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	<title>Die Büchersäufer. Ein Blog von Uwe Wittstock &#187; Dave Eggers</title>
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	<description>Über Literatur und Literaten</description>
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		<title>Dave Eggers Roman &#8220;Eure Väter, wo sind sie?&#8230;&#8221; jetzt als Taschenbuch</title>
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		<pubDate>Wed, 11 May 2016 09:27:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Über Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Dave Eggers]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie das Kind eines Dämons Nach seinem Welterfolg „Der Circle“ legt Dave Eggers im vergangenen Jahr gleich den nächsten politischen Roman vor. Er trägt den alttestamentarischen Titel &#8220;Eure Väter, wo sind sie? Und die Propheten, leben sie ewig?&#8221;. Es geht &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=1769">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h1 id="title"><strong>Wie das Kind eines Dämons</strong></h1>
<h2><strong>Nach seinem Welterfolg „Der Circle“ legt Dave Eggers im vergangenen Jahr gleich den nächsten politischen Roman vor. Er trägt den alttestamentarischen Titel &#8220;Eure Väter, wo sind sie? Und die Propheten, leben sie ewig?&#8221;. Es geht um einen Kidnapper, der mit Gewalt gegen Gewalt kämpft. Der Dialog-Roman ist jetzt als Taschenbuch erschienen &#8211; und lohnt die Lektüre. Eine Leseempfehlung.</strong></h2>
<div id="attachment_1770" class="wp-caption alignright" style="width: 286px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2016/05/44110316z.jpg"><img class="size-full wp-image-1770" title="44110316z" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2016/05/44110316z.jpg" alt="" width="276" height="420" /></a><p class="wp-caption-text">Dave Eggers: &quot;Eure Väter, wo sind sie? Und die Propheten, leben sie ewig?&quot;. Roman. Übersetzt von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. Verlag Kiepenheuer &amp; Witsch. 9,99 Euro</p></div>
<p>&#8220;Wieso? Weshalb? Warum? Wer nicht fragt, bleibt dumm.“ Die Welt ist ein Rätsel, keineswegs nur für Kinder. Aber die „Sesamstraße“, jenes große Bildungserlebnis unserer frühen Jahre, weiß, wie das Rätsel zu lösen ist: Irgendwo da draußen sind Antworten. Wir müssen halt fragen, fragen, fragen. Dann werden wir sie bekommen. Dann werden wir Bescheid wissen.</p>
<p>Thomas glaubt fest daran. Er ist ein ratloser, nicht mehr ganz junger Mann, der an Amerikas Westküste aufwuchs und inständig um eine Richtung für sein Leben ringt. Deshalb schreibt er Briefe mit Fragen an Prominente oder Politiker. Doch sie antworten nicht. Also entschließt er sich, sie zu entführen und an entlegenem Ort anzuketten, um sich endlich in Ruhe mit ihnen zu unterhalten. Um Antworten zu bekommen.</p>
<p>Dave Eggers ist in den letzten Jahren zum heißesten und zugleich coolsten unter Amerikas Schriftstellerstars aufgestiegen. Jahr für Jahr legt er Romane vor, die auf die politischen Kernfragen der Gegenwart zielen: 2013 erzählte er in dem jetzt mit Tom Hanks verfilmten „Ein Hologramm für den König“ von der weltweiten Wirtschaftskrise, die dem Mittelstand den Boden unter den Füßen wegzieht, und 2014 in „Der Circle“ von den unabsehbaren Gefahren der allgegenwärtigen Überwachung aller Lebensäußerungen durch IT-Konzerne.</p>
<p>Den Titel seines letztjährigen Romans hat Eggers dem Alten Testament entlehnt: „Eure Väter, wo sind sie? Und die Propheten, leben sie ewig?“ Das Buch handelt von einer geradezu alttestamentarischen Wahrheitssuche: Vordergründig geht es um einen Fall mühsam vertuschter Polizeigewalt, wie sie spätestens seit den Toten von Ferguson die amerikanische Gesellschaft spaltet. Im Hintergrund aber um den Verlust zukunftsweisender politischer Visionen in der westlichen Welt und um die letzten Fragen des Daseins. Um das große Wieso, Weshalb, Wozu des Lebens.</p>
<p>Der Roman besteht nur aus Dialogen: Kidnapper Thomas spricht, diskutiert, streitet 220 Seiten lang mit seinen entführten Opfern, darunter ein Astronaut, ein ehemaliger Kongressabgeordneter, ja sogar Thomas’ eigene Mutter. Eggers kann sich das leisten, denn seine Dialoge sind brillant geschrieben, spannend, witzig, temporeich. Wie in einem Gerichtsverhör klären sie nach und nach nicht nur den Polizeieinsatz, bei dem ein Freund von Thomas erschossen wurde, sondern enthüllen zugleich die charakterlichen Stärken und Schwächen der Beteiligten.</p>
<div id="attachment_1771" class="wp-caption alignright" style="width: 322px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2016/05/42760848z.jpg"><img class="size-full wp-image-1771" title="42760848z" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2016/05/42760848z.jpg" alt="" width="312" height="475" /></a><p class="wp-caption-text">Dave Eggers: &quot;Der Circle&quot;. Roman. Übersetzt von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. Verlag Kiepenheuer &amp; Witsch. 10,99 Euro</p></div>
<p>Eggers hatte das alles nicht so geplant. Aber bei der Arbeit am Roman wurden die Dialoge immer mächtiger, bis sie schließlich alles Übrige aus der Geschichte herausdrängten. „Mehr als bei jedem anderen Buch, das ich zuvor geschrieben habe, hat dieses Buch sein Eigenleben entwickelt“, sagt Eggers. „Es fühlt sich seltsam und wild an, nicht wie etwas, das ich jederzeit unter Kontrolle hatte. Es ist wie das Kind eines Dämons.“</p>
<p>Wer den Roman mit kühlem Kopf liest, merkt das. Manches an ihm wirkt ungebändigt, fast ungeordnet. Mittendrin findet sich ein Plädoyer gegen die Hysterie, mit der heute selbst gemäßigte, angeblich unschädliche Formen von Pädophilie verfolgt werden. Sebastian Edathy würde es wohl mit Vergnügen lesen. Auch kommt Thomas der Wahrheit über den Polizeieinsatz, der seinem Freund das Leben kostete, nur auf Grund eines haarsträubenden Zufalls näher, wie ihn sich kein Thriller-Autor leisten könnte, der Wert auf Glaubwürdigkeit seiner Geschichte legt.</p>
<p>Doch das ändert wenig an der Faszinationskraft dieses Buches. Eggers hat ein erstaunliches Talent, die politischen Debatten der Gegenwart in mitreißende Geschichten zu verwandeln. Er liefert dabei kaum je neue, bislang unbekannte Argumente oder Einsichten. Aber er macht die oft abstrakt gewordenen Streitthemen wieder anschaulich und lebendig.</p>
<p>Kein Wunder, dass Eggers, 46, heute zu den Lieblingserzählern gerade des liberalen Amerika gehört. Er war gerade 22, als seine Eltern kurz hintereinander an Krebs starben und er seinen achtjährigen Bruder allein aufziehen musste &#8211; worüber er seinen ersten Roman schrieb: &#8220;Ein herzzerreißendes Werk von umwerfender Genialität&#8221;. Er gründete einen unabhängigen Verlag, mehrere Literaturzeitschriften und die Non-Profit-Organisation “826 Valencia“, die Kindern Creative-Writing-Kurse anbietet.</p>
<div id="attachment_1772" class="wp-caption alignleft" style="width: 322px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2016/05/40818120z.jpg"><img class="size-full wp-image-1772" title="40818120z" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2016/05/40818120z.jpg" alt="" width="312" height="475" /></a><p class="wp-caption-text">Dave Eggers: &quot;Ein Hologramm für den König&quot;. Roman. Übersetzt von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. Verlag Kiepenheuer &amp; Witsch. 9,99 Euro</p></div>
<p>Je unlösbarer und überwältigender die Probleme einer Epoche erscheinen, desto größer wird die Neigung, Antworten von den Dichtern, von den vermeintlich weisen und erleuchteten Menschen der Zeit zu erhoffen. Da sich Eggers zudem stark für soziale Hilfsprojekte engagiert, ist offenbar die Versuchung groß, ihn zu einer Art Mutter Teresa der Literatur zu stilisieren.</p>
<p>Doch Dave Eggers scheint, und das macht ihn besonders sympathisch, an dieser Rolle des Gurus wenig Freude zu haben. Denn Thomas, der verwirrte Held seines neuen Romans, ist zugleich die Karikatur eines typischen Gefolgsmanns, der flehentlich auf der Suche ist nach einem Vordenker, dem er ergeben alle seine Fragen stellen kann, ohne ihn je in Frage zu stellen.</p>
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		<title>Ist Michel Houellebecq der neue Dave Eggers?</title>
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		<pubDate>Sun, 04 Jan 2015 21:53:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Über Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Dave Eggers]]></category>
		<category><![CDATA[Michel Houellebecq]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn Schriftsteller sich suhlen in politischer Angstlust Michel Houellebecqs Unterwerfung und Dave Eggers Der Circle sind zeitdiagnostische Romane, die sowohl ästhetisch wie auch zeitdiagnostisch das literarische Klassenziel nicht erreichen. Dennoch feiern sie im Kampf um die öffentliche Aufmerksamkeit erstaunliche Triumphe. Wie &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=1034">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h1 style="text-align: left;"><strong>Wenn Schriftsteller sich suhlen in politischer Angstlust</strong></h1>
<h2 style="text-align: left;"><strong>Michel Houellebecqs <em>Unterwerfung</em> und Dave Eggers <em>Der Circle</em> sind zeitdiagnostische Romane, die sowohl ästhetisch wie auch zeitdiagnostisch das literarische Klassenziel nicht erreichen. Dennoch feiern sie im Kampf um die öffentliche Aufmerksamkeit erstaunliche Triumphe. Wie kommt es zu diesen Erfolgen? Eine Spekulation</strong></h2>
<h3 style="text-align: left;">Michel Houellebecqs <em>Unterwerfung</em> ist noch nicht erschienen – und schon der meistdebattierte Roman dieser Tage. Ich habe eine digitale Fassung vom deutschen Verlag vorab erhalten und gelesen. Er ist in meinen Augen mit Sicherheit keine literarische Meisterleistung, aber dennoch ein beeindruckendes Buch. Denn es trifft mit erstaunlicher Präzision den (politischen) Nerv seiner Zeit.</h3>
<div id="attachment_1038" class="wp-caption alignleft" style="width: 170px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/01/Houellebecq1.jpg"><img class="size-full wp-image-1038" title="Houellebecq" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/01/Houellebecq1.jpg" alt="" width="160" height="160" /></a><p class="wp-caption-text">Michel Houellebecq: &quot;Unterwerfung&quot;. Dumont Verlag, Köln 2015, 22,99 Euro</p></div>
<h3 style="text-align: left;">Die Handlung ist bereits oft genug referiert worden, ich muss sie hier nicht noch einmal nacherzählen. Die grundlegenden Ideen Houellebecqs sind simpel: Im französischen Präsidentschaftswahlkampf 2022 bekommen die traditionelle bürgerlichen und sozialistischen Parteien keinen Fuß mehr auf den Boden. In der Stichwahl machen der Front National mit Marine Le Pen und eine (fiktive) „Bruderschaft der Muslime“ das Rennen unter sich aus. Da sich die bereits zuvor geschlagenen traditionellen Parteien hinter die „Brüderschaft“ stellen, ist deren Spitzenkandidat Mohammad Ben Abbes der sichere Sieger.</h3>
<h3 style="text-align: left;">Durchaus plausibel erscheint mir an diesem Szenario, dass es vor einem derart entscheidenden Wahlgang zu gewalttätigen Zusammenstößen kommt. Autos werden abgefackelt (nicht unüblich im Frankreich der letzten Jahre), dazu Schießereien in Paris, Überfälle auf Wahllokale usw. Nicht plausibel ist aber meines Erachtens, dass diese bürgerkriegsähnlichen Zustände nach dem Sieg von Präsident Ben Abbes fast sofort abflauen. Es wirkt so, als habe Houellebecq den Front National im zweiten Teil seines Romans schlichtweg vergessen.</h3>
<h3 style="text-align: left;">Wichtiger ist Houellebecq in der zweiten Romanhälfte die Entwicklung seiner Hauptfigur, eines Literaturwissenschaftlers namens François. Denn der wandelt sich unter dem Eindruck der allgemeinen Islamisierung des Landes zügig vom religiös desinteressierten Agnoistiker zu einem potentiellen Konvertiten, dessen Übertritt zum Islam am Ende des Romans zumindest im Konjunktiv geschildert wird.</h3>
<h3 style="text-align: left;">Sowohl die im Roman behauptete Unterstützung der „Brüderschaft“ durch die traditionellen Parteien als auch die angedeuteten Konversion der Hauptfigur liefern eine Begründung für den Romantitel: die bereitwillige „Unterwerfung&#8221; der westlichen, laizistischen, aufgeklärten Gesellschaft unter den im Glauben gefestigten Islam. Damit liefert das Buch mundgerecht den Debattenstoff, den unsere Talkshows in den Zeiten von Pegida brauchen.</h3>
<h3 style="text-align: left;">Keine von Houellebecqs Ideen oder Überlegungen scheinen mir sonderlich originell, sein Zukunftsbild für Frankreich ist wenig überzeugend. Es setzt zu viele frei erfundene politische Faktoren voraus, für die es in der Gegenwart nicht mal die Andeutung von zukünftigen Realisierungschancen gibt. Kurz: Houellebecqs Geschichte ist nicht überzeugend. Wäre ein ähnliches Zukunftsszenario in Essays oder Zeitungsartikeln entworfen worden, wären sie wohl kaum ernsthaft diskutiert worden.</h3>
<div id="attachment_1039" class="wp-caption alignright" style="width: 222px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/01/Eggers.jpeg"><img class="size-full wp-image-1039" title="Eggers" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/01/Eggers.jpeg" alt="" width="212" height="346" /></a><p class="wp-caption-text">Dave Eggers: &quot;Der Circle&quot;. Verlag Kiepenheuer &amp; Witsch. Köln 2014, 22,99 Euro</p></div>
<h3 style="text-align: left;">Ganz ähnlich lagen meiner Meinung nach die Dinge bei Dave Eggers Roman <em>Der Circle</em> – dem Zukunftsskandalroman des vergangenen Jahrs. Auch dieses Buch ist (trotz einiger gelungener satirischer Elemente) literarisch eher dürftig: Die Hauptfiguren sind psychologisch so komplex wie Glasmurmeln und das zentrale Handlungsmotiv (Firmengründer Kalden versucht ausgerechnet die fanatische Circle-Anhängerin Mae zur ins Lager der Circle-Kritiker zu ziehen) ist geradezu haarsträubend unplausibel.</h3>
<h3 style="text-align: left;">Dennoch gelang es auch diesem Roman, sich in den Mittelpunkt einer bewegten öffentlichen Debatte zu rücken. Obwohl die Ideen und Überlegungen auch dieses Buches alles andere als originell sind und das Misstrauen gegen eine allumfassende Überwachung (durch datensammelwütige IT-Konzerne oder NSA) schon lange vor dem Erscheinen des Romans zum Alltag gehörte.</h3>
<h3 style="text-align: left;">Mir scheint das ein interessanter Punkt zu sein: Beide Romane sind literarisch nicht eben überwältigend. Zumindest haben sie sprachlich und psychologisch wenig mehr zu bieten als ein x-beliebiger Konfektions-Krimi. Aber auch inhaltlich liefern sie nüchtern betrachten keine aufregend neuen Thesen. Sowohl die Angst vor den Ausforschungs-Algorithmen als auch vor dem Islam oder wahlweise vor Islam-Feindschaft gehören zu den Plattitüden der gegenwärtigen Publizistik.</h3>
<h3 style="text-align: left;">Woher kommt dennoch die erstaunliche öffentliche Resonanz auf diese Bücher? Offen gestanden, ich habe keinen Schimmer, ich kann nur spekulieren. Ein alter Grundsatz der Rhetorik besagt, dass Geschichten eine vielfach größere Wirkung beim Publikum erzielen als Argumente. Beruht der Erfolg von Eggers und Houellebecq auf dieser Regel? Sie liefern kaum Neues, sondern malen bereits bekannte und vielfach benannte Angstvorstellungen mit erzählerischen Mitteln aus. Sie suhlen sich gleichsam in der politischen Angstlust des Publikums. Was ihnen eine stattliche Leserschaft einträgt und ihre Bücher zu zentralen Bezugspunkten der Medien-Debatten macht – was ihnen naturgemäß noch mehr Aufmerksamkeit bei Lesern einträgt, woraufhin sie naturgemäß zu Referenzpunkten in noch mehr nervtötenden Talkshows werden. Usw.</h3>
<h3 style="text-align: left;">Kurz: Der Schriftsteller wird hier zum Illustrator öffentlicher Streitfragen. Er liefert keine gute Geschichte, sondern vielmehr die richtige Geschichte zum richtigen Zeitpunkt. Er verwandelt die in Schlagworten gefassten politischen Befürchtungen (NSA-Überwachung, Islamisierung) zu emotional nachvollziehbaren Erzählungen. Er bebildert die sonst bilderlosen Konfliktthemen. Ob die jeweiligen Geschichten irgendeinen originellen Gedanken enthalten oder platt sind wie Briefmarken, ob sie literarisch gelungen oder auch nur einigermaßen inhaltlich überzeugend sind, ist dann unwichtig. Denn für solche eher differenzierten Überlegungen ist im rasend schnell losbrechenden allgemeinen Meinungsradau ohnehin keine Zeit mehr.</h3>
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