<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Die Büchersäufer. Ein Blog von Uwe Wittstock &#187; Ernst Rowohlt</title>
	<atom:link href="http://blog.uwe-wittstock.de/?feed=rss2&#038;tag=ernst-rowohlt" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://blog.uwe-wittstock.de</link>
	<description>Über Literatur und Literaten</description>
	<lastBuildDate>Mon, 11 May 2026 08:37:49 +0000</lastBuildDate>
	<language>de-DE</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.5</generator>
		<item>
		<title>Kurt Wolff &#8211; ein großer Verleger der deutschen Literatur</title>
		<link>http://blog.uwe-wittstock.de/?p=1648</link>
		<comments>http://blog.uwe-wittstock.de/?p=1648#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 03 Mar 2016 11:42:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Personen]]></category>
		<category><![CDATA[Über Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[André Schiffrin]]></category>
		<category><![CDATA[Anne Morrow Lindbergh]]></category>
		<category><![CDATA[Arnold Zweig]]></category>
		<category><![CDATA[Boris Pasternak]]></category>
		<category><![CDATA[Carl Sternheim]]></category>
		<category><![CDATA[Else Lasker-Schüler]]></category>
		<category><![CDATA[Ernst Rowohlt]]></category>
		<category><![CDATA[Franz Kafka]]></category>
		<category><![CDATA[Franz Werfel]]></category>
		<category><![CDATA[Georg Heym]]></category>
		<category><![CDATA[Georg Trakl]]></category>
		<category><![CDATA[Gottfried Benn]]></category>
		<category><![CDATA[Günter Grass]]></category>
		<category><![CDATA[Gustav Meyrink]]></category>
		<category><![CDATA[Heinrich Mann]]></category>
		<category><![CDATA[Helen Wolff]]></category>
		<category><![CDATA[Jacques Schiffrin]]></category>
		<category><![CDATA[Johannes R. Becher]]></category>
		<category><![CDATA[Jurek Becker]]></category>
		<category><![CDATA[Karl Jaspers]]></category>
		<category><![CDATA[Karl Kraus]]></category>
		<category><![CDATA[Kurt Pinthus]]></category>
		<category><![CDATA[Kurt Wolff]]></category>
		<category><![CDATA[Max Frisch]]></category>
		<category><![CDATA[Robert Walser]]></category>
		<category><![CDATA[Samuel Fischer]]></category>
		<category><![CDATA[Siegfried Unseld]]></category>
		<category><![CDATA[Umberto Eco]]></category>
		<category><![CDATA[Uwe Johnson]]></category>
		<category><![CDATA[Walter Benjamin]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blog.uwe-wittstock.de/?p=1648</guid>
		<description><![CDATA[Aufbruch, Aufbruch, immer wieder Aufbruch Kurt Wolff war der wichtigste Verlege des deutschen Expressionismus, einer der bedeutendsten Verleger der deutschen Literaturgeschichte. Heute könnte er seinen Geburtstag feiern, Grund genug an ihn und seine Arbeit zu erinnern, aber auch an seine &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=1648">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>Aufbruch, Aufbruch, immer wieder Aufbruch</strong></h1>
<h2><strong>Kurt Wolff war der wichtigste Verlege des deutschen Expressionismus, einer der bedeutendsten Verleger der deutschen Literaturgeschichte. Heute könnte er seinen Geburtstag feiern, Grund genug an ihn und seine Arbeit zu erinnern, aber auch an seine Frau Helen Wolff, die mit ihm gemeinsam Großartiges geleistet hat, wenn es darum ging, deutsche Literatur nach Amerika zu vermitteln. Ein Loblied.<br />
</strong></h2>
<p>Ja, wenn man solche Postkarten bekommt! Da muss das Verlegerleben doch die reine Lust sein. „Sehr geehrter Verlag“, steht da in geschwungener, klarer Handschrift, „gleichzeitig schicke ich Ihnen express-rekommand das Manuskript der ‚Strafkolonie’ mit einem Brief. Hochachtungsvoll ergeben Dr. Kafka. 19/XI/18.“</p>
<p><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2016/03/11559892689.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1649" title="11559892689" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2016/03/11559892689.jpg" alt="Franz Kafkas Erzählung &quot;Die Verwandlung&quot;, 1915 veröffentlicht im Verlag Kurt Wolff" width="270" height="397" /></a>So bescheiden und unprätentiös eine der berühmtesten und meistgelesenen Erzählungen des 20. Jahrhunderts frei Haus geliefert zu kriegen – kann es für einen Verleger größeres Glück geben? Welche Sorgen sollten ihn da noch drücken? Doch leider sind die Realitäten des Verlagsgeschäfts andere.</p>
<p>Kafkas Postkarte war 2007  Teil einer Ausstellung zu Ehren Kurt Wolffs in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main. Sie war nicht zuletzt ein Resultat des Bemühens, für die Verlagsgeschichte etwas zu erreichen, was für die vor den Nazis ins Exil geflohenen Schriftsteller schon vor Jahrzehnten geleistet wurde: Sie wieder mit ihrer ganzen Lebensleistung als Teil deutscher Literaturgeschichte bewusst zu machen.</p>
<p>Kurt Wolff, am 3. März 1887 in Bonn geboren, wuchs in einer bildungsgesättigten Atmosphäre auf, von der man heute nur noch träumen kann. Der Vater war Professor und Musikdirektor der Stadt, die Mutter, die früh starb und dem Sohn ein Vermögen hinterließ, entstammte einer alten jüdischen Familie, die zum Freundesumkreis der Familie Goethes zählte.</p>
<div id="attachment_1650" class="wp-caption alignleft" style="width: 138px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2016/03/22490265z.jpg"><img class="size-full wp-image-1650" title="22490265z" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2016/03/22490265z.jpg" alt="" width="128" height="180" /></a><p class="wp-caption-text">Herausgeber: Barbara Weidle, Ursula Seeber: &quot;Kurt Wolff - Ein Literat und Gentleman&quot;. Begleitbuch zur Frankfurter Ausstellung 2007. Weidle Verlag, 25 Euro</p></div>
<p>Als Wolff – gerade mal 23jährig – mit Ernst Rowohlt seinen ersten Verlag gründete, verfügte er über souveräne Kenntnissen in Musik, Kunst, Literatur, hatte bereits literaturhistorische Bücher ediert und eine kostbare 12.000 Bände zählende Bibliothek mit Erstausgaben aufgebaut.</p>
<p>Selbst die größten Verleger sind selten länger als zehn, zwanzig Jahre auf dem Höhepunkt ihrer Fähigkeiten. In dieser Zeit verstehen sie es, wie die Beispiele von Samuel Fischer bis Siegfried Unseld zeigen, wichtige Autoren ihrer Generation an sich zu bindenden, bevor dann die nächste Generation nachrückt, zu der sie nur selten noch fruchtbare Kontakte herstellen können.</p>
<p>Die Ungunst der Epoche wollte es, das Kurt Wolff diesen Gipfel seiner Ausstrahlungskraft schon früh, als noch unerfahrener Mann und dazu in wirtschaftlich katastrophalen Zeiten erreichte. Er war nur 25 Jahre alt, als er sich 1912 von Rowohlt trennte, zwei der hellhörigsten jungen Literaten der Zeit, Kurt Pinthus und Franz Werfel, als Lektoren einstellte und mit uferloser Energie über den Buchmarkt herfiel.</p>
<div id="attachment_1651" class="wp-caption alignright" style="width: 136px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2016/03/22816991z.jpg"><img class="size-full wp-image-1651" title="22816991z" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2016/03/22816991z.jpg" alt="" width="126" height="180" /></a><p class="wp-caption-text">Wolfram Göbel: &quot;Der Kurt Wolff Verlag&quot;. Allitera Verlag 2007. 42 Euro</p></div>
<p>Schon im ersten Jahr als alleinverantwortlicher Verleger produzierte er mehr Titel als der bislang bedeutendste Großverlag S.Fischer. Wie ein Magnet zog Wolff die wichtigsten Autoren des literarischen Expressionismus an sich. Bei ihm erschien alles, was bis heute die Literaturgeschichte dieser Zeit prägt: Werfel, Trakl, Georg Heym, Else Lasker-Schüler, Karl Kraus, Robert Walser, Arnold Zweig. Allein 1916 kamen Bücher heraus von Kafka, Carl Sternheim, Werfel, Gottfried Benn und Johannes R.Becher, dazu der Bestseller „Golem“ von Gustav Meyrink. Gleichsam auf Vorrat hatte Wolff im selben Jahr den während des Ersten Weltkriegs wegen der Zensur undruckbaren Roman „Der Untertan“ von Heinrich Mann eingekauft.</p>
<p>Doch so blitzartig Wolffs Aufstieg war, so rapide war sein Absturz. Die meisten seiner Autoren, darunter Kafka, fanden zunächst kaum Leser. Dennoch kaufte Wolff, wie manisch getrieben, zahlreiche andere Verlage, wechselte mehrfach den Hauptsitz seiner Firma, produzierte kostspielige Kunstbände, obwohl sich der Buchmarkt nach dem Ersten Weltkrieg und während der Inflationszeit im freien Fall befand.</p>
<div id="attachment_1652" class="wp-caption alignleft" style="width: 105px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2016/03/12399950m.jpg"><img class="size-full wp-image-1652" title="12399950m" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2016/03/12399950m.jpg" alt="" width="95" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Kurt Wolff: &quot;Autoren - Bücher - Abenteuer. Betrachtungen und Erinnerungen eines Verlegers&quot;. Verlag Klaus Wagenbach 2004. 9,90 Euro</p></div>
<p>Der Rheinländer Wolff war eher zu emphatischen Aufbrüchen begabt – darin vielen seiner expressionistischen Autoren verwandt – als dazu, seinen Unternehmungen Kontinuität und Dauer zu verleihen. Schon nach 1920 publizierte er kaum noch literarische Titel und als er seinen Verlag 1930 mit Anfang Vierzig aufgeben musste, hatte er sein Vermögen und große Teile der Mitgift seiner ersten Frau aufgebraucht.</p>
<p>Zusammen mit seiner zweiten Frau Helen floh er 1941 vor den Nazis nach New York, und gründete dort den Verlag Pantheon Books. Zu ihnen stieß ein anderer Exilant, der in Russland geborene Jacques Schiffrin, der in Frankreich die weltberühmte Sammlung „La Pléiade“ aus der Taufe gehoben hatte, die bis heute vom Verlag Gallimard fortgeführt wird. Zusammen spezialisierten sie sich darauf, große europäische Literatur auf den amerikanischen Buchmarkt zu bringen, auch wenn die keine großen Markterfolge garantierte. „Doch wie auch immer die aktuellen Verkaufsziffern ausfielen“, schrieb später Jacques Schiffrins Sohn André, „die Büroräume des Verlags am Washington Square bildeten für die Emigranten in New York eine Oase der Glückseligkeit, stilvoll in einer der prachtvollen Stadtvillen untergebracht, die früher die Südseite des Parks begrenzten.“</p>
<div id="attachment_1653" class="wp-caption alignright" style="width: 292px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2016/03/00753378z.jpg"><img class="size-full wp-image-1653" title="00753378z" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2016/03/00753378z.jpg" alt="" width="282" height="475" /></a><p class="wp-caption-text">Kurt Pinthus: &quot;Menschheitsdämmerung. Ein Dokument des Expressionismus&quot;. Rowohlt Taschenbuch Verlag. 9,90 Euro</p></div>
<p>Ökonomisch wirklich erfolgreich wurde Pantheon Books erst in den fünfziger Jahren mit einem Beststeller von Anne Morrow Lindbergh: „Muscheln in meiner Hand“ und der amerikanischen Lizenz von Boris Pasternaks Roman „Doktor Schiwago“. Dennoch wurden Kurt und Helen Wolff bald darauf aus dem Verlag gedrängt, der ihren literarischen Qualitätsvorstellungen immer weniger entsprach.</p>
<p>Helen Wolff ist bis zu ihrem Tod 1994 eine wer wichtigsten Vermittelrinnen europäischer Literatur nach Amerika geblieben. Sie brachte in einem speziell auf sie zugeschnittenen Imprint-Verlag unter anderem Uwe Johnson, Grass, Frisch, Jurek Becker, Walter Benjamin, Karl Jaspers und Umberto Eco heraus.</p>
<p>Kurt Wolff starb, wie er gelebt hatte, im Dienst der Literatur. 1963 wurde er auf dem Weg zu einer Ausstellung expressionistischer Literatur in Marbacher Schiller Nationalmuseum von einem Lastwagen überfahren. Man beerdigte ihn in Marbach, wo zwölf Jahre später auch sein alter Lektor Kurt Pinthus beisetzte wurde, dessen legendäre Anthologie „Menschheitsdämmerung“ wie keine andere den Geist der frühen Autoren Kurt Wolffs bewahrte. Doch diese Sammlung war erst 1920, also nach der kurzen, explosionsartigen Blüte von Wolffs Verlag fertig geworden – und erschien deshalb schon im Verlag seines alten Konkurrenten Rowohlt.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://blog.uwe-wittstock.de/?feed=rss2&#038;p=1648</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Ernst Rowohlt wird 125 Jahre alt</title>
		<link>http://blog.uwe-wittstock.de/?p=425</link>
		<comments>http://blog.uwe-wittstock.de/?p=425#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 21 Jun 2012 16:50:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Personen]]></category>
		<category><![CDATA[Albert Camus]]></category>
		<category><![CDATA[Alexander Fest]]></category>
		<category><![CDATA[Alfred Polgar]]></category>
		<category><![CDATA[Emil Ludwig]]></category>
		<category><![CDATA[Ernest Hemingway]]></category>
		<category><![CDATA[Ernst Rowohlt]]></category>
		<category><![CDATA[Graham Greene]]></category>
		<category><![CDATA[Hans Fallada]]></category>
		<category><![CDATA[Harry Rowohlt]]></category>
		<category><![CDATA[Heinrich-Maria Ledig-Rowohlt]]></category>
		<category><![CDATA[Henry Miller]]></category>
		<category><![CDATA[Jean-Paul Sartre]]></category>
		<category><![CDATA[Kurt Tucholsky]]></category>
		<category><![CDATA[Kurt Wolff]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Naumann]]></category>
		<category><![CDATA[Nicolaus Hansen]]></category>
		<category><![CDATA[Robert Musil]]></category>
		<category><![CDATA[S.Fischer]]></category>
		<category><![CDATA[Simone de Beauvoir]]></category>
		<category><![CDATA[Sinclair Lewis]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Wolfe]]></category>
		<category><![CDATA[Walter Benjamin]]></category>
		<category><![CDATA[Werner Schoenicke]]></category>
		<category><![CDATA[Willy Haas]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blog.uwe-wittstock.de/?p=425</guid>
		<description><![CDATA[Das Abenteuer namens Rowohlt Ein Verlag, drei Männer und drei Temperamente, wie es sie in Deutschland nur selten gibt: Ernst Rowohlt, der Gründervater und unbeirrte Immer-wieder-Gründer des Rowohlt Verlags, würde heute (am 23. Juni) 125 Jahre alt. Hier ein Porträt &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=425">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div>
<h2><strong>Das Abenteuer namens Rowohlt</strong><strong></strong></h2>
<h3><strong> Ein Verlag, drei Männer und drei Temperamente, wie es sie in Deutschland nur selten gibt: Ernst Rowohlt, der Gründervater und unbeirrte Immer-wieder-Gründer des Rowohlt Verlags, würde heute (am 23. Juni) 125 Jahre alt. Hier ein Porträt von ihm und seinen ebenso unterhaltsamen wie höchst schätzenswerten beiden Söhnen Heinrich-Maria Ledig-Rowohlt und Harry Rowohlt<br />
</strong></h3>
<div id="attachment_430" class="wp-caption alignleft" style="width: 190px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/06/ErnstRowo1.jpg"><img class="size-medium wp-image-430" title="ErnstRowo" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/06/ErnstRowo1-180x300.jpg" alt="" width="180" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Die Ernst-Rowohlt-Monographie, erschienen im gleichnamigen Verlag</p></div>
<p>Die Rowohlts sind eine deutsche Dynastie, eine Büchermacherfamilie  von nicht eben landestypischem Temperament. Wo ein Rowohlt war oder ist,  da war oder ist etwas los. Über ein dreiviertel Jahrhundert gehören  sie nun schon zu den Kraftwerken des literarischen Lebens hierzulande, und der von  ihnen geschaffene und immer wieder neu geschaffene Verlag schnurrt bis  heute weiter. 1908 brachte Ernst Rowohlt im Alter von nur 21 Jahren sein  erstes Buch auf den Markt, den schmalen Lyrikband eines heute komplett  unbekannten Klassenkameraden. Im gleichen Jahr brachte die  Schauspielerin Maria Ledig den ersten Sohn Rowohlts zur Welt, Heinrich  Maria Ledig-Rowohlt. Das Abenteuer namens Rowohlt konnte beginnen.</p>
<p>Die Biographie Ernst Rowohlts mit ihren diversen Verzweigungen ist  ein gutes Beispiel dafür, wie viel Leidenschaft und Geld ein  Verlegerleben braucht und verbraucht. 1910, nachdem er schon ein paar  Bücher gemacht hatte, gründete Rowohlt in Leipzig zum ersten Mal seinen  Verlag – zusammen mit dem gleichaltrigen Kurt Wolff, der keine  Kenntnisse der Buchbranche, wohl aber eine Menge Geld mit einbrachte.</p>
<p>Die beiden Teilhaber verstanden sich erst glänzend und publizierten mehr  als 30 Titel jährlich. Doch schon 1912 kam es zum Bruch, nicht zuletzt  weil der feingeistige Wolff die Energieausbrüche und permanente  Partystimmung seines Partners nicht ertrug. Er zahlte Rowohlt aus,  machte den Verlag unter eigenem Namen zum bis heute legendären  Kristallisationspunkt des Expressionismus, errang höchste Anerkennung  und verlor zugleich sein gesamtes Vermögen. Nach 1920 konnte er keine  literarischen Werke mehr verlegen, 1930 musste es sein Haus endgültig  schließen.</p>
<p><strong>Ernst Rowohlt &#8211; ein Mann der roaring twenties</strong></p>
<p>Rowohlt machte nach der ersten nur kurzen Zeit der  Selbstständigkeit zunächst Zwischenstationen als Prokurist des  S.Fischer- und Geschäftsführer des Hyperion-Verlags. 1919 dann, mit  Beginn der Weimarer Republik, gründete er seinen Verlag zum zweiten Mal,  jetzt in Berlin. Die Stadt, der Mann und die Epoche – die roaring twenties – passten perfekt zueinander. Seine Neigung zu großen  Auftritten machte ihn schnell stadtbekannt und sein Einfallsreichtum in  Sachen PR bald zu einer zentralen Figur des Literaturbetriebs.</p>
<p>Mit  Autoren wie Robert Musil, Kurt Tucholsky, Hans Fallada, Alfred Polgar  und Walter Benjamin erwarb er beträchtliches Ansehen, mit Ernest  Hemingway, Sinclair Lewis und Thomas Wolfe entdeckte er die  amerikanische Literatur für die Deutschen, mit der von Willy Haas  geleiteten <em>Literarischen Welt</em> gab er zudem seit 1925 eine der  meinungsbildenden Zeitschriften der Buchbranche heraus.</p>
<div id="attachment_432" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/06/LedigRowo.jpg"><img class="size-thumbnail wp-image-432" title="LedigRowo" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/06/LedigRowo-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Die Heinrich-Maria-Ledig-Rowohlt-Monographie, erschienen im fast gleichnamigen Verlag</p></div>
<p>Doch selbst ein Bestseller-Autor wie Emil Ludwig konnte den Verlag  wirtschaftlich nicht langfristig stabilisieren. Spätestens nach der  Weltwirtschaftskrise 1929 spitzte sich die Lage zu. Als Heinrich Maria  Ledig-Rowohlt 1931 als Pressechef in den Verlag eintrat, stand der  bereits vor der Insolvenz. Gerettet wurde er schließlich durch die  Familie Ullstein, die einen Anteil von 60 Prozent erwarb und ihn so  mehrheitlich ihren Zeitungskonzern einverleibte. Doch kaum hatte Rowohlt  die ökonomischen Turbulenzen überstanden, geriet er durch die  Machtübernahme der Nazis in politische Schwierigkeiten.</p>
<p><strong>Diktatur, Krieg &#8211; und immer wieder Krisen</strong></p>
<p>Seine Sympathien galten in der Weimarer Republik eher der Linken, und  er war mit zahllosen jüdischen Schriftstellern befreundet, doch hatte  Rowohlt daneben auch so rechtslastige Autoren wie Arnolt Bronnen  verlegt. Daran knüpfte er nach 1933 zunächst an, brachte nun  Landserromane heraus, Sachbücher wie <em>Woher kommt das Hakenkreuz?</em> oder  den Bildband <em>Ein Volk steht auf. 53 Tage nationaler Revolution</em>. Doch  die Nazis ließen sich weder davon, noch von Rowohlts Eintritt in die  NSDAP 1937 täuschen, beschlagnahmten 140 Titel des Verlagsprogramms und  erteilten Rowohlt schließlich 1938 Berufsverbot, weil er hartnäckig an  seinen jüdischen Autoren und Mitarbeitern festhielt.</p>
<p>Nach dem Krieg, in dem Ledig-Rowohlt als Soldat schwer verwundet  worden war, gründeten Sohn und Vater – der 1945 mit der Schauspielerin  Maria Pierenkämper seinen zweiten Sohn Harry bekam – den Rowohlt Verlag  umgehend zum dritten Mal, nun in Hamburg und Stuttgart. Sie druckten  unter anderem zu Pfennigpreisen Bücher auf dem Papier und in dem Format  von Zeitungen, „Rowohlts Rotations Romane“ genannt, und erzielten damit  in kürzester Zeit Millionenverkäufe. Dennoch geriet der Verlag mit der  Währungsreform wieder in eine Finanzkrise – und musste diesmal durch  vier Hamburger Geschäftsleute gerettet werden.</p>
<p><strong>Diese amerikanische Erfindung: Taschenbuch</strong></p>
<p>Erst als Ledig-Rowohlt aus Amerika mit der Idee zurückkehrte, ein  umfangreiches Taschenbuchprogramm zu starten, stabilisierte sich die  Situation. Mit diesen billigen Ausgaben erzielte der Verlag schnell  sensationelle Auflagen und konnte mit Büchern von Hemingway und  Graham Greene, von Sartre, Camus, de Beauvoir und später Henry Miller,  die lange aus Deutschland ausgesperrte Literatur des westlichen Auslands  popularisieren. Mit dem Start von „Rowohlt Deutscher Enzyklopädie“ 1955  und der „Rowohlt Monographien“ 1958  verfolgte der Verlag im Taschenbuch-Programm zugleich einen  volkspädagogischen Bildungsanspruch, der sich zumindest in den ersten  Jahren als sehr einträglich erwies.</p>
<div id="attachment_433" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/06/HarryRowo.jpg"><img class="size-thumbnail wp-image-433" title="HarryRowo" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/06/HarryRowo-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Die nicht-weggeschmissenen Briefe Harry Rowohlts, nicht erschienen im gleichnamigen Verlag</p></div>
<p>Nach dem Tode Ernst Rowohlts 1960 leitete Ledig-Rowohlt den Verlag  weitgehend allein, auch wenn seinem erst fünfzehnjährigen Bruder Harry  nun 49 Prozent des Unternehmens gehörten. Beide hatten zwar nicht den  kraftstrotzenden Körper ihres Vaters, wohl aber manches von seinem  trink- und feierfreudigen Charakter geerbt. So versorgten auch sie den  Literaturbetrieb regelmäßig mit gern kolportierten Anekdoten oder  Bonmots. Den Familientraditionen auf der Spur absolvierte Harry Rowohlt  eine Verlagsausbildung bei Suhrkamp in Frankfurt und Grove Press in New  York. Doch die Führung der Rowohlt-Geschäfte wollte er nicht übernehmen,  sondern widmete sich lieber seinen ungewöhnlichen Talenten als  Übersetzer, Vortragskünstler, Autor und Schauspieler.</p>
<p>Also verkaufen die beiden Brüder 1982 – Ledig-Rowohlt war inzwischen  knapp 75 – ihren Verlag über Vermittlung des befreundeten Werner  Schoenicke an die Stuttgarter Holtzbrinck-Gruppe. Seither wird er von  wechselnden Verlagsleitern mit naturgemäß wechselnden Erfolgen geleitet,  unter anderem von Matthias Wegner, Michael Naumann (dem späteren  Kulturstaatsminister, Mitherausgeber der <em>Zeit</em>, Hamburger  SPD-Spitzenkandidaten und <em>Cicero</em>-Chefs), Nicolaus Hansen, Peter Wilfert bis hin zu  Alexander Fest heute. Ledig-Rowohlts Leben endete – fast möchte man  sagen: standesgemäß – 1992 auf einem Internationalen Verlegerkongress in  Neu-Dehli. Harry Rowohlt, 1996 zum &#8220;Ambassador of Irish Whiskey&#8221; ernannt,  sammelte für seine Übersetzungen und Bücher vom Jugendliteraturpreis  bis zum Brüder-Grimm-Preis, von der Goldenen Schallpatte für seine <em>Pu,  der Bär</em>-Lesung bis zum Göttinger Elch einige der schönsten  Auszeichnungen hierzulande. Das vergangene Jahrhundert der deutschen  Literatur, ohne die Rowohlts ist es schwer vorstellbar.</p>
</div>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://blog.uwe-wittstock.de/?feed=rss2&#038;p=425</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Immer im Aufbruch: Kurt Wolff (1887 &#8211; 1963)</title>
		<link>http://blog.uwe-wittstock.de/?p=271</link>
		<comments>http://blog.uwe-wittstock.de/?p=271#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 29 Apr 2012 12:20:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Personen]]></category>
		<category><![CDATA[André Schiffrin]]></category>
		<category><![CDATA[Anne Morrow Lindbergh]]></category>
		<category><![CDATA[Arnold Zweig]]></category>
		<category><![CDATA[Bernd F. Lunkewitz]]></category>
		<category><![CDATA[Boris Pasternak]]></category>
		<category><![CDATA[Carl Sternheim]]></category>
		<category><![CDATA[Else Lasker-Schüler]]></category>
		<category><![CDATA[Ernst Rowohlt]]></category>
		<category><![CDATA[Franz Kafka]]></category>
		<category><![CDATA[Franz Werfel]]></category>
		<category><![CDATA[Georg Heym]]></category>
		<category><![CDATA[Georg Trakl]]></category>
		<category><![CDATA[Gottfried Benn]]></category>
		<category><![CDATA[Günter Grass]]></category>
		<category><![CDATA[Gustav Meyrink]]></category>
		<category><![CDATA[Heinrich Mann]]></category>
		<category><![CDATA[Helen Wolff]]></category>
		<category><![CDATA[Jacques Schiffrin]]></category>
		<category><![CDATA[Johannes R. Becher]]></category>
		<category><![CDATA[Jurek Becker]]></category>
		<category><![CDATA[Karl Jaspers]]></category>
		<category><![CDATA[Karl Kraus]]></category>
		<category><![CDATA[Kurt Pinthus]]></category>
		<category><![CDATA[Kurt Wolff]]></category>
		<category><![CDATA[Max Frisch]]></category>
		<category><![CDATA[Pantheon Books]]></category>
		<category><![CDATA[Robert Walser]]></category>
		<category><![CDATA[Samuel Fischer]]></category>
		<category><![CDATA[Siegfried Unseld]]></category>
		<category><![CDATA[Umberto Eco]]></category>
		<category><![CDATA[Uwe Johnson]]></category>
		<category><![CDATA[Walter Benjamin]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blog.uwe-wittstock.de/?p=271</guid>
		<description><![CDATA[Die hellhörigsten Leser ihrer (kurzen) Epoche Kurt Wolff gehört zu meinen Lieblingsverlegern. Von Kafka bis Trakl, von Benn bis Georg Heym, von Robert Walser bis Else Lasker-Schüler: Alle ewaren sie seine Autoren. 2012 ist ein kleines Wolff-Jubiläum zu feiern: Er &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=271">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2><strong>Die hellhörigsten Leser ihrer (kurzen) Epoche</strong></h2>
<h3><strong>Kurt Wolff gehört zu meinen Lieblingsverlegern. Von Kafka bis Trakl, von Benn bis Georg Heym, von Robert Walser bis Else Lasker-Schüler: Alle ewaren sie seine Autoren. 2012 ist ein kleines Wolff-Jubiläum zu feiern: Er wurde vor 125 Jahren in Bonn geboren. Grund genug für ein kleines Porträt dieses rheinischen Enthusiasten, der so hervorragend Bücher machen und so desaströs schlecht rechnen konnte.</strong></h3>
<p>Ja, wenn man solche Postkarten bekommt! Da muss das Verlegerleben doch die reine Lust sein. „Sehr geehrter Verlag“, steht da in geschwungener, klarer Handschrift, „gleichzeitig schicke ich Ihnen express-rekommand das Manuskript der <em>Strafkolonie</em> mit einem Brief. Hochachtungsvoll ergeben Dr. Kafka. 19/XI/18.“ So bescheiden und unprätentiös eine der berühmtesten und meistgelesenen Erzählungen des 20. Jahrhunderts frei Haus geliefert zu kriegen – kann es für einen Verleger größeres Glück geben? Welche Sorgen sollten ihn da noch drücken?</p>
<div id="attachment_281" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/04/jpeg2"><img class="size-medium wp-image-281" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/04/jpeg2-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Kurt Wolff um 1913 (Bild: Frank Eugene)</p></div>
<p>Doch leider sind die Realitäten des Verlagsgeschäfts andere. Kurt Wolff, 1887 in Bonn geboren, wuchs in einer bildungsgesättigten Atmosphäre auf, von der man heute nur noch träumen kann. Der Vater war Professor und Musikdirektor der Stadt, die Mutter, die früh starb und dem Sohn ein Vermögen hinterließ, entstammte einer alten jüdischen Familie, die zum Freundesumkreis der Familie Goethes zählte. Als Wolff – gerade mal 23jährig – mit Ernst Rowohlt seinen ersten Verlag gründete, verfügte er über souveräne Kenntnissen in Musik, Kunst, Literatur, hatte bereits literaturhistorische Bücher ediert und eine kostbare 12.000 Bände zählende Bibliothek mit Erstausgaben aufgebaut.</p>
<div id="attachment_282" class="wp-caption alignleft" style="width: 92px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/04/82px-Kurt_Wolff1.jpg"><img class="size-full wp-image-282" title="82px-Kurt_Wolff" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/04/82px-Kurt_Wolff1.jpg" alt="" width="82" height="119" /></a><p class="wp-caption-text">Plakat einer Kurt-Wolff-Ausstellung in Frankfurt am Main (2007)</p></div>
<p>Selbst die größten Verleger sind selten länger als zehn, zwanzig Jahre auf dem Höhepunkt ihrer Fähigkeiten. In dieser Zeit verstehen sie es, wie die Beispiele von Samuel Fischer bis Siegfried Unseld zeigen, wichtige Autoren ihrer Generation an sich zu bindenden, bevor dann die nächste Generation nachrückt, zu der sie nur selten noch fruchtbare Kontakte herstellen können. Die Ungunst der Epoche wollte es, das Kurt Wolff diesen Gipfel seiner Ausstrahlungskraft schon früh, als noch unerfahrener Mann und dazu in wirtschaftlich katastrophalen Zeiten erreichte. Er war nur 25 Jahre alt, als er sich 1912 von Rowohlt trennte, zwei der hellhörigsten jungen Literaten der Zeit, Kurt Pinthus und Franz Werfel, als Lektoren einstellte und mit uferloser Energie über den Buchmarkt herfiel.</p>
<p>Schon im ersten Jahr als alleinverantwortlicher Verleger produzierte er mehr Titel als der bislang bedeutendste Großverlag S.Fischer. Wie ein Magnet zog Wolff die wichtigsten Autoren des literarischen Expressionismus an sich. Bei ihm erschien alles, was bis heute die Literaturgeschichte dieser Zeit prägt: Werfel, Trakl, Georg Heym, Else Lasker-Schüler, Karl Kraus, Robert Walser, Arnold Zweig. Allein 1916 kamen Bücher heraus von Kafka, Carl Sternheim, Werfel, Gottfried Benn und Johannes R.Becher, dazu der Bestseller <em>Golem</em> von Gustav Meyrink. Gleichsam auf Vorrat hatte Wolff im selben Jahr den während des Ersten Weltkriegs wegen der Zensur undruckbaren Roman <em>Der Untertan</em> von Heinrich Mann eingekauft.</p>
<p>Doch so blitzartig Wolffs Aufstieg war, so rapide war sein Absturz. Die meisten seiner Autoren, darunter Kafka, fanden zunächst kaum Leser. Dennoch kaufte Wolff, wie manisch getrieben, zahlreiche andere Verlage, wechselte mehrfach den Hauptsitz seiner Firma, produzierte kostspielige Kunstbände, obwohl sich der Buchmarkt nach dem Ersten Weltkrieg und während der Inflationszeit im freien Fall befand.</p>
<div id="attachment_283" class="wp-caption alignright" style="width: 130px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/04/120px-Leipzig_Wolff_Verlag_Gedenktafel.jpg"><img class="size-full wp-image-283" title="120px-Leipzig_Wolff_Verlag_Gedenktafel" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/04/120px-Leipzig_Wolff_Verlag_Gedenktafel.jpg" alt="" width="120" height="91" /></a><p class="wp-caption-text">Gedenktafel  des Kurt-Wolff-Verlags</p></div>
<p>Der Rheinländer Wolff war eher zu emphatischen Aufbrüchen begabt – darin vielen seiner expressionistischen Autoren verwandt – als dazu, seinen Unternehmungen Kontinuität und Dauer zu verleihen. Schon nach 1920 publizierte er kaum noch literarische Titel und als er seinen Verlag 1930 mit Anfang Vierzig aufgeben musste, hatte er sein Vermögen und große Teile der Mitgift seiner ersten Frau aufgebraucht. (Bernd F. Lunkewitz, dem über ein Jahrzehnt lang der Aufbau Verlag gehörte, hat einmal gesagt, es sei überhaupt kein Problem, mit einem Verlag ein kleines Vermögen zu machen: &#8220;Man nehme ein großes Vermögen, kaufe ein Verlag und schon hat man ein kleines Vermögen.&#8221;)</p>
<p>Das weitere Verlegerleben Wolfs ist in Deutschland weit weniger bekannt als diese ersten Jahrzehnte. Zusammen mit seiner zweiten Frau Helen floh er 1941 vor den Nazis nach New York, und gründete dort den Verlag Pantheon Books. Zu ihnen stieß ein anderer Exilant, der in Russland geborene Jacques Schiffrin, der in Frankreich die weltberühmte Sammlung <em>La Pléiade</em> aus der Taufe gehoben hatte, die bis heute vom Verlag Gallimard fortgeführt wird. Zusammen spezialisierten sie sich darauf, große europäische Literatur auf den amerikanischen Buchmarkt zu bringen, auch wenn die keine großen Markterfolge garantierte. „Doch wie auch immer die aktuellen Verkaufsziffern ausfielen“, schrieb später Jacques Schiffrins Sohn André, „die Büroräume des Verlags am Washington Square bildeten für die Emigranten in New York eine Oase der Glückseligkeit, stilvoll in einer der prachtvollen Stadtvillen untergebracht, die früher die Südseite des Parks begrenzten.“</p>
<p>Ökonomisch wirklich lohnend wurde Pantheon Books erst in den fünfziger Jahren mit einem Beststeller von Anne Morrow Lindbergh: <em>Muscheln in meiner Hand</em> und der amerikanischen Lizenz von Boris Pasternaks Roman <em>Doktor Schiwago</em>. Dennoch wurden Kurt und Helen Wolff bald darauf aus dem Verlag gedrängt, der ihren literarischen Qualitätsvorstellungen immer weniger entsprach. Helen Wolff ist bis zu ihrem Tod 1994 eine wer wichtigsten Vermittelrinnen europäischer Literatur nach Amerika geblieben. Sie brachte in einem speziell auf sie zugeschnittenen Imprint-Verlag unter anderem Uwe Johnson, Grass, Frisch, Jurek Becker, Walter Benjamin, Karl Jaspers und Umberto Eco heraus.</p>
<p>Kurt Wolff starb, wie er gelebt hatte, im Dienst der Literatur. 1963 wurde er auf dem Weg zu einer Ausstellung expressionistischer Literatur in Marbacher Schiller Nationalmuseum von einem Lastwagen überfahren. Man beerdigte ihn in Marbach, wo zwölf Jahre später auch sein alter Lektor Kurt Pinthus beisetzte wurde, dessen legendäre Anthologie <em>Menschheitsdämmerung</em> wie keine andere den Geist der frühen Autoren Kurt Wolffs bewahrte. Doch diese Sammlung war erst 1920, also nach der kurzen, explosionsartigen Blüte von Wolffs Verlag fertig geworden – und erschien deshalb schon im Verlag seines alten Konkurrenten Rowohlt.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://blog.uwe-wittstock.de/?feed=rss2&#038;p=271</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
