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	<title>Die Büchersäufer. Ein Blog von Uwe Wittstock &#187; Heinrich Heine</title>
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	<description>Über Literatur und Literaten</description>
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		<title>Die Bücher-Bar 4 / Eine Kolumne</title>
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		<pubDate>Sat, 27 Jun 2020 14:49:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher-Bar / Eine Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Cholera]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Drosten]]></category>
		<category><![CDATA[Corona]]></category>
		<category><![CDATA[Daniel Defoe]]></category>
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		<description><![CDATA[Was bleibt uns in Zeiten der Krise? Die Bücher! Das Lesen! Und das Reisen im Kopf. Der Büchersäufer stellt hier Bücher vor, die er mit Genuss bis zur Neige geleert, oder an denen er lieber nur kurz genippt hat. Heute: &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=2473">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Was bleibt uns in Zeiten der Krise? Die Bücher! Das Lesen! Und das Reisen im Kopf.</h2>
<h2>Der <em>Büchersäufer</em> stellt hier Bücher vor, die er mit Genuss bis zur Neige geleert, oder an denen er lieber nur kurz genippt hat.</h2>
<h2>Heute: Der <em>Büchersäufer </em>macht sich Sorgen über die Seuchenanfälligkeit der Verlage und hat einen Vorschlag</h2>
<h1><strong>Nachdenken über das tödlichste Tier der Welt</strong></h1>
<div id="attachment_2474" class="wp-caption alignleft" style="width: 198px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?attachment_id=2474" rel="attachment wp-att-2474"><img class="size-medium wp-image-2474" alt="Heinrich Heine: Ich rede von der Cholera. Hoffmann und Campe. 59 Seiten. 14 Euro" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2020/06/59202487z-188x300.jpg" width="188" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Heinrich Heine: Ich rede von der Cholera. Hoffmann und Campe. 59 Seiten. 14 Euro</p></div>
<p>Die Verlage stürzen sich derzeit auf die großen Seuchen, dass es eine Pracht ist. Nach Dutzenden von aktuellen Corona-Büchern, kommen jetzt die historischen Pandemien dran. Von Daniel Defoe erscheint das 300 Jahre alte Buch über „Die Pest in London“ (Jung &amp; Jung, 25 Euro). Von Heinrich Heine seine knapp 190 Jahre alte Reportage „Ich rede von der Cholera“ (Hoffmann und Campe, 14 Euro). Dazu Erinnerungen an die 100 Jahre alte Spanische Grippe von Harald Salfellner (Vitalis, 24,30 Euro) und Wilfried Witte (Wagenbach, 12 Euro).</p>
<p>Für jedes Seuchen-Interesse ist gesorgt. Ob sie nun ein Buch haben wollen über „Pest und Corona“ (Herder Verlag, 18 Euro) oder eines über „Pest und Cholera“ (Unionverlag, 12,95 Euro), ob über „Grippe, Pest und Cholera“ (Steiner Verlag, 24,90 Euro) oder über „Grippe, Cholera und Pest“ (BoD, 10 Euro).  Sogar medizinisch gewagte Neukombinationen werden erprobt wie „Das Tagebuch eines Geistlichen während der Cholerapest zu Saratow“ (BoD, 10 Euro) oder „Die Scharlachpest“ (BoD, 12,90 Euro).</p>
<div id="attachment_2475" class="wp-caption alignright" style="width: 199px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?attachment_id=2475" rel="attachment wp-att-2475"><img class="size-medium wp-image-2475" alt="Daniel Defoe: Die Pest in London. Übersetzung: Rudolf Schaller. Verlag Jung &amp; Jung. 386 Seiten. 25 Euro" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2020/06/59191715z-189x300.jpg" width="189" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Daniel Defoe: Die Pest in London. Übersetzung: Rudolf Schaller. Verlag Jung &amp; Jung. 386 Seiten. 25 Euro</p></div>
<p>Ich weiß nicht, was Christian Drosten dazu sagt. Aber um mal den Gerechtigkeitsgedanken ins Spiel zu bringen: Bei so viel Aufmerksamkeit für Seuchen müssen sich, denke ich mir, die übrigen Leiden und Gebrechen ziemlich zurückgesetzt vorkommen. Sicher, der im Buchgeschäft wichtige Gruselfaktor ist bei Seuchen besonders hoch, weil die Opfer schnell nach Millionen zählen. Aber auch in dieser Hinsicht wäre es leichtfertig, nur auf Pest &amp; Co. zu setzen.</p>
<p>Nehmen wir zum Beispiel das gefährlichste Tier der Welt, die Mücke, die Malaria überträgt. Sie infiziert pro Jahr rund 200 Millionen Menschen, über eine Million davon sterben. Pro Jahr.</p>
<p>Natürlich ist der Buchmarkt an den Chancen, die so eine Dauerkatastrophe bietet, nicht achtlos vorübergegangen. Vor acht Jahren schrieb die Autorin Carmen Stephan einen Roman über die Krankheit, und zwar aus der Perspektive der Mücke, die gerade eine junge Frau angesteckt hat: „Mal Aria“ (Fischer, 9,99 Euro). Wäre das nicht ein Tipp für die aktuelle Corona-Literatur? Den Krimi aus Virus-Perspektive gibt es noch nicht. Christian Drostens erster Fall! Garantierter Bestseller. Herr Drosten, übernehmen Sie!</p>
<div id="attachment_2476" class="wp-caption alignleft" style="width: 207px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?attachment_id=2476" rel="attachment wp-att-2476"><img class="size-medium wp-image-2476" alt="Carmen Stephan: &quot;Mal Aria&quot;. Roman. Fischer Taschenbuch. 9,99 Euro" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2020/06/38080878n-197x300.jpg" width="197" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Carmen Stephan: &#8220;Mal Aria&#8221;. Roman. Fischer Taschenbuch. 9,99 Euro</p></div>
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		<title>Sensationell: Goethe, Heine und Mann in eine Talk-Show zu Shakespeare und Cervantes</title>
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		<pubDate>Mon, 02 May 2016 10:49:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Personen]]></category>
		<category><![CDATA[Über Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Heinrich Heine]]></category>
		<category><![CDATA[Johann Wolfgang von Goethe]]></category>
		<category><![CDATA[Miguel de Cervantes]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Mann]]></category>
		<category><![CDATA[William Shakespeare]]></category>

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		<description><![CDATA[Miguel de Cervantes und William Shakespeare oder: Was mit Rittern und so&#8230; Als rasendem investigativen Literaturreporter fiel mir die Aufzeichnung einer bislang noch nicht gesendeten Talk-Show aus Anlass des 400. Todestages von Miguel de Cervantes und William Shakespeare in die &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=1754">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>Miguel de Cervantes und William Shakespeare oder: Was mit Rittern und so&#8230;<br />
</strong></h1>
<h2><strong>Als rasendem investigativen Literaturreporter fiel mir die Aufzeichnung einer bislang noch nicht gesendeten Talk-Show aus Anlass des 400. Todestages von Miguel de Cervantes und William Shakespeare in die Hände. Sensationelles Material, denn die Gäste dieser Talk-Show sind drei der besten und bekanntesten Schriftsteller der deutschen Literaturgeschichte: Goethe, Heinrich Heine und Thomas Mann! Ich zögere natürlich nicht, diesen hoch brisanten Beitrag zur Fernsehkultur hier zu leaken und damit nachträglich dem Jubiläum und der beiden Schriftsteller zu gedenken. Die Abschrift folgt, ganz großes Ehrenwort, Wort für Wort der Aufzeichnung.</strong></h2>
<p>Wir befinden uns in einem Fernsehstudio mit vier schweren Ledersesseln. Der Moderator, so um die Dreißig, geht an den Kameras vorbei auf den letzten freien Sessel zu und begrüßt die Zuschauer seiner Talk-Show:</p>
<p><strong>Moderator:</strong> Hallo Leute! Vor 400 Jahren hatte die Literatur einen echt superschwarzen Tag. Am 23. April 1616 gingen gleich zwei der größten Dichter aller Zeiten in die ewigen Jagdgründe der Poesie ein: Miguel de Cervantes und William Shakespeare. Der eine hat den Bestseller „Don Quijote“ geschrieben, mit Rittern und so, der andere lauter Theaterstücke. Manche auch mit Rittern. Um über die beiden alten Knaben zu reden, haben wir drei supertolle Schriftsteller eingeladen: äh&#8230; (liest von seinen Notizen ab) Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Heinrich Heine (1797-1856) und Thomas Mann (1875-1955)&#8230;</p>
<div id="attachment_1755" class="wp-caption alignright" style="width: 383px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2016/05/CHANDOS3.jpg"><img class="size-full wp-image-1755" title="CHANDOS3" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2016/05/CHANDOS3.jpg" alt="" width="373" height="480" /></a><p class="wp-caption-text">Das sogenannte Chandos-Porträt von William Shakespeare, um 1610</p></div>
<p><strong>Thomas Mann</strong> (unterbricht): Verzeihen Sie, junger Mann, eine winzige Korrektur, die Sie mir wohl nachsehen wollen: Cervantes Stunde schlug am 23. April nach dem gregorianischen Kalender – und damit zehn Tage vor der Shakespeares, der am 23. April nach dem julianischen Kalender starb. Wenn es also nur die Koinzidenz der Daten war, die Sie unseren kleinen Gesprächszirkel einberufen ließ, sollten wir die Runde rasch aufheben.</p>
<p>(Goethe, Heine, Mann stehen auf, wollen das Studio verlassen)</p>
<p><strong>Moderator</strong> (verdattert): Also nein&#8230; Sie können doch nicht &#8230; Wir sind live!</p>
<p><strong>Johann Wolfgang von Goethe:</strong> Live?</p>
<p><strong>Moderator:</strong> Ja, Millionen schauen uns zu! Jetzt! Millionen, die Ihre Bücher in der Schule gelesen haben.</p>
<p><strong>Heinrich Heine:</strong> In der Schule? Die Ärmsten.</p>
<p>(Goethe, Heine, Mann lassen sich wieder in ihre Sessel fallen.)</p>
<div id="attachment_1756" class="wp-caption alignleft" style="width: 340px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2016/05/330px-Cervates_jauregui.jpg"><img class="size-full wp-image-1756" title="330px-Cervates_jauregui" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2016/05/330px-Cervates_jauregui.jpg" alt="" width="330" height="433" /></a><p class="wp-caption-text">Es gibt leider kein gesichertes Porträt von Cervantes. Es wird aber allgemein angenommen, dass dieses Porträt Cervantes zeigt</p></div>
<p><strong>Moderator</strong> (erleichtert): Herr Goethe. Stichwort: Theater. Sie haben ja auch Stücke geschrieben. Mit Rittern oder so. Da war Shakespeare bestimmt eine Super-Inspiration für Sie?</p>
<p><strong>Goethe</strong>: <em>Die erste Seite, die ich in ihm las, machte mich auf Zeitlebens ihm eigen, und wie ich mit dem ersten Stücke fertig war, stund ich wie ein Blindgeborener, dem eine Wunderhand das Gesicht in einem Augenblicke schenkt.</em></p>
<p><strong>Moderator</strong>: Das Gesicht?</p>
<p><strong>Heine</strong>: Geheimrat Goethe meint: Augen, Sehkraft! Sie Schwachkopf.</p>
<p><strong>Moderator</strong>: Ach so. Und Cervantes? Hat der Sie auch dermaßen umgehauen?</p>
<p><strong>Goethe</strong>: Ich habe <em>an den Novellen des Cervantes einen wahren Schatz gefunden, sowohl der Unterhaltung als der Belehrung. Wie sehr freut man sich, wenn man das anerkannte Gute auch anerkennen kann.</em></p>
<p><strong>Mann</strong> (zum Moderator): Sie sollten, junger Mann, nicht übersehen, welch bedeutende Verknüpfung zwischen dem Dichter eines Abenteuers wie Don Quijote und dem unsterblichen Barden der Briten besteht: Denn es gilt <em>zu bedenken, dass Shakespeare nur auf unvergleichlich geniale Weise tat, was vor ihm viele auf eine sehr simple und mechanische Weise getan hatten. Das Drama entstand, indem man den von Handlung wuchernden Abenteuerroman für die leibliche Vorstellung auf der Schaubühne übersetzte.</em></p>
<p><strong>Heine</strong>: <em>Der Spaniern gebührt der Ruhm, den besten Roman hervorgebracht zu haben, wie man den Engländern den Ruhm zusprechen muss, dass sie im Drama das Höchste geleistet. Und den Deutschen, welche Palme bleibt ihnen übrig? Nun, wir sind die besten Liebesdichter dieser Erde. Cervantes, Shakespeare und Goethe bilden das Dichtertriumvirat, das in den drei Gattungen poetischer Darstellung, im Epischen, Dramatischen und Lyrischen, das Höchste hervorgebracht.</em></p>
<p>(Heine nickt Goethe zu, Goethe erwidert das Nicken huldvoll)</p>
<p><strong>Moderator</strong>: Die TopDrei der Literaturgeschichte! Super! Ich hab vor der Sendung mal reingelesen in diesen „Don Quijote“. Ist ja mehr so ein Mittelalter-Nerd als ein Ritter. Was ist so toll an ihm, Herr Mann?</p>
<p><strong>Mann</strong>: Das Buch <em>zeigt, wie aus bescheidener Konzeption, einer lustig lebensgesegneten Satire, bei welcher der Dichter sich ursprünglich nicht viel gedacht hat, ein Volks- und Menschheitsbuch wird. Don Quijote ist zwar närrisch, doch nicht im mindesten unklug, was freilich der Dichter selbst im voraus nicht so recht gewusst hat. Seine Achtung vor dem Geschöpf seiner eigenen komischen Erfindung ist während der Erzählung ständig im Wachsen, &#8211; dieser Prozess ist vielleicht das Fesselndste am ganzen Roman.</em></p>
<p><strong>Moderator</strong>: Was? Dieser Cervantes hat erst beim Schreiben kapiert, sie super sein Don Quijote ist? Echt wahr? Aber Shakespeare, the King of Drama, hatte seine Figuren besser Griff?</p>
<p><strong>Heine</strong>: Im Gegenteil. <em>Der große Brite ist nicht bloß Dichter, sondern auch Historiker. Die Aufgabe Shakespeares war nicht bloß die Poesie, sondern auch die Geschichte. Er konnte die gegebenen Stoffe nicht willkürlich modeln, er konnte nicht die Ereignisse und Charaktere nach Laune gestalten. Dennoch: In dieses Geschichtsdramen strömt die Poesie reichlicher und gewaltiger und süßer als in den Tragödien jener Dichter, die ihre Fabeln entweder selbst erfinden oder nach Gutdünken umarbeiten.</em></p>
<p><strong>Mann</strong>: Shakespeare, das ist <em>der ungeheuerste Fall von Dichtertum, den die Erde sah. So besaß er ohne Zweifel, wie er alles besaß, auch Erfindung. Aber noch sicherer ist, dass er nicht viel Gewicht darauf legte und nicht viel Gebrauch davon machte. Hat er je eine Fabel erfunden? Auch die krausen Intrigen seiner Lustspiele sind nicht von ihm erdacht. Er arbeitete nach alten Theaterstücken, nach italienischen Novellen. Er fand viel lieber, als dass er erfand<br />
</em></p>
<p><strong>Moderator</strong>: Klar, super Typ, dieser Shakespeare. Aber übertreiben Sie nicht? Es gibt jede Menge Fehler in seinen Stücken. Können Sie mal bei Wikipedia nachlesen. (schaut triumphierend)</p>
<p><strong>Mann</strong>: Wiki&#8230; Wer bitte?</p>
<p><strong>Heine</strong> (wütend): <em>Überall Kleinigkeitskrämerei, selbstbespiegelnde Seichtigkeit, gelehrter Aufgeblasenheit, die vor Wonne fast zu platzen droht, wenn sie dem armen Dichter irgendeinen antiquarischen, geographischen oder chronologischen Schnitzer nachweisen.</em></p>
<p><strong>Goethe</strong>: <em>Niemand hat das materielle Kostüm mehr verachtet als Shakespeare. Er kennt recht gut das innere Menschenkostüm, und hier gleichen sich alle. Man sagt, er habe die Römer vortrefflich dargestellt. Ich finde es nicht. Es sind lauter eingefleischte Engländer. Aber freilich Menschen sind es, Menschen von Grund aus, und denen passt wohl auch die römische Toga. Hat man sich einmal hierauf eingerichtet, so findet man seine Anachronismen höchst lobenswürdig, und gerade dass er gegen das äußere Kostüm verstößt, das ist es, was seine Werke so lebendig macht.</em></p>
<p><strong>Moderator</strong>: Also echt Leute, das sollen die Größten in eurem Gewerbe sein? Der eine kapiert erst beim Schreiben, was er schreibt. Der andere wird für seine Fehler gelobt?</p>
<p><strong>Mann</strong>: Junger Mann, Ihr Vorwurf lässt Ihre Ahnungslosigkeit erkennen. <em>Man muss an dieser Stelle begreifen, dass es eine objektive Erkenntnis im Reiche der Kunst überhaupt nicht gibt, sondern nur eine intuitive.</em></p>
<p><strong>Heine</strong> (fixiert den Moderator): <em>Natürlich verzeihe ich meinen Feinden. Aber erst an dem Tag, an dem ich sie hängen sehe.</em></p>
<p><strong>Mann</strong> (fixiert den Moderator): Vergessen Sie nicht junger Mann: <em>Ein Künstler muss in derselben Verfassung an sein Werk gehen, in der der Verbrecher seine Tat begeht.</em></p>
<p><strong>Goethe</strong> (fixiert den Moderator): <em>Schlagt ihn tot, den Hund! Es ist ein Rezensent.</em></p>
<p><strong>Moderator</strong> (schwitzt, seine Karteikarten fallen ihm aus der Hand, hektisch): Vielen Dank, ich freue mich, dass Sie in unserer Sendung waren.</p>
<p>Bei Abschrift der Sendung fiel mir auf, dass die Herren Goethe, Heine, Mann in ihren Antworten wörtlich auf Gedanken ihrer Essays zurückgriffen. Um die übernommenen Sätze kenntlich zu machen, haben ich die Zitate kursiv gedruckt.</p>
<p>Aufgezeichnet von Uwe Wittstock</p>
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		<title>Zum ihrem gemeinsamen Geburstag: Robert Gernhardt über Heinrich Heine</title>
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		<pubDate>Sun, 13 Dec 2015 12:46:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Personen]]></category>
		<category><![CDATA[Poesie]]></category>
		<category><![CDATA[Heinrich Heine]]></category>
		<category><![CDATA[Robert Gernhadt]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Es bleibt nur das schöne, gelle Lachen&#8221; Exakt 140 Jahre liegen zwischen ihnen: Zur Erinnerung an zwei große Dichter, die beide am 13. Dezember geboren wurden: Ein Gespräch mit Robert Gernhardt über Heinrich Heine, dessen Komik und dessen Hass, das &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=1493">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>&#8220;Es bleibt nur das schöne, gelle Lachen&#8221;</strong></h1>
<h2><strong><strong>Exakt 140 Jahre liegen zwischen ihnen</strong>: Zur Erinnerung an zwei große Dichter, die beide am 13. Dezember geboren wurden: Ein Gespräch mit Robert Gernhardt über Heinrich Heine, dessen Komik und dessen Hass, das Vorurteil die Deutschen seien unkomisch sowie die Frage, weshalb es leichter ist, in großen Städten witzig zu sein. Geführt wurde das Gespräch mit Gernhardt im Februar 2006, knapp 5 Monate vor seinem Tod<br />
</strong></h2>
<p><strong>Uwe Wittstock:</strong> War Heine ein komischer Dichter?<strong><br />
</strong></p>
<div id="attachment_1494" class="wp-caption alignright" style="width: 350px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/12/36264950z.jpg"><img class="size-full wp-image-1494" title="36264950z" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/12/36264950z.jpg" alt="" width="340" height="305" /></a><p class="wp-caption-text">Robert Gernhadt: &quot;In Zungen reden. Stimmimitationen von Gott bis Jandl&quot; (Enthält auch Parodien von Gernhardt auf die Lyrik von Heinich Heine) 2 CDs. Der Hörverlag. 12,99 Euro</p></div>
<p><strong>Robert Gernhardt:</strong> Dieser Begriff führt in die Irre. Heine war ein Dichter, der auch komische Gedichte geschrieben hat, aber kein komischer Dichter. Das trifft auf die meisten der in Deutschland populären Dichter des Komischen zu. Auf Heine, Wilhelm Busch, Morgenstern oder Ringelnatz. Von allen gibt es auch Gedichte, die dezidiert nicht zum Lachen sind. Aber Heine war imstande, selbst auf dem Kranken- oder Sterbebett noch ungemein komische Verse zu finden. Das lange Gedicht zum Beispiel, in dem er sich Gedanken macht über die Körperteile des Menschen: „Gott gab uns nur einen Mund,/ Weil zwei Mäuler ungesund./ Mit dem einen Maule schon/ Schwätzt zu viel der Erdensohn.“</p>
<p><strong>Wittstock:</strong> Im Zirkus heißt es oft, außerhalb der Manege sei der Clown der Traurigste von allen. Trifft dieses Vorurteil auch auf Heine zu? War dieser oft komische Dichter ein Melancholiker?<br />
<strong>Gernhardt</strong>: Heine ist nicht als komischer Autor angetreten. In seiner frühen Sammlung „Buch der Lieder“ sind die komischen Einlagen und Einwagen ja noch relativ gering. Er beginnt als Dichter eher auf der Leid- und Wehmuts-Schiene. Erst mit der Zeit wird er dreister. Auch bei der Wahl seiner Reime: Der Germanist Wilhelm Solms hat gezeigt, daß der junge Heine recht konventionelle, „süße“ Reime benutzte, der ältere Heine dagegen „Philozopf“ auf „Hirsetopf“ reimte, und „Mozart“ auf „Rotznas“. Letzteres ist ja nur noch eine Assonanz, das kann man wohl nicht mehr Reim nennen. Mir ist jedoch aufgefallen, daß im Gegenzug Heines Metrik immer raffinierter wird. Zu Anfang sind seine Gedichte fast durchgängig vierhebig, später dichtet er abwechslungsreicher, was seine Gedichte natürlich viel lesbarer macht und gelenkiger.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div id="attachment_1495" class="wp-caption alignleft" style="width: 283px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/12/44095329z.jpg"><img class="size-full wp-image-1495" title="44095329z" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/12/44095329z.jpg" alt="" width="273" height="420" /></a><p class="wp-caption-text">Heinirich Heine: &quot;Das Buch der Lieder&quot;. Nexx Verlag. 18,99 Euro</p></div>
<p><strong>Wittstock:</strong> Wenn Heine in seinem Leben so viel Grund zur Verzweiflung hatte, woher kommt seine Begeisterung für komische Effekte?<br />
<strong>Gernhardt:</strong> Ich glaube, Heine wollte sich immer zwischen alle Stühle setzen. Das war bei ihm habituell. Wenn er seine Leser in einem Gedicht mit einem rührenden Effekt gepackt hatte, dann stach ihn der Haber und er ließ den gefühlvollen Zeilen gleich die witzige Farce folgen. Das zieht sich durchs ganze Werk. Es kommt mir vor, als hätte Heine daraus geradezu ein Konzept gemacht. Er wollte nicht zu fassen, nicht festzulegen sein. Solange er in Deutschland lebte, galt er als Linker. Dann ging er nach Paris und legte sich dort mit den Linken an, mit Börne und dessen Kreisen. Er wollte sich von ihnen nicht vereinnahmen lassen, wollte nicht dazugehören, sondern als Artist Distanz zu den Nicht-Künstlern halten. Und für dieses Ziel, nicht gestellt werden zu können, sind Ausflüge ins Komisch natürlich nützlich. Die bringen alle Festlegungen oder Zuordnungen sehr effektiv durcheinander.</p>
<p><strong>Wittstock:</strong> „Und wenn das Herz im Leib ist zerrissen,/ Zerrissen, und zerschnitten, und zerstochen,/ Dann bleibt uns doch das schöne gelle Lachen.“ Schreibt Heine. Warum bleibt uns, wenn das Herz zerrissen ist, doch das Lachen?<br />
<strong>Gernhardt:</strong> Das ist vermutlich die letzte Möglichkeit, die dem Menschen gegeben ist, aus all seinem Unglück noch einen irgendwie gearteten Lustgewinn zu ziehen. Heine hat das vorgelebt. Er hat auf dem Krankenbett verzweifelte Briefe geschrieben und daneben ein Gedicht wie „Vermächtnis“, in dem er seine Krankheiten testamentarisch an seine Feinde verteilt. „Diese würdgen, tugendfesten / Widersacher sollen erben / All mein Siechtum und Verderben,/ Meine sämtlichen Gebresten.“ Ein wunderbar komischer Einfall, und ich hoffe, daß er auch selber darüber hat lachen können. Ob diese Haltung ein Vorbild sein kann für jeden von uns, für die Menschheit als solche, vermag ich nicht zu sagen. Als ich vor meiner Herzoperation in den Fahrstuhl zum OP geschoben wurde – schon unter Einfluß von Narkosemitteln – waren meine letzten Worte: „Bei so schönem Wetter sollte man eigentlich im Freien operieren“. Alle lachten und mir schwanden die Sinne. Das hätten meine allerletzten Worte sein können. Glücklicherweise ging die Sache gut aus.</p>
<p><strong>Wittstock:</strong> Heine hatte nicht nur viel Witz, sondern er hatte auch ein große Begabung zum Haß. Wie geht das zusammen: Heine, der Ironiker und Komiker mit Heine, dem Polemiker?<br />
<strong>Gernhardt:</strong> Er war kein Humorist. Er hat seine komische Kraft eingesetzt, um Ziele zu erreichen. Das konnte für ihn auch bedeuten: Kämpfe auszufechten und seine Gegner lächerlich zu machen.</p>
<p><strong>Wittstock:</strong> Eigentlich müssten es die vergnüglichen Dichter doch leichter haben beim Publikum als die traurigen. Doch Heine hatte es nie leicht mit den deutschen Lesern. Warum?<br />
<strong><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/12/23589883z.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1496" title="23589883z" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/12/23589883z.jpg" alt="Robert Gernhardt: Gesammelte Gedichte 1954-2006. S.Fischer Verlag, 16 Euro" width="321" height="475" /></a>Gernhardt:</strong> Hatte er es wirklich so schwer? Das „Buch der Lieder“ war wohl der erfolgreichste deutsche Gedichtband des 19. Jahrhunderts. Seine „Reisebilder“ sind viel gelesen worden. Als Korrespondent in Paris erklärte er in seinen Artikeln A) den Franzosen die deutschen Zustände und B) den Deutschen die französischen. Ich glaube, er hat sich immer dann Feinde gemacht, wenn er sich nicht nur mit seinen üblichen Gegnern anlegte, den Völkischen, den Reaktionären, sondern – wie im Fall Börne – auch noch mit dem eigenen Lager. Man muß sich das so vorstellen, als wenn zu Franz Josef Strauß’ Zeiten plötzlich ein bekannter Linker Thesen vertreten hätte, die auch ein Strauß hätte unterschreiben können. Dann wäre dieser Linke doch sofort heftig gezaust worden und man hätte ihm vorgeworfen, er riskiere den Beifall von der falschen Seite. Dieses Lagerdenken war zu Heines Zeiten sicherlich noch ausgeprägter. Dazu gab er sich als Anhänger Napoleons zu erkennen, weil der viel für die Emanzipation der Juden getan hatte. Im Bewußtsein der Deutschen aber war Napoleon in erster Linie der Eroberer und Besatzer. So macht man sich keine Freunde. Und zu allem Überdruß galt er auch noch als unzüchtiger Libertin.</p>
<p><strong>Wittstock:</strong> Warum ist Heine heute so beliebt?<br />
<strong>Gernhardt:</strong> Ja, inzwischen wird er von allen gelobt. Aber wenn er heute wieder erstände, würde sich das mit Sicherheit rasch ändern. Biermann und Rühmkorf, Reich-Ranicki und Raddatz sind sich untereinander nicht gerade grün, aber jeder für sich ist ein Heine-Liebhaber. Wenn Heine heute lebte und schriebe und einer der Genannten böte ihm Anlaß für eine Polemik, würde er wohl nicht zögern und loslegen. Dann bekäme diese Heine-Begeisterung möglicherweise bald die ersten Risse. Auch bei mir natürlich, sollte ich Opfer sein. Heute kostet es nichts mehr, Heine zu mögen, er kann einem nichts mehr tun.</p>
<p><strong>Wittstock:</strong> Sie haben mal nach den „Smash-Hits“ der deutschen Lyrik gefragt, also nach Gedichten, die sich wie Schlager ins Sprachbewußtsein der Deutschen eingeprägt haben. Gibt es außer „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“ solche lyrischen Smash-Hits von Heine?<br />
<strong>Gernhardt:</strong> Da ist einmal der „süße“ Heine: „Leise zieht durch mein Gemüt / liebliches Geläute…“ Und jeder gebildete Deutsche glaubt den politischen Heine zu kennen: „Denk ich an Deutschland in der Nacht,/ bin ich um den Schlaf gebracht“! Ein echter Hammer-Satz. Der hat sich allerdings auf Grund eines Mißverständnisses festgesetzt, denn Heine dachte nicht an die politischen Zustände in seinem Vaterland, sondern an seine alte Mutter.</p>
<p><strong>Wittstock:</strong> Heines Gedichte sind voller wunderschöner Mädchen, in deren „Herzchen keine Liebe glüht“. Die Biographen vermuten, daß der charmante Heine tatsächlich nur wenig Grund hatte, sich über mangelnden Erfolg bei den Frauen zu beschweren. Woher kommen in seinen Gedichten diese vielen Bilder der Zurückweisung?<br />
<strong>Gernhardt:</strong> Möglicherweise weil er die beiden großen Zurückweisungen, die am Anfang standen, nicht verkraftet hat. An seine angeschwärmten Kusinen Amalie und Therese, die Töchter seines reichen Onkels, ist er ja nicht rangekommen. Aber es gibt natürlich noch einen handwerklichen Grund: Man kann aus dem Unglück weit mehr poetischen Stoff ziehen, als aus den Glück. Das trifft ja nicht nur für die Literatur zu, sondern für alle Lebensbereiche. Wenn man aus dem Urlaub zurückkommt und erzählt: Hotel war spitze, Wetter toll, Essen super, dann will das keiner hören. Aber wenn einem ein Tsunami dazwischen kommt, stellen die Leute die Lauscher auf.</p>
<p><strong>Wittstock:</strong> Heine war Berufsschriftsteller, er hat vom Schreiben gelebt. Daß hat ihn zu vielen Gelegenheitsgedichten oder journalistischen Auftragsarbeiten gezwungen. Hat das seinem Werk geschadet?<br />
<strong>Gernhardt:</strong> Ich behaupte, nein. Er ist auch in dieser Hinsicht vorbildlich. Er hat die Grenzen zwischen Literatur oder Journalismus einfach nicht akzeptiert. Es gibt ja diese merkwürdigen manichäischen Behauptungen: Wer journalistisch schreibt, verdirbt sich seinen Stil und kann nicht mehr poetisch schreiben. Oder: Wer einmal komisch dichtet, ist für ernste Themen auf immer verloren. Darum hat sich Heine nie gekümmert, glücklicherweise, und deshalb ist es nach wie vor eine Freude, Heine zu lesen. Er war nun mal ein sehr beweglicher Geist und er ist bis heute auf keiner Seite langweilig.</p>
<p><strong>Wittstock:</strong> Oft wird der deutschen Literatur nachgesagt, sie sei ernst, trocken und humorfern. Trifft dieses Vorurteil überhaupt zu? Heine paßt zumindest nicht in dieses Schema.<br />
<strong>Gernhardt:</strong> Nein, es trifft nicht zu. Heine steht ja keineswegs allein. Er bezog sich auf Lessing, der keinem Streit aus dem Weg ging und dabei auch seinen Witz einsetzte. Aber er hätte auch Lichtenberg nennen können, dessen Witz noch heute zündet. Auch Gellert und selbst Goethe haben komische Gedichte geschrieben, die heute noch zum Lachen sind. Und nach Heine hört die Reihe der deutschen Dichter nicht mehr auf, die komische Wirkung anstreben und auch erzielen: Auf Heine folgt Wilhelm Busch, dann Morgenstern, dann Ringelnatz, dann Tucholsky, dann Brecht, dann Kästner, dann Jandl. Nein, die komische Lyrik zieht sich wie ein roter Faden durch die deutsche Literaturgeschichte der letzten 250 Jahre.</p>
<p><strong>Wittstock:</strong> Woher rührt dann dieses Vorurteil, deutsche Schriftsteller seien so unkomisch?<br />
<strong>Gernhardt:</strong> Es werden die falschen Fragen gestellt. Es wird gefragt: Haben die Deutschen solche einen komischen Roman wie den „Don Quixote“? Haben sie Lustspiele wie die von Moliere oder Shakespeare? Aber nach den komischen Gedichten fragt keiner. Außerdem gibt es in der deutschsprachigen Literatur durchaus ein paar Lustspiele: von Nestroy, von Raimund. Daß es darüber hinaus nicht allzu viele sind, liegt wohl daran, daß Deutschland lange Zeit so zersplittert war und keine Metropole hatte. In einer Metropole treffen Information, Zeitgeist, Geld, Widersprüche, anspruchsvolles Publikum zusammen, das ist gut für Komik.</p>
<p><strong>Wittstock:</strong> Es ist leichter, in großen Städten witzig zu sein als in kleinen?<br />
<strong>Gernhardt:</strong> Ja, um höchstes literarisches Komik-Niveau in großen Formen, im Lustspiel oder im Roman zu erreichen, ist eine gewisse Urbanität vonnöten. Nestroy hatte Wien, Moliere Paris, Shakespeare London. Der Autor beobachtet mehr, hat mehr Anregungen, das Publikum ist aufgeschlossener. In großen Städten prallen die Gegensätze überall und prächtig aufeinander. Und daraus lassen sich dann natürlich leichter komische Funken schlagen. Kein Wunder, daß Heine nach Paris ging, kein Wunder, daß Wilhelm Busch sein bestes und welthaltigstes Buch, „Die fromme Helene“, in Frankfurt geschrieben hat – und daß er, als er in die niedersächsische Provinz zurückging, nichts Vergleichbares mehr zustande gebracht hat.</p>
<p><em>Das Gespräch wurde am 11. Februar 2006 in der &#8220;Literarischen Welt&#8221; veröffentlicht</em></p>
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