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	<title>Die Büchersäufer. Ein Blog von Uwe Wittstock &#187; Jakob Arjouni</title>
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	<description>Über Literatur und Literaten</description>
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		<title>Buch&amp;Bar 99: Jakob Arjouni &#8220;Happy Birthday Türke&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Feb 2017 09:59:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buch & Bar]]></category>
		<category><![CDATA[Jakob Arjouni]]></category>

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		<description><![CDATA[Jetzt können nur noch Krimis die Welt retten Heute: Über die ganz, ganz harten Fakten bei Lesen und Trinken Wir alle, liebe Leute, wir alle müssen! jetzt!! mehr Krimis!!! lesen!!!! Denn: Der Krimi ist der Roman der Aufklärung. Sein Held, &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=2158">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>Jetzt können nur noch Krimis die Welt retten</strong></h1>
<h2><strong>Heute: Über die ganz, ganz harten Fakten bei Lesen und Trinken</strong></h2>
<div id="attachment_2159" class="wp-caption alignright" style="width: 339px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2017/02/46890733z.jpg"><img class="size-full wp-image-2159" title="46890733z" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2017/02/46890733z.jpg" alt="" width="329" height="475" /></a><p class="wp-caption-text">Jakob Arjouni: &quot;Happy Birthday, Türke&quot;. Illustrationen: Philip Waechter. Edition Büchergilde. 25 Euro</p></div>
<p>Wir alle, liebe Leute, wir alle müssen! jetzt!! mehr Krimis!!! lesen!!!! Denn: Der Krimi ist der Roman der Aufklärung. Sein Held, der Detektiv, will die Wahrheit wissen. Nichts als die Wahrheit. Er unterscheidet millimetergenau zwischen News und Fake-News, zwischen Fakten und postfaktischem Gewäsch. Der Detektiv ist die perfekte Gegenfigur zu den Politikern, die heute eigenhändig selbstgeschürte Emotionen gegen hart recherchierte Fakten ausspielen.</p>
<p>Besten Krimi-Lesestoff bieten zum Beispiel der Klassiker <strong>„Happy Birthday, Türke“</strong> von <strong>Jakob Arjouni</strong>, der jetzt mit Illustrationen von Philip Waechter als fabelhaft schöner Band erscheint (Büchergilde, 25 Euro). Der Frankfurter Detektiv Kemal Kayankaya, Sohn türkischer Eltern, ist den größten Teil des Tages ein Kotzbrocken. Er grüßt nicht, dankt nicht, bittet nicht um Entschuldigung, obwohl er oft eine Menge Grund dazu hätte, und bricht anderen auch ohne Not gern mal die Nase. Aber wenn es um die Wahrheit geht, beißt er sich fest wie eine Bulldogge, unbeirrbar, unerschrocken, unermüdlich, bis er seinen Täter hat.</p>
<p>Kayankaya ist kein Mann für elegante Bars, er ist ein Kerl für den Kiosk. Er trinkt Bier zum Frühstück, manchmal auch: statt Frühstück. Und tagsüber dann alles, was er kriegen kann: Wodka, Whisky, Weinbrand, egal. Am liebsten Scotch. Der härteste Scotch ist nach einer Begegnung mit Kayankaya gerade eben hart genug: Die härtesten kommen traditionell von der Westküste Schottlands, <strong>Bruichladdich &#8211; Octomore 4.2 Comus</strong> zum Beispiel mit 61 %vol. So stark und rauchig wie ein Großbrand.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>2014 startete BUCH &amp; BAR. Die Kolumne ist schon deshalb absolut unverzichtbar, weil sie dem weltbewegenden Zusammenhang zwischen Lieblingsbegleiter BUCH und Lieblingsaufenthaltsort BAR nachgeht, zwischen Geschriebenem und Getrunkenem, zwischen der Beschwingtheit, in die manche Dichter ebenso wie manche Drinks versetzen können. Also haargenau das,  worauf jeder überzeugte Büchersäufer immer schon gewartet hat – weshalb ich die Kolumnen hier gern frisch auf die Theke meines Blogs serviere.</em></p>
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		<title>Statt eines Nachrufs</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Jan 2013 16:29:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Personen]]></category>
		<category><![CDATA[Über Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Eric Ambler]]></category>
		<category><![CDATA[Jakob Arjouni]]></category>

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		<description><![CDATA[Jakob Arjouni ist tot Heute kam die Nachricht, dass Jakob Arjouni in der Nacht zum Donnerstag in Berlin starb. Er hatte Krebs und lange gegen die Krankheit gekämpft. Er wurde nur 48 Jahre alt. Ich habe die meisten seiner Bücher &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=726">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2><strong>Jakob Arjouni ist tot<br />
</strong></h2>
<h3><strong>Heute kam die Nachricht, dass Jakob Arjouni in der Nacht zum Donnerstag in Berlin starb. Er hatte Krebs und lange gegen die Krankheit gekämpft. Er wurde nur 48 Jahre alt. Ich habe die meisten seiner Bücher sehr gemocht, fand manches darin aber auch politisch allzu korrekt. Ist es erlaubt, in einem Artikel zum Tode eines Schriftstellers ihn nicht nur zu loben, sondern auch anzudeuten, wo man glaubt Schwächen seiner Arbeit gesehen zu haben? Kein Zweifel: Arjouni war ein überragendes Talent der zeitgenössischen deutschen Literatur. Dennoch möchte ich hier, statt eines Nachrufs eine Rezension seines Romans &#8220;Kismet&#8221;(2001) zur Diskussion stellen. Denn der Roman zeigt in meines Augen sowohl die Stärken als auch die Schwächen dieses Schriftstellers mit großer Deutlichkeit. Die Rezension ist am 24. Februar 2001 in der &#8220;Welt&#8221; erschienen.</strong></h3>
<p><strong>“Kismet”<br />
Jakob Arjounis Roman ist hinreißend und hat einen Schönheitsfehler</strong></p>
<p>Jakob Arjouni ist, das hat sich inzwischen herumgesprochen, eine der  größten Hoffnungen der deutschen Kriminalliteratur. 1985 veröffentlichte  er im Alter von gerade 21 Jahren in einem Hamburger Kleinverlag seinen  ersten Krimi: “Happy Birthday, Türke!” Schon der zweite, “Mehr Bier”,  erschien 1987 bei Diogenes in Zürich &#8211; und die Feuilletons überschlugen  sich vor Begeisterung. Kein Vergleich schien zu hoch gegriffen, kein  Bezug zu kühn, um seine beiden ersten Arbeiten ins rechte  Scheinwerferlicht zu rücken. Selbst den Olympiern des Hardboiled-Genres,  Dashiell Hammett und Raymond Chandler, wurde er in manchen Rezensionen  nassforsch an die Seite gestellt.</p>
<p>Allerdings ist Arjouni ein ruhiger, bescheidener Mann und kann nichts  dafür, wenn einige Kritiker bei der Beurteilung von Kriminalromanen nur  über sehr wenige Vergleichsgrößen verfügen und also gebetsmühlenartig  die immer gleichen beiden Namen herunterbeten. Geschadet hat das Arjouni  gewiss nicht. 1991 wurde sein Erstling von Doris Dörrie verfilmt, im  Jahr darauf erhielt er, nachdem sein dritter Roman erschienen war, den  Deutschen Krimi-Preis.</p>
<p>Nun ist der vierte da: “Kismet”. Wie es sich für Serientäter seiner  Profession gehört, hat Arjouni seinen vier Krimis den gleichen Helden  gegeben, den deutsch-türkischen Privatdetektiv Kemal Kayankaya, und sie  am gleichen Schauplatz, Frankfurt am Main, angesiedelt. Diesmal geht es  um eine geheimnisvolle Bande stummer Schutzgelderpresser mit Perücken  und die verschwundene Mutter eines kleinen Mädchens. Im Gegensatz zu den  vorangegangenen Bänden fließt in dem neuen jede Menge Blut &#8211; nichts für  allzu zarte Gemüter.</p>
<p>Die unbezweifelbaren, die hinreißenden Talente Arjounis sind auch in  “Kismet” auf jeder Seite spürbar. Es gibt kaum einen jungen  deutschsprachigen Schriftsteller &#8211; und auch nur wenige ältere -, die so  milieusicher sind wie er. Arjouni kann mit wenigen Worten Figuren, ihr  Schicksal und ihren Habitus staunenswert plastisch einfangen und hält  sich doch fern von platten Typisierungen. Er ist ein Meister der Skizze &#8211;  und der Karikatur -, der mit sparsamsten Mitteln auskommt.</p>
<p>Dazu hat Arjouni einen begnadeten Sinn für Dialekte und Dialoge des  Alltags. Fast nichts davon ist, wie das Klischee so gern behauptet, dem  Leben abgelauscht. Das allermeiste verdankt sich vielmehr einer  entschlossenen Verknappung und stilistischen Perfektion &#8211; ist also eine  veritable künstlerische und keine stimmenimitatorische Leistung. Würden  wir einem Menschen begegnen, der redete wie Arjounis Figuren, würden wir  sie wohl wegen ihrer überzogenen Coolness, ihrer knappen Pointen als  seltsam stammelnde pathologische Fälle betrachten. Gelesen dagegen  klingt jedes Wort glaubhaft und nach authentischem Halbweltjargon.</p>
<p>Zu allem Überfluss hat Arjouni einen wunderbar grimmigen Witz und den  nötigen Mut zur Übertreibung, ohne die ein Krimi in der Tradition der  Schwarzen Serie nur das halbe Vergnügen ist. Als sein Held Kayankaya in  “Kismet” von zwei Killern verfolgt und gestellt wird, gelingt es ihm,  die beiden mit ihrem eigenen Wagen gleichsam an die Wand zu heften und  dazu noch ein halbes Haus in Schutt und Asche zu legen. Sehr realistisch  ist das nicht &#8211; aber sehr komisch.</p>
<p>So deutlich Arjounis Talente sind, so deutlich ist aber auch seine  entscheidende Schwäche: Er hat die mitunter enervierende Neigung, in  seinen Romanen gut gemeinten politischen Nachhilfeunterricht zu  betreiben. Immer wieder konfrontiert er seinen Helden mit  ausländerfeindlichen Ressentiments irgendwelcher dumpfen Deutschen &#8211; die  Kayankaya dann regelmäßig mit fabelhaft flotten Sprüchen oder  sarkastischen Kommentaren bloßstellt. Ja, er geht so gar so weit,  Kayankaya nicht nur ein strenges moralisches Koordinatensystem  mitzugeben (wonach das Genre verlangt), sondern auch ein klares  parteipolitisches Weltbild zu verpassen (was, zumal mit Blick auf die  wachsende Verwechselbarkeit der beiden großen deutschen Volksparteien,  ein wenig lächerlich wirkt).</p>
<p>Wie kaum eine andere Form des Romans zielt gerade der Krimi auf die  Schattenseiten, die Abgründe, die verborgenen, verleugneten Aspekte  einer Gesellschaft. Das Genre lebt im doppelten Sinn vom aufklärerischen  Impuls des Detektivs: Er macht nicht nur die jeweiligen Täter dingfest,  sondern deckt auch unbequeme Wahrheiten auf, über die in aller  Öffentlichkeit nicht gern gesprochen wird. Doch an diesem Punkt scheint  Arjouni gelegentlich seine Courage zu verlassen. So erzählt er in  “Kismet” von den Brüdern Schmitz (die erfahrene Kayankaya-Leser bereits  kennen), die in den achtziger Jahren den Frankfurter Bahnhofs- und  Rotlichtdistrikt beherrscht hätten. Diese Figuren hat Arjouni nicht  völlig frei erfunden. In den achtziger Jahren wurden in Frankfurt  tatsächlich zwei Brüder als die Bordell- und Glücksspielkönige bekannt,  die über beste Verbindungen zur politischen Führung der Stadt verfügten:  Chaim und Hersch Beker, zwei russischstämmige Juden, von denen der  eine, Hersch, sich für einige Jahre vor den Nachstellungen der deutschen  Justiz in Israel in Sicherheit brachte.</p>
<p>Bemerkenswert ist, dass Arjouni von diesen (vor allem in Deutschland)  politisch heiklen Aspekten der Affäre Beker in “Kismet” nichts erwähnt:  Zwei jüdische Zuwanderer, die sich zu den Herrschern der Frankfurter  Unterwelt aufwerfen &#8211; das möchte Arjouni dem überaus korrekt geordneten  Erfahrungshaushalt seines Helden offenbar nicht zumuten.</p>
<p>Doch damit unterfordert er nicht nur seine Leser, sondern, was  schlimmer ist, auch die Form des Kriminalromans, der eben auf die sonst  gern verheimlichten Elemente unserer Wirklichkeit aus ist. Eric Ambler  beispielsweise, das britische Genie des Thrillers, machte nur acht Jahre  nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs einen überaus durchsetzungsfähigen  deutschen Soldaten, eine blonde Bestie par excellence, zur Hauptfigur  seines Romans “Schirmers Erbschaft”. Mehr noch: Er ließ eine ehemals von  den Nationalsozialisten verfolgte hochintelligente Frau dem  skrupellosen Charme seines Helden erliegen. Ambler fügte damit der  Spannung seiner Story die Spannung der politischen Provokation hinzu.  Dagegen wird die Handlung von Arjounis Romanen durch seine ängstlich um  klare politische Frontverläufe bemühte Weltsicht mitunter vorhersehbar  und also spannungsärmer.</p>
<p>Jakob Arjouni:<br />
<em>“Kismet”. Roman</em><br />
Diogenes Verlag, Zürich<br />
272 S., 10,90 Euro</p>
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