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	<title>Die Büchersäufer. Ein Blog von Uwe Wittstock &#187; Emil Ludwig</title>
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	<description>Über Literatur und Literaten</description>
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		<title>Ernst Rowohlt wird 125 Jahre alt</title>
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		<pubDate>Thu, 21 Jun 2012 16:50:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Abenteuer namens Rowohlt Ein Verlag, drei Männer und drei Temperamente, wie es sie in Deutschland nur selten gibt: Ernst Rowohlt, der Gründervater und unbeirrte Immer-wieder-Gründer des Rowohlt Verlags, würde heute (am 23. Juni) 125 Jahre alt. Hier ein Porträt &#8230; <a href="http://blog.uwe-wittstock.de/?p=425">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div>
<h2><strong>Das Abenteuer namens Rowohlt</strong><strong></strong></h2>
<h3><strong> Ein Verlag, drei Männer und drei Temperamente, wie es sie in Deutschland nur selten gibt: Ernst Rowohlt, der Gründervater und unbeirrte Immer-wieder-Gründer des Rowohlt Verlags, würde heute (am 23. Juni) 125 Jahre alt. Hier ein Porträt von ihm und seinen ebenso unterhaltsamen wie höchst schätzenswerten beiden Söhnen Heinrich-Maria Ledig-Rowohlt und Harry Rowohlt<br />
</strong></h3>
<div id="attachment_430" class="wp-caption alignleft" style="width: 190px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/06/ErnstRowo1.jpg"><img class="size-medium wp-image-430" title="ErnstRowo" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/06/ErnstRowo1-180x300.jpg" alt="" width="180" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Die Ernst-Rowohlt-Monographie, erschienen im gleichnamigen Verlag</p></div>
<p>Die Rowohlts sind eine deutsche Dynastie, eine Büchermacherfamilie  von nicht eben landestypischem Temperament. Wo ein Rowohlt war oder ist,  da war oder ist etwas los. Über ein dreiviertel Jahrhundert gehören  sie nun schon zu den Kraftwerken des literarischen Lebens hierzulande, und der von  ihnen geschaffene und immer wieder neu geschaffene Verlag schnurrt bis  heute weiter. 1908 brachte Ernst Rowohlt im Alter von nur 21 Jahren sein  erstes Buch auf den Markt, den schmalen Lyrikband eines heute komplett  unbekannten Klassenkameraden. Im gleichen Jahr brachte die  Schauspielerin Maria Ledig den ersten Sohn Rowohlts zur Welt, Heinrich  Maria Ledig-Rowohlt. Das Abenteuer namens Rowohlt konnte beginnen.</p>
<p>Die Biographie Ernst Rowohlts mit ihren diversen Verzweigungen ist  ein gutes Beispiel dafür, wie viel Leidenschaft und Geld ein  Verlegerleben braucht und verbraucht. 1910, nachdem er schon ein paar  Bücher gemacht hatte, gründete Rowohlt in Leipzig zum ersten Mal seinen  Verlag – zusammen mit dem gleichaltrigen Kurt Wolff, der keine  Kenntnisse der Buchbranche, wohl aber eine Menge Geld mit einbrachte.</p>
<p>Die beiden Teilhaber verstanden sich erst glänzend und publizierten mehr  als 30 Titel jährlich. Doch schon 1912 kam es zum Bruch, nicht zuletzt  weil der feingeistige Wolff die Energieausbrüche und permanente  Partystimmung seines Partners nicht ertrug. Er zahlte Rowohlt aus,  machte den Verlag unter eigenem Namen zum bis heute legendären  Kristallisationspunkt des Expressionismus, errang höchste Anerkennung  und verlor zugleich sein gesamtes Vermögen. Nach 1920 konnte er keine  literarischen Werke mehr verlegen, 1930 musste es sein Haus endgültig  schließen.</p>
<p><strong>Ernst Rowohlt &#8211; ein Mann der roaring twenties</strong></p>
<p>Rowohlt machte nach der ersten nur kurzen Zeit der  Selbstständigkeit zunächst Zwischenstationen als Prokurist des  S.Fischer- und Geschäftsführer des Hyperion-Verlags. 1919 dann, mit  Beginn der Weimarer Republik, gründete er seinen Verlag zum zweiten Mal,  jetzt in Berlin. Die Stadt, der Mann und die Epoche – die roaring twenties – passten perfekt zueinander. Seine Neigung zu großen  Auftritten machte ihn schnell stadtbekannt und sein Einfallsreichtum in  Sachen PR bald zu einer zentralen Figur des Literaturbetriebs.</p>
<p>Mit  Autoren wie Robert Musil, Kurt Tucholsky, Hans Fallada, Alfred Polgar  und Walter Benjamin erwarb er beträchtliches Ansehen, mit Ernest  Hemingway, Sinclair Lewis und Thomas Wolfe entdeckte er die  amerikanische Literatur für die Deutschen, mit der von Willy Haas  geleiteten <em>Literarischen Welt</em> gab er zudem seit 1925 eine der  meinungsbildenden Zeitschriften der Buchbranche heraus.</p>
<div id="attachment_432" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/06/LedigRowo.jpg"><img class="size-thumbnail wp-image-432" title="LedigRowo" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/06/LedigRowo-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Die Heinrich-Maria-Ledig-Rowohlt-Monographie, erschienen im fast gleichnamigen Verlag</p></div>
<p>Doch selbst ein Bestseller-Autor wie Emil Ludwig konnte den Verlag  wirtschaftlich nicht langfristig stabilisieren. Spätestens nach der  Weltwirtschaftskrise 1929 spitzte sich die Lage zu. Als Heinrich Maria  Ledig-Rowohlt 1931 als Pressechef in den Verlag eintrat, stand der  bereits vor der Insolvenz. Gerettet wurde er schließlich durch die  Familie Ullstein, die einen Anteil von 60 Prozent erwarb und ihn so  mehrheitlich ihren Zeitungskonzern einverleibte. Doch kaum hatte Rowohlt  die ökonomischen Turbulenzen überstanden, geriet er durch die  Machtübernahme der Nazis in politische Schwierigkeiten.</p>
<p><strong>Diktatur, Krieg &#8211; und immer wieder Krisen</strong></p>
<p>Seine Sympathien galten in der Weimarer Republik eher der Linken, und  er war mit zahllosen jüdischen Schriftstellern befreundet, doch hatte  Rowohlt daneben auch so rechtslastige Autoren wie Arnolt Bronnen  verlegt. Daran knüpfte er nach 1933 zunächst an, brachte nun  Landserromane heraus, Sachbücher wie <em>Woher kommt das Hakenkreuz?</em> oder  den Bildband <em>Ein Volk steht auf. 53 Tage nationaler Revolution</em>. Doch  die Nazis ließen sich weder davon, noch von Rowohlts Eintritt in die  NSDAP 1937 täuschen, beschlagnahmten 140 Titel des Verlagsprogramms und  erteilten Rowohlt schließlich 1938 Berufsverbot, weil er hartnäckig an  seinen jüdischen Autoren und Mitarbeitern festhielt.</p>
<p>Nach dem Krieg, in dem Ledig-Rowohlt als Soldat schwer verwundet  worden war, gründeten Sohn und Vater – der 1945 mit der Schauspielerin  Maria Pierenkämper seinen zweiten Sohn Harry bekam – den Rowohlt Verlag  umgehend zum dritten Mal, nun in Hamburg und Stuttgart. Sie druckten  unter anderem zu Pfennigpreisen Bücher auf dem Papier und in dem Format  von Zeitungen, „Rowohlts Rotations Romane“ genannt, und erzielten damit  in kürzester Zeit Millionenverkäufe. Dennoch geriet der Verlag mit der  Währungsreform wieder in eine Finanzkrise – und musste diesmal durch  vier Hamburger Geschäftsleute gerettet werden.</p>
<p><strong>Diese amerikanische Erfindung: Taschenbuch</strong></p>
<p>Erst als Ledig-Rowohlt aus Amerika mit der Idee zurückkehrte, ein  umfangreiches Taschenbuchprogramm zu starten, stabilisierte sich die  Situation. Mit diesen billigen Ausgaben erzielte der Verlag schnell  sensationelle Auflagen und konnte mit Büchern von Hemingway und  Graham Greene, von Sartre, Camus, de Beauvoir und später Henry Miller,  die lange aus Deutschland ausgesperrte Literatur des westlichen Auslands  popularisieren. Mit dem Start von „Rowohlt Deutscher Enzyklopädie“ 1955  und der „Rowohlt Monographien“ 1958  verfolgte der Verlag im Taschenbuch-Programm zugleich einen  volkspädagogischen Bildungsanspruch, der sich zumindest in den ersten  Jahren als sehr einträglich erwies.</p>
<div id="attachment_433" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a href="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/06/HarryRowo.jpg"><img class="size-thumbnail wp-image-433" title="HarryRowo" src="http://blog.uwe-wittstock.de/wp-content/uploads/2012/06/HarryRowo-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Die nicht-weggeschmissenen Briefe Harry Rowohlts, nicht erschienen im gleichnamigen Verlag</p></div>
<p>Nach dem Tode Ernst Rowohlts 1960 leitete Ledig-Rowohlt den Verlag  weitgehend allein, auch wenn seinem erst fünfzehnjährigen Bruder Harry  nun 49 Prozent des Unternehmens gehörten. Beide hatten zwar nicht den  kraftstrotzenden Körper ihres Vaters, wohl aber manches von seinem  trink- und feierfreudigen Charakter geerbt. So versorgten auch sie den  Literaturbetrieb regelmäßig mit gern kolportierten Anekdoten oder  Bonmots. Den Familientraditionen auf der Spur absolvierte Harry Rowohlt  eine Verlagsausbildung bei Suhrkamp in Frankfurt und Grove Press in New  York. Doch die Führung der Rowohlt-Geschäfte wollte er nicht übernehmen,  sondern widmete sich lieber seinen ungewöhnlichen Talenten als  Übersetzer, Vortragskünstler, Autor und Schauspieler.</p>
<p>Also verkaufen die beiden Brüder 1982 – Ledig-Rowohlt war inzwischen  knapp 75 – ihren Verlag über Vermittlung des befreundeten Werner  Schoenicke an die Stuttgarter Holtzbrinck-Gruppe. Seither wird er von  wechselnden Verlagsleitern mit naturgemäß wechselnden Erfolgen geleitet,  unter anderem von Matthias Wegner, Michael Naumann (dem späteren  Kulturstaatsminister, Mitherausgeber der <em>Zeit</em>, Hamburger  SPD-Spitzenkandidaten und <em>Cicero</em>-Chefs), Nicolaus Hansen, Peter Wilfert bis hin zu  Alexander Fest heute. Ledig-Rowohlts Leben endete – fast möchte man  sagen: standesgemäß – 1992 auf einem Internationalen Verlegerkongress in  Neu-Dehli. Harry Rowohlt, 1996 zum &#8220;Ambassador of Irish Whiskey&#8221; ernannt,  sammelte für seine Übersetzungen und Bücher vom Jugendliteraturpreis  bis zum Brüder-Grimm-Preis, von der Goldenen Schallpatte für seine <em>Pu,  der Bär</em>-Lesung bis zum Göttinger Elch einige der schönsten  Auszeichnungen hierzulande. Das vergangene Jahrhundert der deutschen  Literatur, ohne die Rowohlts ist es schwer vorstellbar.</p>
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