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	<title>Die Büchersäufer. Ein Blog von Uwe Wittstock &#187; DDR</title>
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	<description>Über Literatur und Literaten</description>
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		<title>Die Bücher-Bar 2 / Eine Kolumne</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Mar 2020 08:25:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher-Bar / Eine Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Alex Raack]]></category>
		<category><![CDATA[Borussia Mönchengladbach]]></category>
		<category><![CDATA[DDR]]></category>
		<category><![CDATA[Günter Netzer]]></category>
		<category><![CDATA[Lothar Matthäus]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Büchersäufer stellt Bücher vor, die er bis zur Neige genossen, oder an denen er lieber nur genippt hat. Heute: Über den  Kampf ums Reisendürfen, einen eleganten Anarchisten mit langem Haar sowie das zweifelhafte Glück,  mit Lothar Matthäus zu reden &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=2448">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2><strong>Der <em>Büchersäufer</em> stellt Bücher vor, die er bis zur Neige genossen, oder an denen er lieber nur genippt hat.</strong></h2>
<h2><strong>Heute: Über den  Kampf ums Reisendürfen, einen eleganten Anarchisten mit langem Haar sowie das zweifelhafte Glück,  mit Lothar Matthäus zu reden<br />
</strong></h2>
<h1><strong>Das heilige Hemd unter DDR-grauer Jacke</strong></h1>
<p>Seit es die Billigflieger gibt, herrscht beim Reisen vor allem die Qual der Wahl. Was darf’s denn sein: Scuba auf Cuba? Radtour in Singapur? Safari in Malawi? Doch das größte Freiheitsglück des Reisens spürt derjenige, der um die Freiheit des Reisens überhaupt erst kämpfen musste.</p>
<div id="attachment_2450" class="wp-caption alignleft" style="width: 315px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2020/01/51sgdrPrASL._SX303_BO1204203200_.jpg"><img class="size-full wp-image-2450" title="51sgdrPrASL._SX303_BO1,204,203,200_" alt="" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2020/01/51sgdrPrASL._SX303_BO1204203200_.jpg" width="305" height="499" /></a><p class="wp-caption-text">Alex Raack: &#8220;Wolle. Ein Fan zwischen Ost und West&#8221;. Tropen Verlag, 16.95 Euro</p></div>
<p>Wolfgang „Wolle“ Großmann ist so einer, und der Reporter <strong>Alex Raack</strong> hat seine Geschichte in einem Buch namens <strong>„Wolle“ </strong>aufgeschrieben (Tropen Verlag, 16,95 Euro). Wolle wurde in Mönchengladbach geboren und erlebte die Urkatastrophe seines Lebens im Alter von zwei Jahren – als seine Eltern mit ihm kurz vor dem Mauerbau nach Dresden umzogen. Denn Wolle ist, sagen wir mal, ein wenig eckig ins Leben gebaut und holte sich pausenlos blaue Flecke im Stasi-Sozialismus der DDR.</p>
<p>Aber hätte es für einen jungen, schwer bezähmbaren Mann aus Mönchengladbach in den 70-er Jahren ein größeres Freiheitsversprechen geben können, als den Hurra-Fußball der Borussia mit Spielern wie Jupp Heynckes und den eleganten Anarchisten Günter Netzer, der sich beim Endspiel um den DFB-Pokal ohne einen Blick zum Trainer selbst einwechselte und das Siegtor schoss?</p>
<p>Wolle wurde in Dresden Borussia-Fan bis auf die Knochen. Jeder schwarz-weiße-grüne Schal, jedes Borussia-Trikot, dessen er habhaft werden konnte, waren ihm heilig, heilig, heilig. Auch wenn er sie versteckt unter DDR-grauen Jacken tragen musste, weil Polizei und Ämter nur zu gern bereit waren,  ihm seine Begeisterung für Westliches krumm zu nehmen.</p>
<p>Bis die Borussia 1981 im Uefa-Pokal gegen den 1.FC Magdeburg spielte. Da hielt Wolle nichts mehr. Als sein Team eintraf, lenkte ein Freund die Stasi-Aufpasser ab, Wolle huschte die Treppe des Mannschaftshotels hinauf, klopfte an irgendeine Tür und trat ein. Okay, zugegeben, nicht für jeden von uns zählt es zum Traum vom Glück, Lothar Matthäus sein Herz auszuschütten. Aber für Wolle war es das. Eine Stunde saß er da, erzählte Matthäus wie es ist, Borussia-Fan in Dresden zu sein, und der konnte es nicht fassen.</p>
<p>Schließlich stellte Wolle einen Ausreiseantrag, und 1985 durfte er sich auf den Weg machen, um seiner Borussia im Heimatstadion nah zu sein. Und hinterließ den denkwürdigen Satz: „Ich hab’ die DDR doch nicht verlassen, weil mir die Wurst nicht schmeckte, sondern weil ich auf den Bökelberg wollte!“ Das erste Spiel am Sehnsuchtsziel war nur ein Unentschieden. Aber das zweite bereits ein Fußballfest, 7:0 gegen Kaiserslautern! Wolle war angekommen.</p>
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		<title>Vor den Vätern sterben die Söhne</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Mar 2012 17:39:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Über Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[André Kubiczek]]></category>
		<category><![CDATA[Angelika Klüssendorf]]></category>
		<category><![CDATA[DDR]]></category>
		<category><![CDATA[DDR-Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Eugen Ruge]]></category>
		<category><![CDATA[Familienroman]]></category>
		<category><![CDATA[Julia Franck]]></category>
		<category><![CDATA[Marion Brasch]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Brasch]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Literatur bleibt rätselhaft Warum haben die jungen Männern in aktuellen DDR-Familienromanen so schlechte Überlebenschancen? In wenigen Monaten sind gleich fünf Bücher erschienen, die sich zumindest in einem Punkt erstaunlich ähnlich sind: Die Mädchen kommen davon, die Jungs nur sehr &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=48">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2><strong>Die Literatur bleibt rätselhaft</strong></h2>
<h3><strong>Warum haben die jungen Männern in aktuellen DDR-Familienromanen so schlechte Überlebenschancen? In wenigen Monaten sind gleich fünf Bücher erschienen, die sich zumindest in einem Punkt erstaunlich ähnlich sind: Die Mädchen kommen davon, die Jungs nur sehr viel seltener.</strong></h3>
<p>Es ist nicht nur bemerkenswert, wie viele Romane über DDR-Familien in jüngster Zeit erschienen sind. Noch bemerkenswerter finde ich, wie schlecht es in diesem Büchern insbesondere den Söhnen ergeht.</p>
<ul>
<li>In Angelika Klüssendorfs Roman <em>Das Mädchen</em> werden Bruder und Schwester von der trunksüchtigen Mutter zwar gleichermaßen schlecht behandelt, beschimpft, vernachlässigt oder verprügelt. Doch der Junge läuft – auf Anregung des Mädchens – gern knapp vor fahrenden Autos über die Straße, um sie zu Vollbremsungen zu zwingen. Einer der Fahrer bremst zu spät, woraufhin der Bruder den Rest des Buches geistig behindert durchzustehen hat.</li>
<li><a id="zoomlink"><img id="cover_image" src="http://bilder.buecher.de/produkte/33/33360/33360516n.jpg" alt="Das Mädchen - Klüssendorf, Angelika" /></a></li>
<li>Vernachlässigt werden Bruder und Schwester auch in Julia Francks Roman: <em>Rücken an Rücken</em>. Doch den Jungen treibt die Kälte, mit der die Mutter beide Kinder behandelt, schließlich in den Doppel-Selbstmord mit seiner Freundin.</li>
<li><a id="zoomlink"><img id="cover_image" src="http://bilder.buecher.de/produkte/33/33372/33372404n.jpg" alt="Rücken an Rücken - Franck, Julia" /></a></li>
<li>In Eugen Ruges Roman <em>In Zeiten des abnehmenden Lichts</em> werden beide Söhne der treu stalinistischen Eltern ins sowjetische Arbeitslager verbannt – und nur einer von ihnen überlebt. Die historischen Tatsachen in der Familie Ruge liegen etwas anders: Wie mir Eugen Ruge erzählte, haben sowohl sein Vater als auch sein Onkel Jahre im GuLag zugebracht, kamen aber beide davon. Doch angesichts der hohen Sterbequote in den Lagern war das in Ruges Augen für die Familie eine unfassbar glückliche Wendung. Folglich hat er, um der literarischen Glaubwürdigkeit Willen, in seinem Buch dem einen der beiden Söhne das Lebenslicht frühzeitig ausgeblasen.</li>
<li><a id="zoomlink"><img id="cover_image" src="http://bilder.buecher.de/produkte/33/33428/33428446n.jpg" alt="In Zeiten des abnehmenden Lichts - Ruge, Eugen" /></a></li>
<li>Auch André Kubiczeks Roman <em>Der Genosse, die Prinzessin und ihr lieber Herr Sohn</em> hat unverkennbar autobiographische Züge. Hier ist ein aufrechter SED-Parteisoldat zunächst mit einem Flüchtlingsmädchen aus Laos verheiratet und hat zwei Söhne. Die Frau stirbt früh an Krebs. Eines Nachmittags achtet der ältere Bruder nicht genau genug auf den jüngeren, woraufhin der mit dem Fahrrad verunglückt – und eine geistige Behinderung davonträgt. Doch nicht für lange, denn die DDR-Medizin trägt dazu bei, ihn durch Therapie-Versuchen bald schon unter die Erde zu bringen.</li>
<li><a id="zoomlink"><img id="cover_image" src="http://bilder.buecher.de/produkte/34/34512/34512077n.jpg" alt="Der Genosse, die Prinzessin und ihr lieber Herr Sohn - Kubiczek, André" /></a></li>
<li>Besonders gründlich schlägt das Schicksal in Marion Braschs Familienbericht <em>Ab jetzt ist Ruhe</em> zu. Der stellvertretende Kulturminister Horst Brasch hat drei Söhne und eine Tochter. Seine Frau stirbt wie in Kubiczeks Roman früh an Krebs. Die drei Söhne Klaus (1980), Peter (2001) und Thomas (2001) sterben an Alkohol oder anderen Suchtstoffen und -schäden.</li>
<li><a id="zoomlink"><img id="cover_image" src="http://bilder.buecher.de/produkte/34/34511/34511962n.jpg" alt="Ab jetzt ist Ruhe - Brasch, Marion" /></a></li>
</ul>
<p>Zwei Unfälle mit einschneidenden geistigen Folgen, zwei krebstote Mütter, ein Doppelselbstmord und insgesamt sechs tote männliche Familiensprösslinge in nur fünf Romanen. Wenn man in Rechnung stellt, dass alle fünf Bücher zwischen September 2011 und Februar 2012 veröffentlicht wurden, ist das schon eine erstaunliche Häufung. Zudem gehen – von Ruges Onkel einmal abgesehen – alle diese Toten nicht auf das Konto der literarischen Fantasie der Autoren. Was das Ganze zu einer verdammt traurigen Angelegenheit macht.</p>
<p>Wie kommt es zu einer solchen literarischen Häufung? Ich habe keinen blassen Schimmer. Natürlich fällt einem sofort die suggestive Titel-Formel des erwähnten Thomas Brasch ein, der mit Blick auf die festgefahrenen ideologischen Zustände in der DDR seinen ersten Erzählband <em>Vor den Vätern sterben die Söhne</em> nannte. Vielleicht nahmen die Generationskonflikte dort, verschärft durch die diktatorischen Gesellschaftsverhältnisse, tatsächlich schneller eine tödliche Gnadenlosigkeit an.</p>
<p>Doch in Angelika Klüssendorfs Buch ist von den politischen Zuständen und Engstirnigkeiten des Landes fast gar nicht die Rede. In Ruges Roman gehört weder der tote noch der überlebende Bruder, als sie ins Lager verbannt werden, zur Opposition gegen Stalin. Und auch die Brüder in Kubiczeks Familiengeschichte tragen letztlich keine größeren ideologischen Streitigkeiten mit dem Vater aus.</p>
<p>So überzeugend Thomas Braschs Formel im ersten Moment klingt, sie trifft die Sache letztlich nicht. Andere Thesen zu dieser Häufung toter junger Männer im DDR-Familienroman aus dieser und der vergangenen Saison fallen mir aber derzeit nicht ein. Hat jemand Vorschläge? Die Literatur bleibt rätselhaft.</p>
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