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	<title>Die Büchersäufer. Ein Blog von Uwe Wittstock &#187; Eugen Ruge</title>
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	<description>Über Literatur und Literaten</description>
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		<title>Buch&amp;Bar 84: Eugen Ruge &#8220;Follower&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 19 Oct 2016 07:51:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buch & Bar]]></category>
		<category><![CDATA[Eugen Ruge]]></category>

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		<description><![CDATA[Was hat Faust denn so als Baby gemacht? Heute: Über unfassbar ganzheitliches Lesen und Trinken Im Grunde ist jede Story Stückwerk. Jede. Egal, wo und wann sie beginnt, immer kann man fragen: Was geschah vor diesem Beginn? Und: Gehört diese &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=2035">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>Was hat Faust denn so als Baby gemacht?</strong></h1>
<h2><strong>Heute: Über unfassbar ganzheitliches Lesen und Trinken<br />
</strong></h2>
<div id="attachment_2040" class="wp-caption alignright" style="width: 300px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2016/10/43685159z1.jpg"><img class="size-full wp-image-2040" title="43685159z" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2016/10/43685159z1.jpg" alt="" width="290" height="475" /></a><p class="wp-caption-text">Eugen Ruge: &quot;Follower&quot;. Rowohlt Verlag. 22,95 Euro</p></div>
<p>Im Grunde ist jede Story Stückwerk. Jede. Egal, wo und wann sie beginnt, immer kann man fragen: Was geschah vor diesem Beginn? Und: Gehört diese Vorgeschichte nicht auch zu der Geschichte? Faust zum Beispiel schließt einen Pakt mit dem Teufel, okay, aber vielleicht macht er das nur, weil er eine schwere Kindheit hatte? Möglicherweise haben ihn seine Eltern als Baby teuflisch lange schreien lassen? Wäre gut, das zu wissen. Und die Eltern der Eltern, hatten die Schulprobleme? Und die Urgroßeltern? ADS? Und die Ururur&#8230;?</p>
<p>Mit diesem Fundamentalproblem aller Geschichten hat Eugen Ruge jetzt in seinem Roman „Follower“ (Rowohlt, 22,95 Euro) Schluss gemacht: In der Zukunftssatire bricht ein Handelsvertreter 2055 in einer komplett durchdigitalisierten Welt zu einem Geschäftstermin auf. Auf seinem Weg werden ihm so viele Informationen um die Ohren gehauen, dass er schließlich Überblick und Nerven verliert, ein Zweirad klaut und in den Sonnenuntergang verschwindet. Doch Ruge lässt seine Geschichte nicht 2055 beginnen, sondern buchstäblich mit dem Urknall. Genauer: 5,391 mal 10 hoch -44 Sekunden nach dem Urknall. Denn von der Zeit davor weiß man nichts, weil es da noch keine Zeit gab. Aber von der ganzen Zeit danach erzählt Ruge verdammt unterhaltsam.</p>
<p>Freunde von mir nennen Pilsner Urquell stur Pilsner Urknall, weil es für sie so was ist wie der Urmeter aller Biere. Es wird zwar erst seit 1842 gebraut, aber, wie meine Großmutter immer sagte: Gut Ding will Weile haben. Wenn so ein Bier dabei rauskommt, dann war die Zeit zwischen 5,391 mal 10 hoch -44 Sekunden nach dem Urknall bis zum Jahr 1842 nicht ganz verschwendet.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>2014 startete BUCH &amp; BAR. Die Kolumne ist schon deshalb absolut unverzichtbar, weil sie dem weltbewegenden Zusammenhang zwischen Lieblingsbegleiter BUCH und Lieblingsaufenthaltsort BAR nachgeht, zwischen Geschriebenem und Getrunkenem, zwischen der Beschwingtheit, in die manche Dichter ebenso wie manche Drinks versetzen können. Also haargenau das,  worauf jeder überzeugte Büchersäufer immer schon gewartet hat – weshalb ich die Kolumnen hier gern frisch auf die Theke meines Blogs serviere.</em></p>
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		<title>Lutz Seiler: &#8220;Kruso&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Apr 2015 13:00:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Über Bücher]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Insel mit direktem Blick aufs Jenseits Sehnsucht nach der alten deutschen Innerlichkeit: Für seinen ersten Roman Kruso wurde Lutz Seiler mit dem Deutschen Buchpreis 2014 ausgezeichnet und hat sowohl dem Suhrkamp Verlag als auch dem Buchpreis selbst zu einem &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=1153">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>Die Insel mit direktem Blick aufs Jenseits</strong></h1>
<h2><strong>Sehnsucht nach der alten deutschen Innerlichkeit: Für seinen ersten Roman <em>Kruso</em> wurde Lutz Seiler mit dem Deutschen Buchpreis 2014 ausgezeichnet und hat sowohl dem Suhrkamp Verlag als auch dem Buchpreis selbst zu einem dringend benötigten Publikums-Erfolg verholfen.<br />
</strong></h2>
<p>Sobald die Fernsehleute und Fotografen aufstehen und die Schriftsteller durch die Sucher ihrer Kameras anvisieren wie Schützen über Kimme und Korn, wird es ernst bei der Buchpreis-Verleihung. Zuvor sind eine Stunde lang Reden zu hören, kurze Filme über die Autoren zu sehen, ein Juroren-Interview auf offener Bühne zu bestaunen. Die Anspannung steigt, und dann ist es so weit: Der Chef des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Heinrich Riethmüller, tritt hinter die Mikrofone, öffnet die ihm überreichte Urkunde und verkündet: „Den Deutschen Buchpreis erhält in diesem Jahr . . .“</p>
<p>„Jaaaah!!“ Im ehrwürdigen Kaisersaal des Frankfurter Rathauses wird nur selten geschrien. Es geht dort auch nicht oft ein derartiges Blitzlichtgewitter nieder wie im Oktober über den in der Sekunde zuvor gekürten Buchpreisträger des Jahres 2014 Lutz Seiler. Ein „großer Bahnhof“ sei das für ihn, sagte Seiler in seiner Dankesrede, doch die Lok, die ihn und seinen Roman bis dorthin zog, habe 128 Heizer – und ehrte so die 128 Mitarbeiter des Suhrkamp Verlags, die trotz endloser juristischer Kämpfe seit Jahren fabelhafte Arbeit leisten und nichts dringender brauchen als echte Verkaufserfolge.</p>
<div id="attachment_1154" class="wp-caption alignright" style="width: 293px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/04/40874080z.jpg"><img class="size-full wp-image-1154" title="40874080z" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/04/40874080z.jpg" alt="" width="283" height="475" /></a><p class="wp-caption-text">Lutz Seiler: &quot;Kruso&quot;. Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin 2015. 22,95 Euro</p></div>
<p>Und einen Erfolg brauchte inzwischen auch der Deutsche Buchpreis selbst, dessen Ausstrahlungskraft auf das Publikum in den letzten Jahren spürbar nachgelassen hatte. Doch die Chancen dafür waren gut: Unter den Preisträgern der vergangenen Jahre gelang es gerade den Romanen <em>Der Turm</em> von Uwe Tellkamp und <em>In Zeiten des abnehmenden Lichts</em> von Eugen Ruge, nicht nur die Herzen der Preisjuroren, sondern auch die des Publikums zu gewinnen – und beide berichteten von Leben und Familienverhältnissen in der untergegangenen DDR. Von der DDR, genauer: vom letzten Sommer dieses Landes 1989, erzählt auch Lutz Seiler in <em>Kruso</em>. Sein Held heißt Edgar Bendler, wird Ed genannt, ist ein 24 Jahre alter Student der Literatur und hat seine Freundin G. verloren. Als ihm auch noch die Katze Matthew davonläuft, macht er sich auf an den äußersten Rand des damals noch zugemauerten Landes: zur Ostsee-Insel Hiddensee. Und tatsächlich hat dann auch Seilers Roman für den Suhrkamp Verlag und für das leicht angekratzte Image des Buchpreises einen schönen Publikums-Erfolg eingefahren.</p>
<p>Da Ed kein Geld für Urlaub hat, heuert er als Tellerwäscher und Zwiebelschäler bei der Gaststätte „Zum Klausner“ im Norden der Insel an. Während der Ferienwochen arbeiten dort fast nur Ungelernte, die im DDR-Jargon „Saisonkräfte“, abgekürzt „Esskaas“, genannt werden. Fast alle sind – wie Ed – literarisch gebildete Sonderlinge, die sich in der realsozialistischen Gesellschaft ihres Landes weder zu Hause fühlen noch sie verlassen wollen, sondern nach einem Lebensversteck suchen: „Ich möchte“, meint Ed, „einen Platz auf der Welt, der mich aus allem heraushält.“</p>
<p>Der Anführer dieser Esskaas ist Alexander Dimitrijewitsch Krusowitsch, genannt Kruso, mit offenkundig russischen Wurzeln und perfekten Deutschkenntnissen. Auch er ist wie Ed der Poesie verfallen, und bald schon pflegen sie nicht nur eine in Lyrik vernarrte, sondern auch eine unverkennbar homoerotische Freundschaft.</p>
<p>Das Buch steckt voller literarischer Anspielungen: Der Name des „Inselkönigs“ Kruso verweist natürlich auf den berühmtesten aller einsamen Inselbewohner, Robinson Crusoe, refrainartig zitiert Lutz Seiler Gedichte Georg Trakls (1887–1914), und seinen Helden hat er vielleicht deshalb Ed getauft, weil der bekannteste aller Sozialaussteiger der DDR-Literatur in Ulrich Plenzdorfs Bestseller „Die neuen Leiden des jungen W.“ Edgar Wibeau hieß.</p>
<p>Vor allem aber gibt Seiler seinem Roman eine mythologische Dimension: Hiddensee ist in seinem Roman nicht einfach eine Ostsee-Insel am Rande der DDR, sondern zugleich ein letzter Vorposten am Rande des Lebens. Von hier aus, so predigt Kruso seinem Bewunderer Ed während eines Strandspaziergangs, „schaut man weit hinaus, bei guter Sicht bis ins Jenseits“. Und als Kruso gegen Ende des Romans mehr tot als lebendig von einem sowjetischen Panzerkreuzer von der Insel abgeholt wird, setzen ihn die Matrosen vom Festland zum Schiff über wie der griechische Fährmann Charon die Toten über den Fluss Acheron.</p>
<p>Dieses Buch ist nichts für Leser, die nach einem realistischen oder psychologischen Roman Ausschau halten. Wohl aber etwas für jene, die Eds Sehnsucht nach alter deutscher Innerlichkeit teilen, die sich an seinem radikalen Rückzug aus einer unfriedlichen Welt freuen und bereit sind, an Krusos ostalgischen Lehrsatz zu glauben: „Der Keim der wahren Freiheit, Ed, gedeiht in Unfreiheit.“</p>
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		<title>Eugen Ruge über das Kap der Katzen</title>
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		<pubDate>Wed, 04 Feb 2015 17:39:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Personen]]></category>
		<category><![CDATA[Über Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Eugen Ruge]]></category>

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		<description><![CDATA[Zur Kunst des Reisens gehört das Ankommen Gleich sein Erstling war ein Triumph: Für den Familienroman In Zeiten des abnehmenden Lichts wurde Eugen Ruge 2011 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet, der fast immer Bestsellerplätze garantiert. Auch sein zweiter  Roman Cabo &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=1049">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>Zur Kunst des Reisens gehört das Ankommen</strong></h1>
<h2><strong>Gleich sein Erstling war ein Triumph: Für den Familienroman <em>In Zeiten des abnehmenden Lichts</em> wurde Eugen Ruge 2011 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet, der fast immer Bestsellerplätze garantiert. Auch sein zweiter  Roman <em>Cabo de Gata</em>, der von einem Winter am spanischen „Kap der Katzen“ erzählt, hat ein großes Publikum erobert. Es geht um den Versuch, alle Brücken hinter sich abzubrechen, um das Problem über spirituelle Erfahrungen zu schreiben und den Versuch, ohne Botschaft zu erzählen<br />
</strong></h2>
<p><strong>Uwe Wittstock:</strong> Herr Ruge, der Held Ihres Romans <em>Cabo de Gata</em> kündigt alles: Wohnung, Arbeit, Kranken- und Rentenversicherung. Den Rest seines Lebens packt er in einen Rucksack und zieht in Richtung Süden. Ist das ein Traum oder ein Albtraum?</p>
<div id="attachment_1050" class="wp-caption alignright" style="width: 220px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/02/Ruge.jpg"><img class="size-full wp-image-1050" title="Ruge" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/02/Ruge.jpg" alt="" width="210" height="346" /></a><p class="wp-caption-text">Eugen Ruge: &quot;Cabo de Gata&quot;. Rowohlt Taschenbuch Verlag, 10,99 Euro</p></div>
<p><strong>Eugen Ruge:</strong> In diesem Fall ist es zuerst ein Traum und dann eine Ent-Täuschung. Seine Täuschung besteht darin zu glauben, sobald er in die Fremde geht, werde ihm etwas gelingen, was er zu Hause nicht zu Stande bringt. Er will einen Roman schreiben und Schriftsteller werden.</p>
<p><strong>Wittstock: </strong>Jedes Jahr zieht es Millionen Deutsche in den Süden. Doch Ihr Held kommt nicht zur Urlaubszeit, sondern im Winter in Spanien an und friert wochenlang entsetzlich.</p>
<p><strong>Eugen Ruge: </strong>Ja, das ist Teil seiner Enttäuschung. Die Vorstellung, die Dinge könnten anderswo automatisch besser werden als daheim – eine Vorstellung, die gar nicht so selten ist –, wird für ihn auf vielfältige Weise enttäuscht. Am Strand liegt Müll, die Bude, in der er wohnt, ist gar nicht romantisch, sondern scheußlich und kalt, und auch mit dem Bücherschreiben geht es nicht besser voran als zu Hause. Der entscheidende Schritt für ihn ist, daraufhin nicht schon wieder seinen Rucksack zu packen und weiterzuziehen. Sondern er bleibt, halb aus Geldnot vermutlich, aber auch, weil er sich entschließt, der Enttäuschung standzuhalten. Von diesem Moment an beginnt er sich tatsächlich zu verändern.</p>
<p><strong>Wittstock: </strong>Braucht man also doch gelegentlich Tapetenwechsel, um sich verändern zu können?</p>
<p><strong>Eugen Ruge: </strong>Da ich gerade aus China komme: Laotse sagt, wer das Tao hat, kann gehen, wohin er will. Anders gesagt, er kann auch zu Hause bleiben. Aber möglicherweise muss man auf Reisen gehen, um das zu erfahren. Nur reicht die Reise, der Tapetenwechsel, allein nicht aus. Ich kenne Leute, die reisen ständig überall auf der Welt herum und ändern sich gar nicht.</p>
<div id="attachment_1055" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/02/IMG_06903.jpg"><img class="size-medium wp-image-1055" title="IMG_0690" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/02/IMG_06903-300x224.jpg" alt="" width="300" height="224" /></a><p class="wp-caption-text">Reales Vorbild in Cabo de Gata für die fiktive Unterkunft des Schriftstellers aus Eugen Ruges gleichnamigem Roman</p></div>
<p><strong>Wittstock: </strong>Führt die Reise Ihres Helden in ein Paradies?</p>
<p><strong>Eugen Ruge: </strong>Tatsächlich verheißt ihm ein Schild am Straßenrand „Das letzte Paradies Europas“. Das unterstützt seine heimliche Hoffnung, endlich alle alten Probleme lösen oder loswerden zu können. Aber das Paradies entpuppt sich als Wüsten- oder Steppenlandschaft. Es ist keineswegs ein Idyll, sondern eher ein Ort großer Einsamkeit, genauer gesagt ein Ort, an dem er seine Einsamkeit noch stärker zu spüren bekommt.</p>
<p><strong>Wittstock: </strong>Ein Paradies verspricht Erlösung. Findet Ihr Held in Cabo de Gata letztlich Erlösung?<strong></strong></p>
<p><strong>Eugen Ruge: </strong>Nein, das glaube ich nicht. Ich denke, so viel darf man verraten: Letztlich erzählt der Roman die Geschichte eines Scheiterns, eines Misserfolgs. Aber trotz allem wird meine Figur dabei reicher. Wie das geschieht und wodurch, ist gar nicht so leicht zu sagen. Davon kann man schlecht sprechen, sondern allenfalls erzählen. Genau das versuche ich in diesem Roman. Es hat zu tun mit Langsamkeit, mit Verweilen, auch mit einer bestimmten Zurückgezogenheit – und all das steht im Gegensatz zu dem, was heute als wichtig empfunden wird: immer schnellere Kommunikation, permanenter Spaß, Abwechslung. Ich will daraus keine zivilisationskritische Ideologie ableiten, und Kommunikation und Abwechslung haben zweifellos etwas für sich. Ich will nur davon erzählen, welche Wirkung Langsamkeit und Einsamkeit haben können.</p>
<p><strong>Wittstock: </strong>Die Romanfigur war Chemiker, bevor er Schriftsteller werden wollte. Sie waren einmal Mathematiker. Ist es ein großer Schritt vom naturwissenschaftlichen Denken zum literarischen? <strong></strong></p>
<div id="attachment_1056" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/02/IMG_06941.jpg"><img class="size-medium wp-image-1056" title="IMG_0694" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/02/IMG_06941-300x224.jpg" alt="" width="300" height="224" /></a><p class="wp-caption-text">Fischerboote im spanischen Cabo de Gata</p></div>
<p><strong>Eugen Ruge: </strong>Ich musste lange gegen die Versuchung ankämpfen, in meinen Geschichten eine bestimmte Botschaft an den Leser bringen zu wollen. Es ist mir nicht leichtgefallen, einfach nur zu erzählen. Ob das nun mit meiner Vergangenheit als Mathematiker zusammenhängt oder mit der Tatsache, dass ich lange in der DDR lebte, weiß ich nicht. In der DDR hatten Literatur und Kunst ja unter anderem die Funktion übernommen, verschwiegene oder unterdrückte Meinungen erkennbar zu machen – und das war damals sicher wichtig und gut so. Übrigens nicht nur in der DDR, sondern auch in anderen Ländern und anderen Zeitaltern. Letztlich ist diese Funktion der Kunst nicht vollkommen fremd, Kunst kommt nämlich nicht von „Können“, sondern von „Künden“. Ein Schriftsteller, der heute in Algerien lebt, in China oder in Syrien, hat ganz andere Aufgaben als ein Autor in der Bundesrepublik Deutschland. Aber dieses Verkünden von Meinungen ist nun mal nicht das, worum es mir beim Schreiben heute geht. Mich von der Neigung zum Künden zu befreien hat Arbeit gemacht.</p>
<p><strong>Wittstock: </strong>Sie sind kein religiöser Schriftsteller. Ihre Literatur lebt viel eher aus der Skepsis und Ironie. Dennoch macht Ihr Held in dem Roman eine spirituelle Erfahrung. Ist es Ihnen schwergefallen, das zu beschreiben?<strong></strong></p>
<p><strong>Eugen Ruge: </strong>Es ist überhaupt schwer, über spirituelle Erfahrungen zu reden. Sobald man darüber spricht, werden diese Erfahrungen verfälscht und beschädigt. Man kann aber behutsam von ihnen erzählen und sie dem Leser gleichsam vor Augen stellen. Man schreibt sozusagen am Rand einer spirituellen Erfahrung entlang und lässt so ihre Kontur erkennbar werden. Das Davor und das Danach. Aber die Erfahrung selbst lässt sich, glaube ich, nicht in Worte fassen.</p>
<p><strong>Wittstock: </strong>Kein Zufall also, wenn die Reise den Romanhelden in so etwas wie ein Paradies führt.</p>
<p><strong>Eugen Ruge: </strong>Natürlich ist das kein Zufall, sondern Teil der erzählerischen Strategie. Mancher Leser könnte vielleicht auf die Idee kommen, ich hätte die Geschichte der Monate in Cabo de Gata genau so erlebt, wie ich sie im Buch aufgeschrieben habe. Aber das stimmt nicht, der Roman ist gebaut: Manches ist erlebt, anderes erfunden, wieder anderes stark bearbeitet, damit es in die Ordnung der Geschichte passt und seinen Ort finden kann. Und natürlich geht man als Erzähler mit einem so großen Wort wie „Paradies“ sehr vorsichtig um, selbst wenn es in der Geschichte nur auf einem Straßenschild am Wegesrand auftaucht. Man denkt gründlich nach, bevor man so ein Wort in einer Geschichte stehen lässt.</p>
<p><strong>Wittstock: </strong>Sie betonen, der Roman sei nicht autobiografisch, sondern „gebaut“. Aber zugleich bauen Sie ihn mit einigen Kunstgriffen genau so, dass der Leser regelrecht dazu verführt wird, ihn für autobiografisch zu halten. Warum?<strong></strong></p>
<p><strong>Eugen Ruge: </strong>Ich habe zunächst überlegt, die Geschichte in der dritten Person zu schreiben, ich habe den Helden Dorst genannt. Ich habe mich dann doch entschieden, sie in der Ich-Form zu schreiben, weil ich in der Perspektive, genauer gesagt in den Erinnerungen der Figur bleiben wollte. Es gibt keinen Erzähler, der darübersteht und beurteilt, ob das, was der Erzähler erinnert, wahr ist, denn es geht in dieser Geschichte nicht um Wahrheit, sondern um die Frage, wie – und wie intensiv – etwas erlebt worden ist. Aber wenn man eine Geschichte in der Ich-Form schreibt und wenn man sie gut schreibt, glaubt der Leser natürlich, die Geschichte sei autobiografisch. Wenn der Leser das nicht glaubt, dann hat der Autor seinen Ich-Erzähler nicht gut erfunden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Das Gespräch mit Eugen Ruge entstand am Schauplatz des Buches, im spanischen Cabo de Gata. Es erschien zuerst in Focus-Spezial <em>Die besten Bücher 2013</em></p>
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		<title>Die besten Bücher 2013</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Nov 2013 15:40:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In eigener Sache Jobst-Ulrich Brand und ich habe in den letzten Wochen das neue Magazin &#8220;Die besten Bücher 2013&#8243; entwickelt. Seit heute ist es auf dem Markt: An allen guten Kiosken, Zeitschriftenhandlungen und bei allen Buchhandlungen der Hugendubel-Kette. Das Heft &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=803">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>In eigener Sache</strong></h1>
<h3><strong>Jobst-Ulrich Brand und ich habe in den letzten Wochen das neue Magazin</strong></h3>
<h3 style="text-align: left;"><strong>&#8220;Die besten Bücher 2013&#8243;<br />
</strong></h3>
<h3><strong>entwickelt. Seit heute ist es auf dem Markt: An allen guten Kiosken, Zeitschriftenhandlungen und bei allen Buchhandlungen der Hugendubel-Kette. Das Heft ist eine Kooperation zwischen Focus Spezial und Hugendubel. Wir hoffen auf eine interessierte und naturgemäß glückstrahlende Leserschaft!</strong></h3>
<p><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2013/11/Cover.JPG1.jpeg"><img class="alignleft size-medium wp-image-807" title="Cover.JPG" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2013/11/Cover.JPG1-e1384356728955-225x300.jpg" alt="" width="225" height="300" /></a>Eine Menge Kollegen und Autoren haben mitgemacht und mitgeschrieben: Ellen Daniel, Elke Hartmann-Wolff, Elke Heidenreich, Barbara Jung, Ralf-Peter Märtin, Matthias Matting, Harald Pauli, Iris Röll und Lisa Timm. Als Art-Direktorin hat Susanne Achterkamp das Projekt begleitet. Großen Dank an alle.</p>
<p>Für das Heft waren wir unter anderem in Charlottesville, Virginia, bei <strong>John Grisham</strong>,<br />
in Toronto bei <strong>Carsten Stroud</strong>,<br />
in London bei <strong>Jonathan Stroud</strong> (mit Carsten Stroud weder verwandt noch verschwägert),<br />
in New York bei <strong>Elizabeth Gilbert</strong> und <strong>Junot Diaz</strong>,<br />
in Chicago bei <strong>Gillian Flynn<br />
</strong>und zusammen mit <strong>Eugen Ruge</strong> in Cabo de Gata (Südspanien)</p>
<p>Wir haben Gespräche unter anderem geführt mit:</p>
<p><strong>Dan Brown</strong>, <strong>Finn-Ole Heinrich, </strong><strong>Kahled Hosseini, Daniel Kehlmann, </strong><strong>Ian McEwan, </strong><strong>Terézia Mora, </strong><strong>Ferdinand von Schirach und David Wagner</strong></p>
<p>Wir hoffen dingend, mit diesen etlichen tausend Reisekilometer und vielen, vielen Interview-Stunden ein opulentes, lebendiges und bestens informiertes Bücher-Magazin anbieten zu können.</p>
<p>Und dazu haben wir mit <strong>Daniel Kehlmann</strong> und <strong>Ferdinand von Schirach</strong> zwei der besten  und bekanntesten deutschsprachigen Schriftsteller gewonnen, je eine Kurzgeschichte exklusiv für das Magazin zu schreiben. Dass beide Autoren gern auf unseren Wunsch eingingen, macht uns stolz und zeigt, dass auch sie neugierig sind auf diese neue Zeitschrift.</p>
<p>Sie hat 114 liebevoll bedruckte Seiten, erscheint in einer sagenhaften Auflage von 120.000 Exemplaren und zum sensationell günstigen Preis von nur: 4,90 Euro!</p>
<p>Also, wie gesagt:<strong> Seit heute ist es auf dem Markt: An allen guten Kiosken,  Zeitschriftenhandlungen und bei allen Buchhandlungen der  Hugendubel-Kette.<br />
</strong>Ende des Werbeblocks.</p>
<p><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2013/11/Foto2.JPG.jpeg"><img class="alignleft size-medium wp-image-808" title="Foto2.JPG" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2013/11/Foto2.JPG-e1384356873325-225x300.jpg" alt="" width="225" height="300" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Vor den Vätern sterben die Söhne</title>
		<link>http://blog.uwe-wittstock.de/?p=48</link>
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		<pubDate>Tue, 20 Mar 2012 17:39:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Über Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[André Kubiczek]]></category>
		<category><![CDATA[Angelika Klüssendorf]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Literatur bleibt rätselhaft Warum haben die jungen Männern in aktuellen DDR-Familienromanen so schlechte Überlebenschancen? In wenigen Monaten sind gleich fünf Bücher erschienen, die sich zumindest in einem Punkt erstaunlich ähnlich sind: Die Mädchen kommen davon, die Jungs nur sehr &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=48">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2><strong>Die Literatur bleibt rätselhaft</strong></h2>
<h3><strong>Warum haben die jungen Männern in aktuellen DDR-Familienromanen so schlechte Überlebenschancen? In wenigen Monaten sind gleich fünf Bücher erschienen, die sich zumindest in einem Punkt erstaunlich ähnlich sind: Die Mädchen kommen davon, die Jungs nur sehr viel seltener.</strong></h3>
<p>Es ist nicht nur bemerkenswert, wie viele Romane über DDR-Familien in jüngster Zeit erschienen sind. Noch bemerkenswerter finde ich, wie schlecht es in diesem Büchern insbesondere den Söhnen ergeht.</p>
<ul>
<li>In Angelika Klüssendorfs Roman <em>Das Mädchen</em> werden Bruder und Schwester von der trunksüchtigen Mutter zwar gleichermaßen schlecht behandelt, beschimpft, vernachlässigt oder verprügelt. Doch der Junge läuft – auf Anregung des Mädchens – gern knapp vor fahrenden Autos über die Straße, um sie zu Vollbremsungen zu zwingen. Einer der Fahrer bremst zu spät, woraufhin der Bruder den Rest des Buches geistig behindert durchzustehen hat.</li>
<li><a id="zoomlink"><img id="cover_image" src="http://bilder.buecher.de/produkte/33/33360/33360516n.jpg" alt="Das Mädchen - Klüssendorf, Angelika" /></a></li>
<li>Vernachlässigt werden Bruder und Schwester auch in Julia Francks Roman: <em>Rücken an Rücken</em>. Doch den Jungen treibt die Kälte, mit der die Mutter beide Kinder behandelt, schließlich in den Doppel-Selbstmord mit seiner Freundin.</li>
<li><a id="zoomlink"><img id="cover_image" src="http://bilder.buecher.de/produkte/33/33372/33372404n.jpg" alt="Rücken an Rücken - Franck, Julia" /></a></li>
<li>In Eugen Ruges Roman <em>In Zeiten des abnehmenden Lichts</em> werden beide Söhne der treu stalinistischen Eltern ins sowjetische Arbeitslager verbannt – und nur einer von ihnen überlebt. Die historischen Tatsachen in der Familie Ruge liegen etwas anders: Wie mir Eugen Ruge erzählte, haben sowohl sein Vater als auch sein Onkel Jahre im GuLag zugebracht, kamen aber beide davon. Doch angesichts der hohen Sterbequote in den Lagern war das in Ruges Augen für die Familie eine unfassbar glückliche Wendung. Folglich hat er, um der literarischen Glaubwürdigkeit Willen, in seinem Buch dem einen der beiden Söhne das Lebenslicht frühzeitig ausgeblasen.</li>
<li><a id="zoomlink"><img id="cover_image" src="http://bilder.buecher.de/produkte/33/33428/33428446n.jpg" alt="In Zeiten des abnehmenden Lichts - Ruge, Eugen" /></a></li>
<li>Auch André Kubiczeks Roman <em>Der Genosse, die Prinzessin und ihr lieber Herr Sohn</em> hat unverkennbar autobiographische Züge. Hier ist ein aufrechter SED-Parteisoldat zunächst mit einem Flüchtlingsmädchen aus Laos verheiratet und hat zwei Söhne. Die Frau stirbt früh an Krebs. Eines Nachmittags achtet der ältere Bruder nicht genau genug auf den jüngeren, woraufhin der mit dem Fahrrad verunglückt – und eine geistige Behinderung davonträgt. Doch nicht für lange, denn die DDR-Medizin trägt dazu bei, ihn durch Therapie-Versuchen bald schon unter die Erde zu bringen.</li>
<li><a id="zoomlink"><img id="cover_image" src="http://bilder.buecher.de/produkte/34/34512/34512077n.jpg" alt="Der Genosse, die Prinzessin und ihr lieber Herr Sohn - Kubiczek, André" /></a></li>
<li>Besonders gründlich schlägt das Schicksal in Marion Braschs Familienbericht <em>Ab jetzt ist Ruhe</em> zu. Der stellvertretende Kulturminister Horst Brasch hat drei Söhne und eine Tochter. Seine Frau stirbt wie in Kubiczeks Roman früh an Krebs. Die drei Söhne Klaus (1980), Peter (2001) und Thomas (2001) sterben an Alkohol oder anderen Suchtstoffen und -schäden.</li>
<li><a id="zoomlink"><img id="cover_image" src="http://bilder.buecher.de/produkte/34/34511/34511962n.jpg" alt="Ab jetzt ist Ruhe - Brasch, Marion" /></a></li>
</ul>
<p>Zwei Unfälle mit einschneidenden geistigen Folgen, zwei krebstote Mütter, ein Doppelselbstmord und insgesamt sechs tote männliche Familiensprösslinge in nur fünf Romanen. Wenn man in Rechnung stellt, dass alle fünf Bücher zwischen September 2011 und Februar 2012 veröffentlicht wurden, ist das schon eine erstaunliche Häufung. Zudem gehen – von Ruges Onkel einmal abgesehen – alle diese Toten nicht auf das Konto der literarischen Fantasie der Autoren. Was das Ganze zu einer verdammt traurigen Angelegenheit macht.</p>
<p>Wie kommt es zu einer solchen literarischen Häufung? Ich habe keinen blassen Schimmer. Natürlich fällt einem sofort die suggestive Titel-Formel des erwähnten Thomas Brasch ein, der mit Blick auf die festgefahrenen ideologischen Zustände in der DDR seinen ersten Erzählband <em>Vor den Vätern sterben die Söhne</em> nannte. Vielleicht nahmen die Generationskonflikte dort, verschärft durch die diktatorischen Gesellschaftsverhältnisse, tatsächlich schneller eine tödliche Gnadenlosigkeit an.</p>
<p>Doch in Angelika Klüssendorfs Buch ist von den politischen Zuständen und Engstirnigkeiten des Landes fast gar nicht die Rede. In Ruges Roman gehört weder der tote noch der überlebende Bruder, als sie ins Lager verbannt werden, zur Opposition gegen Stalin. Und auch die Brüder in Kubiczeks Familiengeschichte tragen letztlich keine größeren ideologischen Streitigkeiten mit dem Vater aus.</p>
<p>So überzeugend Thomas Braschs Formel im ersten Moment klingt, sie trifft die Sache letztlich nicht. Andere Thesen zu dieser Häufung toter junger Männer im DDR-Familienroman aus dieser und der vergangenen Saison fallen mir aber derzeit nicht ein. Hat jemand Vorschläge? Die Literatur bleibt rätselhaft.</p>
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