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	<title>Die Büchersäufer. Ein Blog von Uwe Wittstock &#187; Ernst Augustin</title>
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	<description>Über Literatur und Literaten</description>
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		<title>Gespräch mit Ernst Augustin</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Oct 2015 16:17:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Ernst Augustin]]></category>
		<category><![CDATA[Gruppe 47]]></category>
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		<description><![CDATA[&#8220;Bis 12 Uhr war ich ein Literatur-Star&#8221; Ernst Augustin im Gespräch über seinen Roman “Schönes Abendland” von 2007, die Gruppe 47 und das Schreiben allein in der Wüste sowie die Schwarze Romantik. Der Schriftsteller Ernst Augustin feiert heute seinen 88. &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=1450">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>&#8220;Bis 12 Uhr war ich ein Literatur-Star&#8221;</strong></h1>
<h2><strong>Ernst Augustin im Gespräch über seinen Roman “Schönes Abendland” von 2007, die Gruppe 47 und das Schreiben allein in der Wüste sowie die Schwarze Romantik.</strong></h2>
<div>
<h2><strong>Der Schriftsteller Ernst Augustin feiert heute seinen 88. Geburtstag und fällt aus der Reihe. Schon sein Haus im Münchner Stadtteil Neuhausen sticht heraus: Zwischen gleichförmigen Fassaden wirkt es von den Bäumen des eigenen Gartens wie umhüllt und verborgen. Sein Treppenhaus ist bis in den dritten Stock hoch ausgemalt von Augustins Ehefrau, der Malerin Inge Augustin. Der Hausherr, für den Architektur nicht nur in seinen Romanen eine große Rolle spielt, hat es mit Dachterrasse und Keller-Disko, mit Kajützimmer und privater Nachtbar, mit verschwiegenen Gängen und geheimen Türen zu einem sehr persönlichen Wunderhaus umgestaltet. Zur Feier seines Geburtstags hier ein Gespräch mit ihm über seinen großen Roman &#8220;Schönes Abendland&#8221;.</strong></h2>
<div id="attachment_1454" class="wp-caption alignright" style="width: 308px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/10/29748241z.jpg"><img class="size-full wp-image-1454" title="29748241z" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/10/29748241z.jpg" alt="" width="298" height="475" /></a><p class="wp-caption-text">Ernst Augustin: &quot;Schönes Abendland&quot;. Roman. dtv. 12,90 Euro</p></div>
<p><strong>Uwe Wittstock:</strong> 2007 erschien ihr Roman „Schönes Abendland“, eine Neufassung ihres Romans „Mamma“ von 1970. Was für Erfahrungen haben Sie bei der Arbeit an diesem fast vier Jahrzehnte alten Buch gemacht?</p>
<p><strong>Ernst Augustin:</strong> Ich habe das Buch immer geliebt, aber es wurde nicht geliebt. Dann habe ich es noch einmal durchgelesen, und ich muss sagen, es war misslungen. Ich erzählte nacheinander die sehr unterschiedlichen Lebensgeschichten von Drillingen. Aber die Reihenfolge war falsch. Ich habe die jetzt umgestellt, vieles neue geschrieben und verändert. Einer der drei Helden wird General, dessen Lebensgeschichte stand früher zu Anfang. Marcel Reich-Ranicki hat das Buch damals schroff abgelehnt, er fand es militaristisch. Offenbar hatte er nur den Anfang gelesen und die Ironie der Geschichte nicht verstanden. Heute würde er, mit dem Kaufmann beginnend, vielleicht mehr Stimmigkeit entdecken.</p>
<p><strong>Wittstock:</strong> „Schönes Abendland“ ist ein großer, anspruchsvoller Titel. Fast, als enthielte der Roman eine Art Weltformel, eine Erklärungsformel fürs gesamte Abendland.</p>
<p><strong>Augustin:</strong> Es ist ein abendländisches Gleichnis. Es beginnt in der Renaissance-Zeit, in der drei Männer, der Kaufmann, der General und der Arzt für allzu großes Gewaltstreben hingerichtet werden. Sie werden auf der Stelle wiedergeboren – dieses Mal in unserer Zeit – und wieder streben sie mit allen Mitteln, die ihre Gesamtexistenz in sich trägt, nach Reichtum, Macht, Wissen. Im Übermaß. Ich habe diese drei Lebensläufe als eine Art absurde Kultur- und Sittengeschichte geschrieben: Absurdität des Habenwollens, der maßlosen Aufstiegs- (und Abstiegs-) Möglichkeiten, und der daraus resultierenden ziemlich tödlichen Ergebnisse. So erscheinen sie mir doch sehr abendländisch.</p>
<p><strong>Wittstock:</strong> Wie war das Echo damals? Aus heutiger Sicht hat man nicht den Eindruck, dass ein so ironisch flirrendes, phantastisches, schrilles Buch gut in die Hochzeit der Studentenbewegung passte.</p>
<div id="attachment_1455" class="wp-caption alignleft" style="width: 485px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/10/22802790z.jpg"><img class="size-full wp-image-1455" title="22802790z" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/10/22802790z.jpg" alt="" width="475" height="356" /></a><p class="wp-caption-text">Ernst Augustin: &quot;Romane und Erzählungen&quot; In acht Bänden. Verlag C.H.Beck. 78 Euro</p></div>
<p><strong>Augustin:</strong> Ich habe auch Zustimmung bekommen, größtenteils aber Ablehnung geerntet. Der Werbemann meines damaligen Verlages, Suhrkamp, hatte den Slogan geprägt: Man erzählt wieder. Das klang wie: Man trägt wieder Hut und kam gar nicht gut an. Der Roman passte wohl tatsächlich nicht in diese Zeit eines teilweise politischen, teilweise literarisch formalistischen Avantgardismus. Ich wollte erzählen, ich bin ein Erzähler. Vielleicht trifft das Buch heute auf offnere Ohren.</p>
<p><strong>Wittstock:</strong> Sie haben aus diesem Roman auch 1966 in Princeton bei der Gruppe 47 gelesen?</p>
<p><strong>Augustin:</strong> Da fing das Unglück schon an. Ich las dort einen Ausschnitt aus dem Romanteil über den Arzt unter meinen drei Helden. Eine in sich geschlossene, runde Geschichte über seine kindlichen Doktorspiele. Es war ein großer Erfolg, die Geschichte kam prächtig an, wurde hoch gelobt. Damals glaubte man ja noch, dass jeder, der von der Gruppe 47 gefeiert wird, sofort der nächste Literaturstar wird. Ein Journalist der Münchner Abendzeitung telegrafierte sofort in seine Redaktion: „Ich war dabei!“ Man hat mich richtiggehend hofiert. Aber nur bis 12 Uhr mittags. Am Nachmittag kam Peter Handkes großer Auftritt, seine Kritikerbeschimpfung, seine wütende Rede gegen die Gruppe 47. Damit war ich völlig abgemeldet. Ich existierte nicht mehr. Handke war nun der große Mann.</p>
<p><strong>Wittstock:</strong> Man merkt das ihren Büchern deutlich an: Sie haben sich nicht den damals in Deutschland verbreiteten literarischen Trends angeschlossen. Welche Vorbilder hatten Sie statt dessen?</p>
<p><strong>Augustin:</strong> Ich hatte wenig Vorbilder. Ich kam ja aus der DDR. Die ganze Moderne gab es da gar nicht. Es gab keinen James Joyce, es gab noch nicht einmal Kafka. Was ich dort gelesen habe, waren die großen russischen Autoren, ich habe Gogol gelesen und sehr geliebt. Dann natürlich Thomas Mann. Und Hans Fallada, ein ausgesprochener Erzähler, den ich sehr mochte. Ansonsten aber habe ich mich vor allem mit den Romantikern beschäftigt. Mit E.T.A. Hoffmann, Jean Paul, Edgar Allan Poe, Melville. Die Romantiker sind für mich bis heute der wichtigste literarische Bezugspunkt.</p>
<p><strong>Wittstock:</strong> Haben Sie damals überhaupt in Deutschland gelebt?</p>
<p><strong>Augustin:</strong> Ja und nein. Ich habe ja immer einen Fuß draußen gehabt. Ich kam 1958 aus der DDR in den Westen und bin dann direkt nach Afghanistan gegangen, habe dort bis 1961 als Arzt gearbeitet für eine amerikanische Firma, die unter anderem einen Staudamm baute, Brücken und ein Bewässerungssystem. Entwicklungshilfe eben. Dort habe ich dann angefangen zu schreiben. Meinen ersten Roman „Der Kopf“. Das war geboren aus der Situation. Ich saß allein mitten in der Wüste und schrieb vor mich hin. Und habe mir so durch meine Figuren etwas Gesellschaft verschafft. Nach 1961 kam ich dann zurück nach Deutschland, bevor ich in Mittelamerika, in Costa Rica gearbeitet habe. Das Aufnahmeverfahren als DDR-Flüchtling in der Bundesrepublik habe ich erst nach meiner Rückkehr aus Afghanistan gemacht. Genau genommen war ich dort – den DDR-Pass hatte ich nicht mehr, den neuen Pass noch nicht – drei Jahre lang staatenlos.</p>
<div id="attachment_1456" class="wp-caption alignright" style="width: 284px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/10/41877628z1.jpg"><img class="size-full wp-image-1456" title="41877628z" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/10/41877628z1.jpg" alt="" width="274" height="420" /></a><p class="wp-caption-text">&quot;Ernst Augustin&quot;. Edition Text + Kritik. Göttingen 2015. 24 Euro</p></div>
<p><strong>Wittstock:</strong> Das ist vielleicht eine bezeichnende Episode für Ihr Schicksal: Sie sind ein Sonderfall. Ihr üppiges, schwelgerisches, ebenso phantastisches wie realistisches Fabulieren passt hierzulande nicht in die üblichen Kategorien.</p>
<p><strong> Augustin:</strong> Eigentlich bin ich selbst Romantiker. Es ist ja eine sehr deutsche, eine urdeutsche literarische Veranlagung. Schwarze Romantik liegt mir am meisten. Es muss im Hintergrund immer ein schweres Gewitter aufziehen, immer schwarz bei aller Lieblichkeit im Vordergrund, bei aller Ironie und leichter Hand, die ich rüberzubringen versuche. Es ist mein Los und meine Freude.</p>
</div>
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		<title>Porträt des Schriftstellers Ernst Augustin</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Oct 2015 15:45:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Personen]]></category>
		<category><![CDATA[Über Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Ernst Augustin]]></category>

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		<description><![CDATA[Autor, Arzt und Abenteurer: Der Erzähler Ernst Augustin ist nicht zum fassen Heute hat er Geburtstag. Und zwar den 88. Ernst Augustin ist einer der großen Schriftsteller der deutschen Literatur, der in keine der üblichen Kategorien passt: Ein Weltreisender, Psychiater, &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=1436">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>Autor, Arzt und Abenteurer</strong><strong>: Der Erzähler Ernst Augustin ist nicht zum fassen</strong></h1>
<h2><strong>Heute hat er Geburtstag. Und zwar den 88. Ernst Augustin ist einer der großen Schriftsteller der deutschen Literatur, der in keine der üblichen Kategorien passt: Ein Weltreisender, Psychiater, phantastischer Realist, literarischer Traum-Forscher und Kunst-Labyrith-Baumeister. Ich habe ihn in seinem Münchner Haus besucht, das er mit seiner Frau in ein wahres Wunder-Werk verwandelt hat.</strong></h2>
<p>Die Pariser Oper gefällt ihm. Also hat er sie sich ins Haus geholt. Genauer: maßstabsgerecht verkleinerte Teile davon. Zwei gut ein Meter hohe, grauweiße Modelle der Fassade stehen in Ernst Augustins Arbeitszimmer und laden ein zu Spaziergängen unter prachtvollen Arkaden, zu Streifzügen über marmorne Aufgänge und Treppen, zum Flanieren durch festliche Entrees, Foyers, Hallen und Spiegelsäle. Oder auch zur Suche nach verborgenen Winkeln, versteckten Türen, labyrinthischen Fluchtgängen, wie sie Phantome in der Oper bekanntlich brauchen. Und fassadenkletternde Trickdiebe auch. Oder die zahlreichen heimlichen Liebhaber der Sopranistin. Oder Attentäter auf dem Weg zur Präsidentenloge. Nicht zu glauben, wie phantasiesteigernd so ein Riesengebäude in Tischformat sein kann. Kaum fällt der Blick drauf, gleiten die Augen in eine andere Wirklichkeit, in der die erstaunlichsten Dinge möglich sind. Jedes Giebelchen, jede Nische, jeder Erker vollgestopft mit Geschichten.</p>
<div id="attachment_1438" class="wp-caption alignleft" style="width: 198px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/10/23825598z1.jpg"><img class="size-medium wp-image-1438" title="23825598z" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/10/23825598z1-188x300.jpg" alt="" width="188" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Ernst Augustin: &quot;Raumlicht: Der Fall Eveline B.&quot; Roman. dtv. 9,90 Euro</p></div>
<p>Wer über den Autor, Arzt und Abenteurer Ernst Augustin spricht, kann über Architektur nicht schweigen. Augustin zählt zu den großen Baumeistern und Raumerfindern unter den deutschen Schriftstellern. Manchmal empfangen seine Bücher den Leser gleich mit der Beschreibung eines Hauses und seiner Zimmer, detailliert bis hin zu Sesseln, Schränken, Teppichen, Tapeten, Bildern, Büchern wie der Roman „Raumlicht: der Fall Eveline B.“ Oder sie laufen über 200 Seiten hinweg auf die minuziöse Schilderung eines Sand- und Sonnenstudios zu, eines perfekten Verführungsgemaches für eine sommersüchtige, schönhüftige Badenixe wie „Die Schule der Nackten“.</p>
<p>Augustins imaginäre Welten sind wie waghalsige Architekturmodelle, in denen man von Raum zu Raum wandert, vom exquisiten Boudoir zum kahlen Keller, von der engen Bude zur guten Stube, von der frommen Kemenate zu grandiosen Gelass. Es tun sich immer neue, fabelhafte Ein- und Ausblicke auf, der Leser durchschreitet eigentümliche Zimmerfluchten voller kleiner erzählerischer Wunderwerke und Überraschungen. Einen genialen Fälscher, der an neuen deutschen Geldscheinen scheitert, macht Augustin ebenso zu seinem Romanhelden (in „Gutes Geld“) wie einen afghanischen Mogulkaiser im Jahre 1000 („Mahmud der</p>
<div id="attachment_1439" class="wp-caption alignright" style="width: 198px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/10/13319985z.jpg"><img class="size-medium wp-image-1439" title="13319985z" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/10/13319985z-188x300.jpg" alt="" width="188" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Ernst Augustin: &quot;Die Schule der Nackten&quot; Roman. dtv. 9,90 Euro</p></div>
<p>Bastard“), ein FKK-Schwimmbad genauso zum Romanthema („Schule der Nackten“) wie eine psychotherapeutische Gruppe in London („Eastend“).</p>
<p>Seine Bücher fügen sich nicht in gängige Genre oder Literaturmuster, es sind machtvoll wuchernder Gebilde eigener Güte. Aber wer will, kann diese Bauten immer auch als Seelenwelten betrachten, als Seelenräume, die der Arzt, der Psychiater Ernst Augustin schreibend sowohl entwirft wie auch erforscht. „Das ist meine Schale“, sagt er, und meint damit sein Münchner Haus. Dabei sieht er gar nicht aus, als bräuchte er eine Schale: Groß, beweglich, lachlustig.</p>
<p>Aus diesem Haus hat er, zusammen mit seiner Frau, der Malerin Inge Augustin, auch so ein Wunderwerk gemacht. Ein Kunst-Labyrinth auf vier Etagen, plus einen Keller. Von außen ist es ganz zugewachsen und unscheinbar. Innen aber warten schon an den Treppenhaus-Wänden gemalte Marmorsäulen vor südlichen Trompe-l’Œil-Landschaften. Dazu füllig-prächtige Frauen-Plastiken, die Botero vor Neid erblassen lassen sollten.</p>
<p>Und auf dem Dach hat Ernst Augustin einen Wintergarten angelegt samt Terrasse, in den Etagen darunter eine Bibliothek und eine Schiffskajüte im englischen Stil, dazu eine schummrige Nachtbar und im Keller eine Diskothek in türkis-rosa nur für den persönlichen Gebrauch. Hinter Spiegeltüren verbergen sich geheimnisvolle Nebentreppen und irgendwo im Haus, so kokettiert Augustin, hat seine Frau ihr persönliches „Hideaway“, von dem er nicht genau wisse, wo es ist und in dem er nie gewesen sei.</p>
<div id="attachment_1444" class="wp-caption alignleft" style="width: 196px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/10/37499718z1.jpg"><img class="size-medium wp-image-1444" title="37499718z" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/10/37499718z1-186x300.jpg" alt="" width="186" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Ernst Augustin: &quot;Gutes Geld&quot; Roman in drei Anleitungen. Verlag C.H.Beck. 19,95 Euro</p></div>
<p>Auch Augustins Biographie wirkt ein wenig wie so eine seltsame Zimmerflucht. Lauter gewichtige Stationen, die wie unverbunden nebeneinander stehen. Er wurde im Riesengebirge geboren, in dem Städtchen Hirschberg, das heute Jelenia Góra heißt und in Polen liegt. Zur Schule ging er im mecklenburgischen Schwerin, wo er als halbes Kind noch zur Wehrmacht eingezogen und verheizt werden sollte. Aber er beeindruckte die Musterungskommission mit 50 Klimmzügen, qualifizierte sich so für eine Offizierslaufbahn, durfte deshalb ein Jahr länger zum Gymnasium – und als er dann tatsächlich Uniform trug, war kurz darauf der Krieg zu Ende.</p>
<p>In der DDR studierte er Medizin, wurde erst Chirurg in Wismar, dann Psychiater an der Ostberliner Charité, dem heimlichen Zentrum für schriftstellerisch ambitionierte Ärzte, beziehungsweise ärztlich vorgebildete Schriftsteller: Dort betrieb schon ein Mediziner namens Alfred Döblin wissenschaftliche Forschungen, bevor er mit seinem Roman „Berlin Alexanderplatz“ zu Weltruhm kam, dort arbeitete der Arzt Gottfried Bermann-Fischer, der den S.Fischer Verlag durch die Nazi-Zeit brachte und Peter Bamm, der in der Nachkriegszeit Bestseller schrieb, hier stand der Dramatiker Heinar Kipphardt als Assistenzarzt am Krankenbett und hier arbeitete der Erzähler Jakob Hein.</p>
<div id="attachment_1441" class="wp-caption alignright" style="width: 198px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/10/25581216z.jpg"><img class="size-medium wp-image-1441" title="25581216z" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/10/25581216z-188x300.jpg" alt="" width="188" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Ernst Augustin: &quot;Der amerikanische Traum&quot; Roman. dtv. 9,90 Euro</p></div>
<p>Augustin lebte seine literarischen Leidenschaften allerdings erst aus, als er die DDR verlassen hatte. 1958 ging er in den Westen und leitete für drei Jahre ein amerikanisches Krankenhaus in Afghanistan. Nebenher schrieb er seinen ersten Roman „Der Kopf“, der 1962 nach seiner Rückkehr nach Deutschland erschien. Das Buch wurde bestens aufgenommen und mit dem Hermann-Hesse-Preis ausgezeichnet, aber es konnte seinen Autor nicht im Lande halten. Augustin, der Abenteurer, ließ sich zu ausgedehnten Reisen durch Indien, durch die Türkei und Russland verlocken. Und ging für das gleiche amerikanische Unternehmen, für das er bereits in Afghanistan gewesen war, nun lange nach New Orleans. Was ihn nicht davon abhielt, in München als Gerichtsgutachter zu arbeiten, sich ein Haus zu kaufen und es nach seinen Vorstellungen aus- und immer weiter umzubauen.</p>
<p>So wenig sich Augustins Leben in ein Schema pressen läßt, so wenig läßt sich seine Literatur auf einen einfachen Nenner bringen. Am besten paßt vielleicht das Etikett Phantastischer Realismus. Der Roman „Der amerikanische Traum“ zum Beispiel beginnt mit einem Jungen, der – wie Augustin – den letzten Kriegswinter in der Nähe von Schwerin verbringt. Aber er hat – anders als Augustin – das Pech, von einem Tiefflieger angegriffen, vom Fahrrad geschossen und tödlich verletzt zu werden. Auf den letzten Seiten des Buches, kommt das Vorderrad des umgestürzten Fahrrades sehr langsam zum Stillstand, und mit dem Ende dieser Bewegung endet auch das Leben des jungen Fahrers.</p>
<div id="attachment_1443" class="wp-caption alignleft" style="width: 198px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/10/20938488z1.jpg"><img class="size-medium wp-image-1443" title="20938488z" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/10/20938488z1-188x300.jpg" alt="" width="188" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Ernst Augustin: &quot;Mahmud der Bastard&quot; Roman. dtv. 9,50 Euro</p></div>
<p>Zwischen diesem unsinnigen Angriff und dem absurden Streben des Kindes erzählt Augustin auf gut 200 Seiten den Lebenstraum des Jungen – und der entpuppt sich als rasante Abenteuergeschichte, angesiedelt irgendwo zwischen der Welt von Karl Mays Old Shatterhand und Raymond Chandlers Detektiv Marlowe. Im Kino würde man so etwas wohl eine Genre-Parodie nennen, ein luftig-ironisches Spiel mit altbekannten Handlungsmustern, in das sich bei Augustin allerdings auch die Besatzung jenes Tieffliegers einmischt – womit sich die erzählte Wirklichkeit und die erzählte Traumgeschichte durchdringen. Aber ungewöhnlich ist nicht nur das Thema, ungewöhnlich ist auch die Sprache.</p>
<p>Augustin hat in seinen späten Romanen einen federleichten, humorvollen, ganz und gar entspannten Stil entwickelt, der klingt, als hätte sich das gesprochene Alltagsdeutsch wie von selbst aufs Papier geschmuggelt. Augustin schaut dabei den Menschen keineswegs aufs Maul, wie in solchen Fällen das Klischee gern behauptet, vielmehr verdankt sich dieser scheinbar einfache Ton einer eminenten Kunstleistung. Jede sprachliche Einschüchterungsgeste, alles Hochtrabende, Gestelzte, das der deutschen Literatur so schwer auszutreiben ist, hat Augustin hier hinter sich gelassen und so eine Art Trompe-l’Oreille geschaffen, einen ohrentäuschend realistischen Sound, der in heiterer Gelassenheit phantastische Welten aufblättert.</p>
<p>Wer so viele Welten, Häuser, Räume entwirft wie Augustin, wer zugleich Arzt und Autor ist und dazu noch so gern in fernste Fernen verschwindet, der läßt sich naturgemäß kaum festlegen. Er ist nicht zu fassen. Man kann nur schwer sagen: So ist er, das ist er, hier ist er. Denn er ist immer auch ganz anders und schon wieder weit fort. Vielleicht hält es Ernst Augustin mit dem Leben so, wie es das Märchen vom Hase und vom Igel erzählt. Wann immer das hasenhafte Leben angehetzt kommt, kann er sagen: „Ich bin schon da!“ Im sicheren Gefühl, daß er genausogut auch woanders ist.</p>
<div id="attachment_1445" class="wp-caption alignleft" style="width: 284px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/10/41877628z.jpg"><img class="size-full wp-image-1445" title="41877628z" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2015/10/41877628z.jpg" alt="" width="274" height="420" /></a><p class="wp-caption-text">&quot;Ernst Augustin&quot; Edition Text und Kritik. Göttingen 2015. 24 Euro</p></div>
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		<title>Was Ärzte und Schriftsteller verbindet</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Apr 2012 18:57:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Feine Verwandtschaft Sie kennen sich aus mit dem Menschen: Die Mediziner und die Dichter, die Ärzte und die Erzähler. Kaum ein anderer Berufsgruppe ist unter den Fachleuten der Wortkunst so stark vertreten wie die Fachleute der Heilkunst. Warum ist das &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=253">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2><strong>Feine Verwandtschaft</strong></h2>
<h3><strong>Sie kennen sich aus mit dem Menschen: Die Mediziner und die Dichter, die Ärzte und die Erzähler. Kaum ein anderer Berufsgruppe ist unter den Fachleuten der Wortkunst so stark vertreten wie die Fachleute der Heilkunst. Warum ist das so? </strong></h3>
<div>
<p>“Ich kenne keine bessere Schulung für den Schriftsteller”, behauptete  Somerset Maugham, “als einige Jahre den Beruf eines Arztes auszuüben.”  Maugham wußte wovon er sprach, denn er war Arzt und Schriftsteller.  Medizin hatte er studiert, um den “Menschen ohne Maske” kennenzulernen &#8211;  und er wurde einer der meistgelesenen Autoren seiner Zeit.</p>
<p>Beide, so schrieb Marcel Reich-Ranicki einmal, Literaten und  Mediziner seien “Fachleute für menschliche Leiden”, und so sei es nur  naheliegend, daß es zwischen diesen Berufsgruppen erstaunlich viele  Berührungspunkte gebe, ja so etwas wie eine verborgene Verwandtschaft  existiere.</p>
<div id="attachment_258" class="wp-caption alignleft" style="width: 104px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/04/94px-Maugham.jpg"><img class="size-full wp-image-258" title="94px-Maugham" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/04/94px-Maugham.jpg" alt="" width="94" height="120" /></a><p class="wp-caption-text">William Somerset Maugham, 26. Mai 1934.  Portrait by Carl Van Vechten </p></div>
<p>Maugham reiht sich ein in eine erstaunliche Zahl von Autoren,  die eine medizinische Ausbildung hatten. So waren allein drei der  größten deutschsprachigen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts zugleich Ärzte:  Gottfried Benn, der als Lyriker von europäischem Rang gestand, ihm sei  seine “Existenz ohne diese Wendung zur Medizin und Biologie völlig  undenkbar”. Alfred Döblin, der Medizin studierte, “weil ich Wahrheit  wollte, die aber nicht durch Begriffe gelaufen und hierbei verdünnt und  zerfasert war”. Und schließlich Arthur Schnitzler, der all seine  Erzählungen und Stücke immer auch als Arzt schrieb, denn, so bekannte  er: “Wer je Mediziner war, kann nie aufhören, es zu sein. Denn Medizin  ist eine Weltanschauung.”</p>
<p>Tatsächlich ist die Ruhmestafel weltweit gefeierter Autoren, die  zugleich als Ärzte arbeiteten, überraschend lang. Angelus Silesius war studierter Philosoph, Theologe und Arzt, Friedrich Schiller ausgebildeter Regimentsmedikus, John Keats Wundarzt, Georg Büchner  promovierter Anatom. Heinrich Hoffmann, der Vater des <em>Struwwelpeter</em>,  leitete als Chefarzt die Frankfurter Irrenanstalt, Anton Tschechow  meinte, “die Medizin ist meine gesetzliche Ehefrau, die Literatur meine  Geliebte”. Und Louis-Ferdinand Céline studierte als Armenarzt in Pariser  Vorstädten den Argot, den er dann in seinen &#8211; zutiefst  antisemitischen &#8211; Romanen zu Literatur veredelte. Eugène Sue steht  ebenso auf dieser Liste wie Michail Bulgakow, Sir Arthur Conan Doyle,  Friedrich Wolf und William Carlos Williams.</p>
<div id="attachment_259" class="wp-caption alignright" style="width: 94px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/04/84px-Georg_Büchner.png"><img class="size-full wp-image-259" title="84px-Georg_Büchner" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/04/84px-Georg_Büchner.png" alt="" width="84" height="120" /></a><p class="wp-caption-text">Georg Büchner (1813 - 1837)</p></div>
<p>Noch beeindruckender wird die Aufzählung, wenn man bedenkt, welche  Schriftsteller zunächst Medizin studierten, sich aber noch vor dem  Examen ganz der Literatur verschrieben: nämlich unter anderem Louis  Aragon, Johannes R. Becher, Ludwig Börne, Bertolt Brecht, André Breton,  Johann Gottfried Herder, Henrik Ibsen, Stanislaw Lem, Hermann Löns und  August Strindberg. Auch unter den deutschen Autoren der Gegenwart sind  die medizinisch-poetischen Doppelbegabungen keine Seltenheit: Sowohl der  Dramatiker Heinar Kipphardt, wie der Romancier Ernst Augustin, der  Popliteratur-Avantgardist Rainald Goetz, der DDR-Epiker Uwe Tellkamp und die Erzählerin Melitta  Breznik genossen eine medizinische Ausbildung &#8211; fast alle in der Psychiatrie.</p>
<p>Sogar ein klinisches Zentrum für Dichterärzte in Deutschland hat sich  herauskristallisiert: In der Berliner Charité betrieb schon Döblin  wissenschaftliche Forschungen, dort arbeiteten Gottfried  Bermann-Fischer, der den S.Fischer Verlag durch die Nazi-Zeit brachte,  und Peter Bamm, der in den Nachkriegsjahren Bestseller schrieb, hier  standen Ernst Augustin und Kipphardt als Assistenzärzte am Krankenbett.  Heute arbeitet Jakob Hein in der Charité als Nachwuchsmediziner, der  zugleich schon mehr ist hoffnungsvoller Nachwuchsautor gilt.</p>
<p>Solche Häufungen sind kein Zufall. Unter den Schriftstellern der  deutschen Literaturgeschichte ließen sich allenfalls noch Geistliche, Lehrer oder Juristen in ähnlich großer Zahl nachweisen wie Ärzte. Diese Berufsstände neigen allerdings dazu, die Menschen unter dem Blickwinkel  zu betrachten, wie sie sein sollten. Mediziner dagegen betrachten sie  eher von dem Gesichtspunkt aus, wie sie sind. Mit anderen Worten:  Theologen. Pädagogen und Rechtsgelehrte entwerfen gern Rezepte, wie ein vorbildliches  Leben zu führen wäre. Ärzte dagegen halten sich als Naturwissenschaftler  lieber nicht an Utopien. Statt dessen benennen sie die traurigen  Tatsachen des Daseins.</p>
<div id="attachment_260" class="wp-caption alignright" style="width: 94px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/04/84px-Alfred_Doeblin_1930.jpg"><img class="size-full wp-image-260" title="84px-Alfred_Doeblin_1930" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/04/84px-Alfred_Doeblin_1930.jpg" alt="" width="84" height="119" /></a><p class="wp-caption-text">Alfred Döblin (1878 - 1957)</p></div>
<p>Es ist wohl der kühle, der beobachtende, der diagnostische Blick, der  manche Menschen zu Ärzten macht, und manche Ärzte dann &#8211; literarische  Neigungen und Fähigkeiten vorausgesetzt &#8211; zu Schriftstellern werden  läßt. Zudem noch liefert ihnen der ärztliche Beruf, wenn sie denn als  Autoren an der gesellschaftlichen Realität interessiert sind, manchen  brisanten und literarisch verwertbaren Stoff frei Haus. “Ich fand meine  Kranken”, schrieb Döblin im Rückblick auf sein Leben, “in ihren  ärmlichen Stuben liegen; sie brachten mir auch ihre Stuben in mein  Sprechzimmer mit. Ich sah ihre Verhältnisse, ihr Milieu; es ging alles  ins Soziale, Ethische und Politische über.” Ohne die  Patientenschicksale, denen Döblin in seiner Praxis begegnete, wäre <em>Berlin Alexanderplatz</em> mit Sicherheit ein anderes, vermutlich ein  schwächeres Buch geworden.</p>
<p>Doch das ärztliche Studium ist für einen Schriftsteller, zumal wenn  es sich um einen gefährdeten, seelisch nicht hundertprozentig stabilen  Menschen handelt, auch mit Risiken verbunden. “Es war eine Rieseneselei  von mir”, schreibt Arthur Schnitzler als junger Mann, “Mediziner zu  werden, und es ist leider eine Eselei, die nicht wieder gut zu machen  ist.”</p>
<p>Denn all die Krankheiten, die er während seines Studiums  kennenlernte, glaubte er bald schon an sich selbst diagnostizieren zu  können. Das Phänomen ist nicht unbekannt: Bei vielen Medizinstudenten  werden, sobald sie ihre klinische Ausbildung beginnen, ähnliche Symptome  beobachtet &#8211; die ihre Professoren dann gern ironisch als “Morbus  clinicus” bezeichnen.</p>
<p>Bei dem äußerst empfindsamen Schnitzler jedoch ging dieses Leiden  weit über das gewöhnliche Maß hinaus. Immer wieder klagte er in seinen  Tagebüchern über “meine Hypochondrie, die zuweilen wie ein schwerer  schmerzlicher Nebel über dem ganzen Grund meines Wesens liegt” und  verzeichnete handfeste “Todesangst-Anfälle”. Aber die Besessenheit, mit  der er noch die geringste Missempfindungen an sich registrierte, war eben  zugleich die Grundlage seines schriftstellerischen Talents, Menschen  noch bis in ihre verborgenen Regungen hinein beschreiben zu können. Ein  Talent, daß ihm neidvolle Anerkennung selbst von so berufener Seite wie  der Sigmund Freuds eintrug: Er habe, schrieb Freud 1922 an Schnitzler,  “den Eindruck gewonnen, daß Sie durch Intuition &#8211; eigentlich aber  infolge feiner Selbstwahrnehmung &#8211; alles das wissen, was ich in  mühseliger Arbeit an anderen Menschen aufgedeckt habe. Ja, ich glaube,  im Grunde ihres Wesens sind Sie ein psychologischer Tiefenforscher.”</p>
<div id="attachment_261" class="wp-caption alignleft" style="width: 90px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/04/80px-Hetsch01.jpg"><img class="size-full wp-image-261" title="80px-Hetsch01" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/04/80px-Hetsch01.jpg" alt="" width="80" height="120" /></a><p class="wp-caption-text">Schiller als Regimentarzt, 1781/1782. Gemälde von Philipp Friedrich Hetsch</p></div>
<p>Mitunter sind dichtende Ärzte allerdings für ihre Patienten nicht  ungefährlich. Als Schiller an seinem ersten Stück <em>Die Räuber</em> schrieb,  war er von seinen draufgängerischen Figuren so hingerissen, daß er als  Arzt zu ähnlich draufgängerischen Therapien neigte. Wie in der Literatur  wolle er, beklagte ein Vorgesetzter, offenbar auch in der Medizin  “Kraftstücke liefern, die aber weder gerieten, noch (von den Kranken)  zum besten rezensiert würden”. Schiller war Stolz auf seinen Ruf. Er  liebe als Arzt, schrieb er unter Pseudonym über sich selbst, “starke  Dosen” und man solle ihm lieber zehn Pferde zu Behandlung schicken als  die eigene Frau.</p>
</div>
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