<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Die Büchersäufer. Ein Blog von Uwe Wittstock &#187; Daniel Defoe</title>
	<atom:link href="http://blog.uwe-wittstock.de/?feed=rss2&#038;tag=daniel-defoe" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://blog.uwe-wittstock.de</link>
	<description>Über Literatur und Literaten</description>
	<lastBuildDate>Mon, 11 May 2026 08:37:49 +0000</lastBuildDate>
	<language>de-DE</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.5</generator>
		<item>
		<title>Die Bücher-Bar 4 / Eine Kolumne</title>
		<link>http://blog.uwe-wittstock.de/?p=2473</link>
		<comments>http://blog.uwe-wittstock.de/?p=2473#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 27 Jun 2020 14:49:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher-Bar / Eine Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Cholera]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Drosten]]></category>
		<category><![CDATA[Corona]]></category>
		<category><![CDATA[Daniel Defoe]]></category>
		<category><![CDATA[Grippe]]></category>
		<category><![CDATA[Heinrich Heine]]></category>
		<category><![CDATA[Pest]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blog.uwe-wittstock.de/?p=2473</guid>
		<description><![CDATA[Was bleibt uns in Zeiten der Krise? Die Bücher! Das Lesen! Und das Reisen im Kopf. Der Büchersäufer stellt hier Bücher vor, die er mit Genuss bis zur Neige geleert, oder an denen er lieber nur kurz genippt hat. Heute: &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=2473">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Was bleibt uns in Zeiten der Krise? Die Bücher! Das Lesen! Und das Reisen im Kopf.</h2>
<h2>Der <em>Büchersäufer</em> stellt hier Bücher vor, die er mit Genuss bis zur Neige geleert, oder an denen er lieber nur kurz genippt hat.</h2>
<h2>Heute: Der <em>Büchersäufer </em>macht sich Sorgen über die Seuchenanfälligkeit der Verlage und hat einen Vorschlag</h2>
<h1><strong>Nachdenken über das tödlichste Tier der Welt</strong></h1>
<div id="attachment_2474" class="wp-caption alignleft" style="width: 198px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?attachment_id=2474" rel="attachment wp-att-2474"><img class="size-medium wp-image-2474" alt="Heinrich Heine: Ich rede von der Cholera. Hoffmann und Campe. 59 Seiten. 14 Euro" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2020/06/59202487z-188x300.jpg" width="188" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Heinrich Heine: Ich rede von der Cholera. Hoffmann und Campe. 59 Seiten. 14 Euro</p></div>
<p>Die Verlage stürzen sich derzeit auf die großen Seuchen, dass es eine Pracht ist. Nach Dutzenden von aktuellen Corona-Büchern, kommen jetzt die historischen Pandemien dran. Von Daniel Defoe erscheint das 300 Jahre alte Buch über „Die Pest in London“ (Jung &amp; Jung, 25 Euro). Von Heinrich Heine seine knapp 190 Jahre alte Reportage „Ich rede von der Cholera“ (Hoffmann und Campe, 14 Euro). Dazu Erinnerungen an die 100 Jahre alte Spanische Grippe von Harald Salfellner (Vitalis, 24,30 Euro) und Wilfried Witte (Wagenbach, 12 Euro).</p>
<p>Für jedes Seuchen-Interesse ist gesorgt. Ob sie nun ein Buch haben wollen über „Pest und Corona“ (Herder Verlag, 18 Euro) oder eines über „Pest und Cholera“ (Unionverlag, 12,95 Euro), ob über „Grippe, Pest und Cholera“ (Steiner Verlag, 24,90 Euro) oder über „Grippe, Cholera und Pest“ (BoD, 10 Euro).  Sogar medizinisch gewagte Neukombinationen werden erprobt wie „Das Tagebuch eines Geistlichen während der Cholerapest zu Saratow“ (BoD, 10 Euro) oder „Die Scharlachpest“ (BoD, 12,90 Euro).</p>
<div id="attachment_2475" class="wp-caption alignright" style="width: 199px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?attachment_id=2475" rel="attachment wp-att-2475"><img class="size-medium wp-image-2475" alt="Daniel Defoe: Die Pest in London. Übersetzung: Rudolf Schaller. Verlag Jung &amp; Jung. 386 Seiten. 25 Euro" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2020/06/59191715z-189x300.jpg" width="189" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Daniel Defoe: Die Pest in London. Übersetzung: Rudolf Schaller. Verlag Jung &amp; Jung. 386 Seiten. 25 Euro</p></div>
<p>Ich weiß nicht, was Christian Drosten dazu sagt. Aber um mal den Gerechtigkeitsgedanken ins Spiel zu bringen: Bei so viel Aufmerksamkeit für Seuchen müssen sich, denke ich mir, die übrigen Leiden und Gebrechen ziemlich zurückgesetzt vorkommen. Sicher, der im Buchgeschäft wichtige Gruselfaktor ist bei Seuchen besonders hoch, weil die Opfer schnell nach Millionen zählen. Aber auch in dieser Hinsicht wäre es leichtfertig, nur auf Pest &amp; Co. zu setzen.</p>
<p>Nehmen wir zum Beispiel das gefährlichste Tier der Welt, die Mücke, die Malaria überträgt. Sie infiziert pro Jahr rund 200 Millionen Menschen, über eine Million davon sterben. Pro Jahr.</p>
<p>Natürlich ist der Buchmarkt an den Chancen, die so eine Dauerkatastrophe bietet, nicht achtlos vorübergegangen. Vor acht Jahren schrieb die Autorin Carmen Stephan einen Roman über die Krankheit, und zwar aus der Perspektive der Mücke, die gerade eine junge Frau angesteckt hat: „Mal Aria“ (Fischer, 9,99 Euro). Wäre das nicht ein Tipp für die aktuelle Corona-Literatur? Den Krimi aus Virus-Perspektive gibt es noch nicht. Christian Drostens erster Fall! Garantierter Bestseller. Herr Drosten, übernehmen Sie!</p>
<div id="attachment_2476" class="wp-caption alignleft" style="width: 207px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?attachment_id=2476" rel="attachment wp-att-2476"><img class="size-medium wp-image-2476" alt="Carmen Stephan: &quot;Mal Aria&quot;. Roman. Fischer Taschenbuch. 9,99 Euro" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2020/06/38080878n-197x300.jpg" width="197" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Carmen Stephan: &#8220;Mal Aria&#8221;. Roman. Fischer Taschenbuch. 9,99 Euro</p></div>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://blog.uwe-wittstock.de/?feed=rss2&#038;p=2473</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Über literarische Aura</title>
		<link>http://blog.uwe-wittstock.de/?p=131</link>
		<comments>http://blog.uwe-wittstock.de/?p=131#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 14 Apr 2012 16:58:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ortsbesichtigung. Atlas der Autoren]]></category>
		<category><![CDATA[D. H. Lawrence]]></category>
		<category><![CDATA[Daniel Defoe]]></category>
		<category><![CDATA[Edward St Aubyn]]></category>
		<category><![CDATA[Robinson Crusoe]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blog.uwe-wittstock.de/?p=131</guid>
		<description><![CDATA[Wie man Kneipen wichtig macht und Schlösser blass Ein Ort, von dem keine Geschichte erzählt wird, ist oft banal. Orte aber, über die wir Geschichten von Schriftstellern hören, also von sauguten Erzählern, nehmen sehr schnell eine besondere Ausstrahlungskraft an. &#8211; &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=131">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2><strong>Wie man Kneipen wichtig macht und Schlösser blass</strong></h2>
<h3><strong>Ein Ort, von dem keine Geschichte erzählt wird, ist oft banal. Orte aber, über die wir Geschichten von Schriftstellern hören, also von sauguten Erzählern, nehmen sehr schnell eine besondere Ausstrahlungskraft an. &#8211; Ein Ausflug nach Cornwall zu Daniel Defoe, D. H. Lawrence und Edward St Aubyn<br />
</strong></h3>
<p>Wie gründlich sich ein realer Ort verwandeln kann, sobald ihm in der Literaturgeschichte eine wichtige Rolle zugeteilt wird, wurde mir jetzt wieder mal in Bristol klar. Die Kneipe <em>The Llandoger Trow</em> in der King Street schien mir zunächst ein ganz normaler alter</p>
<div id="attachment_132" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/04/Cornwell2012-0691.jpg"><img class="size-medium wp-image-132" title="Cornwell2012 069" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/04/Cornwell2012-0691-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Literaturhistorisch enorm wichtiger Pub: The Llandoger Trow (Alle Fotos: Uwe Wittstock)</p></div>
<p>englischer Pub zu sein, bis der Wirt behauptete, in seinem Lokal habe Daniel Dafoe den Matrosen Alexander Selkirk getroffen, der Dafoe von den Jahren zwischen 1704 und 1709 berichtete, die er allein auf einer unbewohnten Insel vor Chile überlebte &#8211; was Dafoe zu seinem Roman <em>Robinson Crusoe</em> (1719) anregte. Da auch der DuMont-Reiseführer <em>Cornwall &amp; Südengland </em>das Gleiche behauptete, beschloss ich, dem Wirt zu glauben. Prompt nahm der Pub für mich spürbare literarische Ausstrahlungskraft an und füllte sich mit Bedeutsamkeit: Literaturhistorisch geweihter Boden auf dem ich stand. Wie gern hätte ich gelauscht, was hier vor knapp 300 Jahren beim Bier besprochen wurde.</p>
<p>Wissenschaftlichen Quellen sprechen allerdings davon, dass Selkirks Schicksal bereits 1713 in einem Zeitschriftenartikel von Richard Steele beschrieben wurde. Dieser Artikel in <em>The Englishman</em> gilt allgemein als Hauptanregung für Defoe. Gut möglich. Aber was solls, Dafoe kann sich ja dennoch mit Selkirk im <em>Llandoger Trow</em> getroffen haben, um sich von ihm alles noch einmal aus erster Hand berichten zu lassen.</p>
<div id="attachment_127" class="wp-caption alignleft" style="width: 235px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/04/Cornwell2012-344.jpg"><img class="size-medium wp-image-127" title="Cornwell2012 344" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/04/Cornwell2012-344-225x300.jpg" alt="" width="225" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Literaturhistorisch enorm wichtiges Dorf Zennor</p></div>
<p>Ganz ähnlich ging es mir dann in Zennor, einem Dörfchen im Norden Cornwalls. Gott und die D.H.Lawrence-Kenner mögen es mir verzeihen, aber ich war mir zunächst nicht darüber klar, dass Lawrence während des Ersten Weltkriegs hier gelebt und gearbeitet hat. 1917 musste er Zennor verlassen, weil man ihn &#8211; der mit der Deutschen Frieda von Richthofen verheiratet war &#8211; verdächtigte, für die Deutschen zu spionieren. Da Lawrence regelrecht mit Polizeigewalt aus seinem Haus entfernt wurde, habe ich ein gewisses Verständnis dafür, dass er nicht sehr gut auf seine Nachbarn in Cornwall zu sprechen war: &#8220;I don&#8217;t like these people. They have got the souls of insects.&#8221;</p>
<p>Allerdings sollte man wohl auch diesen Fall besser von zwei Seiten aus betrachten. Michael Williams ist in seiner verdiensvollen Broschüre <em>Writers in Cornwall </em>(Redruth 2010) der Sache gründlicher nachgegangen und hat in Zennors zentralem Kommunikationsort, im Pub <em>Tinner&#8217;s Arms</em>, unter Zeitzeugen am Tresen Forschungsergebnisse zusammengetragen: &#8220;Talking with two local men at <em>The Tinner&#8217;s Arts</em>, one said &#8216;Lawrence may have been what they call an intellectuel but he was an idiot, an odd man with a red beard coming into this pub, during the 1914-18 war, with his German wife. Young Cornishmen dying on the battlefields in France and they&#8217;d come in &#8230; the pair of them singing German songs and criticising the David Lloyd George gouverment.&#8217;</p>
<p>&#8216;And it wasn&#8217;t only that,&#8217; said the other Cornishman. &#8216;He had this passion for Zennor farmer William Henry Hockin. You can imagine what the Methodists thought about that.&#8217;&#8221;</p>
<div id="attachment_128" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/04/Cornwell2012-345.jpg"><img class="size-medium wp-image-128" title="Cornwell2012 345" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/04/Cornwell2012-345-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Zweiter literaturhistorisch enorm wichtiger Pub</p></div>
<p>Die Dinge liegen also auch in diesem Fall nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint &#8211; obwohl sangesfreudige englische Ehemänner mit deutscher Frauen und gelegentlichen homosexuellen Neigungen naturgemäß nicht unbedingt der Spionage verdächtig sind. Gleichwohl nahm die literarische Aura von <em>Tinner&#8217;s Arms</em> merklich zu, nachdem ich diese Informationen hatte. Beim ersten Besuch schien es noch eine rundum freundliche, aber nicht weiter bemerkenswerte, typisch englische Lokalität zu sein &#8211; mit einem sehr angenehmen Birnen-Cidre namens <em>Rattlers</em>.</p>
<div id="attachment_130" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/04/Cornwell2012-351.jpg"><img class="size-thumbnail wp-image-130" title="Cornwell2012 351" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/04/Cornwell2012-351-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Literaturhistorisch enorm wichtiger Tresen</p></div>
<p>Bei meinem zweiten Besuch dagegen und nach dem ich durch Michael Williams Studien gründlich belehrt worden war, wirkte der Ort plötzlich viel wichtiger, fast so als wären hier biographische Geheimnisse und fatale erotische Verstrickungen auf immer geborgen, von denen ich kurz zuvor noch nicht einmal etwas ahnte. Sobald man eine Geschichte über einen Theke erzählen kann, wirkt sie mit einem Mal bedeutend, auch wenn sie sich zuvor so biernass ausnahm wie jede andere Theke auch.</p>
<p>Die Gegenprobe konnte ich dann ganz ungezwungen auf der gleichen Reise machen. Wir besuchten St Michael&#8217;s Mount im Süden Cormwalls. Es ist eine Art englisches Pendent zum französischen Mont-Saint-Michel: Eine Insel, die bei Ebbe zu Fuß zu erreichen ist, bei Flut aber nur per Schiff. Auf St Michael&#8217;s Mount gab es zunächst ein Kloster. Nach dessen Auflösung durch Heinrich VIII. kaufte Colonel St Aubyn 1659 die Insel und ließ das Kloster in ein Herrenhaus umbauen. Seither ist sie kontinuierlich in Familienbesitz, die St Aubyns gehören zu den vom Schicksal materiell verwöhnten Familien des Landes. Auch deren derzeitiges Oberhaupt John St Aubyn wird im Allgemeinen als erfolgreicher Geschäftsmann bezeichnet, der zwar die Insel inzwischen an den National Trust abgetreten habe, aber selbstverständlich nicht aus finanzieller Not, neinnein, sondern nur um deren Zukunft zu sichern.</p>
<div id="attachment_125" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/04/Cornwell2012-293.jpg"><img class="size-medium wp-image-125" title="Cornwell2012 293" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/04/Cornwell2012-293-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Literaturhistorisch komplett unwichtige Insel St Michaels Mount </p></div>
<p>Aber wie auch immer es sich mit diesen pekuniären Dingen verhalten mag, mein Interesse an St Michael&#8217;s Mount war sofort geweckt durch den Namen St Aubyn. Ich war fest davon überzeugt, den realen Boden jener Familiendramen zu betreten, an denen Edward St Aubyn seine Leser in seiner <em>Some Hope</em>-Trilogie teilhaben lässt. Das Herrenhaus, meinem Empfinden nach ein veritables Schloss, erwies sich dann als angemessen düsteres Gemäuer, so dass ich in diese Umgebung die übelsten Übergriffe von Vater St Aubyn auf Sohn Edward nicht nur für möglich, sondern geradezu für unvermeidlich hielt.</p>
<p>Ein Gespräch mit einem Herren des Ausstellungspersonals belehrte mich allerdings darüber, dass der Schlossherr kinderlos und die Familie St Aubyn weitverzweigt sei. Ja, gewiss, sagte er, gelegentlich habe er von einen Autor mit Namen St Aubyn gehört, der sich vom lokalen Fernsehen mit dem Schloss im Rücken habe filmen lassen. Doch diese Herr habe, dass könne er mir garantieren, mit der Besitzerfamilie des Herrenhauses nichts zu tun.</p>
<div id="attachment_126" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/04/Cornwell2012-296.jpg"><img class="size-medium wp-image-126" title="Cornwell2012 296" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/04/Cornwell2012-296-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Literaturhistorisch ebenfalls komplett unwichtiges Gemäuer</p></div>
<p>Woraufhin Schloss und Insel umgehend jede Menge Ausstrahlungskraft einbüßten &#8211; und plötzlich lange nicht mehr so düster wirkten. Ein Ort, von dem es keine Geschichte zu erzählen gibt, zumindest keine literarisch ausgefeilte und wirkungsvolle Geschichte, ist eben ganz einfach nur ein Ort &#8211; und nicht selten ein ziemlich blasser. Selbst wenn es ein Schloss ist.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://blog.uwe-wittstock.de/?feed=rss2&#038;p=131</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
