3) breite ich meine Indizien aus &#8211; und stelle ihn hier nun online. Meine Behauptung ist natürlich komplett unbeweisbar, aber vielleicht doch bemerkenswert genug, einmal vorgestellt zu werden. Kennedy besuchte Deutschland dreimal zwischen 1937 und 1945. Hinterließ er dabei Spuren in der deutschen Literatur?</strong></h2>
<div id="attachment_2387" class="wp-caption alignleft" style="width: 286px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2018/05/41864029z.jpg"><img class="size-full wp-image-2387" title="41864029z" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2018/05/41864029z.jpg" alt="" width="276" height="475" /></a><p class="wp-caption-text">Anna Seghers: &quot;Das siebte Kreuz&quot;. Ein Roman aus Hitlerdeutschland. Aufbau Verlag. 20 Euro</p></div>
<p>Um die Entstehung von Anna Seghers Roman „Das siebte Kreuz“ ranken sich Legenden. Ich möchte eine neue hinzufügen. Beweisbar ist meine nicht, aber fantasieanregend.</p>
<p>Anna Seghers hatte bereits 1933 vor den Nazis fliehen müssen. <a href="http://www.rotfuchs.net/rotfuchs-lesen/aus-der-entstehungsgeschichte-eines-grossen-seghers-romans.html">Doch auch Jahre später war sie, zeigt ihr Roman, noch immer exzellent orientiert über die Ereignisse und die soziale Atmosphäre in Deutschland.</a> Offenbar erreichte sie über <a href="https://hessen.vvn-bda.de/lore-wolf/">Exilorganisationen wie die „Rote Hilfe“ </a>einen steter Strom von Informationen über Gruppen, die das Hitler-Regime bekämpften. So erhielt sie vermutlich auch Nachricht von der Flucht von sieben Häftlingen aus dem KZ Sachsenhausen 1936. Sechs von ihnen wurden eingefangen und an Pfählen auf dem Appellplatz des KZs aufgehängt. Der Siebte aber entkam, sein Pfahl blieb leer und wurde so zum Hoffnungszeichen.</p>
<p>Doch wie detailliert waren die Berichte, die Anna Seghers zugetragen wurden? Schließlich lebt ein Roman wie ihrer nicht allein von der Handlungsidee – der dramatischen Flucht –, sondern ebenso von einer Unzahl möglichst überzeugender Kleinigkeiten, die diese Handlung glaubwürdig erscheinen lassen.</p>
<p>Fast in der Mitte ihres Buches hat Anna Seghers eine überraschende Szene eingebaut: Ihre Hauptfigur Georg Heisler wird von einem jungen Ausländer, der einen ausländischen Wagen fährt, per Anhalter mitgenommen. Der Fahrer kaut Kaugummi und spricht gebrochen Deutsch. Die Vermutung, er sei Amerikaner, liegt nahe.</p>
<p>Fabelhaft ist diese Episode schon deshalb, weil Anna Seghers hier den erzählerischen Mut hat, ihren Helden von einer moralisch unvorteilhaften Seite zu zeigen: Heisler erwägt kurz, den freundlichen Fahrer zu ermorden, um den „schönen Schlitten“ zu stehlen. Wie verfiel Anna Seghers auf diese Szene? Sie hatte die Handlung ihres Romans in den Oktober 1937 verlegt, und die Vorstellung von einem jungen Amerikaner, der in dieser Zeit mit einem großen amerikanischen Wagen durch Deutschland reist, liegt nicht eben nahe.</p>
<div id="attachment_2388" class="wp-caption alignright" style="width: 348px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2018/05/36835212z.jpg"><img class="size-full wp-image-2388" title="36835212z" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2018/05/36835212z.jpg" alt="" width="338" height="475" /></a><p class="wp-caption-text">John F. Kennedy: &quot;Unter Deutschen&quot;. Reisetagebücher und Briefe1937-1945 Herausgeber: Oliver Lubrich; Übersetzung: Tessari, Carina. 9,95 Euro</p></div>
<p>Vor fünf Jahren wurde allerdings das Reisetagebuch eines 20-jährigen Amerikaners veröffentlicht, der tatsächlich im 1937 mit seinem <a href="https://www.pinterest.co.kr/pin/534661787006226896/">Ford Deluxe Cabriolet </a>durch Europa tourte und am 21. August von Süden kommend über Frankfurt nach Köln fuhr, also die fiktive Fluchtroute Heislers berührte. Dieser Amerikaner gelangte später ins höchste politische Amt seines Landes und wird bis heute verehrt: Es war John F. Kennedy.</p>
<p><a href="https://www.g-geschichte.de/plus/kennedy-und-die-deutschen/">Er bereiste mit seinem Studienfreund Kirk LeMoyne Billings einen Sommer lang im eigenem Wagen den alten Kontinent. </a>Obwohl der junge Kennedy in Harvard Politik studierte, vertrat er erstaunliche politische Ansichten: „Komme zu dem Schluss, dass Faschismus das Richtige für Deutschland und Italien ist, Kommunismus für Russland und Demokratie für Amerika und England.“ Zudem schreibt er das Wort „Faschismus“ („Fascism“) in seinen Notizen konsequent falsch („Facism“).</p>
<p>Um mehr über Land und Leute zu erfahren, bestand Kennedy darauf, so Billings, „dass wir jeden deutschen Anhalter mitnahmen.“ Darunter sei auch ein Student gewesen, „der sehr gegen Hitler war. Wahrscheinlich ist er jetzt tot.“ In Anna Seghers Roman beginnt die entsprechende Szene mit der Bemerkung, der ausländische Wagenbesitzer habe förmlich Ausschau gehalten nach Anhaltern und „Georgs Wink geradezu erwartet.“</p>
<p>Natürlich kann die Vorstellung, der spätere Präsident Kennedy habe eine Art Gastauftritt im berühmtesten Roman von Anna Seghers, nicht mehr als eine Spekulation sein. Doch ausgeschlossen ist es nicht, dass ihr die unwahrscheinliche Begegnung zwischen einem deutschen Hitlergegner und zwei Amerikanern irgendwo bei Frankfurt bis ins Pariser Exil zugetragen wurde. Ein berührender Gedanke ist es allemal, dass es vielleicht ein Widerstandskämpfer war, der dem Politikstudenten Kennedy zu ein paar realistischen Einsichten über den Nationalsozialismus verhalf.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Anna Seghers und John F.Kennedy</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Apr 2018 16:32:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Personen]]></category>
		<category><![CDATA[Über Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Anna Seghers]]></category>
		<category><![CDATA[John F. Kennedy]]></category>

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		<description><![CDATA[Anna Seghers, &#8220;Das siebte Kreuz&#8221; und John F. Kennedy Hatte der junge John F. Kennedy einen Gastauftritt in Anna Seghers berühmtesten Roman &#8220;Das siebte Kreuz&#8221;? Diese Spekulation ist natürlich höchst gewagt, aber es gibt ein paar Indizien für sie. Was &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=2357">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>Anna Seghers, &#8220;Das siebte Kreuz&#8221; und John F. Kennedy</strong></h1>
<div id="attachment_2363" class="wp-caption alignleft" style="width: 192px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2018/04/51jh7cKhjFL._SX302_BO1204203200_1.jpg"><img class="size-medium wp-image-2363" title="51jh7cKhjFL._SX302_BO1,204,203,200_" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2018/04/51jh7cKhjFL._SX302_BO1204203200_1-182x300.jpg" alt="" width="182" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Anna Seghers: &quot;Das siebte Kreuz&quot;. Roman. Aufbau Verlag, 9.99 Euro</p></div>
<h2><strong>Hatte der junge John F. Kennedy einen Gastauftritt in Anna Seghers berühmtesten Roman &#8220;Das siebte Kreuz&#8221;? Diese Spekulation ist natürlich höchst gewagt, aber es gibt ein paar Indizien für sie. Was ich für ebenso interessant wie amüsant halte. In der Frankfurter Rundschau von heute, 30. April 2018 (Seite F3) breite ich diese Indizien  aus. Meine Behauptung ist natürlich komplett unbeweisbar, aber doch höchst fantasieanregend. Kennedy besuchte Deutschland dreimal zwischen 1937 und 1945. Hinterließ er dabei Spuren in der deutschen Literatur? </strong></h2>
<div id="attachment_2361" class="wp-caption alignleft" style="width: 223px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2018/04/36835212z2.jpg"><img class="size-medium wp-image-2361" title="36835212z" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2018/04/36835212z2-213x300.jpg" alt="" width="213" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">John F. Kennedy: &quot;Unter Deutschen&quot;. Herausgegeben von Oliver Lubrich. Übersetzt von Carina Tessari. Aufbau Verlag, 9,95 Euro</p></div>
<h2><strong>Hier schon mal das Cover von Kennedys Buch &#8220;Unter Deutschen&#8221;. Es enthält unter anderem ein Foto von ihm mit zwei deutschen Anhalter und seinem Ford Deluxe Cabriolet, mit dem er 1937 Europa bereiste &#8211; Anhalter die vielleicht zum Vorbild bzw. zur Inspiration wurden für Georg Heisler, der fliehenden Hauptfigur aus Anna Seghers Roman.</strong></h2>
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		<title>100. Geburtstag von John F. Kennedy &#8211; und sein Blick auf die Deutschen</title>
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		<pubDate>Mon, 29 May 2017 06:54:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Personen]]></category>
		<category><![CDATA[John F. Kennedy]]></category>

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		<description><![CDATA[Vom Playboy zum Präsidenten &#8220;Unter Deutschen&#8221; &#8211; Die Reise-Aufzeichnungen des jungen John F. Kennedy Heute vor 100 Jahren wurde John F.Kennedy geboren. Seine Präsidentschaft 1961-1963 wirkt inzwischen wie ein Auftaktsignal zu der großen liberalen Epoche der westlichen Welt, die heute &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=2222">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>Vom Playboy zum Präsidenten</strong></h1>
<h2><strong>&#8220;Unter Deutschen&#8221; &#8211; Die Reise-Aufzeichnungen des jungen John F. Kennedy</strong></h2>
<h3><strong>Heute vor 100 Jahren wurde John F.Kennedy geboren. Seine Präsidentschaft 1961-1963 wirkt inzwischen wie ein Auftaktsignal zu der großen liberalen Epoche der westlichen Welt, die heute durch Wahlerfolge von Rechtspopulisten und seinen Amtsnachfolger Donald Trump gefährdet ist. Doch auch wenn man Kennedy aus heutiger Perspektive feiern möchte und feiern muss für seine politischen Verdienste, sollte man die mitunter irritierenden politischen Ansichten aus seinen Jugendjahren nicht übersehen. der Kulturhistoriker <a href="http://https://www.amazon.de/Entfernte-Verwandtschaft-Faschismus-Nationalsozialismus-1933-1939/dp/3446205977">Wolfgang Schivelbusch</a> hat einmal <a href="http://http://www.tagesspiegel.de/kultur/interview-der-grosse-schwindel/1388114.html">&#8220;Entfernte Verwandschaft&#8221;</a> behauptet zwischen dem europäischen Faschismus und dem amerikanischen New Deal zwischen 1933 und 1939, also jener Ära, in der John F-Kennedy Schule und Hochschule besuchte. Schivelbuschs Untersuchung ist nicht unumstitten, aber sie kommt einem in den Sinn, wenn man John F. Kennedys Reisetagebuch <a href="http://http://www.buecher.de/shop/drittes-reich/unter-deutschen/kennedy-john-f-/products_products/detail/prod_id/36835212/">&#8220;Unter Deutschen&#8221;</a> (Aufbau Verlag) aus der Zeit von 1937 bis 1945 liest.</strong></h3>
<p>John F. Kennedy ist 20 Jahre alt, als er im Sommer 1937 im Ford Cabrio am Rhein entlang von Frankfurt nach Köln fährt. Er hat alles, was ein Playboy braucht: Charme, Geld, Stilgefühl und unerschöpfliches Interesse an „den Mädels“. Nur von Politik hat er keine Ahnung.</p>
<div id="attachment_2223" class="wp-caption alignright" style="width: 309px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2017/05/36835212z.jpg"><img class="size-full wp-image-2223" title="36835212z" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2017/05/36835212z.jpg" alt="" width="299" height="420" /></a><p class="wp-caption-text">John F. Kennedy: &quot;Unter Deutschen&quot;. Reisetagebücher und Briefe 1937 - 1945. Aufbau Verlag. 9,95 Euro</p></div>
<p>In seinem Reisetagebuch „Unter Deutschen“, das 2013 in Deutschland erstmals gedruckt wird, schreibt er: „Die Städte sind alle sehr reizend, was zeigt, dass die nordischen Rassen den romanischen gewiss überlegen zu sein scheinen. Die Deutschen sind wirklich zu gut – deshalb rottet man sich gegen sie zusammen, um sich zu schützen . . .“</p>
<p>Weshalb Kennedy dennoch kein Lebemann mit kruden Ansichten, sondern ein liberaler Präsident der Vereinigten Staaten wurde, vielleicht einer der liberalsten und wichtigsten in der Geschichte der USA, gehört zu den vielen Rätseln seines Lebens.</p>
<p>Er hatte das erste Jahr an der Elite-Universität Harvard hinter sich, als er 1937 zu seiner Europa-Reise aufbrach. Zusammen mit dem Freund Lem Billings ließ er sich zwei Monate lang durch Deutschland, Frankreich und Italien treiben. Die völkerpsychologischen Ideen, die er in diesen Wochen notiert, sind vor allem zweierlei: ahnungslos und peinlich. So sieht er im Stierkampf den Beweis dafür, dass „diese Südländer, wie etwa diese Franzosen und Spanier, Grausamkeiten regelrecht genießen“. Oder er begeistert sich für die „hübschen“ Italienerinnen: „Die ganze Rasse wirkt attraktiver. Der Faschismus scheint ihnen gutzutun.“</p>
<p>Der Politikstudent Kennedy kennt allerdings nicht einmal die Schreibweise des Begriffs Faschismus: Statt „Fascism“ heißt es bei ihm durchweg „Facism“.</p>
<div id="attachment_2224" class="wp-caption alignright" style="width: 273px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2017/05/36795215z.jpg"><img class="size-full wp-image-2224" title="36795215z" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2017/05/36795215z.jpg" alt="" width="263" height="420" /></a><p class="wp-caption-text">Robert Dallek: &quot;John F. Kennedy. Ein unvollendetes Leben&quot;. Übersetzt von Klaus Binder, Bernd Leineweber, Peter Torberg. Pantheon Verlag. 16,99 Euro</p></div>
<p>Die Begegnung mit den Diktaturen in Italien und Deutschland ist aber auch ein Wendepunkt für den Millionärssohn. Kennedy entwickelte plötzlich, wie Reisebegleiter Billings schreibt, „einen stärkeren Willen, die Probleme der Welt zu durchdenken“. Als er nur zwei Jahre später, kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs, wieder durch Europa reist, ist sein politisches Urteil bereits wacher: „Sollte sich Deutschland zum Krieg entschließen, wird es versuchen, Polen in die Rolle des Aggressors zu drängen.“</p>
<p>Exakt so geschah es drei Monate später,beim Überfall auf den Sender Gleiwitz. Er wurde von SS-Leuten verübt, aber polnischen Freischärlern untergeschoben, um einen Vorwand für den Angriff auf ihr Land zu haben.</p>
<p>Joseph P. Kennedy, der Vater Johns, war damals US-Botschafter in London und schickte ihn auf Erkundungstour nach Deutschland und in fast alle Krisengebiete des Kontinents. Der nun 22-jährige Kennedy berichtet von den Konfliktherden, lässt sich aber nicht davon abhalten, „richtig viel Spaß“ zu haben. So schwärmt er von der „Debütparty“, die man in Warschau für ihn gibt („obwohl die polnischen Mädels nicht so heiß sind“), oder von einem „Leckerbissen“: einer „geschiedenen rumänischen Prinzessin“.</p>
<p>Auch nach Kriegsende reist Kennedy gleich wieder nach Deutschland. Er ist jetzt 28 und hat es als Held einer Seeschlacht im Pazifik bis auf die Titelseite der „New York Times“ gebracht. Im Gefolge des US-Marineministers besucht er die zerbombten Städte und schreibt mit einer Schreibmaschine ein Art Reisetagebuch.</p>
<div id="attachment_2225" class="wp-caption alignleft" style="width: 275px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2017/05/40834556z.jpg"><img class="size-full wp-image-2225" title="40834556z" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2017/05/40834556z.jpg" alt="" width="265" height="420" /></a><p class="wp-caption-text">John F. Kennedy: &quot;Die geheimen Aufnahmen aus dem Weißen Haus&quot;. Mit einem Vorwort von Caroline Kennedy. Übersetzung: Helmut Dierlamm, Dagmar Mallett. Herausgeber: Ted Widmer. List verlag. 12,99 Euro</p></div>
<p>Über seinen Aufenthalt in Berlin heißt es: „Alles ist zerstört. Unter den Linden und die Straßen sind verhältnismäßig frei, doch es gibt kein einziges Gebäude, das nicht ausgebrannt ist. In manchen Straßen ist der Gestank der Leichen überwältigend – süßlich und Ekel erregend. Die Menschen haben vollkommen farblose Gesichter – gelbstichig, mit blassbraunen Lippen. Alle tragen Bündel mit sich herum. Wohin sie unterwegs sind, weiß wohl keiner. Ich frage mich, ob sie selbst es wissen. Sie schlafen in Kellern.“</p>
<p>Wie immer hat Kennedy einen genauen Blick auf die Frauen. Sie „würden für Essen alles tun. Eine oder zwei Frauen trugen Lippenstift, doch die meisten scheinen sich so unscheinbar wie möglich machen zu wollen, um der Aufmerksamkeit der Russen zu entgehen.“ Was ihnen nicht immer leicht falle, denn da sie „mitunter sehr attraktiv sind“. Doch es überrascht Kennedy, wie „aufreizend“ sie sich den „Amerikanern an den Hals“ werfen:.„Sie sagen, es habe vier Jahre lang keine Männer gegeben, und es sei bloße Biologie.“</p>
<p>Auf dem Obersalzberg besichtigt er Hitlers Landsitz und in Berlin dessen verwüstete Reichskanzlei: Sie „war nur noch eine Hülle. In den Mauern klafften Löcher, sie waren von Kugeln zernarbt.“  Ein historischer Augenblick: Der Mann, der nur 16 Jahre später als Präsident der Vereinigten Staaten zum größten Hoffnungsträger seines Zeitalters aufsteigen wird, steht als Sieger im Bunker, in dem sich einer der größten politischen Verbrecher der Geschichte umbrachte.</p>
<p>Doch so gern man ihn bewundern würde: Kennedy zeigt sich der Situation nicht gewachsen. Zum Abschluss seiner Aufzeichnungen spekuliert er, Hitler werde „aus dem Hass, der ihn jetzt umgibt, in einigen Jahren als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten hervortreten, die je gelebt haben“. Grenzenloser Ehrgeiz habe Hitler zur Bedrohung für den Frieden der Welt gemacht. Doch: „Er war aus dem Stoff, aus dem Legenden sind.“</p>
<div id="attachment_2226" class="wp-caption alignleft" style="width: 267px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2017/05/36792286z.jpg"><img class="size-full wp-image-2226" title="36792286z" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2017/05/36792286z.jpg" alt="" width="257" height="420" /></a><p class="wp-caption-text">Alan Posener: &quot;John F. Kennedy&quot;. Biographie. Rowohlt Verlag. 18,95 Euro</p></div>
<p>Kein Wunder, dass Kennedy diese Aufzeichnungen zu Lebzeiten im Verborgenen ließ. Bemerkenswert aber ist, was ihn an Hitler am meisten interessierte: Denn sehr bald schon zählte er selbst zu den charismatischsten Präsidenten, die Amerika je hatte. Seine Legende aber erzählt nicht von Vernichtung und Krieg, sondern vom Mut zur Zukunft und von dem Zutrauen, die Welt zu einem humaneren Ort machen zu können.</p>
<p>1963, vor jetzt 54 Jahren, kam Kennedy zum letzten Mal nach Deutschland und lieferte hier eines seiner politischen Meisterstücke ab. Sein Bruder Joe war im Krieg gegen die Deutschen gefallen. Dennoch setzte er mit einer nur neun Minuten langen Rede einen bis heute unvergessenen Markstein für die Freundschaft beider Länder.</p>
<p>Er erklärte die Menschen der „Frontstadt“ Westberlin zum weltweiten Vorbild im Kampf gegen Totalitarismus und Diktatur: „Alle freien Menschen, wo immer sie leben mögen, sind Bürger Berlins, und deshalb bin ich als freier Mensch stolz darauf, sagen zu können: ‚Ich bin ein Berliner!‘“</p>
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