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	<title>Die Büchersäufer. Ein Blog von Uwe Wittstock &#187; Uwe Tellkamp</title>
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	<description>Über Literatur und Literaten</description>
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		<title>Lutz Seiler: &#8220;Kruso&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Apr 2015 13:00:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Insel mit direktem Blick aufs Jenseits Sehnsucht nach der alten deutschen Innerlichkeit: Für seinen ersten Roman Kruso wurde Lutz Seiler mit dem Deutschen Buchpreis 2014 ausgezeichnet und hat sowohl dem Suhrkamp Verlag als auch dem Buchpreis selbst zu einem &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=1153">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>Die Insel mit direktem Blick aufs Jenseits</strong></h1>
<h2><strong>Sehnsucht nach der alten deutschen Innerlichkeit: Für seinen ersten Roman <em>Kruso</em> wurde Lutz Seiler mit dem Deutschen Buchpreis 2014 ausgezeichnet und hat sowohl dem Suhrkamp Verlag als auch dem Buchpreis selbst zu einem dringend benötigten Publikums-Erfolg verholfen.<br />
</strong></h2>
<p>Sobald die Fernsehleute und Fotografen aufstehen und die Schriftsteller durch die Sucher ihrer Kameras anvisieren wie Schützen über Kimme und Korn, wird es ernst bei der Buchpreis-Verleihung. Zuvor sind eine Stunde lang Reden zu hören, kurze Filme über die Autoren zu sehen, ein Juroren-Interview auf offener Bühne zu bestaunen. Die Anspannung steigt, und dann ist es so weit: Der Chef des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Heinrich Riethmüller, tritt hinter die Mikrofone, öffnet die ihm überreichte Urkunde und verkündet: „Den Deutschen Buchpreis erhält in diesem Jahr . . .“</p>
<p>„Jaaaah!!“ Im ehrwürdigen Kaisersaal des Frankfurter Rathauses wird nur selten geschrien. Es geht dort auch nicht oft ein derartiges Blitzlichtgewitter nieder wie im Oktober über den in der Sekunde zuvor gekürten Buchpreisträger des Jahres 2014 Lutz Seiler. Ein „großer Bahnhof“ sei das für ihn, sagte Seiler in seiner Dankesrede, doch die Lok, die ihn und seinen Roman bis dorthin zog, habe 128 Heizer – und ehrte so die 128 Mitarbeiter des Suhrkamp Verlags, die trotz endloser juristischer Kämpfe seit Jahren fabelhafte Arbeit leisten und nichts dringender brauchen als echte Verkaufserfolge.</p>
<div id="attachment_1154" class="wp-caption alignright" style="width: 293px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/04/40874080z.jpg"><img class="size-full wp-image-1154" title="40874080z" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/04/40874080z.jpg" alt="" width="283" height="475" /></a><p class="wp-caption-text">Lutz Seiler: &quot;Kruso&quot;. Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin 2015. 22,95 Euro</p></div>
<p>Und einen Erfolg brauchte inzwischen auch der Deutsche Buchpreis selbst, dessen Ausstrahlungskraft auf das Publikum in den letzten Jahren spürbar nachgelassen hatte. Doch die Chancen dafür waren gut: Unter den Preisträgern der vergangenen Jahre gelang es gerade den Romanen <em>Der Turm</em> von Uwe Tellkamp und <em>In Zeiten des abnehmenden Lichts</em> von Eugen Ruge, nicht nur die Herzen der Preisjuroren, sondern auch die des Publikums zu gewinnen – und beide berichteten von Leben und Familienverhältnissen in der untergegangenen DDR. Von der DDR, genauer: vom letzten Sommer dieses Landes 1989, erzählt auch Lutz Seiler in <em>Kruso</em>. Sein Held heißt Edgar Bendler, wird Ed genannt, ist ein 24 Jahre alter Student der Literatur und hat seine Freundin G. verloren. Als ihm auch noch die Katze Matthew davonläuft, macht er sich auf an den äußersten Rand des damals noch zugemauerten Landes: zur Ostsee-Insel Hiddensee. Und tatsächlich hat dann auch Seilers Roman für den Suhrkamp Verlag und für das leicht angekratzte Image des Buchpreises einen schönen Publikums-Erfolg eingefahren.</p>
<p>Da Ed kein Geld für Urlaub hat, heuert er als Tellerwäscher und Zwiebelschäler bei der Gaststätte „Zum Klausner“ im Norden der Insel an. Während der Ferienwochen arbeiten dort fast nur Ungelernte, die im DDR-Jargon „Saisonkräfte“, abgekürzt „Esskaas“, genannt werden. Fast alle sind – wie Ed – literarisch gebildete Sonderlinge, die sich in der realsozialistischen Gesellschaft ihres Landes weder zu Hause fühlen noch sie verlassen wollen, sondern nach einem Lebensversteck suchen: „Ich möchte“, meint Ed, „einen Platz auf der Welt, der mich aus allem heraushält.“</p>
<p>Der Anführer dieser Esskaas ist Alexander Dimitrijewitsch Krusowitsch, genannt Kruso, mit offenkundig russischen Wurzeln und perfekten Deutschkenntnissen. Auch er ist wie Ed der Poesie verfallen, und bald schon pflegen sie nicht nur eine in Lyrik vernarrte, sondern auch eine unverkennbar homoerotische Freundschaft.</p>
<p>Das Buch steckt voller literarischer Anspielungen: Der Name des „Inselkönigs“ Kruso verweist natürlich auf den berühmtesten aller einsamen Inselbewohner, Robinson Crusoe, refrainartig zitiert Lutz Seiler Gedichte Georg Trakls (1887–1914), und seinen Helden hat er vielleicht deshalb Ed getauft, weil der bekannteste aller Sozialaussteiger der DDR-Literatur in Ulrich Plenzdorfs Bestseller „Die neuen Leiden des jungen W.“ Edgar Wibeau hieß.</p>
<p>Vor allem aber gibt Seiler seinem Roman eine mythologische Dimension: Hiddensee ist in seinem Roman nicht einfach eine Ostsee-Insel am Rande der DDR, sondern zugleich ein letzter Vorposten am Rande des Lebens. Von hier aus, so predigt Kruso seinem Bewunderer Ed während eines Strandspaziergangs, „schaut man weit hinaus, bei guter Sicht bis ins Jenseits“. Und als Kruso gegen Ende des Romans mehr tot als lebendig von einem sowjetischen Panzerkreuzer von der Insel abgeholt wird, setzen ihn die Matrosen vom Festland zum Schiff über wie der griechische Fährmann Charon die Toten über den Fluss Acheron.</p>
<p>Dieses Buch ist nichts für Leser, die nach einem realistischen oder psychologischen Roman Ausschau halten. Wohl aber etwas für jene, die Eds Sehnsucht nach alter deutscher Innerlichkeit teilen, die sich an seinem radikalen Rückzug aus einer unfriedlichen Welt freuen und bereit sind, an Krusos ostalgischen Lehrsatz zu glauben: „Der Keim der wahren Freiheit, Ed, gedeiht in Unfreiheit.“</p>
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		<title>Was Ärzte und Schriftsteller verbindet</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Apr 2012 18:57:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Feine Verwandtschaft Sie kennen sich aus mit dem Menschen: Die Mediziner und die Dichter, die Ärzte und die Erzähler. Kaum ein anderer Berufsgruppe ist unter den Fachleuten der Wortkunst so stark vertreten wie die Fachleute der Heilkunst. Warum ist das &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=253">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2><strong>Feine Verwandtschaft</strong></h2>
<h3><strong>Sie kennen sich aus mit dem Menschen: Die Mediziner und die Dichter, die Ärzte und die Erzähler. Kaum ein anderer Berufsgruppe ist unter den Fachleuten der Wortkunst so stark vertreten wie die Fachleute der Heilkunst. Warum ist das so? </strong></h3>
<div>
<p>“Ich kenne keine bessere Schulung für den Schriftsteller”, behauptete  Somerset Maugham, “als einige Jahre den Beruf eines Arztes auszuüben.”  Maugham wußte wovon er sprach, denn er war Arzt und Schriftsteller.  Medizin hatte er studiert, um den “Menschen ohne Maske” kennenzulernen &#8211;  und er wurde einer der meistgelesenen Autoren seiner Zeit.</p>
<p>Beide, so schrieb Marcel Reich-Ranicki einmal, Literaten und  Mediziner seien “Fachleute für menschliche Leiden”, und so sei es nur  naheliegend, daß es zwischen diesen Berufsgruppen erstaunlich viele  Berührungspunkte gebe, ja so etwas wie eine verborgene Verwandtschaft  existiere.</p>
<div id="attachment_258" class="wp-caption alignleft" style="width: 104px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/04/94px-Maugham.jpg"><img class="size-full wp-image-258" title="94px-Maugham" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/04/94px-Maugham.jpg" alt="" width="94" height="120" /></a><p class="wp-caption-text">William Somerset Maugham, 26. Mai 1934.  Portrait by Carl Van Vechten </p></div>
<p>Maugham reiht sich ein in eine erstaunliche Zahl von Autoren,  die eine medizinische Ausbildung hatten. So waren allein drei der  größten deutschsprachigen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts zugleich Ärzte:  Gottfried Benn, der als Lyriker von europäischem Rang gestand, ihm sei  seine “Existenz ohne diese Wendung zur Medizin und Biologie völlig  undenkbar”. Alfred Döblin, der Medizin studierte, “weil ich Wahrheit  wollte, die aber nicht durch Begriffe gelaufen und hierbei verdünnt und  zerfasert war”. Und schließlich Arthur Schnitzler, der all seine  Erzählungen und Stücke immer auch als Arzt schrieb, denn, so bekannte  er: “Wer je Mediziner war, kann nie aufhören, es zu sein. Denn Medizin  ist eine Weltanschauung.”</p>
<p>Tatsächlich ist die Ruhmestafel weltweit gefeierter Autoren, die  zugleich als Ärzte arbeiteten, überraschend lang. Angelus Silesius war studierter Philosoph, Theologe und Arzt, Friedrich Schiller ausgebildeter Regimentsmedikus, John Keats Wundarzt, Georg Büchner  promovierter Anatom. Heinrich Hoffmann, der Vater des <em>Struwwelpeter</em>,  leitete als Chefarzt die Frankfurter Irrenanstalt, Anton Tschechow  meinte, “die Medizin ist meine gesetzliche Ehefrau, die Literatur meine  Geliebte”. Und Louis-Ferdinand Céline studierte als Armenarzt in Pariser  Vorstädten den Argot, den er dann in seinen &#8211; zutiefst  antisemitischen &#8211; Romanen zu Literatur veredelte. Eugène Sue steht  ebenso auf dieser Liste wie Michail Bulgakow, Sir Arthur Conan Doyle,  Friedrich Wolf und William Carlos Williams.</p>
<div id="attachment_259" class="wp-caption alignright" style="width: 94px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/04/84px-Georg_Büchner.png"><img class="size-full wp-image-259" title="84px-Georg_Büchner" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/04/84px-Georg_Büchner.png" alt="" width="84" height="120" /></a><p class="wp-caption-text">Georg Büchner (1813 - 1837)</p></div>
<p>Noch beeindruckender wird die Aufzählung, wenn man bedenkt, welche  Schriftsteller zunächst Medizin studierten, sich aber noch vor dem  Examen ganz der Literatur verschrieben: nämlich unter anderem Louis  Aragon, Johannes R. Becher, Ludwig Börne, Bertolt Brecht, André Breton,  Johann Gottfried Herder, Henrik Ibsen, Stanislaw Lem, Hermann Löns und  August Strindberg. Auch unter den deutschen Autoren der Gegenwart sind  die medizinisch-poetischen Doppelbegabungen keine Seltenheit: Sowohl der  Dramatiker Heinar Kipphardt, wie der Romancier Ernst Augustin, der  Popliteratur-Avantgardist Rainald Goetz, der DDR-Epiker Uwe Tellkamp und die Erzählerin Melitta  Breznik genossen eine medizinische Ausbildung &#8211; fast alle in der Psychiatrie.</p>
<p>Sogar ein klinisches Zentrum für Dichterärzte in Deutschland hat sich  herauskristallisiert: In der Berliner Charité betrieb schon Döblin  wissenschaftliche Forschungen, dort arbeiteten Gottfried  Bermann-Fischer, der den S.Fischer Verlag durch die Nazi-Zeit brachte,  und Peter Bamm, der in den Nachkriegsjahren Bestseller schrieb, hier  standen Ernst Augustin und Kipphardt als Assistenzärzte am Krankenbett.  Heute arbeitet Jakob Hein in der Charité als Nachwuchsmediziner, der  zugleich schon mehr ist hoffnungsvoller Nachwuchsautor gilt.</p>
<p>Solche Häufungen sind kein Zufall. Unter den Schriftstellern der  deutschen Literaturgeschichte ließen sich allenfalls noch Geistliche, Lehrer oder Juristen in ähnlich großer Zahl nachweisen wie Ärzte. Diese Berufsstände neigen allerdings dazu, die Menschen unter dem Blickwinkel  zu betrachten, wie sie sein sollten. Mediziner dagegen betrachten sie  eher von dem Gesichtspunkt aus, wie sie sind. Mit anderen Worten:  Theologen. Pädagogen und Rechtsgelehrte entwerfen gern Rezepte, wie ein vorbildliches  Leben zu führen wäre. Ärzte dagegen halten sich als Naturwissenschaftler  lieber nicht an Utopien. Statt dessen benennen sie die traurigen  Tatsachen des Daseins.</p>
<div id="attachment_260" class="wp-caption alignright" style="width: 94px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/04/84px-Alfred_Doeblin_1930.jpg"><img class="size-full wp-image-260" title="84px-Alfred_Doeblin_1930" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/04/84px-Alfred_Doeblin_1930.jpg" alt="" width="84" height="119" /></a><p class="wp-caption-text">Alfred Döblin (1878 - 1957)</p></div>
<p>Es ist wohl der kühle, der beobachtende, der diagnostische Blick, der  manche Menschen zu Ärzten macht, und manche Ärzte dann &#8211; literarische  Neigungen und Fähigkeiten vorausgesetzt &#8211; zu Schriftstellern werden  läßt. Zudem noch liefert ihnen der ärztliche Beruf, wenn sie denn als  Autoren an der gesellschaftlichen Realität interessiert sind, manchen  brisanten und literarisch verwertbaren Stoff frei Haus. “Ich fand meine  Kranken”, schrieb Döblin im Rückblick auf sein Leben, “in ihren  ärmlichen Stuben liegen; sie brachten mir auch ihre Stuben in mein  Sprechzimmer mit. Ich sah ihre Verhältnisse, ihr Milieu; es ging alles  ins Soziale, Ethische und Politische über.” Ohne die  Patientenschicksale, denen Döblin in seiner Praxis begegnete, wäre <em>Berlin Alexanderplatz</em> mit Sicherheit ein anderes, vermutlich ein  schwächeres Buch geworden.</p>
<p>Doch das ärztliche Studium ist für einen Schriftsteller, zumal wenn  es sich um einen gefährdeten, seelisch nicht hundertprozentig stabilen  Menschen handelt, auch mit Risiken verbunden. “Es war eine Rieseneselei  von mir”, schreibt Arthur Schnitzler als junger Mann, “Mediziner zu  werden, und es ist leider eine Eselei, die nicht wieder gut zu machen  ist.”</p>
<p>Denn all die Krankheiten, die er während seines Studiums  kennenlernte, glaubte er bald schon an sich selbst diagnostizieren zu  können. Das Phänomen ist nicht unbekannt: Bei vielen Medizinstudenten  werden, sobald sie ihre klinische Ausbildung beginnen, ähnliche Symptome  beobachtet &#8211; die ihre Professoren dann gern ironisch als “Morbus  clinicus” bezeichnen.</p>
<p>Bei dem äußerst empfindsamen Schnitzler jedoch ging dieses Leiden  weit über das gewöhnliche Maß hinaus. Immer wieder klagte er in seinen  Tagebüchern über “meine Hypochondrie, die zuweilen wie ein schwerer  schmerzlicher Nebel über dem ganzen Grund meines Wesens liegt” und  verzeichnete handfeste “Todesangst-Anfälle”. Aber die Besessenheit, mit  der er noch die geringste Missempfindungen an sich registrierte, war eben  zugleich die Grundlage seines schriftstellerischen Talents, Menschen  noch bis in ihre verborgenen Regungen hinein beschreiben zu können. Ein  Talent, daß ihm neidvolle Anerkennung selbst von so berufener Seite wie  der Sigmund Freuds eintrug: Er habe, schrieb Freud 1922 an Schnitzler,  “den Eindruck gewonnen, daß Sie durch Intuition &#8211; eigentlich aber  infolge feiner Selbstwahrnehmung &#8211; alles das wissen, was ich in  mühseliger Arbeit an anderen Menschen aufgedeckt habe. Ja, ich glaube,  im Grunde ihres Wesens sind Sie ein psychologischer Tiefenforscher.”</p>
<div id="attachment_261" class="wp-caption alignleft" style="width: 90px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/04/80px-Hetsch01.jpg"><img class="size-full wp-image-261" title="80px-Hetsch01" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/04/80px-Hetsch01.jpg" alt="" width="80" height="120" /></a><p class="wp-caption-text">Schiller als Regimentarzt, 1781/1782. Gemälde von Philipp Friedrich Hetsch</p></div>
<p>Mitunter sind dichtende Ärzte allerdings für ihre Patienten nicht  ungefährlich. Als Schiller an seinem ersten Stück <em>Die Räuber</em> schrieb,  war er von seinen draufgängerischen Figuren so hingerissen, daß er als  Arzt zu ähnlich draufgängerischen Therapien neigte. Wie in der Literatur  wolle er, beklagte ein Vorgesetzter, offenbar auch in der Medizin  “Kraftstücke liefern, die aber weder gerieten, noch (von den Kranken)  zum besten rezensiert würden”. Schiller war Stolz auf seinen Ruf. Er  liebe als Arzt, schrieb er unter Pseudonym über sich selbst, “starke  Dosen” und man solle ihm lieber zehn Pferde zu Behandlung schicken als  die eigene Frau.</p>
</div>
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