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	<title>Die Büchersäufer. Ein Blog von Uwe Wittstock &#187; E.L. James</title>
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	<description>Über Literatur und Literaten</description>
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		<title>Buch &amp; Bar: Marquis de Sade</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Mar 2015 09:02:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buch & Bar]]></category>
		<category><![CDATA[de Sade]]></category>
		<category><![CDATA[E.L. James]]></category>
		<category><![CDATA[Marquis de Sade]]></category>
		<category><![CDATA[Volker Reinhardt]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Marquis, der ein kleines Monster war Klar, Essen ist auch wichtig. Aber in dieser Kurz-Kolume BUCH &#38; BAR geht es nur um Lesen und Trinken. Warum? Weil beides, in richtiger Qualität und Dosierung, einen kostbaren Fingerbreit über die klägliche &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=1077">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2><strong>Der Marquis, der ein kleines Monster war</strong></h2>
<p><strong>Klar, Essen ist auch wichtig. Aber in dieser Kurz-Kolume BUCH &amp; BAR geht es nur um Lesen und Trinken. Warum? Weil beides, in richtiger Qualität und Dosierung, einen kostbaren Fingerbreit über die klägliche Wirklichkeit hinausheben kann.</strong></p>
<p><strong>Heute: Mythengesättigtes Lesen und Trinken </strong></p>
<p>Ich gestehe, ich habe „Fifty Shades of Grey“ gelesen. Den ersten Band. Er hat mich erschüttert. Nicht sexuell, sondern weil er so miserabel geschrieben ist. Der Gedanke an den Welterfolg dieser Kitsch-Klischee-Orgie ist jedesmal wie ein Peitschenhieb.</p>
<div id="attachment_1078" class="wp-caption alignright" style="width: 201px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/03/40746687z.jpg"><img class="size-medium wp-image-1078" title="40746687z" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/03/40746687z-191x300.jpg" alt="" width="191" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Volker Reinhardt: &quot;De Sade oder: Die Vermessung des Bösen&quot;. Verlag C.H. Beck, München. 26,95 Euro</p></div>
<p>Apropos Orgie: Ich empfehle das Original statt der literarischen Abziehbildchen von E. L. James: die philosophischpornographischen Romane des Marquis de Sade. An den kuschligen Winterabenden, als Berlin im Januar einschneite, las ich Volker Reinhardts neue, schwerst seriöse Biografie „De Sade“ (C.H.Beck, 26,95 Euro). Der Mann war ein Scheusal, das Prostituierte auspeitschte, aber ein Scheusal mit Power: Immerhin hat er als steinreicher, nahezu unantastbarer Adliger eine blitzsaubere Karriere hingelegt, die ihn über zahlreiche Zuchthäuser bis in die Irrenanstalt führte. Kann man mehr tun, um als Schriftsteller zum Mythos zu werden?</p>
<p>Die Lektüre weckte ein Begehren, und zwar nach einem Drink, der so mythenumwoben ist wie der Marquis: Absinth, das Getränk der Libertins und Bohémiens, zu denen sich de Sade zählte. Der stärkste, den ich kenne, ist Tabu Absinth Classic Strong. Er rühmt sich, den vollen erlaubten Thujon-Gehalt zu bieten. Ich trank ihn mit Eiswasser, das ich über Zuckerwürfel ins Glas laufen ließ, ging zu Bett und freute mich, de Sade nie begegnet zu sein.</p>
<address><em>Diese Kolumne erschien im Focus vom 10. Januar 2014.</em><br />
<em> Im Dezember 2014 startete meine Kurz-Kolumne Buch &amp; Bar im Focus. Sie ist schon deshalb unverzichtbar, weil sie dem weltbewegenden Zusammenhang zwischen Lieblingsbegleiter BUCH und Lieblingsaufenthaltsort BAR nachgeht, zwischen Geschriebenem und Getrunkenem, zwischen der Beschwingtheit, in die manche Dichter ebenso wie manche Drinks versetzen können. Also haargenau das,  worauf jeder überzeugte Büchersäufer immer schon gewartet hat – weshalb ich die Kolumnen hier gern frisch auf die Theke meines Blogs serviere.</em></address>
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		<title>Wer ist Sophie Weiss?</title>
		<link>http://blog.uwe-wittstock.de/?p=734</link>
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		<pubDate>Sat, 09 Mar 2013 18:44:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Personen]]></category>
		<category><![CDATA[E.L. James]]></category>
		<category><![CDATA[Marcel hartges]]></category>
		<category><![CDATA[Sophie Weiss]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Tebbe]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein literarisches Versteckspiel, herrlich! Der überlebensgroße Erfolg der Fifty Shades of Grey von E.L.James hat viele Begierden geweckt. Nicht zuletzt die Begierde anderer Autoren, nach dem gleichen SM-Muster abzukassieren wie die britische Meisterkassiererin. Auf dem Büchertisch meiner nächstgelegenen Großbuchhandlung liegen &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=734">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>Ein literarisches Versteckspiel, herrlich!</strong></h1>
<h2><strong>Der überlebensgroße Erfolg der <em>Fifty Shades of Grey </em>von E.L.James hat viele Begierden geweckt. Nicht zuletzt die Begierde anderer Autoren, nach dem gleichen SM-Muster abzukassieren wie die britische Meisterkassiererin. Auf dem Büchertisch meiner nächstgelegenen Großbuchhandlung liegen deshalb inzwischen neben den drei Bänden <em>Fifty Shades </em>einträchtig drei Bände <em>80 Days </em>von Vina Jackson (zwei weitere folgen bis Mai) und zwei Bände <em>Crossfire </em>von Sylvia Day (ein weiterer bis Mai). Ob Day, ob Grey &#8211; in all diesen Büchern geht es, wie im großen Vorbild von E.L.James, jeweils um eine sehr junge Frau, die den überaus handfesten Verführungskünsten eines wahlweise einflussreichen oder schlicht reichen, immer aber 20 Jahre älteren Herren erliegt und eine bemerkenswerte Mixtur aus Unterwerfung, Schmerz und Lust kennen- und schätzen lernt.</strong></h2>
<p>Auf exakt der gleichen Schiene rollt jetzt auch der Roman <em>Stolz und Demut</em> von Sophie Weiss in die Buchläden. Was meine Neugier auf dieses Buch erregte, waren die kargen Angaben zur Autorinnenbiographie: &#8220;Sophie Weiss ist das Pseudonym einer deutschen Autorin, die bereits mehrere Romane veröffentlicht hat.&#8221; Ein literarisches Versteckspiel, herrlich! Jeder Versuch etwas geheim zu halten, lässt ja sofort die Lust an der Enthüllung ins Kraut schießen.</p>
<div id="attachment_743" class="wp-caption alignright" style="width: 161px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2013/03/36805763n.jpg"><img class="size-full wp-image-743" title="36805763n" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2013/03/36805763n.jpg" alt="" width="151" height="250" /></a><p class="wp-caption-text">Sophie Weiss: &quot;Stolz und Demut&quot;. Roman. Piper Verlag, 15,99 Euro</p></div>
<p>Um es gleich zu sagen: Ich habe einen dringenden Verdacht, aber keine Beweise. Schon aus Gründen der Fairness (und um die investigativen Gelüste findigerer Detektive, als ich einer bin, anzustacheln) werde ich hier keine Namen nennen.</p>
<p>Zunächst zum Buch: <em>Stolz und Demut</em> tritt anfangs so genau in die Fußstapfen der <em>Fifty Shades</em>, dass es mich beim Lesen peinlich berührte. Die unverhohlenen Anleihen beim Vorbild machen plausibel, weshalb hier ein Pseudonym herhalten musste: Niemand möchte sich bei einem derart ungenierten Abkupfern erwischen lassen. Die SM-unerfahrene Studentin Sophie, kurz vom Examen, gerät aus Übermut in einen einschlägigen Club, lernt den &#8211; wie üblich &#8211; rund 2 Jahrzehnte älteren und sehr reichen Richard kennen, der sie in die Szene und Praktiken einführt usw. usf.</p>
<p>Die einzige erwähnenswerte Variante des mittlerweile geläufigen Handlungs- und Personalschemas bringt das Finale: Hier spielt der Roman auf das Kachelmann-Verfahren an. Sophie hat sich in den verheirateten und deshalb auf Diskretion bedachten Richard verliebt. Es kommt zum Streit, er vergewaltigt sie, sie zeigt ihn an, vor Gericht kann sie nichts beweisen, er wird freigesprochen, seine Karriere ist zerstört, seine Ehe ein Trümmerfeld.</p>
<p>Die Geschichte wird mal aus Richards Perspektive, mal aus der Sophies erzählt. Seine Empfindungen, sein Diskretionsbedürfnis, seine Freude am Unterwerfen, seine Schuldgefühle und auch seine Liebe zu seiner Frau werden meines Erachtens viel glaubwürdiger geschildert als Sophies erotische Entdeckungs- und Unterwerfungslust, ihre Liebe zu und dann ihr Zorn auf Richard. Deshalb nehme ich an, hinter dem Pseudonym steckt ein männlicher Autor.</p>
<p>Wer ernstlich darauf bedacht ist, seine Anonymität zu wahren, ist aus Gründen der Tarnung natürlich gut beraten, mit der Wahl des Pseudonyms einen Geschlechtswechsel vorzutäuschen. Tatsächlich nimmt der Piper Verlag die Sache mit dem Pseudonym sehr ernst. Nach Auskunft von Verlagschef Marcel Hartges und Cheflektor Thomas Tebbe kennen nur zwei Personen in ihrem Hause den Klarnamen. Gerade das gibt meines Erachtens einen zweiten Hinweis auf die Identität von Sophie Weiss her: Ein Autor, der um jeden Preis auf die Wahrung seines Pseudonyms bedacht ist, wird sich mit dem betreffenden Manuskript nicht an Fremde, sondern an Verlagsleute wenden, denen er vertraut, weil er schon einmal mit ihnen zusammengearbeitet hat.</p>
<div id="attachment_745" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2013/03/CD36799533z.jpg"><img class="size-medium wp-image-745" title="CD36799533z" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2013/03/CD36799533z-300x276.jpg" alt="" width="300" height="276" /></a><p class="wp-caption-text">Sophie Weiss: &quot;Stolz und Demut&quot;. Hörbuch gesprochen von Stephan Schad und Julia Nachtmann, 3-Audio-CDs, Ungekürzte Lesung: 225 Minuten. Osterwoldaudio, 16,99 Euro</p></div>
<p>Meine Vermutungen sind also: 1.: ein Autor, keine Autorin, 2.: bereits bei Piper verlegt. Das schränkt den Kreis der möglichen Verdächtigen bereits spürbar ein. Kommt hinzu, dass der Roman sprachlich viel besser ist als der ersten Band von E.L. James (den einzigen, den ich kenne). Hier war ein Profi am Werk, der Freude hat am klaren, knappen, handlungsstarken Erzählen. Auch davon gibt es &#8211; zu meinem Bedauern &#8211; nicht so schrecklich viele im deutschsprachigen Literaturbetrieb. Ich blätterte ein wenig im Gesamtverzeichnis des Piper-Verlags und schnell drängte sich mir ein Name auf.</p>
<p>Kurz: Ich habe den Betreffenden angerufen. Das war nicht ganz einfach, seine Mobilnummer wird bei allen Verlagen, mit denen er zusammenarbeitet, unter Verschluss gehalten. Auf seiner Festnetz-Nummer erreicht man seine Assistentin. Die bat ich, dem Autor meinen Wunsch nach Rückruf auszurichten. Als sie mich fragte, um was es mir denn gehe, nannte ich <em>Stolz und Demu</em>t von Sophie Weiss &#8211; was sie ohne weiteres akzeptierte.</p>
<p>Nicht sofort, sondern Tage später rief mein Kandidat zurück. Ich hatte den Eindruck,  er war unruhig und sehr auf der Hut. Als ich ihn fragte, ob er der Autor sei, der sich hinter dem Pseudonym Sophie Weiss verberge, verneinte er. Ich insistierte, er verneinte wieder. Und machte dann Scherze darüber, wie er zu der Ehre komme, als Autor eines Buches zu gelten, das er gar nicht kenne. Wir wechselten das Thema und plauderten über anderes. Woraufhin er sich spürbar entspannte. Was für eine Art Buch <em>Stolz und Demut</em> ist und wovon es handelt, hat er mich nicht gefragt.</p>
<p>Soweit meine Recherchen. Sie haben Spaß gemacht, sind aber bildschön im Sande verlaufen. Es gibt im Werk des Autors, den ich nach wie vor für Sophie Weiss halte, noch ein paar Indizien, die für seine Urheberschaft sprechen. Doch die möchte ich hier nicht ausbreiten, denn durch sie würde er erkennbar. Es wäre aber mehr als unangebracht, ihn einem Verdacht auszusetzen, für den ich keinerlei handfesten Beweis habe. Auch meine oben genannten Vermutungen sind nur Spekulationen, die niemand ernst nehmen muss, der sie nicht ernst nehmen will.</p>
<p>Bleibt meine Hoffnung auf andere Literaturdetektive, die geschickter, scharfsinniger und erfolgreicher sind als ich. Es wäre doch zu schade, wenn dieses fabelhafte literarische Geheimnis ungelüftet bliebe. Ich wünsche allen Suchenden viel Glück.</p>
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		<title>Spät aber dennoch: &#8220;Shades of Grey&#8221;</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Jul 2012 13:23:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Über Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[E.L. James]]></category>
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		<description><![CDATA[Ausgepeitscht vom Märchenprinzen Okay, jetzt habe also auch ich in Shades of Grey reingelesen. Der Rummel um die SM-Schwarte von E.L. James lässt einem ja keine Ruhe. Der erste Band der Trilogie ist tatsächlich dramatisch schlecht geschrieben. Die anderen beiden &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=543">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2><strong>Ausgepeitscht vom Märchenprinzen</strong></h2>
<h3><strong>Okay, jetzt habe also auch ich in <em>Shades of Grey</em> reingelesen. Der Rummel um die SM-Schwarte von E.L. James lässt einem ja keine Ruhe. Der erste Band der Trilogie ist tatsächlich dramatisch schlecht geschrieben. Die anderen beiden habe ich nicht in die Hand genommen. Wer so etwas Literatur nennt, könnte genauso gut einem Antiquitäten-Liebhaber einen Holzscheit auf’s Intarsien-Tischchen knallen und behaupten, zwischen beidem gäbe es keinen Unterschied, schließlich bestünden sowohl Tischchen als auch Scheit aus Holz. Mehr noch: Der Scheit hätte sogar den höheren Heizwert.</strong></h3>
<p><em> </em></p>
<div id="attachment_545" class="wp-caption alignleft" style="width: 173px"><em><em><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/07/Shades.jpg"><img class="size-full wp-image-545" title="Shades" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/07/Shades.jpg" alt="" width="163" height="250" /></a></em></em><p class="wp-caption-text">E.L. James &quot;Shades of Grey - Geheimes Verlangen&quot;. Goldmann Verlag 9,99 Euro</p></div>
<p><em>Shades</em> erreichte knapp das Niveau von <em>Julia</em>-, <em>Jerry Cotton</em>- oder <em>Perry Rhodan</em>-Heftchen. (Ich habe ein paar davon gelesen, unter anderem weil ich mal einen „Kongress der Liebesroman-Autorinnen“ besuchte. Davon bei anderer Gelegenheit mehr.) Aber letztlich sind solche literaturkritischen Erwägungen angesichts der Verkaufszahlen der Trilogie unzureichend und ein wenig albern.</p>
<p>Viel interessanter ist in meinen Augen die Überlegung, weshalb gerade ein solches Buch gerade zu diesem Zeitpunkt so erfolgreich ist. Es gab ja früher schon haufenweise SM-Romane und gibt sie parallel zu E.L. James auch jetzt auf dem Buchmarkt. Den Millionenerfolg fährt aber <em>Shades</em> ein. Das macht die Trilogie aus sozialpsychologischer Perspektive zu einem aufschlussreichen Fall: Welche Leser-Fantasien werden speziell in diesem Buch befriedigt? Was macht diesen „Mommy-Porn“ (<em>New York Times</em>) für so viele Leserinnen so lesenswert? Denn an der Erkenntnis, dass vor allem Frauen <em>Shades</em> verschlingen, lassen die Berichte aus USA wenig Zweifel.</p>
<p>Bei meiner völlig unverantwortlich lückenhaften Vorne-Mitte-Hinten-Lektüre wurde schnell klar, dass der Roman eine soziale Aufsteiger-Story erzählt. Unschuldige Studentin trifft Milliardär, der sie zu seiner Herzallerliebsten erklärt. Das ist naturgemäß schön für die Studentin – und lässt die uralte Geschichte vom unschuldigen Bürgermädchen durchschimmern, das vom örtlichen Grafen entdeckt, begehrt, geheiratet und triumphal ins Grafenschloss heimgeführt wird. Ein Erzählmuster, das in seiner tragischen Spielart von Lessings <em>Emlia Galotti</em> bis Schillers <em>Kabale und Liebe</em>“ etliche bürgerliche Trauerspiele vom Klassiker-Format hervorbrachte.</p>
<div id="attachment_552" class="wp-caption alignright" style="width: 185px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/07/Pretty2.jpg"><img class="size-full wp-image-552" title="Pretty" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/07/Pretty2.jpg" alt="" width="175" height="250" /></a><p class="wp-caption-text">&quot;Pretty Woman&quot; (1990). Regie: Garry Marshall. Drehbuch: J. F. Lawton</p></div>
<p>Da zu meinem Bekanntenkreis bedauerlich wenige Milliardäre zählen, habe ich keine Erfahrung, wie die in Liebesdingen tatsächlich so sind. Andererseits drängt sich da die Kino-Erinnerung an <em>Pretty Woman</em> mit Julia Roberts und Richard Gere als Milliardär auf. Diese soziale Aufsteiger-Geschichte ist sexuell schärfer gewürzt als die alten Jungfrau-meets-Graf-Romane, Julia Roberts spielt bekanntlich eine Prostituierte. Das macht den Film zwar nicht gerade zum Inbegriff einer feministische Vorzeige-Literatur, dennoch teilt er der Heldin die Rolle einer im Bett professionell erfahrenen und wirtschaftlich selbständigen Frau zu. Das ist ja schon mal was, im Vergleich zur Unschuld vom Lande mit ihren Adelsherren.</p>
<p><em>Shades</em> dreht das Rad der Emanzipation gnadenlos zurück. Auch hier wird das alte Erzählmuster erotisch aufgepeppt, diesmal mit einer Portion SM. Aber Heldin Anastasia Steele hat weder von Sex noch von Beruf den blassesten Schimmer und muss auch keinen Schimmer haben, denn sie begibt sich willig errötend in die Arme eines mächtigen Mannes, der all das für sie regelt. Wenn es das ist, was den Massenfantasien der weiblichen Leserschaft derzeit in Wallung bringt, dann darf man das wohl ein bemerkenswertes Signal nennen.</p>
<p>Steeles Beitrag zur Emanzipationsgeschichte beschränkt sich darauf, den Sklavinnen-Vertrag mit Mr. Grey über viele Seiten hinweg beinhart auszuhandeln. Hier macht sie ihrem Namen alle Ehre und wird zur stahlharten Verhandlungspartnerin.</p>
<p>Was lässt sich aus all dem lernen?</p>
<p>1.)   Alte Erkenntnis: Auf literarische Qualität kommt es beim literarischen Erfolg nicht an. Um es mit Eichendorff zu sagen: Schläft ein Lied in allen Dingen, die da träumen fort und fort, und die Kass’ hebt an zu klingen, triffst du nur das Zauberwort. Wer das richtige Thema zum richtigen Zeitpunkt trifft, den hält werden Ochs noch Esel auf: Der hat Erfolg, auch wenn er absolut miserabel schreibt.</p>
<div id="attachment_553" class="wp-caption alignright" style="width: 171px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/07/ShadesEng1.jpg"><img class="size-full wp-image-553" title="ShadesEng" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/07/ShadesEng1.jpg" alt="" width="161" height="250" /></a><p class="wp-caption-text">E.L. James &quot;Fifty Shades of Grey&quot;. Amerikanische Ausgabe. Verlag Vintage, New York</p></div>
<p>2.)   Millionen Frauen träumen offenbar noch immer gern von der alten Märchenprinz-Nummer, bei der sie vom Helden auf dessen edlen Schimmel gezogen und in ein besseres Leben entführt werden.</p>
<p>3.)   Natürlich darf die Geschichte heute sexuell etwas heißer serviert werden. Ein bisschen Härte im Bett wird inzwischen offenbar gern genommen.</p>
<p>4.)   Was die Soziologen seit ein paar Jahrzehnten vorkauen, wird inzwischen auch in der Trivial-Literatur wiedergekäut: Die verbindlichen Normen in Liebensdingen haben sich in postmodernen Zeiten aufgelöst. Partnerschaften werden heute von der Verhandlungs-Ethik regiert. Das Paar klärt in Diskussionen, welche Regeln für ihre Partnerschaft gelten sollen. E.L. James macht das mit dem Sklavinnen-Vertrag überdeutlich.</p>
<p>5.)   Ist erst einmal ein gutaussehender, milliardenschwerer Märchenheld im Spiel, scheint es für die Fantasie der Leserinnen kein Problem zu sein, sich sexuell ganz auf seine Wünsche einzustellen.</p>
<p>6.)   Der miese, ranzige Altherrengedanke liegt nahe: Dass Frauen (zumindest in den Träumen, die sie lesend ausleben) noch immer gern bereit sind, sich kaufen zu lassen, wenn den das finanzielle Angebot wirklich verlockend und der Mann nicht allzu unansehnlich ist. Was auf eine schockierende Schlussfolgerung hinausläuft: Milliardäre haben bessere Chancen bei Frauen als Literaturkritiker! Ein Gedanke, der mich persönlich echt unheimlich betroffen macht.</p>
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