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	<title>Kommentare zu: Nora Bossongs Gedicht &#8220;Leichtes Gefieder&#8221;</title>
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	<description>Über Literatur und Literaten</description>
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		<title>Von: Uwe Wittstock</title>
		<link>http://blog.uwe-wittstock.de/?p=760#comment-66</link>
		<dc:creator>Uwe Wittstock</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 May 2013 08:50:48 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Lieber Herr Professor Segebrecht,
vielen Dank für Ihre Reaktion auf meinen kleinen Kommentar zu dem Gedicht von Nora Bossong. Sie haben in zweierlei Hinsicht Recht: Unsere beiden Interpretationen des Gedichtes liegen gewiss nicht so weit auseinander, und es spricht sehr für &quot;Leichtes Gefieder&quot;, wenn zwei Leser - in diesem Falle also wir - über ein Gedicht und seine Deutung ins Gespräch kommen.
Vielleicht ist der Unterschied unserer Ansichten zu diesem Gedicht tatsächlich minimal. Für mich läuft er letztlich auf die Vorstellungen hinaus, die sich mit dem Wort &quot;früher&quot; verbinden. Denn Sie schreiben in Ihrer Interpretation, das Mädchen spreche ihrem Freund in dem Gedicht das Recht ab,  &quot;auf ihre früheren, ihm gar nicht bekannten Verhältnisse und Beziehungen&quot; anzuspielen. Ich kann mir nicht helfen, aber in meinen Ohren klingt dieses Wort &quot;frühere Verhältnisse&quot; so, als lägen diese Verhältnisse schon länger zurück. Nimmt man den mythologischen Parallelfall Koronis aber ernst, dann geht es doch darum, dass Apoll sie wegen eines höchst aktuellen Falls von Untreue von seiner Schwester Artemis töten lässt. Hier geht es nicht um &quot;frühere Verhältnisse&quot;, sondern darum, dass ein Mädchen erst sehr kürzlich mit einem anderen Mann geschlafen hat. Und Nora Bossongs Mädchen kommentiert das ihrem Freund gegenüber mit der lapidaren Bemerkung: “Was gehen dich die Stunden an, die du nicht kennst?” Sie weist also, in meine Sicht der Dinge, keineswegs  &quot;die unverschämte Identifikation mit der untreuen Koronis zurück&quot;, wie Sie in Ihrer &quot;Frankfurter Anthologie&quot; zu dem Gedicht schreiben, sondern sie lässt ihren Freund schlicht wissen, dass es ihn nichts angeht, wenn sie mal mit einem anderen schläft, und dass er sich nicht so haben soll. Denn er ist eben kein Gott Apoll, mit dem er sich selbst implizit gleichsetzt.
Ich hoffe, das macht meine Position noch ein wenig deutlicher. Um tiefgreifende Meinungsunterschiede geht es dabei sicher nicht. Ich grüße Sie sehr herzlich   Uwe Wittstock]]></description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Lieber Herr Professor Segebrecht,<br />
vielen Dank für Ihre Reaktion auf meinen kleinen Kommentar zu dem Gedicht von Nora Bossong. Sie haben in zweierlei Hinsicht Recht: Unsere beiden Interpretationen des Gedichtes liegen gewiss nicht so weit auseinander, und es spricht sehr für &#8220;Leichtes Gefieder&#8221;, wenn zwei Leser &#8211; in diesem Falle also wir &#8211; über ein Gedicht und seine Deutung ins Gespräch kommen.<br />
Vielleicht ist der Unterschied unserer Ansichten zu diesem Gedicht tatsächlich minimal. Für mich läuft er letztlich auf die Vorstellungen hinaus, die sich mit dem Wort &#8220;früher&#8221; verbinden. Denn Sie schreiben in Ihrer Interpretation, das Mädchen spreche ihrem Freund in dem Gedicht das Recht ab,  &#8220;auf ihre früheren, ihm gar nicht bekannten Verhältnisse und Beziehungen&#8221; anzuspielen. Ich kann mir nicht helfen, aber in meinen Ohren klingt dieses Wort &#8220;frühere Verhältnisse&#8221; so, als lägen diese Verhältnisse schon länger zurück. Nimmt man den mythologischen Parallelfall Koronis aber ernst, dann geht es doch darum, dass Apoll sie wegen eines höchst aktuellen Falls von Untreue von seiner Schwester Artemis töten lässt. Hier geht es nicht um &#8220;frühere Verhältnisse&#8221;, sondern darum, dass ein Mädchen erst sehr kürzlich mit einem anderen Mann geschlafen hat. Und Nora Bossongs Mädchen kommentiert das ihrem Freund gegenüber mit der lapidaren Bemerkung: “Was gehen dich die Stunden an, die du nicht kennst?” Sie weist also, in meine Sicht der Dinge, keineswegs  &#8220;die unverschämte Identifikation mit der untreuen Koronis zurück&#8221;, wie Sie in Ihrer &#8220;Frankfurter Anthologie&#8221; zu dem Gedicht schreiben, sondern sie lässt ihren Freund schlicht wissen, dass es ihn nichts angeht, wenn sie mal mit einem anderen schläft, und dass er sich nicht so haben soll. Denn er ist eben kein Gott Apoll, mit dem er sich selbst implizit gleichsetzt.<br />
Ich hoffe, das macht meine Position noch ein wenig deutlicher. Um tiefgreifende Meinungsunterschiede geht es dabei sicher nicht. Ich grüße Sie sehr herzlich   Uwe Wittstock</p>
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	<item>
		<title>Von: Wulf Segebrecht</title>
		<link>http://blog.uwe-wittstock.de/?p=760#comment-65</link>
		<dc:creator>Wulf Segebrecht</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 May 2013 07:40:33 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Lieber Herr Wittstock, mit Vergnügen habe ich Ihre Interpretation zu Nora Bossongs Gedicht „Leichtes Gefieder“ gelesen; auch mit einer gewissen Genugtuung; denn es freut mich, dass auch und gerade Sie dieses Gedicht offenbar für besonders gelungen halten. Und es spricht abermals für dieses Gedicht, wenn es die eine und die andere Lesart erlaubt. Allerdings kann ich die von Ihnen sehr betonte Differenz zwischen Ihrer und meiner Interpretation nicht erkennen. Sage ich wirklich, der Streit zwischen den beiden sei grund- und anlasslos? Verschweige ich etwa das Bekenntnis des leichten Mädchens zur Untreue, wenn ich doch von ihren früheren Verhältnissen und Beziehungen spreche? Wo liegt dann noch die Verharmlosung und Zündstoff-Umgehung meiner Interpretation? Kurz: Ihre neue und meine alte Interpretation (in der F.A.Z. vom 8.10.2011) liegen sehr viel näher beieinander, als Sie es wahrhaben wollen. Aber selbst wenn es anders wäre: Der Umstand, dass wir – einverstanden oder nicht – öffentlich darüber reden, wie ein nicht ganz leicht zu entzifferndes Gedicht eigentlich genau zu verstehen ist, dient zuletzt der Sache, um die es uns beiden geht: der Aufforderung: Leute, lest Gedichte!
Ihr Wulf Segebrecht.]]></description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Lieber Herr Wittstock, mit Vergnügen habe ich Ihre Interpretation zu Nora Bossongs Gedicht „Leichtes Gefieder“ gelesen; auch mit einer gewissen Genugtuung; denn es freut mich, dass auch und gerade Sie dieses Gedicht offenbar für besonders gelungen halten. Und es spricht abermals für dieses Gedicht, wenn es die eine und die andere Lesart erlaubt. Allerdings kann ich die von Ihnen sehr betonte Differenz zwischen Ihrer und meiner Interpretation nicht erkennen. Sage ich wirklich, der Streit zwischen den beiden sei grund- und anlasslos? Verschweige ich etwa das Bekenntnis des leichten Mädchens zur Untreue, wenn ich doch von ihren früheren Verhältnissen und Beziehungen spreche? Wo liegt dann noch die Verharmlosung und Zündstoff-Umgehung meiner Interpretation? Kurz: Ihre neue und meine alte Interpretation (in der F.A.Z. vom 8.10.2011) liegen sehr viel näher beieinander, als Sie es wahrhaben wollen. Aber selbst wenn es anders wäre: Der Umstand, dass wir – einverstanden oder nicht – öffentlich darüber reden, wie ein nicht ganz leicht zu entzifferndes Gedicht eigentlich genau zu verstehen ist, dient zuletzt der Sache, um die es uns beiden geht: der Aufforderung: Leute, lest Gedichte!<br />
Ihr Wulf Segebrecht.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Von: Annegret</title>
		<link>http://blog.uwe-wittstock.de/?p=760#comment-60</link>
		<dc:creator>Annegret</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Apr 2013 07:49:04 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Eine wunderbare Interpretation des Gedichts! Ja, manchmal ist es schwierig, Gedichte oder andere Texte zu verstehen. Im Zeitalter des Internets kann man aber schnell seinen Wissensdurst stillen. Gedichten oder anderen Texten zusätzliche Kommentare beizufügen, betrachte ich nicht als empfehlenswert. Denn dem Leser muß Kopfarbeit abverlangt werden, sonst wird er denkfaul. Wollen wir wirklich alles vorgekaut bekommen?

Viele Grüße
Annegret]]></description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Eine wunderbare Interpretation des Gedichts! Ja, manchmal ist es schwierig, Gedichte oder andere Texte zu verstehen. Im Zeitalter des Internets kann man aber schnell seinen Wissensdurst stillen. Gedichten oder anderen Texten zusätzliche Kommentare beizufügen, betrachte ich nicht als empfehlenswert. Denn dem Leser muß Kopfarbeit abverlangt werden, sonst wird er denkfaul. Wollen wir wirklich alles vorgekaut bekommen?</p>
<p>Viele Grüße<br />
Annegret</p>
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