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	<title>Die Büchersäufer. Ein Blog von Uwe Wittstock &#187; William Shakespeare</title>
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	<description>Über Literatur und Literaten</description>
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		<title>Sensationell: Goethe, Heine und Mann in eine Talk-Show zu Shakespeare und Cervantes</title>
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		<pubDate>Mon, 02 May 2016 10:49:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Personen]]></category>
		<category><![CDATA[Über Bücher]]></category>
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		<description><![CDATA[Miguel de Cervantes und William Shakespeare oder: Was mit Rittern und so&#8230; Als rasendem investigativen Literaturreporter fiel mir die Aufzeichnung einer bislang noch nicht gesendeten Talk-Show aus Anlass des 400. Todestages von Miguel de Cervantes und William Shakespeare in die &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=1754">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>Miguel de Cervantes und William Shakespeare oder: Was mit Rittern und so&#8230;<br />
</strong></h1>
<h2><strong>Als rasendem investigativen Literaturreporter fiel mir die Aufzeichnung einer bislang noch nicht gesendeten Talk-Show aus Anlass des 400. Todestages von Miguel de Cervantes und William Shakespeare in die Hände. Sensationelles Material, denn die Gäste dieser Talk-Show sind drei der besten und bekanntesten Schriftsteller der deutschen Literaturgeschichte: Goethe, Heinrich Heine und Thomas Mann! Ich zögere natürlich nicht, diesen hoch brisanten Beitrag zur Fernsehkultur hier zu leaken und damit nachträglich dem Jubiläum und der beiden Schriftsteller zu gedenken. Die Abschrift folgt, ganz großes Ehrenwort, Wort für Wort der Aufzeichnung.</strong></h2>
<p>Wir befinden uns in einem Fernsehstudio mit vier schweren Ledersesseln. Der Moderator, so um die Dreißig, geht an den Kameras vorbei auf den letzten freien Sessel zu und begrüßt die Zuschauer seiner Talk-Show:</p>
<p><strong>Moderator:</strong> Hallo Leute! Vor 400 Jahren hatte die Literatur einen echt superschwarzen Tag. Am 23. April 1616 gingen gleich zwei der größten Dichter aller Zeiten in die ewigen Jagdgründe der Poesie ein: Miguel de Cervantes und William Shakespeare. Der eine hat den Bestseller „Don Quijote“ geschrieben, mit Rittern und so, der andere lauter Theaterstücke. Manche auch mit Rittern. Um über die beiden alten Knaben zu reden, haben wir drei supertolle Schriftsteller eingeladen: äh&#8230; (liest von seinen Notizen ab) Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Heinrich Heine (1797-1856) und Thomas Mann (1875-1955)&#8230;</p>
<div id="attachment_1755" class="wp-caption alignright" style="width: 383px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2016/05/CHANDOS3.jpg"><img class="size-full wp-image-1755" title="CHANDOS3" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2016/05/CHANDOS3.jpg" alt="" width="373" height="480" /></a><p class="wp-caption-text">Das sogenannte Chandos-Porträt von William Shakespeare, um 1610</p></div>
<p><strong>Thomas Mann</strong> (unterbricht): Verzeihen Sie, junger Mann, eine winzige Korrektur, die Sie mir wohl nachsehen wollen: Cervantes Stunde schlug am 23. April nach dem gregorianischen Kalender – und damit zehn Tage vor der Shakespeares, der am 23. April nach dem julianischen Kalender starb. Wenn es also nur die Koinzidenz der Daten war, die Sie unseren kleinen Gesprächszirkel einberufen ließ, sollten wir die Runde rasch aufheben.</p>
<p>(Goethe, Heine, Mann stehen auf, wollen das Studio verlassen)</p>
<p><strong>Moderator</strong> (verdattert): Also nein&#8230; Sie können doch nicht &#8230; Wir sind live!</p>
<p><strong>Johann Wolfgang von Goethe:</strong> Live?</p>
<p><strong>Moderator:</strong> Ja, Millionen schauen uns zu! Jetzt! Millionen, die Ihre Bücher in der Schule gelesen haben.</p>
<p><strong>Heinrich Heine:</strong> In der Schule? Die Ärmsten.</p>
<p>(Goethe, Heine, Mann lassen sich wieder in ihre Sessel fallen.)</p>
<div id="attachment_1756" class="wp-caption alignleft" style="width: 340px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2016/05/330px-Cervates_jauregui.jpg"><img class="size-full wp-image-1756" title="330px-Cervates_jauregui" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2016/05/330px-Cervates_jauregui.jpg" alt="" width="330" height="433" /></a><p class="wp-caption-text">Es gibt leider kein gesichertes Porträt von Cervantes. Es wird aber allgemein angenommen, dass dieses Porträt Cervantes zeigt</p></div>
<p><strong>Moderator</strong> (erleichtert): Herr Goethe. Stichwort: Theater. Sie haben ja auch Stücke geschrieben. Mit Rittern oder so. Da war Shakespeare bestimmt eine Super-Inspiration für Sie?</p>
<p><strong>Goethe</strong>: <em>Die erste Seite, die ich in ihm las, machte mich auf Zeitlebens ihm eigen, und wie ich mit dem ersten Stücke fertig war, stund ich wie ein Blindgeborener, dem eine Wunderhand das Gesicht in einem Augenblicke schenkt.</em></p>
<p><strong>Moderator</strong>: Das Gesicht?</p>
<p><strong>Heine</strong>: Geheimrat Goethe meint: Augen, Sehkraft! Sie Schwachkopf.</p>
<p><strong>Moderator</strong>: Ach so. Und Cervantes? Hat der Sie auch dermaßen umgehauen?</p>
<p><strong>Goethe</strong>: Ich habe <em>an den Novellen des Cervantes einen wahren Schatz gefunden, sowohl der Unterhaltung als der Belehrung. Wie sehr freut man sich, wenn man das anerkannte Gute auch anerkennen kann.</em></p>
<p><strong>Mann</strong> (zum Moderator): Sie sollten, junger Mann, nicht übersehen, welch bedeutende Verknüpfung zwischen dem Dichter eines Abenteuers wie Don Quijote und dem unsterblichen Barden der Briten besteht: Denn es gilt <em>zu bedenken, dass Shakespeare nur auf unvergleichlich geniale Weise tat, was vor ihm viele auf eine sehr simple und mechanische Weise getan hatten. Das Drama entstand, indem man den von Handlung wuchernden Abenteuerroman für die leibliche Vorstellung auf der Schaubühne übersetzte.</em></p>
<p><strong>Heine</strong>: <em>Der Spaniern gebührt der Ruhm, den besten Roman hervorgebracht zu haben, wie man den Engländern den Ruhm zusprechen muss, dass sie im Drama das Höchste geleistet. Und den Deutschen, welche Palme bleibt ihnen übrig? Nun, wir sind die besten Liebesdichter dieser Erde. Cervantes, Shakespeare und Goethe bilden das Dichtertriumvirat, das in den drei Gattungen poetischer Darstellung, im Epischen, Dramatischen und Lyrischen, das Höchste hervorgebracht.</em></p>
<p>(Heine nickt Goethe zu, Goethe erwidert das Nicken huldvoll)</p>
<p><strong>Moderator</strong>: Die TopDrei der Literaturgeschichte! Super! Ich hab vor der Sendung mal reingelesen in diesen „Don Quijote“. Ist ja mehr so ein Mittelalter-Nerd als ein Ritter. Was ist so toll an ihm, Herr Mann?</p>
<p><strong>Mann</strong>: Das Buch <em>zeigt, wie aus bescheidener Konzeption, einer lustig lebensgesegneten Satire, bei welcher der Dichter sich ursprünglich nicht viel gedacht hat, ein Volks- und Menschheitsbuch wird. Don Quijote ist zwar närrisch, doch nicht im mindesten unklug, was freilich der Dichter selbst im voraus nicht so recht gewusst hat. Seine Achtung vor dem Geschöpf seiner eigenen komischen Erfindung ist während der Erzählung ständig im Wachsen, &#8211; dieser Prozess ist vielleicht das Fesselndste am ganzen Roman.</em></p>
<p><strong>Moderator</strong>: Was? Dieser Cervantes hat erst beim Schreiben kapiert, sie super sein Don Quijote ist? Echt wahr? Aber Shakespeare, the King of Drama, hatte seine Figuren besser Griff?</p>
<p><strong>Heine</strong>: Im Gegenteil. <em>Der große Brite ist nicht bloß Dichter, sondern auch Historiker. Die Aufgabe Shakespeares war nicht bloß die Poesie, sondern auch die Geschichte. Er konnte die gegebenen Stoffe nicht willkürlich modeln, er konnte nicht die Ereignisse und Charaktere nach Laune gestalten. Dennoch: In dieses Geschichtsdramen strömt die Poesie reichlicher und gewaltiger und süßer als in den Tragödien jener Dichter, die ihre Fabeln entweder selbst erfinden oder nach Gutdünken umarbeiten.</em></p>
<p><strong>Mann</strong>: Shakespeare, das ist <em>der ungeheuerste Fall von Dichtertum, den die Erde sah. So besaß er ohne Zweifel, wie er alles besaß, auch Erfindung. Aber noch sicherer ist, dass er nicht viel Gewicht darauf legte und nicht viel Gebrauch davon machte. Hat er je eine Fabel erfunden? Auch die krausen Intrigen seiner Lustspiele sind nicht von ihm erdacht. Er arbeitete nach alten Theaterstücken, nach italienischen Novellen. Er fand viel lieber, als dass er erfand<br />
</em></p>
<p><strong>Moderator</strong>: Klar, super Typ, dieser Shakespeare. Aber übertreiben Sie nicht? Es gibt jede Menge Fehler in seinen Stücken. Können Sie mal bei Wikipedia nachlesen. (schaut triumphierend)</p>
<p><strong>Mann</strong>: Wiki&#8230; Wer bitte?</p>
<p><strong>Heine</strong> (wütend): <em>Überall Kleinigkeitskrämerei, selbstbespiegelnde Seichtigkeit, gelehrter Aufgeblasenheit, die vor Wonne fast zu platzen droht, wenn sie dem armen Dichter irgendeinen antiquarischen, geographischen oder chronologischen Schnitzer nachweisen.</em></p>
<p><strong>Goethe</strong>: <em>Niemand hat das materielle Kostüm mehr verachtet als Shakespeare. Er kennt recht gut das innere Menschenkostüm, und hier gleichen sich alle. Man sagt, er habe die Römer vortrefflich dargestellt. Ich finde es nicht. Es sind lauter eingefleischte Engländer. Aber freilich Menschen sind es, Menschen von Grund aus, und denen passt wohl auch die römische Toga. Hat man sich einmal hierauf eingerichtet, so findet man seine Anachronismen höchst lobenswürdig, und gerade dass er gegen das äußere Kostüm verstößt, das ist es, was seine Werke so lebendig macht.</em></p>
<p><strong>Moderator</strong>: Also echt Leute, das sollen die Größten in eurem Gewerbe sein? Der eine kapiert erst beim Schreiben, was er schreibt. Der andere wird für seine Fehler gelobt?</p>
<p><strong>Mann</strong>: Junger Mann, Ihr Vorwurf lässt Ihre Ahnungslosigkeit erkennen. <em>Man muss an dieser Stelle begreifen, dass es eine objektive Erkenntnis im Reiche der Kunst überhaupt nicht gibt, sondern nur eine intuitive.</em></p>
<p><strong>Heine</strong> (fixiert den Moderator): <em>Natürlich verzeihe ich meinen Feinden. Aber erst an dem Tag, an dem ich sie hängen sehe.</em></p>
<p><strong>Mann</strong> (fixiert den Moderator): Vergessen Sie nicht junger Mann: <em>Ein Künstler muss in derselben Verfassung an sein Werk gehen, in der der Verbrecher seine Tat begeht.</em></p>
<p><strong>Goethe</strong> (fixiert den Moderator): <em>Schlagt ihn tot, den Hund! Es ist ein Rezensent.</em></p>
<p><strong>Moderator</strong> (schwitzt, seine Karteikarten fallen ihm aus der Hand, hektisch): Vielen Dank, ich freue mich, dass Sie in unserer Sendung waren.</p>
<p>Bei Abschrift der Sendung fiel mir auf, dass die Herren Goethe, Heine, Mann in ihren Antworten wörtlich auf Gedanken ihrer Essays zurückgriffen. Um die übernommenen Sätze kenntlich zu machen, haben ich die Zitate kursiv gedruckt.</p>
<p>Aufgezeichnet von Uwe Wittstock</p>
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		<title>Wehmütiger Rückblick auf 2001-Kultur</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Jul 2012 09:31:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Kafka komplett zum Preis einer Packung Kaffee Der Verlag und Versand “Zweitausendeins” steht für eine ganz besondere, eigenwillige Medien-Kultur. Man kann in ihr so etwas wie den strikt antiautoritären und lebenslustigen Gegenentwurf zur vielgerühmten &#8220;Suhrkamp-Kultur&#8221; der alten Bundesrepublik sehen. Gestern &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=580">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div>
<h2><strong>Kafka komplett zum Preis einer Packung Kaffee</strong></h2>
<h3><strong>Der Verlag und Versand “Zweitausendeins” steht für eine ganz besondere, eigenwillige Medien-Kultur. Man kann in ihr so etwas wie den strikt antiautoritären und lebenslustigen Gegenentwurf zur vielgerühmten &#8220;Suhrkamp-Kultur&#8221; der alten Bundesrepublik sehen. Gestern wurde bekannt, dass &#8220;Zweitausendeins&#8221; bis Ende 2016 alle seine Buchhandlungen schließen will/muss. Das Unternehmen wird sich auf den Buchversand konzentrieren. Hier ein Rückblick auf die &#8220;2001&#8243;-Kultur nicht ohne Nostalgie.</strong></h3>
<p>Natürlich wollen Verleger bedeutende Bücher machen, Bücher von denen  man noch nach Jahren spricht. Natürlich müssen Verleger ihre Bücher  verkaufen können, müssen fähig sein, aus Geist Geld zu machen. In  Tiefsten ihres Herzens aber wollen Verleger zu all dem noch etwas  anderes: Sie möchten erkannt werden, sie möchten sich mit ihrer Arbeit  vor den Augen der Leser erkennbar machen. Das ist die Krönung eines  Verlegerlebens: Nicht nur ein gutes Programm gut zu verkauft, sondern  ihm dazu noch die persönliche intellektuelle und ästhetische  Physiognomie mitzugeben, einen ureigenen literarischen Charakter, der  vom Publikum angenommen, geschätzt, ja genossen wird.</p>
<div id="attachment_585" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/07/logo1.gif"><img class="size-medium wp-image-585" title="logo" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/07/logo1-300x26.gif" alt="" width="300" height="26" /></a><p class="wp-caption-text">Zu Ehren ihrer Firma sei, behauptet die 2001-Crew, vor 11 Jahren weltweit ein ganzes Jahr nach ihnen benannt worden</p></div>
<p>Das beliebteste Beispiel für solche verlegerische Meisterschaft ist  hierzulande die „Suhrkamp-Kultur“ Siegfried Unselds. Viel seltener wird  von einem anderen derartigen Frankfurter Geniestreich gesprochen, von  dem 2001-Versand und -Verlag, den Lutz Reinecke prägte, 2006 verkaufte und der jetzt unter neuer Leitung seine Buchhandlungen schließt. Dabei ist die „2001-Kultur“ Reineckes, der 1983 bei der  Heirat den Namen Lutz Kroth annahm, in vielerlei Hinsicht ein  überzeugender Gegenentwurf zur Suhrkamp-Kultur. Es ist eine wüste  Medien-Melange, die weit über ein Buchprogramm hinausreicht, Musik,  Comics, Filme, Software mit einschließt, aber dennoch unverwechselbar  bleibt und einen spezifischen kulturellen Stil, wenn nicht gar  Lebensstil repräsentiert.</p>
<p>Zu den kantigen Details am Rande gehört, dass 2001 ein Spross vom  Stamme Suhrkamps ist. Lutz Kroth, damals noch Reinecke, hatte als junger  Buchhändler einen von Suhrkamp ausgeschriebenen Wettbewerb um die  effektvollste Schaufenstergestaltung gewonnen. Er beeindruckte Unseld,  wurde engagiert, stieg zum Vertriebschef des Verlags auf und verließ ihn  ausgerechnet im Jahr 1968. Einen Schritt, der programmatisch  verstanden werden kann. Denn Suhrkamp als Vorzeigeunternehmen der  antiautoritären Studentenbewegung zu betrachten, war zumindest aus der  Innensicht des Verlages immer ein Irrtum. Der Patriarch Unseld gehörte  zum Geschlecht der Alpha-Männchen und führte das Personal seines Hauses  mit eher fester als pfleglicher Hand.</p>
<p>Reinecke dagegen arbeitete zunächst kurz für die Satirezeitschrift <em>Pardon</em>. Dann gründete er mit Walter Treumann den 2001-Versand, der  sich als ein betont gelassenes, allem autoritären Gehabe abholdes,  lustbetontes Unternehmen jenseits der Hochkultur darstellte – und damit  von Beginn an als Gegenbild zu den traditionellen Verlagen auftrat.  Damit stieß er naturgemäß auf gute Resonanz in einem Milieu, das gerne  als „links“, „alternativ“ oder später &#8220;grün&#8221; klassifiziert und an den subkulturellen  Rand der Gesellschaft gerückt wurde, das aber, wie sich zeigen sollte,  keineswegs randständig war.</p>
<div id="attachment_587" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/07/Hörrohr1.jpg"><img class="size-medium wp-image-587" title="Hörrohr" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/07/Hörrohr1-300x270.jpg" alt="" width="300" height="270" /></a><p class="wp-caption-text">Die Verbindung zwischen 2001 und alten &quot;Pardon&quot;-Mitarbeitern wie Pit Knorr und Robert Gernhardt besteht fort. Hier frühe Radio-Sketche der beiden Frankfurter Komik-Riesen: &quot;Hörrohr klar zum Gefecht&quot;, 3 CDs zum Preis von 19,99 Euro</p></div>
<p>2001 startete nicht als Verlag, der Bücher produzierte, sondern als  Versand, der die unter-schiedlichsten Produkte aus dem Umfeld der  Zeitschrift <em>Pardon</em> verkaufte, Spiele, Gimmicks oder Schallplatten  („Wir liefern jede in <em>Pardon</em> erwähnte LP – Karte genügt“). Doch  schnell weitete sich das Programm aus, es wurden ein Faksimile-Reprint  der von F.W. Bernstein, Robert Gernhardt und F.K. Waechter gestalteten <em>Pardon</em>-Beilage <em>Welt im Spiegel</em> ins Angebot genommen, dazu Comics der  amerikanischen Underground-Zeichner Robert Crump und Gilbert Shelton,  kubanische Revolutionshymnen („Kampflieder voller Liebe, Heiterkeit u.  Freiheitsdurst“), aber auch Sex-Zeichentrickfilmchen („Schneeflittchen  unter den sieben Zwergen“) und was man sonst noch als Rebell gegen  Bürgertum und Establishment in jenen Jahren dringend brauchte.</p>
<p>Ein wichtiger Bestandteil dieser Mixtur war aber immer auch Literatur  von höchstem Rang. Reinecke kaufte Restbestände bedeutender Titel aus  den Verlagslagern oder Großantiquariaten auf, um sie dem Publikum seines  Versands – zu stark herabgesetzten Preisen – anzuempfehlen. Mit  bemerkenswertem Erfolg. Das E- und U-Kultur keine Gegensätze, sondern  Ergänzungen sind, die tadellos nebeneinander im Bewusstsein jedes an  seiner Gegenwart interessierten Zeitgenossen Platz finden, musste sich  Reinecke nicht erst von den Propheten der Postmoderne vorbeten lassen.  Scheinbar schwer Verkäufliches von Marcel Proust, Arno Schmidt, William  Shakespeare oder Suhrkamps Bertolt Brecht fand so preisermäßig seinen  Platz im Medienarsenal mancher studentenbewegten Wohngemeinschaft.</p>
<div id="attachment_588" class="wp-caption alignleft" style="width: 125px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/07/Merkheft.jpg"><img class="size-full wp-image-588" title="Merkheft" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/07/Merkheft.jpg" alt="" width="115" height="192" /></a><p class="wp-caption-text">Das aktuelle &quot;Merkheft&quot;. Es wird inzwischen ergänzt durch regelmäßige &quot;Merkmails&quot;</p></div>
<p>Die wichtigsten Verständigungsmittel des Versands mit seinen Kunden  wurden dabei so genannte „Wimmelanzeigen“. Sie waren von dem Designer  Gunter Rambow in schwarz-weiß und winziger Schrift als wirkungsvoller  Kontrast zur übrigen bunten und von Großbuchstaben dominierten  Reklamewelt konzipiert worden. Dazu verschickte 2001 an sämtliche Kunden  in seiner Adressenkartei alle zwei Monate ihren kleinformatigen Katalog  namens „Merkheft“, der wie ein gedruckter Flohmarkt ein schier  bodenlose Füllhorn von Buch- und Schallplattenangeboten ausschüttete.  Getextet in einem kunstvollen, nur scheinbar der Umgangssprache  abgelauschten Sound, sorgte diese, in einer Auflage von bis zu einer  halben Million verbreitete Broschüre für Unabhängigkeit vom Wohlwollen  der Feuilletons. Was immer 2001 verkaufen wollte, der Versand konnte es  seinen Interessenten schnell, ohne Umwege und präzise nach den eigenen  Vorstellungen anpreisen.</p>
<div id="attachment_589" class="wp-caption alignright" style="width: 160px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/07/Wondratschek.jpg"><img class="size-thumbnail wp-image-589" title="Wondratschek" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/07/Wondratschek-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Auch heute noch im aktuellen Programm: Gesammelte Gedichte von Wolf Wondratschek für nur 9,90 Euro</p></div>
<p>Der erste Schriftsteller, der die besonderen Qualitäten von 2001  begriff, war Wolf Wondratschek. 1974 bot er Reinecke sein neues  Lyrikmanuskript <em>Chucks Zimmer</em> an. Der griff zu und gerade mal 5 Wochen  später konnten die Kunden bereits die fertigen Bücher bei 2001  bestellen. 30.000 Exemplare wurden an die Leser gebracht – ein für  Lyrikbände astronomisches Ergebnis. Bald darauf schloss &#8220;Zweitausendeins&#8221; Kooperationen mit dem Verlag „März“, später dann mit den Verlagen  „Rogner &amp; Bernhard“ , „Haffmans“ und &#8220;Tolkemitt&#8221;, die ihre Programme bis heute über den Versand vertreiben.</p>
<p>Zu den erstaunlichsten Leistungen von 2001, die man in doppelter  Hinsicht verlegerische Großtaten nennen kann, gehören  Zeitschriften-Reprints. 20 Hefte des <em>Kursbuchs</em>, 20 Jahrgänge der <em>Akzente</em> oder die vollständige, 24.500-seitige <em>Fackel</em> von Karl Kraus  druckte Reinecke in kleinem Format nach und verkaufte sie in Auflagen,  die jedem Herausgeber einer Literaturzeitschrift ekstatische Lustschreie  entlocken können. Sogar das Gesamtwerk von Johann Sebastian Bach auf 99  LPs für 699 DM bot er an oder das Lebenswerk des Dirigenten George  Solti auf über 200 LPs für 1299 DM. Und fand tatsächlich genügend  Musikliebhaber mit Vollständigkeits-Sehnsüchten und Komplettheits-Wahn, die ihm diese  gigantomanen Editionen abnahmen.</p>
<p>Das größte 2001-Projekt aber erschien 1980. Reinecke hatte einen Tipp  bekommen und beschaffte sich in den USA eine 1400 Seiten schweren  Studie der amerikanischen Regierung über die Lebensbedingungen der Erde  bis zum Jahr 2000: „Umweltschützer wurden damals als Spinner diffamiert.  Und hier war zum ersten Mal aus regierungsamtlichen Quellen ein Beleg,  dass die Erde gefährdet wird durch unseren zerstörerischen Lebensstil.“  Reinecke ließ den Materialberg übersetzen, brachte ihn unter dem Titel <em>Global 2000</em> heraus und schließlich mit einer Gesamtauflage von über  einer halben Million Exemplaren unter die Leser. Ein Bestseller, ja mehr  noch: ein Blockbuster des ökologischen Bewusstseins hierzulande.</p>
<div id="attachment_590" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/07/200140.jpg"><img class="size-thumbnail wp-image-590" title="200140" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/07/200140-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Das Buch über 2001 bei 2001: Mathias Brökers beschreibt die ersten 40 Jahre Verlagsgeschichte zum Preis von 3,90 Euro</p></div>
<p>Im Januar 2007 gab Lutz Kroth, ehemals Reinecke, bekannt, dass er sich noch vor seinem 65. Geburtstag in den Ruhestand begeben werde. Er wolle versuchen, wie er  sagte, sich „aus dem Arbeitskäfig auszuwildern in das wirkliche Leben.“ Das  Unternehmen 2001 wurde vom Gründer des Filmverleihs Kinowelt Michael  Kölmel übernommen und macht weiterhin und bis heute haarsträubende Angebote: Das  Gesamtwerk von Franz Kafka zum Beispiel in einem Band für den Preis  einer Packung Kaffee, das Gesamtwerk Mozarts auf 170 CDs für den Preis  einer Tankfüllung. Man fasst es nicht.</p>
<p>Doch die Geschäfte gehen offenbar nicht mehr so gut: Laut Wikipedia wurde Anfang 2010 der Verlags- und  Marketingstandort Hamburg aufgegeben, um Kosten zu senken, und die Verwaltung in Frankfurt  konzentriert.<sup> </sup>Anfang Juni 2010 einigten sich Geschäftsführung und Betriebsrat zur  Abwendung der drohenden Insolvenz auf ein Sanierungskonzept, das unter  anderem die Entlassung von 51 der 116 Beschäftigten und die Aufgabe der  eigenen Kundenbetreuung vorsieht.<sup> </sup>Im Jahr 2011 verlegte Zweitausendeins seinen Firmensitz von Frankfurt am Main nach Leipzig. Jetzt werden die Läden geschlossen. Es ist ein Jammer. Bleibt zu hoffen, dass sich die 2001-Kultur im Netz als überlebensfähig erweist.</p>
</div>
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		<title>Krieg und Literatur</title>
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		<pubDate>Fri, 18 May 2012 07:37:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Kollektive Verdrängung? Die deutschen Schriftsteller begegnen dem modernen High-Tech-Militär nahezu unisono mit Schweigen. Dabei ist der Krieg eines der ältesten Themen der Literaturgeschichte. Fällt den Autoren hier und heute zu Soldaten nichts mehr ein? Ein Zwischenruf. Die Kriege unserer Zeit &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=335">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><!-- @font-face {   font-family: "Cambria"; }@font-face {   font-family: "CandidaFocusRoman"; }p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal { margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: 12pt; font-family: "Times New Roman"; }div.Section1 { page: Section1; } --></p>
<h2><strong>Kollektive Verdrängung?</strong></h2>
<h3><strong>Die deutschen Schriftsteller begegnen dem modernen High-Tech-Militär nahezu unisono mit Schweigen. Dabei ist der Krieg eines der ältesten Themen der Literaturgeschichte. Fällt den Autoren hier und heute zu Soldaten nichts mehr ein? Ein Zwischenruf.</strong></h3>
<div id="attachment_336" class="wp-caption alignleft" style="width: 90px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/05/80px-Homeros_MFA_Munich_272.jpg"><img class="size-full wp-image-336" title="80px-Homeros_MFA_Munich_272" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/05/80px-Homeros_MFA_Munich_272.jpg" alt="" width="80" height="119" /></a><p class="wp-caption-text">Homer</p></div>
<p>Die Kriege unserer Zeit finden in der deutschen Literatur nicht statt. Das ist verständlich und verwunderlich zugleich. Verwunderlich, weil Krieg immer eines der wichtigsten Themen der Literatur war. Von Homers <em>Ilias</em> bis Cäsars <em>Bellum Gallicum</em>, von Shakespeares Königsdramen bis Grimmelshauses <em>Simplicissimus</em>, von Schillers <em>Wallenstein</em> bis Kleists <em>Prinz von Homburg</em>, von Remarques <em>Im Westen nichts Neues</em> bis Ernst Jüngers <em>In Stahlgewittern</em> gehörte Krieg zu den Stoffen, aus dem große Schriftsteller große Bücher machten.</p>
<div id="attachment_337" class="wp-caption alignright" style="width: 104px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/05/94px-Heinrich_von_Kleist2.jpg"><img class="size-full wp-image-337" title="94px-Heinrich_von_Kleist2" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/05/94px-Heinrich_von_Kleist2.jpg" alt="" width="94" height="120" /></a><p class="wp-caption-text">Kleist</p></div>
<p>Auch in der deutschen Literatur nach 1945 spielte der Rückblick auf den Zweiten Weltkrieg zunächst eine zentrale Rolle. Heinrich Böll, Heiner Müller, Günter Grass, Theodor Plievier, Siegfried Lenz und viele andere hielten die Erinnerung an das Grauen und Töten auf dem Papier fest. Sie brachten damit zur Sprache, was die Gesellschaft jener Jahre geformt hatte und zu ihren stärksten Antriebskräften gehörte. Doch seither ist der Krieg, sind zumal die zeitgenössischen Kriege nahezu ganz aus der deutschen Literatur verschwunden.</p>
<p>Verständlich war das vor allem deshalb, weil der Krieg hierzulande lange nur als fernes Gespenst wahrgenommen wurde. Er schien jede Realität jenseits der Nachrichtenkanäle eingebüßt zu haben. Doch das ist seit zwanzig Jahren vorbei. Die Einsätze der Bundeswehr out of area lassen sich inzwischen an den Fingern beider Hände nicht mehr abzählen. Deutsche Soldaten sind vor den Küsten Libanons und Somalias, in Dafur oder am Hindukusch stationiert, überwachen, kämpfen, werden verwundet oder sterben im Auftrag ihres Landes. Das Engagement in Afghanistan wurde vom damaligen Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg entschlossen „Krieg“ genannt &#8211; und fast alle stimmten ihm zu, so dass dies eine Wort heute wie das größte Verdienst seiner Amtszeit wirkt.</p>
<p><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/05/41Ckxe+HP6L._SL500_AA300_.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-339" title="41Ckxe+HP6L._SL500_AA300_" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/05/41Ckxe+HP6L._SL500_AA300_-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Der deutschen Literatur ist zu all dem wenig eingefallen. Sie begegnet den spezifischen Schrecken des Hightech-Kriegs mit Schweigen. Ingo Niemann und Alexander Wallasch haben 2010 in ihrem gemeinsam geschriebenen Roman <em>Deutscher Sohn</em> einen Soldaten zur Hauptfigur gemacht, der verwundet aus Afghanistan ausgeflogen wurde. Doch statt von seinem Kriegsschicksal zu erzählen, nehmen sie die Figur zum Vorwand, allerlei pornographischen Phantasien nachzuhängen. Der Journalist und Erzähler Dirk Kurbjuweit hat 2011 in dem Roman <em>Kriegsbraut</em> eine deutsche Soldatin beschrieben, die nach Afghanistan kommandiert wird und nicht nur die Langeweile des Lageralltags, sondern auch Feuergefechte zu bestehen hat. Viel mehr gibt es bislang zu dem uralten, brandneuen Thema nicht.<a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/05/415pfnvNj0L._AA115_.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-340" title="415pfnvNj0L._AA115_" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/05/415pfnvNj0L._AA115_.jpg" alt="" width="115" height="115" /></a></p>
<p>Es versteht sich von selbst, dass Literatur über den Krieg mit Kriegs-Verherrlichung nichts zu tun haben muss. Spätestens seit Anbruch der Moderne sind die hymnischen Tön aus den Schlachtenbeschreibungen fast vollständig verschwunden. Auch heute erwartet niemand, dass Schriftsteller versuchen ihren Lesern einzureden, es sei süß fürs Vaterland zu sterben.</p>
<p>Im Gegenteil: Viele Bürger der westlichen Hemisphäre sehen im Ausbruch eines Kriegs inzwischen nichts anderes als einen Beweis für die Unfähigkeit der Politik. Sobald die Waffen sprechen, haben in ihren Augen die Diplomaten nachweislich versagt. Wie immer man zu solchen Argumenten steht – sie lassen den Krieg aus literarischer Sicht nicht uninteressanter werden. Denn was sind das für Menschen, die sich dennoch als Soldaten in den Kampf kommandieren lassen? Opfer, die für wenig Geld Kopf und Kragen riskieren müssen? Abenteurer, die auf Grenzerfahrungen aus sind? Letzte Idealisten, die sich für ihr Land einsetzen, auch wenn die meisten Landsleute es ihnen nicht danken?</p>
<p>Davon könnte Literatur heute erzählen. Kein Schriftsteller muss das tun, jeder hat  ganz persönlichen Themen, die ihn inspirieren. Doch wenn eine ganze Autorengeneration über Jahrzehnte hinweg einen uralten literarischen Stoff ausblendet, dann riecht das nach kollektiver Verdrängung. Oder steckt dahinter die Furcht, sich allein durch die Berührung mit dem Thema Krieg ins Abseits zu manövrieren, weil sie gegen einen pazifistischen Grundkonsens des Literaturbetriebs verstößt?</p>
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		<title>Shakespeare, der Unverwüstliche</title>
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		<pubDate>Sun, 13 May 2012 11:55:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Personen]]></category>
		<category><![CDATA[Marcel Reich-Ranicki]]></category>
		<category><![CDATA[Nelson Mandela]]></category>
		<category><![CDATA[William Shakespeare]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Seele des Jahrhunderts &#160; Eine beeindruckende Radio-Show des BBC über William Shakespeare und die Frage, weshalb vielen Menschen seine über vierhundert Jahre alten Stücke auch heute noch hoch aktuell vorkommen. Als Zeugen werden unter anderem aufgerufen: Marcel Reich-Ranicki, Hollywood &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=323">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2><strong>Die Seele des Jahrhunderts</strong><strong> </strong></h2>
<p><strong>&nbsp;</p>
<div id="attachment_331" class="wp-caption alignright" style="width: 104px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/05/94px-Shakespeare2.jpg"><img class="size-full wp-image-331" title="94px-Shakespeare" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/05/94px-Shakespeare2.jpg" alt="" width="94" height="120" /></a><p class="wp-caption-text">National Portrait Gallery, London</p></div>
<p></strong></p>
<p><strong>Eine  beeindruckende Radio-Show des BBC über William Shakespeare und die  Frage, weshalb vielen Menschen seine über vierhundert Jahre alten Stücke  auch heute noch hoch aktuell vorkommen. Als Zeugen werden unter anderem  aufgerufen: Marcel Reich-Ranicki, Hollywood und Nelson Mandela. Eine  14-Minuten-Sendung die sich lohnt.<br />
</strong><strong> </strong></p>
<p><a href="https://mail.focus-redaktion.de/webmail/mailAttach/r4shakespeare_20120511-1400a.mp3?part=0.1&amp;folder=%7Eu.wittstock%40focus-magazin.de%2FINBOX&amp;uid=13626&amp;disp=attachment"><img src="https://mail.focus-redaktion.de/webmail/img/fileg.gif" alt="" height="16" align="top" />r4shakespeare_20120511-1400a.mp3</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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