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	<title>Die Büchersäufer. Ein Blog von Uwe Wittstock &#187; Truman Capote</title>
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	<description>Über Literatur und Literaten</description>
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		<title>Buch &amp; Bar 25: Truman Capote: &#8220;Erhörte Gebete&#8221;</title>
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		<pubDate>Mon, 27 Jul 2015 14:30:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buch & Bar]]></category>
		<category><![CDATA[Dorothy Parker]]></category>
		<category><![CDATA[Truman Capote]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Tratschen als hohe Kunst betrachtet Klar, Essen ist auch wichtig. Aber in dieser Kurz-Kolume BUCH &#38; BAR geht es nur um Lesen und Trinken. Warum? Weil beides, in richtiger Qualität und Dosierung, einen kostbaren Fingerbreit über die klägliche Wirklichkeit &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=1304">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>Das Tratschen als hohe Kunst betrachtet</strong></h1>
<h2><strong>Klar, Essen ist auch wichtig. Aber in dieser Kurz-Kolume BUCH &amp; BAR geht es nur um Lesen und Trinken. Warum? Weil beides, in richtiger Qualität und Dosierung, einen kostbaren Fingerbreit über die klägliche Wirklichkeit hinausheben kann.</strong></h2>
<h2><strong>Heute: Über herrlich schamlos Lesen, Trinken und Übertreiben<br />
</strong></h2>
<div id="attachment_1306" class="wp-caption alignleft" style="width: 197px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/07/41863175z.jpg"><img class="size-medium wp-image-1306" title="41863175z" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/07/41863175z-187x300.jpg" alt="" width="187" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Truman Capote: &quot;Erhörte Gebete&quot;. Übersetzt von Heidi Zerning. Verlag Kein &amp; Aber. Zürich 2015. 9,90 Euro</p></div>
<p>Lästern Sie gern? Ich gestehe, ich bin nicht frei von diesem Laster. Meine ungeteilte Bewunderung gilt allen, die ihm widerstehen. Jedes Zusammensein mit anderen Menschen ist mühevoll genug, denn sie sind &#8211; wie soll ich sagen &#8211; irgendwie anders als man selbst. Die Versuchung ist groß, sich für diese mühevollen Mühen zu entschädigen, indem man die natürlich total liebenswerten kleinen Schwächen der anderen mit nicht nur liebenswürdigen Worten bedenkt. Pfui.</p>
<p>Truman Capote war der unangefochtene World-Champion des Lästerns. Sein Hauptwerk „Erhörte Gebete“ (Kein &amp; Aber, 9,90 €) sollte eine Orgie der üblen Nachrede werden – aber er hat es nie vollendet. Zu besichtigen ist (jetzt als Taschenbuch) die Ruine eines Romans, der das klassische Ideal des Wahren, Schönen, Guten ersetzt durch schamlose Klatschsucht, eleganten Zynismus und brillante Boshaftigkeit. Mitleidloser ist die Welt der Reichen, Mächtigen und Schönen, der Jackie Kennedy, Montgomery Clift oder Dorothy Parker nie gezeigt worden. Und nie mit mehr Witz.</p>
<p>Allerdings bleibt Capote wohl nicht eng bei der Wahrheit, sondern neigt zu maßlosen Übertreibungen. Ein Indiz: Einen guten Daiquiri, der nicht nach „reiner Salzsäure“, sondern „angenehm säuerlich und leicht süß“ schmeckt, kriegt seiner Ansicht nach nur der Chefbarkeeper des Pariser „Ritz“ hin. Da zum klassischen Daiquiri neben weißem Rum und Limettensaft vor allem Rohrzuckersirup gehört, halte ich das für eine völlig haltlose Behauptung und &#8211; und bin bereit in einer Menge Bars zwischen Frankfurt und Berlin den Gegenbeweis anzutreten.</p>
<address><em>Die Kolumne erschien im Focus vom 20. Juni 2015. </em></address>
<address><em> 2014 startete meine Kurz-Kolumne Buch &amp; Bar im Focus. Sie ist schon deshalb unverzichtbar, weil sie dem weltbewegenden Zusammenhang zwischen Lieblingsbegleiter BUCH und Lieblingsaufenthaltsort BAR nachgeht, zwischen Geschriebenem und Getrunkenem, zwischen der Beschwingtheit, in die manche Dichter ebenso wie manche Drinks versetzen können. Also haargenau das,  worauf jeder überzeugte Büchersäufer immer schon gewartet hat – weshalb ich die Kolumnen hier gern frisch auf die Theke meines Blogs serviere.</em></address>
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		<title>Sascha Anderson im Film &#8220;Anderson&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 12 Feb 2014 14:36:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Personen]]></category>
		<category><![CDATA[Annekatrin Hendel]]></category>
		<category><![CDATA[Sascha Anderson]]></category>
		<category><![CDATA[Truman Capote]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Schriftsteller und der Verrat Gestern habe ich die Presse-Vorführung des Films Anderson über Sascha Anderson gesehen – war aber offenbar in der falschen Vorstellung. Denn wie Susanne Schleyer berichtet (https://www.facebook.com/susanne.schleyer?fref=ts), gab es am Nachmittag nach der offiziellen Berlinale-Premiere „riesiges &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=944">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h1><strong> Die Schriftsteller und der Verrat</strong></h1>
<h3><strong>Gestern habe ich die Presse-Vorführung des Films <em>Anderson</em> über Sascha Anderson gesehen – war aber offenbar in der falschen Vorstellung. Denn wie Susanne Schleyer berichtet (https://www.facebook.com/susanne.schleyer?fref=ts), gab es am Nachmittag nach der offiziellen Berlinale-Premiere „riesiges geschrei von betroffenen und sich betroffen fuehlenden. vor dem kino polizei. es haette nur noch gefehlt, dass sich leute pruegeln.“ Das habe ich verpasst. Auch 25 Jahre nachdem der Schriftsteller Sascha Anderson als Stasi-IM enttarnt wurde, sorgt sein Fall scheinbar noch immer für öffentliche Erregung. Erstaunlich.</strong></h3>
<p>Da ich kein Betroffener bin, brauche ich mich nicht so zu erregen. Ich habe Anderson 1983 in „Berlin, Hauptstadt der DDR“ besucht und ihn in der FAZ porträtiert als Lyriker und Impresario vom Prenzlauer Berg, der federführend dabei half, die dortige Boheme zum Markenartikel PRENZLAUER BERG zu machen. Er erzählte mir schon damals, und ich schrieb es in meinem Porträt, dass ihn die Stasi regelmäßig verhöre. Was er der Stasi bei diesen Gelegenheiten alles in die Notizblöcke diktierte, sagte er mir nicht.</p>
<div id="attachment_945" class="wp-caption alignright" style="width: 718px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2014/02/Anderson.jpg"><img class="size-full wp-image-945" title="Anderson" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2014/02/Anderson.jpg" alt="" width="708" height="398" /></a><p class="wp-caption-text">Sascha Anderson in &quot;Anderson&quot; von Annekatrin Hendel</p></div>
<p>Ich bin Anderson seither immer wieder mal begegnet und habe gelegentlich auch über ihn oder seine Bücher geschrieben. Zwei der Artikel sind hier zu finden: <a href="http://uwe-wittstock.de/blog/?cat=68">http://uwe-wittstock.de/blog/?cat=68</a></p>
<p>Im Film <em>Anderson</em> war Anderson selbstkritischer und vor allem sachlich klarer, als ich ihn je erlebt habe. Anderson neigt zu verschachtelten Satzkonstruktionen, die er gern halbfertig in der Schwebe lässt und deren Sinn mir oft dunkel bleibt. Der Filmerin Annekatrin Hendel ist es jedenfalls gelungen, ihn konkreter als sonst über seine Zuträgereien zum Sprechen zu bringen, und dafür darf sie sich und ihrem Film schon mal ein paar Pluspunkte gutschreiben. So gibt Anderson zum Beispiel unmissverständlich zu, es sei ihm klar gewesen, dass die Stasi Material suchte, um Regimegegnern juristisch korrekte Prozesse nach DDR-Recht machen zu können – und dass er solches Material wissentlich geliefert habe.</p>
<p>Das Ende des Films fand ich allerdings schwach: Hendel stellt eine Szene an den Schluss, in dem Anderson erklärt, weshalb die von ihm verratenen ehemaligen Freunde noch heute vergeblich auf eine Entschuldigung warten. Er bemüht dazu ein rhetorisches Täuschungsmanöver: Er könne doch nicht, sagt Anderson, mit dem Satz „Ich entschuldige mich“ eine Verzeihung gleichsam einfordern. Nein, nur die anderen könnten ihm verzeihen. Dass er stattdessen sehr wohl „um Entschuldigung bitten“ könnte, blendet Anderson aus – und Hendel lässt ihn nicht nur damit davonkommen, sondern gibt Andersons windiger Scheinerklärung sogar noch zusätzliches Gewicht, indem sie den Film damit unkommentiert ausklingen lässt.</p>
<p>(Sascha Anderson teilt dazu per Mail mit, seine Erklärung in der letzten Szene sei verkürzt worden: &#8220;vollständig hieß sie, dass ich mich für das, WAS ich getan habe, nicht entschulden (nicht entschuldigen!) kann und werde, aber für das WIE um verzeihung bitten muss und will. was übrigens offline längst (seit über 20 jahren) passiert ist.&#8221;)</p>
<p>Wie auch immer: Ob Andersons Bitte um Entschuldigung tatsächlich seit Jahrzehnten ausgeblieben ist, und ob der Fall Anderson deshalb noch heute für Erregung sorgt, könnte aber letztlich nur eine Vollversammlung der Verratenen klären.</p>
<p>Und zu denen gehöre ich nicht, weshalb ich mir beim Anschauen des Films anderes durch den Kopf ging. In dem sehr eindrucksvollen Film <em>Capote</em>, der Philip Seymour Hoffmann seinen Oscar einbrachte, ging es im Kern ebenfalls um den Verrat eines Schriftstellers an einem Freund. Der Film ist kein Dokumentarfilm wie der von Annekatrin Hendel, aber er ist der tatsächliche Lebensgeschichte Truman Capotes hart auf den Fersen und seine Handlung keine Erfindung eines verschwitzten Hollywoodautoren-Hirns.</p>
<div id="attachment_946" class="wp-caption alignleft" style="width: 186px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2014/02/Capote.jpg"><img class="size-full wp-image-946" title="Capote" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2014/02/Capote.jpg" alt="" width="176" height="250" /></a><p class="wp-caption-text">&quot;Capote&quot;. Fox. Regie: Bennett Miller</p></div>
<p>Capote freundete sich bei den Recherchen zu seinem Tatsachenroman <em>Kaltblütig</em> mit einem der beiden Mörder an, über die er schrieb – und beschaffte ihm bessere Anwälte, die dem Mann Strafaufschub verschafften. Doch als das Buch fertig war, und nur noch das letzte Kapitel – die Hinrichtung der Mörder – fehlte, stellte Capote seine Hilfe ein. Ein ultimativer Verrat: Sein Buch kann erst dann abgeschlossen werden, wenn das Urteil vollstreckt wird – also lässt Capote den Freund im doppelten Sinne des Wortes hängen.</p>
<p>Mit anderen Worten: Schriftsteller sind keine netten Menschen. Wenn sie es mit einem Buch ernst meinen, nehmen sie wenig Rücksicht. Oder genauer: keine Rücksicht. Das Werk ist ihnen wichtig, nicht die Menschen. Vielleicht hat Literatur tatsächlich, wie häufig behauptet wird, eine menschenfreundliche, humanisierende Wirkung. Das Verhalten von Schriftsteller im realen Leben hat diese Wirkung eher selten. Es geht ihnen um ihre Arbeit, nicht um Moral.</p>
<p>Möglicherweise liegt hier eine Lehre, die man aus dem Fall Anderson ziehen kann. Sascha Andersons Hauptwerk waren nicht seine Gedichte, es war seine Arbeit als Impresario, der die Marke PRENZLAUER BERG mitprägte und in Ost und West popularisierte. Eine nicht ganz uneigennützige Arbeit, denn je wichtiger die Marke wurde, desto wichtiger wurde auch deren Zentralfigur Anderson. Diese Arbeit wäre gegen die Stasi nicht möglich gewesen, also hat er sie im Kontakt mit der Stasi vorangetrieben. Für moralische Bedenken war da wenig Platz.</p>
<p>Aber gerade in der DDR wurden Schriftsteller gern als Gegenspieler zum diktatorischen Regime betrachtet – und also in der Rolle von Weisen, Märtyrern oder säkularen Heiligen gesehen. Umso schmerzlicher die Enttäuschung, als sich Einzelne davon als Verräter entpuppten.</p>
<p>P.S.: Sehr gut gefallen hat mir auch die Verzückung, mit der die Ausstellungsmacherin Ingrid Bahß im Film von der Ausstrahlungskraft Andersons berichtete und von der Grandezza, mit der er seine Jeans zu tragen wusste. Dazu wurden alte schwarz-weiß-Fotos eingeblendet, auf denen Anderson wirkte wie ein etwas zerknautscher Bruder von Jim Morrison. Vielleicht sollte man auch nicht unterschätzen, wie sehr Anderson zur Identifikationsfigur und zum role modle der Boheme im DDR-Sozialismus aufgestiegen war. Weshalb dann später die Enttäuschung und die nachträglichen Abgrenzungsbedürfnisse so besonders groß waren – wer möchte sich schon über so lange Zeit mit einem Verräter identifiziert haben.</p>
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