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	<title>Die Büchersäufer. Ein Blog von Uwe Wittstock &#187; Christoph Schröder</title>
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	<description>Über Literatur und Literaten</description>
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		<title>Buch &amp; Bar 24: Christoph Schröder: &#8220;Ich pfeife&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 22 Jul 2015 15:05:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buch & Bar]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Schröder]]></category>

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		<description><![CDATA[Der schöne Starrsinn der Amateure Klar, Essen ist auch wichtig. Aber in dieser Kurz-Kolume BUCH &#38; BAR geht es nur um Lesen und Trinken. Warum? Weil beides, in richtiger Qualität und Dosierung, einen kostbaren Fingerbreit über die klägliche Wirklichkeit hinausheben &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=1297">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>Der schöne Starrsinn der Amateure</strong></h1>
<h2><strong>Klar, Essen ist auch wichtig. Aber in dieser Kurz-Kolume BUCH &amp; BAR geht es nur um Lesen und Trinken. Warum? Weil beides, in richtiger Qualität und Dosierung, einen kostbaren Fingerbreit über die klägliche Wirklichkeit hinausheben kann.</strong></h2>
<h2><strong>Heute: Über lehrnstuhlbehagliches Lesen und Trinken</strong></h2>
<div id="attachment_1299" class="wp-caption alignleft" style="width: 192px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/07/41904456z.jpg"><img class="size-medium wp-image-1299" title="41904456z" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/07/41904456z-182x300.jpg" alt="" width="182" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Christoph Schröder: &quot;Ich pfeife! Aus dem Leben eines Amateurschiedsrichters&quot;. Tropen Verlag 2015. 16,95 Euro</p></div>
<p>Stellen Sie sich vor, Sie sind Fußball-Schiedsrichter und der Ball friert während des Spiels an der Latte fest. Was nun? Wie geht’s jetzt laut Regelheft weiter? Oder: Sie haben schon angepfiffen, der Ball rollt, aber der Tormann eines Teams steht noch gar nicht auf dem Platz. Oder: Beim Durchzählen merken Sie, eine Mannschaft ist mit zwölf Mann im Einsatz. Oder: Ein Trainer beginnt an der Ersatzbank einen Zuschauer zu würgen? Alles schon dagewesen. Was tun Sie?</p>
<p><strong>Christoph Schröder</strong> ist Literaturkritiker und seit 27 Jahren Schiedsrichter. Wir kennen und duzen uns, aber über Fußball habe ich mit ihm noch nie gesprochen. Nur über Literatur. Ein Fehler! Denn sein Buch <strong>„Ich pfeife</strong><strong>“</strong><strong> </strong>(Tropen Verlag, 16,95 €) über seine Abenteuer als Amateurschiedsrichter ist hinreißend: nicht nur klug, sondern lebensklug, nicht nur lustig, sondern lebenslustig. Er liebt das Spiel, aber er schreibt darüber ganz ohne Verbissenheit und Fanatismus. Stattdessen beschreibt er herrliche Amateurverein-Typen, die so starrsinnig sind, Zeit und Arbeit in ihren Club zu investieren, nur weil Fußball ihnen Spaß macht. Und die oben genannten Fragen beantwortet er noch außerdem.</p>
<p>Nach dem Fußball etwas anderes zu trinken als <strong>Bier</strong>, ist in stilistischer Hinsicht ein Wagnis. Mir käme es jedenfalls ein wenig prätentiös vor, wenn der Linksaußen sein Kopfball-Tor in der Schlussminute nach dem Spiel mit einem Lafite Rothschild 1973 feierte. Und Bier ist keineswegs nur was dumpfe Rumgröler. Auch Thomas Mann trank zum Abendbrot sein Helles. Und lobte, was es ihm verschaffte: „Ruhe, Abspannung und Lehnstuhlbehagen.“ Also genau das, was man nach einem hektischen Spiel braucht.</p>
<address><em>Die Kolumne erschien im Focus vom 13. Juni 2015. </em></address>
<address><em> 2014 startete meine Kurz-Kolumne Buch &amp; Bar im Focus. Sie ist schon deshalb unverzichtbar, weil sie dem weltbewegenden Zusammenhang zwischen Lieblingsbegleiter BUCH und Lieblingsaufenthaltsort BAR nachgeht, zwischen Geschriebenem und Getrunkenem, zwischen der Beschwingtheit, in die manche Dichter ebenso wie manche Drinks versetzen können. Also haargenau das,  worauf jeder überzeugte Büchersäufer immer schon gewartet hat – weshalb ich die Kolumnen hier gern frisch auf die Theke meines Blogs serviere.</em></address>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Maxim Biller und Dietmar Dath</title>
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		<pubDate>Fri, 21 Feb 2014 11:18:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschmacksfragen]]></category>
		<category><![CDATA[Personen]]></category>
		<category><![CDATA[Über Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Schröder]]></category>
		<category><![CDATA[Dietmar Dath]]></category>
		<category><![CDATA[Maxim Biller]]></category>

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		<description><![CDATA[Das heiligste Tabu der deutschen Literatur „Warum ist die deutsche Gegenwartsliteratur so unglaublich langweilig?“ fragt der wackere Randalierer Maxim Biller gestern in der Zeit. Und heute stimmt ihm Dietmar Dath in der FAZ in einer „Entgegnung“, die mit Entgegnung nichts &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=951">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2><strong>Das heiligste Tabu der deutschen Literatur</strong></h2>
<h3><strong>„Warum ist die deutsche Gegenwartsliteratur so unglaublich langweilig?“ fragt der wackere Randalierer Maxim Biller gestern in der <em>Zeit</em>. Und heute stimmt ihm Dietmar Dath in der <em>FAZ</em> in einer „Entgegnung“, die mit Entgegnung nichts zu tun hat, weitgehend zu. Es ist jetzt gut 20 Jahre her, dass ich über die Neigung der deutschen Gegenwartsliteratur zu gepflegter Langeweile schrieb. (zum Beispiel hier: <a href="http://uwe-wittstock.de/0000009b611323225/index.htm">http://uwe-wittstock.de/0000009b611323225/index.htm</a>) Wenn Biller und Dath nun ins weitgehend gleiche Horn stoßen, müsste mir das recht sein. Ist es aber nicht. Oder nur mit dicken Einschränkungen.</strong></h3>
<p>Diese Einschränkungen lassen sich kurz zusammenfassen: Zum einen, sind die Gegenwartsromane (und nur von denen ist bei Biller und Dath die Rede, nicht von Lyrik, Drama oder sonstwas) inzwischen gar nicht mehr so langweilig, wie die beiden behaupten. In den letzten beiden Jahrzehnten hat sich im deutschen Gegenwarts-Erzählen viel getan. Von Mosebach bis Kehlmann, von Wolfgang Herrndorf bis Ferdinand von Schirach, von Ingo Schulze bis Judith Hermann, von Lukas Bärfuss’ <em>Hundert Tagen</em> bis Eugen Ruges <em>Zeiten des abnehmenden Lichts</em> und <em>Capo de Gata</em> sind in der jüngsten Zeit eine Menge Romane und Short-Stories erschienen, denen man manches nachsagen kann, nicht aber, dass sie langweilig sind.</p>
<div id="attachment_957" class="wp-caption alignleft" style="width: 104px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2014/02/leselust1.jpg"><img class="size-full wp-image-957" title="leselust" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2014/02/leselust1.jpg" alt="" width="94" height="160" /></a><p class="wp-caption-text">Jetzt 20 Jahre alt: Uwe Wittstock: &quot;Leselust. Wie unterhaltsam ist die deutsche Literatur&quot;. Luchterhand Verlag 1994. Bei ZVAB unter: http://www.zvab.com/basicSearch.do?anyWords=&amp;author=Wittstock&amp;title=Leselust&amp;check_sn=on</p></div>
<p>Zum anderen finde ich Billers Attacke seltsam, weil sie das einzig mögliche Heil für die jüngere deutsche Literatur ausschließlich aus der Feder von Schriftstellern erwartet, deren Muttersprache nicht das Deutsche ist. Da Biller selbst zunächst mit Russisch und Tschechisch aufgewachsen und erst später ins Deutsche hineingewachsen ist, glaube ich zu ahnen, wie er auf seine These verfallen ist. Aber eine überzeugende Begründung liefert er in seiner Polemik nicht, sondern setzt die These schlicht als Tatsache voraus. (Alter Taschenspielertrick.)</p>
<p>Wenn die deutsche Literatur heute angeblich dürftig ist, liegt das in Billers Augen daran, „dass die – wenn man so will – gesellschaftlichen und intellektuellen Produktionsmittel nach wie vor in den Händen der Autochthonen liegen. Kritiker, aber auch Verleger, Lektoren und Buchhändler sind zu 90 Prozent Deutsche. Die, als echte oder habituelle Christen, als Kinder der Suhrkamp-Kultur und Enkel von halbwegs umerzogenen Nazisoldaten, bestimmen, was gedruckt wird und wie, sie sagen, was bei Hugendubel, Thalia und Dussmann auf die alles entscheidenden Verkaufstische kommt, sie zahlen die Vorschüsse, sie verleihen die Preise, sie laden als Verleger zum Abendessen ein.“</p>
<p>Hier bastelt Biller an einer klassischen Verschwörungstheorie: Die Deutschen sind einfach zu blöde, um zu begreifen, was gute Literatur ist. Oder um es mit dem Kritiker Christoph Schröder zu sagen: Es ist nicht sehr wahrscheinlich, „dass ein Haufen von Nazis in deutschsprachigen Verlagen und Lektoraten die wilde, ungezähmte und wirklichkeitsnahe Migrantenliteratur verhindert“.</p>
<div id="attachment_960" class="wp-caption alignright" style="width: 235px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2014/02/Biller.jpeg"><img class="size-medium wp-image-960" title="Biller" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2014/02/Biller-225x300.jpg" alt="" width="225" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Maxim Biller: &quot;Letzte Ausfahrt Uckermark&quot;. In der &quot;Zeit&quot; vom 20. Februar</p></div>
<p>Billers Beschreibung der personellen Lage im deutschen Literaturbetrieb ist zwar meines Erachtens richtig: 90 Prozent der entscheidenden Literaturbetriebs-Positionen werden von – um Billers Vokabel zu benutzen – gutbürgerlichen Autochthonen besetzt. Aber was er unterschätzt, ist die Neigung, wenn nicht die Leidenschaft des intellektuellen Bürgertums zur Selbstkritik, ja zum Selbsthass. Biller tut so, als wolle das Milieu der Literaturbetriebsangehörigen nichts anders lesen als Romane, die exakt abgestimmt sind auf die Erwartungen des Literaturbetriebsangehörigenmilieus.</p>
<p>Das mag bei einigen der Angehörigen dieses Milieus so sein, vielleicht sogar bei einer Mehrheit davon. Aber jeder, der den Literaturbetrieb kennt, weiß, dass es gerade hier immer hoch empfindsame und neugierige Quertreiber gibt, die sich nichts sehnlicher wünschen, als Schriftsteller, die den eingeschliffenen Erwartungen des Betriebs widersprechen. Sie fallen vor jedem Nachwuchsautor auf die Knie, der etwas Neues, Unerwartetes, Widerspenstiges versucht &#8211; auch wenn dieser Nachwuchsautor ein Migrant ist. Die Opposition gegen das Kultur-Milieu ist längst fester Bestandteil des Kultur-Milieus geworden.</p>
<p>Meine These zur Langeweile beim Lesen deutscher Romane war vor 20 Jahren eine andere: Ich glaubte (und glaube), dass sich Verleger, Kritiker, Lektoren damals zu lange an einigen abgenutzten und normativ gewordenen Spielregeln der Moderne festgehalten hatten: Die Vorstellung, die Romanliteratur, dürfe ihr ästhetisches Glück ausschließlich bei Sprachexperimenten oder formaler Innovation suchen (was manchmal auch ganz schön ist), hielt ich für falsch. Stattdessen plädierte ich dafür, daneben genauso Romane ästhetisch gelten zu lassen, das sich von diesen erschöpften Forderungen der Moderne losmachen und wieder Anschluss suchen an ein traditionelles Erzählen. Ein Erzählen, für das Handlung, Plot, Dramaturgie wichtige (aber nicht die einzigen) Punkte der ästhetischen Überlegungen sind.</p>
<p>Das hat mir damals zwar eine Menge Widerspruch eingetragen, aber auch die Erfahrung, dass man im Literaturbetrieb nie alleine steht, wenn man gegen die Ansichten der Betriebs-Mehrheit aufmuckt. Gern hätte ich mich damals zum einsamen, aber aufrechten Rufer in der Wüste stilisiert – konnte aber feststellen, wie rasch ich Teil eines kleinen, anwachsenden Wüsten-Chores wurde. Heute ist, was damals zu Stürmen im Literaturbetriebs-Wasserglas führte, weitgehend selbstverständlich geworden und kann nur noch komplett geschichtsvergessenen Dogmatiker der literarischen Moderne in Erregung versetzen.</p>
<div id="attachment_959" class="wp-caption alignleft" style="width: 235px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2014/02/Dath.jpeg"><img class="size-medium wp-image-959" title="Dath" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2014/02/Dath-225x300.jpg" alt="" width="225" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Dietmar Dath: &quot;Weißbrote erzählen&quot;. Heute im Feuilleton der FAZ. Angeblich eine Erwiderung auf Billers Aufsatz &quot;Letzte Ausfahrt Uckermark&quot;</p></div>
<p>Ende der Abschweifung, zurück zu Biller und Dath: Das Heil der Literatur ausschließlich von Autoren zu erwarten, die aus einem Sprachraum in einen anderen wechselten, ist offensichtlicher Unsinn. Interessanter ist dagegen eine Beobachtung von Dath: Nämlich dass, wenn man länger mit jüngeren deutschen Schriftstellern spricht, sie kaum von deutschen Autoren als Vorbildern reden, sondern von Autoren wie „Don Winslow, Zadie Smith oder Toh EnJoe“ und außerdem von „Fernsehserien, Filmen und Platten“.</p>
<p>Einmal abgesehen davon, dass ich keinen Schimmer davon habe, wer Toh EnJoe ist (zugegeben, das ist mein Fehler, Wikipedia teilt mir eben mit, es sei ein japanischer Autor, der vor allem „speculativ fiction or science fiction&#8221; schreibe), teile ich Daths Beobachtung: Bei Bier oder Wein spät abends in der Kneipe wird unter Autoren, aber auch unter Kritikern und Lektoren, nicht mehr über Klassiker der Moderne gestritten, sondern von Philip Roth und Jonathan Franzen geschwärmt, von Umberto Eco und García Márquez, von den <em>Sopranos</em> und von <em>House of Cards</em>.</p>
<p>Bemerkenswert daran ist in meinen Augen, wie eng die Verbindung zwischen diesen Autoren und Serien zu den Formen des traditionellen Erzählens sind. Bei Genre-Büchern wie den Krimis von Don Winslow oder Genre-Serien wie <em>Sopranos</em> liegt die Verbindung auf der Hand. Aber auch bei den anderen genannten Autoren scheint sie mir unabweisbar: Es sind Schriftsteller, die, ohne ihre künstlerischen Intentionen und Ambitionen zu verraten, darüber nachdenken, wie sie ihre Romane so erzählen können, dass sie bei Lesern Interesse wecken. Horribile dictu: Ohne ihre ganz persönlichen künstlerischen Ziele aus den Augen zu verlieren, denken sie beim Schreiben ans Publikum!</p>
<p>Das scheint mir bis heute das heiligste Tabu des ambitionierten deutschen Literaturbetriebs und des Feuilletons zu verletzten: Einem Romanschriftsteller zu raten, beim Schreiben auch mal an erprobte Mittel und Tricks zu denken, mit denen er die Aufmerksamkeit seiner Leser wach halten und fesseln kann. Dabei liegt das gerade bei der Romanliteratur nahe: Keine andere der üblichen Literaturformen verlangt vom Leser, so viel Lebenszeit zu investieren, wie der Roman. Ist es da ganz falsch, wenn er vom Roman im Gegenzug erwartet, gut unterhalten zu werden? Beziehungsweise, dass er ihn beiseite legt, wenn er sich – um Biller zu zitieren – nach ein paar Seiten als „unglaublich langweilig“ erweist?</p>
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