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	<title>Die Büchersäufer. Ein Blog von Uwe Wittstock &#187; Helene Hegemann</title>
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	<description>Über Literatur und Literaten</description>
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		<title>Schrecken und Schauder der literarischen Grenzüberschreitung</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Mar 2012 10:05:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Lolita-Effekt Welche Chancen haben Sex-Romane heute noch, Skandal zu machen? Das ist keine komplett nebensächliche Frage, denn Skandale sind ein beliebtes Mittel zur Auflagensteigerung. Wie so etwas mit politischen Unterstellungen funktionieren kann, hat jetzt die Affäre um Christian Krachts &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=57">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2><strong>Der Lolita-Effekt</strong></h2>
<h3><strong>Welche Chancen haben Sex-Romane heute noch, Skandal zu machen? Das ist keine komplett nebensächliche Frage, denn Skandale sind ein beliebtes Mittel zur Auflagensteigerung. Wie so etwas mit politischen Unterstellungen funktionieren kann, hat jetzt die Affäre um Christian Krachts <em>Imperium </em>gezeigt. Aber geht das auch noch in Sachen Pornographie?</strong></h3>
<p>Die Heldin des Romans ist 16. Sie ist nachts in der Berliner Club-Szene unterwegs. Zwischendurch wird sie im Taxi vom Fahrer „drei Runden lang“ vergewaltigt. Prompt hat sie „starke multiple Orgasmen“. Danach plaudert sie mit dem Täter bei einer postkoitale Zigarette. So zumindest stellt sich Helene Hegemann das vor, die Autorin des Erfolgsromans <em>Axolotl Roadkill</em>“. Vergewaltiger dürften das Buch geliebt haben. Stickt es doch fort an der Legende, heimlich genössen es die Frauen, zum Sex gezwungen zu werden. Doch Skandal machte das Buch bezeichnenderweise nicht wegen der Kopulations-Szenen, sondern weil Passagen darin unter Plagiatsverdacht stehen.</p>
<p>Nicht durch Vergewaltigung, sondern auf anderm Weg erklimmt die Hauptfigur aus Charlotte Roches Bestseller <em>Feuchtgebiete</em> den Gipfel der Gefühle. Seit sie 15 ist betreibt sie „sehr erfolgreich Analverkehr“. Erfolgreich? „Sehr erfolgreich heißt für mich: kommen obwohl der Schwanz nur in meinem Arsch steckt und sonst nix berührt wird. Ja, da bin ich stolz drauf.“</p>
<p>Gleich in der ersten Szene von Helen Walshs <em>Millie</em> widmet sich die Titelheldin einer minderjährigen Prostituierten auf dem Friedhof. Millie ist 19, säuft, kifft, kokst und liebt harten lesbischem Sex. „Als ich meinen Mund in ihre Fotze tunke und mir der Geruch von Gummi ins Gesicht schlägt, finde ich in meine Rolle zurück. Gewissenlos. Als Freier. Ich drücke meine steife Zunge fest auf ihre Klitoris und massiere sie mit kurzen, entschlossenen Zungenschlägen, bis Leben in sie kommt.“</p>
<p><strong>Gehen uns allmählich die Tabuzonen aus?</strong></p>
<p>Die Geschichte der erotischen Literatur ist eine Geschichte des permanenten Tabu-Bruchs. Nichts für zarte Gemüter. Die Autoren wollen den Skandal – als Akt der Befreiung und als auflagensteigernde Gratiswerbung. Doch heutzutage drohen uns die Tabus auszugehen. Das Strafgesetzbuch ist gründlich liberalisiert und toleriert fast jede Spielart geschlechtlicher Betätigung. Dazu spült das Internet jedem, der es möchte, Pornographie in allen denkbaren Varianten auf den Bildschirm. Schrecken und Schauder der Grenzüberschreitung werden so immer seltener. Bleibt die Pädophilie als eine der letzten, juristisch zurecht streng befestigten und also eklatversprechenden Sperrzonen.</p>
<p>Folglich sollte es niemand wundern, wenn in den einschlägigen Skandalromanen der letzten Jahre Sex mit Minderjährigen oft und gern eine Hauptrolle zugeteilt wird. Hier kann noch mit absatzsteigernder Empörung gerechnet werden. Hegemann, Roche, Walsh sind beileibe keine Einzelfälle. In <em>Inzest</em> erzählt Christine Angot von der erotischen Beziehung zu ihren Vater. Bret Easton Ellis stürzt den Helden seines Romans <em>Imperial Bedrooms</em> gegen Ende in eine Orgie mit einem jugendlichen Prostituierten-Pärchen. Und Nicolas Jones-Gorlin brachte mit <em>Rose bonbon</em>, den fiktiven Bekenntnissen eines Pädophilen, den französischen Kinderschutzbund so sehr gegen sich auf, dass seiner Roman im Buchhandel nur noch in Folie eingeschweißt angeboten werden durfte.</p>
<p>Auch im letzten Jahr erschienen zwei Romane, die auf ähnlichen Pfaden wandeln: Jamuna Devis Debütroman <em>Jamuna</em> erzählt von einer sechzehnjährigen Berlinerin mit orientalischen Wurzeln, die bei einem Escort-Service anheuert. Und in <em>Tiger Tiger</em> schreibt sich die Amerikanerin Margaux Fragoso ihr Schicksal von der Seele: Als Siebenjährige lernte sie einen Mann von gut fünfzig Jahren kennen, der bald darauf und auf Jahre hinaus ihr Liebhaber wurde.</p>
<p><strong>Wenn Weltliteratur Skandal macht: <em>Lolita </em></strong></p>
<p>Die Literatur hat der fatalen Leidenschaft für elfenhaft junge Mädchen ihr Kennwort geliefert: <em>Lolita</em> von Vladimir Nabokov erschien 1955 in einem Pariser Kleinverlag, nachdem sich im puritanischen Amerika kein Verleger fand, der den Roman herauszubringen wollte. Sein Held Humbert Humbert ist 37 und der zwölfjährigen Dolores, Kosename: Lolita, verfallen. Um ihr nahe zu sein, heiratet er deren Mutter. Als die bei einem Unfall stirbt, macht er das nun schutzlose Mädchen zu seiner Geliebten.</p>
<p>Der Roman wurde ein weltweiter Skandal und ein weltweiter Erfolg. Im Gegensatz zu den vielen Büchern, die sich so sensationslüstern wie grobschlächtig über das finstere Thema Pädophilie hermachen, näherte sich ihm Nabokov mit hellster literarischer Intelligenz und sprachlicher Artistik. Heute zählt <em>Lolita</em> unumstritten zu den größten Romanen des 20. Jahrhunderts. Er erzählt nicht nur von Humbert Humberts Besessenheit, sondern mindestens ebenso sehr von deren ruinösen Folgen für Opfer und Täter: Beider Leben ist am Ende zerstört.</p>
<p>Doch ging es Nabokov nicht darum, seinen Lesern Moral zu predigen, sondern der Wirkungsweise unseres Begehrens an einem Extrembeispiel auf die Spur zu kommen: Denn natürlich ist Lolita gar nicht die verzaubernde „Nymphe“, die Humbert Humbert in ihr sieht. Er verklärt sie, wie so viele den geliebten Menschen verklären. Genau das ist aber in seinem Fall ein Verbrechen: Er gibt dem Kind, dem Mädchen Dolores, nie eine Chance sie selbst zu sein, sondern macht sie zu verführerischen Lolita, zur Projektionsfläche seiner Leidenschaften.</p>
<p>Dieser dämonische Mechanismus der Liebe wurde nie genauer dargestellt als in diesem Buch. Schon deshalb ist <em>Lolita</em> zu Recht zu einer weltweit geläufigen Chiffre geworden. Doch richtig verstanden steht sie nicht für die Verführungskraft junger Mädchen, sondern für die Grausamkeit, im geliebten Menschen nicht den zu sehen, der er ist, sondern den, nachdem es einen verlangt. Von solcher psychologischer Hellsicht und Darstellungskraft können die Skandalromane unserer Tage, die vom Lolita-Effekt zu zehren versuchen, nur träumen.</p>
<p><a id="zoomlink"><img id="cover_image" src="http://bilder.buecher.de/produkte/32/32707/32707337n.jpg" alt="Lolita - Nabokov, Vladimir" /></a><a id="zoomlink"><img id="cover_image" src="http://bilder.buecher.de/produkte/33/33442/33442975n.jpg" alt="Lolita. Film Tie-In - Nabokov, Vladimir" /></a><a id="zoomlink"><img id="cover_image" src="http://bilder.buecher.de/produkte/07/07620/07620782n.jpg" alt="Lolita - Nabokov, Vladimir" /></a><a id="zoomlink"><img id="cover_image" src="http://bilder.buecher.de/produkte/26/26524/26524133n.jpg" alt="Lolita - Nabokov, Vladimir" /></a><a id="zoomlink"><img id="cover_image" src="http://bilder.buecher.de/produkte/34/34505/34505666n.jpg" alt="Lolita - Nabokov, Vladimir" /></a><a id="zoomlink"><img id="cover_image" src="http://bilder.buecher.de/produkte/28/28084/28084630n.jpg" alt="Lolita - Nabokov, Vladimir" /></a><a id="zoomlink"><img id="cover_image" src="http://bilder.buecher.de/produkte/20/20811/20811314n.jpg" alt="Lolita, English edition - Nabokov, Vladimir" /></a><a id="zoomlink"><img id="cover_image" src="http://bilder.buecher.de/produkte/21/21288/21288108n.jpg" alt="Lolita - Nabokov, Vladimir" /></a></p>
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		<title>Maxim Billers Quartalsschwachsinn</title>
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		<pubDate>Sun, 02 Oct 2011 12:08:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Personen]]></category>
		<category><![CDATA[Gruppe 47]]></category>
		<category><![CDATA[Helene Hegemann]]></category>
		<category><![CDATA[Ichzeit]]></category>
		<category><![CDATA[Maxim Biller]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Herrndorf]]></category>

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		<description><![CDATA[Keine Ichzeit Als sich Maxim Biller einmal gründlich verhob und glaubte, die deutsche Literatur fest im Griff zu haben. Gern würde ich Trotzkopf Maxim Biller ja irgendwie mögen. Ich gebe mir auch immer wieder Mühe. Aber er macht es einem &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=25">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2><strong>Keine Ichzeit</strong></h2>
<h3><strong>Als sich Maxim Biller einmal gründlich verhob und glaubte, die deutsche Literatur fest im Griff zu haben. </strong></h3>
<p>Gern würde ich Trotzkopf Maxim Biller ja irgendwie mögen. Ich gebe mir auch immer wieder Mühe. Aber er macht es einem nicht leicht. Vor allem, wenn er wieder mal einen seiner Anfälle von Quartalsschwachsinn hat.</p>
<p><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2011/10/BuchBilder-042.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-26" title="BuchBilder 042" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2011/10/BuchBilder-042-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a></p>
<p>Heute vermisst er in der FAS großräumig &#8220;die Epoche, in der wir schreiben&#8221; und tauft sie &#8220;Ichzeit&#8221;. Falls ich alles richtig verstanden habe, ist es in seinen Augen das Kennzeichen unserer Epoche, dass die großen Autoren in ihren Büchern ihre &#8220;ganze verletzende und verletzliche Person stolz ins grelle öffentliche Licht&#8221; rücken. Biller hält das für richtig, weil dies derzeit ohnehin jeder täte, denn die Selbstbesessenheit werde &#8220;heutzutage auch beim normalsten Facebook-Nutzer durch die Medienlupe bis ins Monströse vergrößert.&#8221;</p>
<p>Gut und schön, offenbar glaubt Biller, in der Affirmation läge das Glück der Literatur. Das sei ihm gegönnt &#8211; mindestens ebenso wie sein alter Fimmel, falsche Superlative (&#8220;normalst&#8221;) für lustig zu halten.</p>
<p>Aber zum einen sind die Kriterien, die er für seine These nennt, so weit und unscharf gefasst, dass sie die halbe Weltliteratur umfassen: &#8220;Fast jedes der bedeutenden deutschen Bücher der vergangenen Jahre kommt in der ersten Person Singular daher &#8211; oder zumindest ist der Protagonist dem Autor zum Verwechseln ähnlich.&#8221; Zum anderen sind die Bücher, die er als Belege für seine These aus den letzten 25 Jahren herbeizitiert, derart willkürlich ausgewählt, dass sie alles und nichts beweisen.</p>
<p>Um nur ein Beispiel zu nennen: Der wunderbare Roman <em>Tschick</em> von Wolfgang Herrndorf ist reine Erfindungs-Literatur, ist eben nicht authentisch, sondern eine perfekte Fiktion, aus der sich der Autor persönlich heraushält. Herrndorf erschafft diese Fiktion, er selbst kommt nicht darin vor &#8211; nur seine Haltung zur Welt tritt in Erscheinung.</p>
<p>Wenn Billers Ansicht nach <em>Tschick</em> ein Beispiel für die Literatur der &#8220;Ichzeit&#8221; sein soll, daneben aber auch Helene Hegemanns <em>Roadkill</em>, dann kann einfach alles und jedes Literatur der Ichzeit sein. Ansonsten zieht er noch ein bisschen über die Literatur der Gruppe 47 und die 68igern her, doch es gibt derzeit wohl kaum etwas, das noch abgeschmackter, abgegriffener und altbackener ist als das Gruppe-47-und-68iger-Bashing. Was Biller jenseits von Honorar und Eitelkeit dazu treibt, derart dünne Laubsägearbeiten von sich zu geben, ist mir ein Rätsel. Das Ganze liest sich noch nicht einmal schwungvoll oder provokativ. Sondern langatmig und &#8211; eben &#8211; selbstbesessen. Ein Alterswerk.</p>
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